Freitag, 13. Januar 2012

Ich bin dann mal lesen ...


Manchmal überkommt mich montags zwischen Schulbus und Vorarbeitskaffee eine Stöberlaune, die mich zum Schmökern bei Vorablesen veranlasst. So lese ich auch einmal Leseproben aus Genres, die mich sonst weniger bis gar nicht reizen. Ein Kaffeezeitvertreib sind sie allemal und helfen mir oft durch mein montägliches Wochenstarttief.
Vor Kurzem scrollte ich mich somit durch die Leseprobe von William Horwoods Hyddenworld: Der Frühling
Normalerweise hätte ich einen Bogen um dieses Werk gemacht, denn in der Fantasy fühle ich mich in den weniger klassischen Subgenres wohler. Nun habe mich mir aber selber einen Tritt versetzt und mir sozusagen als Lesevorsatz auf den Weg gegeben, nicht mehr so engstirnig wie in den letzten drei Jahren in den Gefilden der Paranormals zu schwelgen, sondern probierfreudiger zu werden. Außerdem bin ich vermehrt auf der Suche nach nachhaltigen Bücherschrankkandidaten für Sohnemann. Wenn er denn mal irgendwann flüssig lesen kann (woran ich angesichts des lahmen Schulfortschritts zwar manches Mal zweifele, mich aber wohl in mehr Geduld üben sollte), wird er wohl kaum nach Mutters einseitigem Lesestoff greifen wollen.  
Hyddenworld ist so ein Kandidat, auch wenn der Roman, der den Beginn einer Tetralogie markiert, bestimmt noch zehn Jahre im Regal stehen dürfte. 
Nachdem ich das Glück hatte, das Buch als Leseexemplar zu erhalten, das Ende letzter Woche eingetrudelt ist, bin ich nun brav am Lesen. 
Während sich auf Vorablesen nach und nach die Rezensionen ansammeln, habe ich das Gefühl, dass mich William Horwoods 527 ansehnlich in einen Festeinband eingeschlossene Seiten über den verlorenen Frühling noch bis Ende des Monats festhalten werden. Denn bis heute habe ich gerade einmal knapp 100 Seiten geschafft. 
Der Autor erzählt auf sehr liebevolle Weise und detailliert von der Welt der kleinen Hydden, die neben der Welt der Menschen existiert, ohne für sie sichtbar zu sein. Wie in einem Märchen beginnt er mit dem, was einmal war, schildert, wie die Brosche, die  Meisterschmied Beornamund aus Trauer um den Tod seiner geliebten Imbolc schuf und den Göttern entgegenschleuderte, in vier Edelsteinfragmente - Frühling, Sommer, Herbst und Winter - zerbrach, die, mit Ausnahme des Frühlings, wiedergefunden werden konnten. 
Dies nimmt William Horwood als Ausgangspunkt, um beide Welten Stück für Stück zu vermischen, indem er seinen Protagonisten, den Hydden Yakob (Jack), man höre und staune, aus dem Harz nach England schickt. 
Auch wenn ich meine, dass Hyddenworld neben bekannten fantastischen Elementen wenig Neues bietet, bin ich wider Erwarten fasziniert. Denn die Übersetzung reflektiert eine Sprache, die der eines Märchenerzählers würdig ist, sich aber stellenweise komplex und gehoben gibt, sodass man jeden Satz langsam und genüsslich aufsaugen möchte, um nur nichts zu verpassen. 
Und weil ich nichts verpassen möchte, lese ich langsam, viel langsamer als gewöhnlich. 
Nicht nur, weil ich momentan die Lesezeit wirklich abknapsen muss, sondern vielleicht auch, weil ich mich nicht von diesem schönen Buch trennen kann.


In diesem Sinne gehe ich jetzt mal wieder lesen ...

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