Freitag, 30. Dezember 2011

Jahresgedanken-ABC Teil 13 - Z

Zahlen
... sind meisten nicht besonders wichtig.
Wieder ein Jährchen näher an der nächsten Dekade. 
Na und? 

Zaubern
... wäre manchmal eine hilfreiche Fähigkeit.

Zeit
... scheint eine Frage des richtigen Managements, aber offenbar hat keiner mehr welche.

Zeitschriften
... sind heute größtenteils Abonnementkündigungsschreiben zum Opfer gefallen.

Zeitung
... lese ich nur noch online, weil uns ja seit Adressänderung sowieso niemand mehr findet. 
Zudem bereiten mir Zeitungen dieses Jahr echt Kopfschmerzen, weil niemand über meinen Laubkönig berichten möchte, solange er nicht fix und fertig hübsch papierig duftend vorliegt.

Ziele
... sind wichtig, können aber auch mal verrutschen.

Zimperlich
... bin ich manchmal, 2011 war ich es aber eher selten.

Zuneigung
... tut gut.

Zwangspause
... habe ich mir für den Januar auferlegt. 
Ablenker runter auf ein Minimum (Vorbloggen ist erlaubt). 
Dafür neue Tagesorganisation und Rundumschlag bei den unnötigen Dingen.

Zweifel
... schleichen sich naturgemäß hin und wieder ein.

Zwiebeln
... wie Opa schon sagte: Ä Zwibbelchen schad nüscht, und wenn man's in Kakaue dut.  

Zuende geht nun ein zwiespältiges Zweitausendelf, also zeig dich zauberhaft zielstrebig, Zweitausendzwölf! 
Zonst gibz Zunder!

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Jahresgedanken-ABC Teil 12 - W

Wandern
Ich wandere nicht, aber ich spaziere und unternehme Wochenendausflüge. 
Daher hoffe ich sehr, dass es nächstes Jahr wieder Regionales zu berichten geben wird und ich auch wieder ein paar Fotos zeigen kann.

Wann
... hörste endlich mit dem ABC-Quatsch auf? 
Bald geschafft. Bald geschafft! 
... kommt denn nun "Mittendrin: Der Laubkönig erzählt"?
Die Anthologie ist überall im Onlinehandel und beim Verlag vorbestellbar. 
Da sie aber natürlich nicht das einzige Buch ist, das bei Papierfresserchens korrigiert und gesetzt werden muss, dauert alles seine Zeit, und den Verlagsmitarbeitern sei die Weihnachtspause von Herzen gegönnt. 
... kommt denn nun die Fortsetzung von Annes Reise? 
Ich möchte mich nicht auf einen Zeitpunkt festlegen, denn 2011 haben mich private Veränderungen, meine holprige Arbeitslage und noch so einige Ausreden in der Arbeit am Buch gebremst. Auch hat für mich der Laubkönig erst einmal Vorrang, denn ich möchte, dass die Autoren bald ihr Buch in den Händen halten können. 
... machst du ein E-Book? 
Keine Ahnung.

Wecker
Der natürliche Feind der Schulbusmutter. 
Gähn ...

Weihnachtsanthologien
Ja, ich weiß, ich wollte Weihnachten hier aussparen, aber ich bin mit Weihnachtsanthologien auf den Geschmack gekommen und werde mir auch nächstes Jahr wenigstens eine besorgen. 

Weltenbummler
... wäre ich manchmal gerne.

Weinen
... darf man.
 
Werte
Gibt's so etwas noch?

Wetter
... können wir nicht ändern, versauen es uns aber selber.

Wichtig
... ist nur, dass man gesund ist.  
Klischee? 
Nein.

Wills, David
Vielen Dank für den meiner Meinung nach bislang schönsten Bildband über Marilyn Monroe.

Winter
... war schon Anfang 2011, aber noch sind nicht alle Messen gesungen.  

Wood, Maryrose
... hat meines Erachtens mit "Poison Diaries" ein wunderbar poetisches Buch geschaffen. 

Wünsche
(weil ich unter V die Vorsätze vergessen habe) 
... habe nur den einen: mehr Kraft, um mich wieder besser zu organisieren und nicht dauernd unter die Tretmühle zu geraten.

Wunder
Was?

Wurst
Thüringer, was sonst?
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X
Äh, das wird nix, denn musikalisch untalentiert, wie ich bin, kann ich auch 2011 kein Xylophon spielen :-)
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Yakari
Un grand merci à Job et Derib pour avoir créé l'Amérindien préféré de mon fils :-)

Dienstag, 27. Dezember 2011

3 in 1 mit Betty Neels bei Julia Bestseller

(c) Cora-Verlag
Nachdem mich Jill Shalvis mit Band 0116 bei Julia Bestseller mächtig aufgehalten hat und ich nun einige Bände nachholen müsste, habe ich mich in Weihnachtslaune entschlossen, nicht der Reihenfolge nach zu lesen, sondern Band 0120 vorzuziehen. 
Natürlich sind diese Hefte nicht für die Ewigkeit bestimmt, aber Unterhaltung für zwischendurch bieten sie allemal. Ich will mir daher auch keine Mühe mit etwas machen, was Anspruch auf eine Rezension erheben könnte. Ab und an will ich meine Lektüre auch "einfach nur so" vorstellen. Das tue ich nämlich sehr gerne und betrachte das keinesfalls als Zeitverschwendung.
Was mir bei den Julia Bestsellern gut gefällt, habe ich bereits mehrfach erwähnt: Man bekommt Gelegenheit, Autorinnen kennenzulernen, die man sonst nicht wahrnehmen oder lesen würde, und zudem ist auch für jede Liebesroman-Präferenz etwas dabei. Habe ich mich das letzte Mal noch über Jill Shalvis hormonlastige, lustorientierte Geschichten belustigt, weil mir darin die Romantik zu kurz kam, stelle ich fest, dass ich für Betty Neels wohl zu jung bin, denn ihre Geschichten sind mir nun wieder zu züchtig. Ja, ja, ich brauche eben immer was zum Meckern, aber eigentlich ist es gar nicht so schlimm, einmal in Großmutters Wertewelt zu verschwinden. Seien wir also weihnachtlich tolerant.
Die Autorin, die 2001 91-jährig verstarb, darf man sicher als eine der Grandes Dames des Liebesromans einstufen, denn immerhin beglückte sie bis ins hohe Alter den Liebesromanfan mit über 130 Titeln. Darin hat sie sich, wie der winzige Ausschnitt, den Cora uns hier präsentiert, augenscheinlich der klassischen Themenwelt Arzt, armer Adel, arme Mädchen verschrieben. Warum auch nicht? Schließlich war Betty Neels selbst einmal Krankenschwester, sodass sie das Krankenhausmilieu wohl nicht von ungefähr auch in ihrer zweiten Karriere als Autorin im Rentenalter einfließen ließ.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die männlichen Protagonisten der drei Romane dieser Bestseller-Sammlung allesamt Ärzte sind.  


In "Ein viel zu langer Kuss" lässt Betty Neels nämlich die unscheinbare Lilian Foster auf Professor Joost van de Loo los. "Unscheinbar" scheint tatsächlich ein beliebtes Attribut der Autorin zu sein, denn auch in den beiden anderen Romanen sind die weiblichen Hauptcharaktere erst auf den zweiten Blick attraktiv. Zumeist entsprechen sie eben nicht dem durchtrainierten Schlankheitstraum in High Heels, sondern wirken leicht ländlich und sind weiblich gerundet. Lilian ist außerdem auch noch ziemlich fehl am Platz, denn eigentlich hat sie einen anderen Lebenstraum, als ihr Dasein als Aushilfstelefonistin in einem altmodischen Krankenhaus zu fristen. Sie träumt von einem kleinen Laden, in dem sie ihre Handarbeiten an den Kunden bringen kann, aber die schlechte finanzielle Lage der Familie zwingt sie zu Jobs aller Art. Sie lebt noch bei ihren Eltern, und der Vater ist zunächst als Lehrer stellenlos. Für Männerbekanntschaften ist da natürlich kein Raum, weshalb der holländische Professor, der in besagtem englischem Krankenhaus Dienst tut, Lilian zunächst einfach nur arrogant erscheint. Auch er ist von ihr wenig angetan, ändert aber bald seine Meinung, als Lilian an einem hektischen Katastrophentag stundenlang am Telefon die Nerven behält. Unverhohlen zollt er ihr seine Wertschätzung, sodass sich nach und nach eine Freundschaft entspinnt, die dem Leser schon recht seltsam vorkommen mag, wenn man man nicht daran glaubt, dass Männer und Frauen ohne Hintergedanken "miteinander können". So spinnt der Professor im Hintergrund Fäden, damit Lilians Vater eine neue Stellung nebst neuem Heim findet, damit es auch Lilian letztendlich besser hat. Dann aber geht Einiges schief: Lilian wird nicht nur in ihrem alten Heim, das sie bis zum endgültigen Umzug hüten muss, überfallen, sondern das neue Heim ist außerdem noch nicht bezugsfertig, sodass Lilians Eltern buchstäblich aus dem Möbelwagen leben und für Lilian kein Platz ist. Aber der Professor springt helfend ein und nimmt gleich mal die ganze Familie Foster über die Feiertage mit zu seinem Familienanwesen nach Holland. So ganz langsam keimt schließlich in Lilian aus der unendlichen Dankbarkeit ein Fünkchen Verliebtheit. Da passt es allerdings ganz und gar nicht, dass der Professor bereits mit einer hohlen Schönheit verlobt ist. 

Es ist mir so manches Mal schleierhaft, wie deutsche Titel zustande kommen, denn was im Original The Mistletoe Kiss heißt, dürfte analog auch im Deutschen funktionieren, denn es passiert nichts anderes als ein Kuss unter dem berühmten Mistelzweig, und zu lang ist er schon mal gar nicht. 
Eine besondere Auffälligkeit in allen drei hier vorliegenden Romanen ist der offensichtliche Synonymmangel, wenn es um die Bezeichnung des potenziellen Angebeteten geht. So wird der gute Joost fast immer als "der Professor" betitelt, was ihm verbal mehr graue Haare verleiht, als er haben dürfte. Deshalb hat man häufig das Gefühl, dass die junge Lilian, die noch keine Dreißig ist, einen Sechzigjährigen datet. Ich befürchte allerdings, dass eine leserfreundliche Änderung durch Übersetzung (was schon arg eigenmächtig und ungehörig gewesen wäre) und Lektorat am Ende die Brühe teurer gemacht hätte als das Fleisch. 
Trotz gewisser Altmodischkeit und damit auch problematischer zeitlicher Einordnung der Geschichte muss ich zugeben, dass Betty Neels hier doch etwas Romantisches mit britischem Charme geschaffen hat, das gerade zu Weihnachten sehr anheimelnd wirkt. Lilian und Joost, den man gerne ohrfeigen möchte, weil er doch längst in Lilian verliebt ist, aber trotzdem an seiner dämlichen Schickse festhält, habe ich das Happy End von Herzen gegönnt.
Mit den beiden weiteren Romanen, die ebenfalls Ende der 1990 im Original erschienen, ist ihr das aber nicht gelungen, weshalb deren Vorstellung etwas knapper ausfällt. 


In "Auf diesem Schloss soll die Liebe wohnen" greift Betty Neels in die Kiste, in der der verarmte Adel verramscht wurde. Leonora, auch erst auf den zweiten Blick wirklich hübsch und ansehnlich mit guter Figur und vollem dunklem Haar, lebt mit ihren Eltern auf einem Schloss, dem langsam aber sicher der Verfall droht. Selbstverständlich war der Bankenkrach daran schuld, dass das kleine geerbte Vermögen den Bach runterging, und selbstverständlich ist auch der alte Herr nicht bereit, sich von Prestigeobjekten, wie seinem alten Daimler, zu trennen. Nur gut, dass Leonora Tony gefunden hat, den aufstrebenden Geschäftsmann, der weiß, wie man Geld verdient. Ihn soll sie bald heiraten, und sie hofft, dass sie damit ihr Elternhaus retten kann. Sie fragt sich zwar noch flüchtig, ob es ihm vielleicht nicht doch auf ihren Namen ankommt, auch wenn der Adelstitel nicht erblich ist, aber doch immer noch für "Ehrenhaftigkeit und Tradition" steht. Letztendlich aber freundet sie sich mit dem Gedanken an, den mutmaßlichen Retter in der Not zu ehelichen. Wie es kommen muss, wird der alte Herr krank und der neue Doktor muss her. Nett, wie der charmante und schmucke Dr. Galbraith nun mal ist, stellt er Leonora auch glatt als Sprechstundenhilfe ein, entlässt sie aber bald wieder, weil er sich in sie verliebt. Inzwischen schwant es Leonora auch, dass Tony gar nicht helfen, sondern das alte Gutshaus nebst Land verkaufen und ihre Eltern somit aus dem trauten Heim vertreiben will. 

Wer hätte gedacht, dass ca. 150 Seiten so langatmig sein und das winterliche Flair derart verpuffen lassen können. Für Frau gehört es sich offenbar nicht, sich zu verlieben, das darf sie nämlich erst, wenn Mann es zuerst sagt. So wundert sich Leonora immerzu über die galante Behandlung durch den "Doktor", der auch hier eigentlich keinen Namen braucht, weil ihn sowieso keiner mit Namen nennt, redet sich aber ein, dass Tony ihr Mann ist, ganz gleich, wie klein er sie hält. Logisch konsequent bricht sie aber höchst brüsk mit letzterem, als sie nach einigen Dinnerpartys und mehreren unverbindlichen Essen mit dem Doktor von Tonys Betrugsabsicht erfährt. Und dann sinkt sie quasi umgehend dem Doktor in die Arme, der ihr nun endlich gesteht, dass und wie sehr er sie liebt. Selbstverständlich darf er sich dann auch sofort um die Hochzeit und alles kümmern, damit Leonora wieder hübsch ins Frauchen-Image zurücksinken kann. Ob das nun romantisch ist? Na, ich weiß nicht.


"Das Paradies auf Erden" ist gar nicht so paradiesisch. Claudia lebt mit ihrer Mutter (Mrs. Ramsay) und diversem Personal bei ihrem Großonkel, Colonel William Ramsay, und umsorgt dessen Haus und Anwesen. Onkel William ist jedoch ziemlich krank, weshalb er gleich zu Beginn der Geschichte zu einer Bypassoperation überredet werden soll. Weil er sich aber weigert, verstirbt er alsbald und hinterlässt Personal und dem hilfreichen Familienpart der Ramsays quasi nichts, denn zum einen ist der Vermögenstopf wieder einmal fremdverschuldet leer und zum anderen erbt der gefürchtete, kalt dreinblickende Cousin Mr. Ramsay das Anwesen (warum auch immer) und setzt alle flugs auf die Straße. Leider hatte der gute Onkel William nämlich nicht mehr genug Zeit, um sein Testament zugunsten derer zu ändern, die ihm am Ende seines Lebens wirklich nahestanden. Während Mrs. Ramsay flott den Hausarzt Dr. Willis ehelicht, nimmt Claudia eine Stellung in einem Altenheim an, die ihr zunehmend an die Substanz geht. Als ihr Onkel Williams zweiter Arzt, Dr. Thomas Tait-Bullen, der zur Konsultation hinzugezogen worden war, aus heiterem Himmel einen Heiratsantrag macht, weil er eine Frau und sie ein sicheres Heim braucht, willigt sie mangels anderer Gelegenheit ein. Bald aber muss sie feststellen, dass sie im hübschen Anwesen des Doktors/Professors sehr allein ist, auch wenn Thomas sich redlich Mühe gibt, ihr das Leben zu erleichtern. Außerdem weiß sie logischerweise nichts von diesem Mann und seinem Vorleben, beweist aber erstaunliche Größe, als eine seiner Verflossenen auftaucht und ein Hauch von eifersüchtigem Ärger in der Luft steht ...
Es ist mir ein Rätsel, weshalb der Part um Onkel William und den ungeliebten Cousin so aufgebauscht wurde. Ich hatte mir versprochen, dass an diesem Konflikt mehr angeknüpft würde als die Vernunftsehe zwischen Claudia und Thomas. Aber dann hatte es sich damit erledigt, und selbst wenn Claudia ihr Versprechen, einen Teil des Mobiliars, das besagter Cousin verscherbelt hat, zurückzukaufen, wahr gemacht hat, dann habe ich es überlesen, weil nichts wirklich Interessantes passierte. Damit Frau nicht so einsam ist, bekommt sie einen Hund, freilich einen, den sie selber aufliest. Man richtet gemeinsam ohne jegliche Gefühlsregung den gemeinsamen Zweitwohnsitz, Christmas Cottage, ein, aber es passiert - jawoll - nüscht. Man gibt sich edel, vornehm distanziert, sodass man sich schon fast wundert, dass in der Übersetzung nicht auf antiquiertes Gesieze zurückgegriffen wurde. Natürlich musste erst eine Gefahrensituation her, um die sich aneinander vorbei liebenden Protagonisten final zusammenzuführen, aber ich habe mir echt die Hand vor die Stirn geschlagen, als er auf ihre Frage "Du liebst mich doch wirklich?" mit "Ich könnte nicht länger ohne dich leben, mein Herz" antwortet. Himmelherr, kann der Professor nicht einfach nur mal JA sagen? Aber da war die Romantik ja ohnehin längst verschenkt. 

Trotz meiner weihnachtlich positiven Stimmung und Vorliebe für galante, etwas altmodische Protagonisten werde ich wohl künftig Abstand von Betty Neels nehmen. Ich habe nichts gegen gute Manieren, und der Angebetete darf die Dame auch gerne einmal materiell auf Händen tragen, aber der Butlerbedarf und die unentschlossenen Weibchen, die sich selbst ihre Liebe nicht eingestehen wollen, sind mir zu viel und zu unromantisch. Vermutlich bin ich auch die falsche Lesergeneration für diese Art Romance, die hier mit einem schlichten, aber doch halbwegs modernen Cover verkauft wird. 
Cora präsentiert in diesem Sammelband im Grunde Aschenputtelgeschichten, die durchaus einen gewissen Reiz haben, aber tiefe, seufzerproduzierende Gefühle vermissen lassen. Dafür sind die Beziehungen zu steril und zu zweckbestimmt. Wenn die Liebe endlich eingestanden wird, hat man als Leser bereits eine Distanz eingenommen, die emotional kaum noch zu überbrücken ist. 
Und gerade das ist bei Stories mit weihnachtlichem oder winterlichem Ambiente doch ziemlich schade. 

Gesamteindruck, den die erste Geschichte stark herausreißt
3 von 5 Weißdornzweigen 
   

Jahresgedanken-ABC Teil 11 - V

Vampire
... macht mir keiner madig. 
Ich finde sie schon so lange faszinierend, dass ich sie aus meiner Fantasie nicht mehr wegdenken kann. In Buch und Film kommt es mir dabei kaum auf die Mythologie an. Das Besondere ist, dass jeder die Herkunft des Blutsaugers anders interpretiert bzw. zuordnet, deshalb bin ich jedes Mal wieder gespannt, wie der Vampir in der Geschichte umgesetzt wird. Seien es Außerirdische, Liliths Kinder oder sonstwas, über mangelnde Innovation bei der Interpretation beklage ich mich seltener als über sprachliche Umsetzung. Als langweilig empfinde ich Vampire nicht, und von mir aus können Autoren auch noch viele Jahre über sie schreiben (so lange es keine 20-bändigen Reihen werden), ganz gleich, ob als Paranormals oder echte Vampirromane.
Allerdings muss ich einräumen, dass ich mittlerweile wieder wesentlich breiter lese und schreibe als noch vor fünf Jahren. Vor allem, weil ich mich grundsätzlich nicht auf den Vampir festlegen will.

Vasen
... habe ich dieses Jahr drei zerdeppert, worüber ich mich am liebsten in den Allerwertesten beißen möchte, weil es Erbstücke waren.

Verlage
... gibt es wie Sand am Meer, aber trotzdem scheine ich mit meiner Lektüre immer bei denselben festzukleben. Aber das ist ja nicht schlimm, schließlich hat jeder seine Vorlieben.

Vernachlässigt
... habe ich in diesem Jahr die Vorstellung von Autobiografien, obwohl ich das geplant und auch mehrfach versprochen hatte. 
Das hole ich aber nach.

Vernunft
... ist kein Makel.

Verplempert
... habe ich dieses Jahr einige Zeit, indem ich mich über Dinge aufgeregt habe, die ich offenbar sowieso nicht ändern kann, weil ich sie nicht bestimmen kann.

Verrückt
... könnte ich werden, wenn ich ewig nicht aus dem Knick komme, um eine Geschichte fertigzustellen.

Verschreiber
... machen mich kirre, sind aber menschlich.

Verständnis
... für die Liebe zum Schreiben aufzubringen, dürfte doch nicht so schwer sein. 
Möchte man meinen ...  

Versucht
... habe ich mich dieses Jahr wieder einmal an der Lektüre von YA-Literatur. 
Mal sehen, wie oft ich 2012 in Versuchung geführt werde.

VHS
Ich bin ja ein Fan der Einrichtung "Volkshochschule". 
Wenn ich mehr Zeit und Gelegenheit hätte, würde ich glatt selbst mal wieder einen Kurs besuchen. Anstatt dessen bin ich unter die Lehrer gegangen und beglücke nun meine Schüler schon im vierten Semester mit Französisch für die Reise.

Viehl, Lynn
... ging mit ihren Darkyn in diesem Jahr hierzulande schon in die vierte Runde.
Mir gefällt diese Vampirreihe größtenteils gut, und ich freue mich auf Darkyn 5: Für die Ewigkeit im Februar 2012.

Virtuell
... macht die große Welt plötzlich ganz klein. Da quaddert man kurz vor dem Aufstehen noch flott mit dem Kumpel in New York, der grad ins Bett huschen will, findet ein frisches "Gefällt mir" aus Neuseeland und begibt sich dann in aller Ruhe an die Arbeit, die in null Komma nichts per E-Mail durch halb Europa saust. "Virtuell" macht die Recherche schneller und einfacher, zwar nicht immer zuverlässiger, bietet aber immer noch genug Möglichkeiten, um die Zuverlässigkeit recht flott nachzuprüfen (manchmal findet man aber tatsächlich rein gar nichts). 
Zwischendurch entflieht man in fremde Fotowelten auf Facebook und trinkt online ein Käffchen. 
Aber abends, nachdem der Maler in New Mexico noch einmal seine Ideen im Chat verbreitete, bevor er ins Atelier aufbrach, und nachdem online gewunken wurde, da fordert das Kind im Kinderzimmer ganz real live seine Geschichte ein, und dann ist die Welt wieder so groß, wie sie ist, und so klein, wie sie sein muss. 

Vorbestellungen
... werde ich wohl beim Online-Riesen Am... nicht mehr tätigen, weil die dieses Jahr grundsätzlich schief gingen. Warum auch immer ...

Weihnachtsnachlese

Nein,  nein, Ihr könnt die Oh-Schreck-Zusammenzuckhaltung wieder verlassen, denn das wird kein Geschenkepost, aber den Weihnachtsteil im Jahresgedanken-ABC kann ich mir schon einmal sparen.
Ich habe nämlich gar keine Bücher bekommen und auch nur ein einziges verschenkt.
Alles ganz wunschgemäß, denn es stehen so viele ungelesene Bücher im Regal, dass da jetzt einfach mal der Geschenkeriegel vorgeschoben werden muss.
Obwohl mit dem Weihnachtsmann vereinbart war, dass die Großen nicht beschenkt werden, hat der alte Herr wieder mal nicht zugehört und mir etwas für zukünftige Fotoexperimente unterm Baum hinterlassen. Ich hege allerdings den leisen Verdacht, dass das eher ein Spielzeug für den Imker ist ... 
Pünktlich zu Heiligabend hat mich dann ein gewisser Herr Ischias besucht und nach vorsichtiger Vorankündigung vom Freitag am Samstagabend endgültig beschlossen, ein paar Tage zu bleiben. 
Vielleicht aber hat mich auch eine typische Harzhexe hintertückisch ins Kreuz geschossen, vielleicht ist es auch etwas ganz anderes, das jetzt aufgrund der Urlaubszeit, die sich auch die Herren und Damen Doktoren einmal verdient haben, nur mit größerem Reiseaufwand diagnostizieren ließe. 
So kümmerte ich mich denn in muttchenhaft gebückter Haltung um Lachsforelle, Hirschgulasch und die Resteaufwärmung und sitze, stehe, liege und laufe das Rückendilemma mithilfe meiner kläglichen Hausapotheke aus. 
Dementsprechend bot sich mir, während ich Mann und Kind zu den Pflichtbesuchen und ins Kino jagte, die Gelegenheit, endlich meinen Dezemberband der Julia Bestseller durchzuschmökern (Vorstellung folgt) und einen guten Vorwärtssprung in G. A. Aikens Dragon Kiss zu machen. Trotz weihnachtlich verklärter Toleranzbereitschaft muss ich aber sagen, dass ich die Lobhudelei von wegen "hach, wie sexy und innovativ" noch nicht nachvollziehen kann, weil sich meine Vorstellung von Liebesgeschichten nur bedingt mit Hormonexplosionen vereinbaren lässt ... Nun gut, ich habe ja noch ein paar Seiten vor mir. 
Weil trotz ausgedehnter Liegezeit kaum an Schlaf zu denken war, zappte ich mich des nachts munter durchs Programmangebot und stellte mit großer Freude fest, dass "Ist das Leben nicht schön" mal wieder zu nachtschlafener Zeit ausgestrahlt wurde. Ich konnte mich gar nicht mehr an die deutsche Synchronisation erinnern, und weil ich den Film schon bestimmt ein Dutzend mal im Original gesehen habe, war ich etwas enttäuscht. Sehr seltsam ...
Erspart habe ich mir allerdings den jährlichen Fernsehbesuch von Bruce Willis und Geena Davis, vielleicht hätte ich aber mehr von einem dieser Klassiker gehabt als von dem hanebüchenen High Lane - Schau nicht nach unten! aus französischer Horrorschmiede. Zum Glück hat das Schmerzmittel doch irgendwann gewirkt und mich wohlig dahinschlummern lassen.
Um die berühmten drei Haselnüsse bin ich bisher herumgekommen, weil ich zum einen nach acht nicht mehr mit Kind fernsehe und zum anderen Sohnemann tagsüber anderweitig beschäftigt war. Ich bin aber sicher, dass wir in absehbarer Zeit die DVD herausholen werden, denn Aschenbrödel gehört einfach zum Winterprogramm dazu
Da ich bekanntermaßen gerne in den TCM-Archiven stöbere und mir ab und an eine Film-Kollektion für die Sammlung besorge, habe ich mir selbst ein Weihnachtsgeschenk gemacht und mir eine Romance-Sammlung zugelegt. 
Zu meiner großen Freude funktionierte Splendor in the Grass (Fieber im Blut) auf meinem alten Player ausgezeichnet. Auch nach fünfzig Jahren ein sehr sehens- und empfehlenswerter Film mit Natalie Wood und Warren Beatty (die zwischenzeitliche Neuverfilmung ist mir unbekannt). 
Blöderweise handelt es sich bei meiner neuerworbenen Sammlung um doppelseitige DVDs (Memo an mich selbst: den technischen Daten mehr Beachtung schenken und mal wieder Amazon-Reviews lesen), und als ich die Scheibe wendete, um Love in the Afternoon (Liebe am Nachmittag) mit Gary Cooper und Audrey Hepburn zu sehen, durfte ich feststellen, dass diese Seite wegen Regionsfehlers nicht funktionierte. Sehr dubios, aber nur gut, dass man ein DVD-Laufwerk am Rechner hat ... 
Demzufolge habe ich die Feiertage im Wesentlichen horizontal und ohne sinnvollen Zeitvertreib verbracht und starte nun leicht lädiert, aber vollkommen entspannt in die letzte Arbeitswoche des Jahres. 
Ein bisschen Rückenschmerz soll mich aber mal nicht schrecken. Immerhin ist Schulferienzeit, und die soll schließlich genossen werden!
In diesem Sinne: Genießt, was von 2011 noch übrig ist!

Samstag, 24. Dezember 2011

Frohe Weihnachten 2011

Ich wünsche meinen regelmäßigen Lesern und natürlich auch den unregelmäßigen und zufälligen Besuchern und ihren Lieben wunderbare, besinnliche Weihnachten!

Freitag, 23. Dezember 2011

Jahresgedanken-ABC Teil 10 - TU

S-Nachtrag Sushi
... hat mir der Imker gestern freundlicherweise von seiner Weihnachtsshopping-Tour vor den Toren der alten Leipziger Heimat mitgebracht. Angesichts der weiten Reise ökologisch zwar nicht unbedenklich, aber sehr lecker und eine höchst löbliche Geste allemal!
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Teen Wolf
Nein, nicht der Film aus den 80ern. 
MTV hat sich mit diesem Titel in die paranormale Serienwelt vorgewagt und schickt in der bereits komplett ausgestrahlten 12-teiligen ersten Staffel den Hauptcharakter, Teenager Scott McCall, nachts in den Wald, wo er prompt von einem Wolf gebissen wird. Wie der Werwolfkenner natürlich weiß, beginnt der ansonsten nicht sehr auffällige Lacrosse-Spieler sich zu verwandeln und hat natürlich keine Ahnung, was mit ihm passiert. Sidekick Stiles hingegen schon. Bald tritt auch schon der nächste Werwolf auf den Plan, von dem man zunächst nicht weiß, ob er Scott unterrichten und schützen oder einfach nur als unliebsamen Artgenossen loswerden will. Und nicht zu vergessen: Es gibt auch ein Love Interest, die sich alsbald als Tochter eines Werwolfjägers entpuppt und abstammungsgemäß ebenfalls eine Jägerin ist. 
Paranormale Highschool-Serie, die überraschend düster daherkommt, mal kein glubschäugiges Mägdelein mit hochdramatischer, verlustreicher Vergangenheit als Hauptcharakter hat und Lust auf die nächste Staffel macht.

Termindruck
... habe ich ständig, und ich frage mich, ob es bald überhaupt noch Kollegen gibt, die diesen Job tatsächlich bis zur Rente durchhalten. 
Der Dienstleister Übersetzer ist naturgemäß fast immer das letzte Glied in der Kette (außer vielleicht bei der Synchronisation) und darf dann in 24 Stunden einen Text niederknüppeln, den im Vorfeld Heerscharen von Anwälten monatelang durchgekaut haben. 
Ich hege sehr ernsthaft den Verdacht, dass uns berufserfahrenen Übersetzer bald die Puste ausgeht (wer kann schon dauerhaft konzentriert und auch noch rasend schnell arbeiten) und die Jobs an die unverbrauchten Absolventen gehen, die dann ebenfalls nach fünf Jahren die Segel streichen. 
Zwar höre ich an dieser Stelle schon wieder die hämischen Stimmen: "Tja, hättest dich ja spezialisieren können!", "Besorg dir doch Direktkunden!", "Heirate reich!" ... aber es muss ja auch Menschen geben, die den unspezialisierten Rest bedienen und flexibel zwischen Themen und Fachgebieten switchen können. Zudem bediene ich eine Sprachkombination, die eine Spezialisierung nur dann zulässt, wenn ich bereit bin, mein Kind verhungern zu lassen. 
Also lebe ich - noch - mit knappen Terminen und einem Gemüsegarten von Übersetzungsthemen und Texten. 
Aber anstrengend ist es schon ... Denn Übersetzen ist NICHT abschreiben. 

Terminologie
... ist eine Macke von mir. 
Vielleicht eine Berufskrankheit. 
Bei der Arbeit kann ich mich trotz knapper Termine nämlich mächtig in die Recherche von Fachbegriffen (nicht zwangsläufig Fremdwörtern) hineinsteigern und dann auch noch ergründen, warum das Wort so heißt, wie es heißt. 
Als Übersetzer ist man eigentlich nichts Halbes und nichts Ganzes (es sei, denn man ist auf ein Themengebiet spezialisiert mit Zusatzausbildung und pipapo). Der Job erfordert oft viel Recherchen in Bezug auf die jeweiligen Fachgebiete und die dazugehörige Fachsprache, und man ist manchmal mächtig überrascht, wie viele Bezeichnungen es für Ventile geben kann. 
Hin und wieder schwappen dann Wörter aus der Arbeitswelt hinüber in die normalsprachliche Welt, sodass man gelegentlich klugscheißerisch medizinisch daherparliert, ohne wirklich klugscheißen zu wollen, im realen OP aber wohl in tiefe Schwärze versinken würde. Das ist sozusagen eine Form der Verarbeitung des Gelernten.
Da es im realen Übersetzerleben aber nicht nur mir so geht, hat meine Prota Anne diese Macke auch und blubbert fachterminologisch frei von der Leber weg, um dem Leser ein Fremdwörterbuch nahezulegen. 

Terra Nova
Und noch eine neue Serie in der Herbstsaison 2011. 
Als Executive Producer der Science-Fiction-Serie bei Fox fungiert unter anderem Steven Spielberg, und die 13-teilige erste Staffel hatte mich, obwohl ich kein SciFi-Fan bin, am Haken. Warum auch immer, denn so neu und innovativ ist die Serie, die inzwischen komplett ausgestrahlt, aber noch nicht offiziell verlängert ist, nicht. Aber welche Idee ist heute noch bahnbrechend? Irgendwie wurde schon alles in irgendeiner Form erzählt. 
Wir schreiben also das Jahr 2149, und auf der Erde geht es dystopisch zu. Wir sind übertechnologisiert und überbevölkert. Den klaren Himmel hat schon lange keiner mehr gesehen, zum Atmen im Freien braucht man eine Maske. Bei Experimenten findet man allerdings eine Art Portal (eine Anomalie, wie es immer so schön heißt), das 85 Mio. Jahre in die Vergangenheit führt. Nach und nach werden Menschen auf so genannten Pilgerfahrten dorthin gesandt, um die Welt zu verändern.
In der Zwischenzeit bringt sich die Familie Shannon in arge Schwierigkeiten, denn sie hat ein drittes Kind, das, und das war nur eine Frage der Zeit, bei einer Bevölkerungszählung entdeckt wird. Jim Shannon, ehemaliger Polizist, wandert dafür für einige Jahre ins Gefängnis. Während dessen wird aber Elisabeth Shannon, weil sie als Ärztin in der neuen Welt, Terra Nova, hilfreich sein kann, für die nächste Pilgerfahrt rekrutiert. Um den Mann nicht zurückzulassen, verhilft sie ihm zur Flucht, und es gelingt ihnen, auch Zoe, das dritte Kind, mitzunehmen. So rutschen sie alle bei der zehnten Pilgerfahrt von der Dystopie in die Utopie, die sich dann natürlich als Jurassic Park entpuppt, denn wirklich frei ist auch in Terra Nova niemand. Neben der Bedrohung durch Dinosaurier hat sich auch noch eine Gruppe von Terra Nova abgespalten, um das Zukunftsprojekt zu boykottieren. So ist denn die schöne neue Erde auch wieder nichts als ein Kampfplatz mit Militärstrukturen. Na ja, wissen, wie es weitergeht, will ich trotzdem ...

Texte
... sind mein Leben, weil ich damit Geld verdiene. 
Zwar sind das fast immer Texte anderer, aber auch die brauchen hin und wieder eine helfende Hand. 

Texturen
... sind mein rotes Tuch, weil ich damit mit meiner autodidaktischen Gimperei an meine Grenzen stoße. 

Theater
... da würde ich gerne mal wieder hin.

The Secret Circle
Und noch eine Buchreihe, die The CW bei L. J. Smith erworben hat. Anders als bei The Vampire Diaries kenne ich hier die Buchreihe nicht und kann daher Änderungen und Co. nicht beurteilen. 
Insgesamt habe ich aber den Eindruck, dass der Sender a) versucht an alte Charmed-Zeiten anzuknüpfen und b) Schauspieler aus abgesetzten Serien unterbringen will. 
Auch wenn sich die Serie zur Saisonmitte erheblich gesteigert hat und eine ordentliche Portion Fragen und Düsterheit mitbringt, hinterlässt sie bei mir eher ein flaues Gefühl mit einer leisen Absetzvorahnung.

The Vampire Diaries
Nach wie vor top. 

The Walking Dead
Wer hätte gedacht, dass mich Zombies begeistern könnten?
Gut, es sind nicht die Zombies an sich, die mich begeistern, denn die sind ja sowas von eklig, aber die Geschichte, die AMC nach den Comics von Robert Kirkman und Tony Moore als Serie erzählt, ist absolut sehenswert.
Angelaufen ist The Walking Dead schon 2010, war aber bisher an mir vorbeigegangen. 
In Deutschland ist die Serie bereits im Pay-TV zu sehen, und zwar immer knapp nach der US-Ausstrahlung. Da wird aber flott gearbeitet! 
Vielleicht werde ich doch noch zum Dystopiefan. 

Thymian
... ist mir schon wieder verreckt.

Tränen
... vergieße ich oft bei Filmen und manchmal beim Schreiben, wobei letzteres nicht so gut ist. 

Träume
... sollte man nicht unter den Teppich kehren.

True Blood
... macht süchtig.

Twitter
... habe ich dieses Jahr vernachlässigt. 
Verpasst hab ich bestimmt nichts.
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Übersetzen
... macht eigentlich Spaß. 

Ulknudel
Ich fühl mich nicht angesprochen.

Umständlich
... bin ich manchmal. Aber man kann ja nicht immer nur geradeaus funktionieren :-)

Unanständig
... finde ich, ist es, die Arbeit des anderen nicht zu respektieren.

Unter der Sonne Kaliforniens
... weil ich's unter K wie Knots Landing vergessen habe.
Ich oute mich, ich geb's zu ... Diese Serie ist an meiner Seriensucht schuld!
2011 habe ich mir die zweite Staffel auf DVD gekauft, zu mehr wird es aber wahrscheinlich nicht mehr kommen. Schade, schade, schade. 
Sobald ich die Titelmusik höre, bin ich 14 und himmle Gary Ewing an.
Auch wenn Claudia Lonow erst letztens augenzwinkernd bloggte, dass bei Unter der Sonne Kaliforniens immer jeder so tat, als ob, fand ich die Serie so authentisch-familiär, gerade weil Michelle Lee so tat, als ob sie Essen kochte, und sogar der dazugehörige Serienehemann so tat, als ob er wirklich Kaffee kochen könnte.
Heutzutage möchte man angesichts Valenes Püppchen-Outfits zwar schallend lachen, aber Ted Shackelfords Darstellung des Alkoholikers Gary ist immer noch schmerzhaft ernst. 
Der dämliche Zögern-wir-mal-das-Serienende-unerträglich-hinaus-Plot kam ohnehin erst später. 
Bis dahin bleibt es bei: Hach, ich werd grad so nostalgisch.

Utopie

Das Gegenteil von Dystopie. 
Liest doch heute keiner mehr, oder?

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Stinkige Weihnachten

Das sind vielleicht tolle Weihnachtsferien. 
Es schneite und schneite, und als es nicht mehr schneite, sind pünktlich zwei Tage vor Heiligabend in der Platte alle Wasserleitungen eingefroren. 
Ganz am Anfang war es noch lustig, Muttis riesigen orange gepunkteten Emailleeimer mit Schnee zu befüllen. Richtig festdrücken, damit auch viel reingeht. Mutti musste ihn dann zu uns in den letzten Stock hochschleppen, den Schnee in Töpfe umfüllen und auf dem Herd auftauen. Dann ab damit in die Badewanne. Voll bis zum Rand, Tag für Tag, damit wir uns wenigstens waschen können. Für mich aber war es das Größte auf der Welt, in der viel besungenen weißen Pracht herumzubuddeln, bis das steife Gras zum Vorschein kam. 
Dumm nur, dass nicht nur kein Wasser aus dem Hahn kommt, sondern auch die heimelig-bequeme Fernwärme kläglich versagt.
Oma hat zwar einen Kohlenofen, aber viel zu wenig Platz, als dass sie uns aufnehmen könnte, und weil unsere Familientreffen sowieso immer erst nach Weihnachten stattfinden, frieren wir lieber am sozialistischen Jahresende um die Wette und schauen zu, wie sich die Schneeberge vorm Haus auftürmen.
Wenn ich mal groß bin, nennt man das "Jahrhundertwinter". 
Den gibt's dann zwar fast jedes Jahr, aber egal ...
Jahrhundertwinter hin oder her, ich jedenfalls habe meine allerersten Weihnachtsferien überhaupt und sitze nun seit gestern hier mit einem supertollen Rotz.  Natürlich habe ich den Weihnachtsmann nicht zu Gesicht bekommen. Ich hätte ihn ja anstecken können ...
Mit Triefnase und in Muttis Patchworkhäkeldecke eingemummelt, lungere ich am Fenster herum und schaue sehnsüchtig meinen Schulfreunden beim Rodeln zu. 
Weil ich im letzten Block der Neubausiedlung wohne, habe ich den Vorteil des kurzen Weges zum Rodelberg und nun den Nachteil der direkten Sicht auf den Spaß der anderen. 
Gerne wäre ich jetzt auch hinterm Haus und düste mit dem Hörnerschlitten, den der Weihnachtsmann letztes Jahr einfach so vor der Tür abgestellt hatte, den Hang hinunter, bis Mutti das Mittagessen fertig hat. 
Gestern hat der Weihnachtsmann übrigens einen schicken rosa Skianzug gebracht, den ich mir schon letztes Jahr gewünscht hatte. 
Ich ärgere mich, dass ich ihn jetzt nicht im Feldversuch austesten kann. 
Blödes Fieber! 
Also echt! 
Nicht mal in den neuen Büchern zu blättern macht Spaß.
Sobald ich mich der Scheibe nähere, wird sie von meinem Fieberkopf hübsch neblig. 
Ich verziehe griesgrämig das Gesicht und schluchze kurz vor mich hin. 
Scheiße darf man zwar nicht sagen, aber es ist die Wahrheit. 
Es ist echt Scheiße, hier hustend und prustend da zu sitzen, während die anderen draußen herumtoben. Die Enttäuschung macht auch das teure toll funkelnde Goldlametta, das Vati dieses Jahr ergattern konnte, nicht wett. 
"Es gibt bald Essen, und dann kannst du ein bisschen schlafen", will Vati mich besänftigen. "Schlaf dich gesund, und du bist in null Komma nichts wieder draußen bei Sandra und den anderen!"
Bis ich mich gesundgeschlafen habe, sind die Weihnachtsferien bestimmt vorbei, denke ich traurig, denn ich bin sicher, dass ich in meinem gesamten sechsjährigen Leben noch nie so erkältet gewesen bin. Jawohl!
"Ich hab gar keinen Hunger", murmele ich und wische mir die Nase. 
Das bedaure ich nicht einmal, denn heute soll es Wildschwein geben. Das ist nämlich meine Leib- und Magenspeise, die es immer irgendwann zu oder um Weihnachten herum gibt. Wahrscheinlich hat Mutti den guten Braten sofort nach dem letzten Weihnachtsfest in der Fleischerei vorbestellt. Denn an Wildschwein führt kein Weg vorbei. Und blöderweise schmeckt es genauso, wie es beim Kochen müffelt. Es beruuhigt mich auch nicht, dass das Schwein heute auch nicht anders schmecken dürfte als der Kartoffelsalat gestern, denn so viele Geschmacksunterschiede dürfte Pappe nicht zu bieten haben.
Vati setzt einen strengen Blick auf, aber ich sehe ein Lächeln in seinen Augen. "Als Nachtisch gibt's Vanillepudding mit Erdbeerkompott", flüstert er verschwörerisch, denn der Nachtisch darf eigentlich nicht verraten werden. 
Ich schürze die Lippen. "Menno", grummele ich, "davon schmecke ich doch auch nix!"
Jetzt schaut Vati etwas hilflos drein, und ich schäme mich, dass ich so unleidlich bin. Wäre ich nicht so erkältet, wäre der Nachtisch ohnehin kein Geheimnis, denn meine Süßigkeitenspürnase hätte den Vanillewind gewittert, selbst wenn Mutti die Schüsseln mit dem Pudding wieder klammheimlich im Kühlschrank der Nachbarin gebunkert hätte.
"Leg dich doch noch ein paar Minuten aufs Sofa ...", schlägt Vati vor, nachdem er meinen Brummschädel befühlt hat. 
"Ach, nein, ich will lieber zuschauen!", gebe ich mich tapfer, selbst wenn ich jeden Moment auf dem Fensterbrett einzuschlafen drohe. 
Ich glaube, Sandra hat mich erspäht, denn sie winkt ganz fröhlich in meine Richtung. Sie ruft auch etwas, aber ich kann sie nicht verstehen, weil Vatis alter Elektroradiator so einen Radau macht und ich auf keinen Fall das Fenster aufreißen will. Während Vati sich als Haushaltshilfe zu Mutti in die Küche begibt, winke einfach mal zurück. Das kann ja nie schaden. 
In Gedanken bei meinen Schulfreunden im Schnee, höre ich, wie die Flurtür klappt. Sicher holt Vati das Erdbeerkompott aus dem Keller. Erdbeeren sind dieses Jahr Mangelware. Die Ernte in unserem Garten war ziemlich mau ausgefallen - nein, ich habe nicht alle Beeren weggenascht! - weshalb wir nun mit dem Eingemachten haushalten müssen. Deswegen gibt es ziemlich oft Pudding ohne Erdbeeren. Ein bisschen freue ich mich nun doch aufs Essen. 

Ein enormer Rums reisst mich aus meiner fiebrigen Starre. 
Mutti krietscht (so sagen wir, wenn jemand kreischt) kurz in einem unerträglich hohen Ton. 
Dann wird es verdächtig still.
Erschrocken pelle ich mich aus der Häkeldecke und schwanke in den Flur. 
Vati steht zwischen Tür und Angel, ein Bein in der Küche, eins im Flur. Kochdampf waberte in den kalten Flur, und Vati sieht aus, als hätte er einen Mord begangen. Ihm entfleucht das Wort, das man nicht sagen darf. Von seinen Händen, die er erschrocken weit von sich streckt, als hätte ihn der Blitz getroffen, tropft rote Flüssigkeit, und für seine Brille könnte er gut einen Scheibenwischer gebrauchen. Er ist von oben bis unten besprenkelt mit tiefroten Flecken und fleischigen Rudimenten. Wieder murmelt er das schlechte Wort. 
Mutti hat sich wieder gefasst und schiebt Vati etwas unsanft zurück in den Flur. "Mach die Badtür auf!", befiehlt sie mir in harscherem Ton als beabsichtigt. 
Während mein mit Opferblut besudelter Vater an mir vorbei ins Bad geschoben wird, ist mein Schnupfen plötzlich weg. 
"Puh!", stöhne ich und presse die Hand vor den Mund. "Was ist denn das?!"
Inzwischen steht der Gestank im gesamten Flur, sodass ich mich frage, ob das Wildschwein, das da in der Küche gar werden soll, nicht vielleicht vergangenes Jahr in unserem Flur verstorben ist. Als Mutti mit dem Emailleeimer, der wahrscheinlich die letzten Schneeschmelzereste aus der Badewanne enthält, aus dem Bad geeilt kommt, kann ich noch einen letzten Blick auf die rot gescheckte Schiebetür der Küche und auf die Glasscherben am Boden werfen, bevor ich mit strengem Blick zurück vor den Radiator geschickt werde. 
Leider duftet es dort auch nicht königlicher. Immerhin gibt besagter Elektroradiator, den Vati schon besaß, bevor er Mutti kennenlernte, immer einen etwas verschmorten Geruch ab, der gepaart mit dem Gestank des explodierten Erdbeerkompotts eine sofortige schnupfenkurierende Wirkung entfaltet. 
Pfeiff auf den Fieberschummerkopf, denke ich mir und reiße das Fenster auf. Sandra und der Rest sind gerade auf dem Heimweg. "Geht's dir besser?", schreit sie zu mir hinauf. 
"Nein", brülle ich meine Antwort zurück und könnte die Welt für die frische Luft umarmen. Mann, riecht Schnee gut! 
Sandra schreit wieder etwas, das wie "Mach das Fenster zu!" klingt, aber ich bin mir nicht sicher, denn der Geruch unserer weihnachtlichen Chemieexperimentierbude schwappt nun auch aus dem Fenster und macht mich duselig.
Mutti und Vati haben sich in der Wolle. Nicht ernsthaft, aber er kann es sich nicht verkneifen, ihr vorzuwerfen, dass sie eine Erdbeere eingekocht hat, die wohl schon das Verfallsdatum überschritten hatte. Im gleichen Atemzug beglückwünscht er sie, dass dieses Glas bis Weihnachten durchgehalten hat. Mutti hingegen schimpft, dass er doch den Temperaturunterschied von Keller, Treppenhaus, Flur und Küche hätte berücksichtigen und das Glas entsprechend schützen müssen. Selbst eine Mütze auf dem Glas änderte aber nichts an dem Umstand, dass das Kompott verdorben war, also hat Vati recht. Mutti gibt zu bedenken, dass ihr nun richtig "kottrig" sei, fängt dann aber doch an zu lachen. 
Ich denke daran, wie die Erdbeersoße von Vatis Brille tropfte, und muss ebenfalls lachen, selbst wenn meine rotgeputzte Nase mit größter Freude wieder verstopft sein möchte. Schlecht ist mir jetzt auch. Wohl aus Solidarität mit dem Kompott. 
Eines weiß ich, Erdbeeren können mir erst einmal gestohlen bleiben. 
Igitt!
Aber der Schnee, der riecht echt gut! 
Ich nehme mal noch eine kräftige Nase.
Vati kommt zu mir in die Stube und stellt den Elektrostinker ab. Notgedrungen ist er in Unterwäsche und sieht leicht zerzaust, aber sauber aus. Die Schneevorräte in der Wanne sind nun bestimmt wirklich aufgebraucht. Vatis Züge reflektieren aber nichts als gute Laune. Das liebe ich an ihm. Selbst vergammeltes Erdbeerkompott wirft ihn nicht aus der Bahn. Ob sein ermutigender Anblick ausreicht, um den Gestank vergessen zu machen? Oh je, da will ich mich aber mal nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. 
"Zieh dich an!", trägt er mir auf. "Wir müssen aus diesem Gestank raus!"
Da hat er recht, denn mittlerweile reicht das offene Fenster nicht mehr. 
Ich habe immer noch Fieber und die Kälte schüttelt mich, aber ich gehorche und klettere zur Feier des Tages in meinen neuen Skianzug. Als ich in den Flur komme, muss ich beim Mützeaufsetzen und Schuheanziehen die Luft anhalten. 
Bäh!
Mutti hat sich in der Kürze der Zeit redlich gemüht und den Türrahmen wieder weiß geschrubbt, und das wohlbemerkt nur mit Schneeschmelze. 
Das dürfte auch eine Form von Überlebenstraining sein. 
"Geh schon mal runter", schlägt Mutti folgerichtig vor, weil sie sieht, dass sich mein Fieberrot in Grün zu verwandeln droht. "Aber sieh zu, dass du nicht nass wirst." Offenbar hat sie nicht viel Vertrauen in die Einkaufskünste des Weihnachtsmanns. 
Dankbar steige ich langsam die Treppen hinunter und versuche, die Erdbeeren hinter mir zu lassen. Aber sie wehen mir nach ...
Während ich unten vor dem Haus warte, beobachte ich, wie Mutti und Vati sämtliche Fenster aufreißen. Welch ein Glück, dass es heute windstill ist, sodass sich der Zug in Grenzen halten und der Weihnachtsbaum auch nachher noch stramm stehen dürfte. 
Mich wundert allerdings, dass die Nachbarschaft angesichts des emsigen Treibens meiner Eltern noch nicht vor Neugier an die Wand geklatscht wurden. 
Es hat nämlich noch keiner die Weihnachtsdauerwelle aus dem Fenster gesteckt oder aufdringlich gebimmelt, um die Lage zu ergründen. 
Wahrscheinlich essen alle gerade etwas, das schmeckt und nicht stinkt. 
Egal, ums Getratsche kommen wir sowieso nie herum.
Ich atme gierig die Winterluft, weil die Gammelerdbeeren an mir kleben wie das Pech an der faulen Marie. 
Wenn die Explosion jetzt meinen Skianzug versaut hat, werde ich böse. 
Ich schnüffele misstrauisch am kühlen Stoff, und beim Gedanken an das Erdbeerbeet im Garten wird mir mulmig.
Mutti und Vati haben die Lüftungsaktion endlich abgeschlossen und gesellen sich zu mir.
Vati macht meinen Hörnerschlitten flott und Mutti holt den anderen Schlitten, der mir inzwischen viel zu unmodern ist, aus dem Keller. Angesichts des zweiten Schlittens schwant mir Böses, und als Mutti dann noch mal nach oben verschwindet, schwant mir noch viel Böseres. 
Zum Glück muss ich husten und kann mich für eine Weile auf nichts anderes konzentrieren, bevor ich mich auf den Hörnerschlitten schwinge, um mich von Vati ziehen zu lassen. Er tut mir schon leid, denn aus dem Ziehalter bin ich heraus. Ich beschimpfe stumm mein blödes Fieber. 
Nun gehen wir doch zu Oma und Opa. 
Weil sie kein Telefon haben, werden sie ganz schön überrascht sein. 
Der Schnee macht einen recht beständigen Eindruck, als wir losmarschieren. Auf den Wegen ist er festgetreten, und mein Schlitten gleitet gleichmäßig unter Vatis kraftvollem Zug.
Mutti folgt uns, und ihr auf meinem alten Schlitten im Topf das Wildschwein, nebst Gemüse.
Na dann: Frohe Weihnachten!



(c) Sinje Blumenstein, 2011, nach einer wahren Begebenheit Anfang der 1980er, die mir gerade wieder einfiel, als ich den Kühlschrank reinigte, wobei mir ein im Oktober abgelaufener Joghurt in die Hände fiel. Haben wir ein Glück, dass der keine Druckwellen mit sich brachte ...
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