Samstag, 26. November 2011

... über "Whisper Island - Sturmwarnung" von Elizabeth George

Elizabeth George

Unspektakuläre kriminalistisch angehauchte Geschichte mit paranormaler Ausrede

Zum Inhalt:
Hannah Armstrong ist 14 Jahre alt, recht unscheinbar, leicht korpulent, und sie hat eine Fähigkeit geerbt, die so manch einer vermutlich wahnsinnig toll finden würde: Sie kann die Gedanken anderer Menschen hören. Doch das ist gar keine einfache Angelegenheit, denn Hannah ist ständig von einem Flüstern umgeben, das aus mehr oder weniger zusammenhängenden Gedankengängen der anderen besteht. Deshalb trägt sie ein MP3-Player-ähnliches Gerät, sie nennt es AUD-Box, bei sich, das sie mit einem permanentem Rauschen versorgt und das Flüstern übertönt. Außer ihrer Großmutter, die dieselbe Fähigkeit hatte, und ihrer Mutter weiß auch ihr Stiefvater Jeff Corrie von Hannahs ungewöhnlicher Begabung und nutzt sie für seine Machenschaften aus. Als Jeff seinen Geschäftspartner ermordet, bleibt das Hannah natürlich nicht verborgen, was Jeff wiederum recht schnell bemerkt. Mit dem Ergebnis, dass er den unliebsamen Mitwisser aus dem Weg räumen will. Hannah und ihre Mutter fliehen, und aus Hannah Armstrong wird nun Becca King. Vom heimatlichen, sonnigen San Diego geht es bis hinauf an die Grenze Washingtons, wo Laurel Armstrong ihre Tochter allein, mit einem Fahrrad und einem Wegwerfhandy, auf die Fähre nach Whidbey Island setzt, wo sie angeblich von einer Jugendfreundin der Mutter, Carol Quinn, erwartet wird. Dort soll sie vor Jeff geschützt sein, bis die Mutter weitere Vorkehrungen getroffen hat. Kaum von der Fähre geklettert, muss Neu-Becca feststellen, dass da niemand auf sie wartet, und sie macht sich schließlich allein mit dem Rad auf den Weg zu der Adresse Carol Quinns, wo sie erfahren muss, dass Carol gerade verstorben ist. Nun beginnt für Becca eine Odyssee auf der unbekannten Insel voll unbekannter Menschen. Sie schläft zwischen Hunden, bis sie Seth kennenlernt, der sie nicht nur mit Essen versorgt, sondern auch an Debbie Grieder verweist, die sie letztendlich mit in ihr Motel nimmt, ihr gegen Zimmermädchendienste Kost und Logis in Zimmer 444 gewährt und sie auch in der örtlichen High School anmeldet. Debbie und ihre beiden Enkelkinder, aber auch Seth sind rasch zwar Beccas Kontakte, aber keinesfalls Vertraute, während ihre Mutter Laurel durch Abwesenheit glänzt und über die im Wegwerfhandy eingespeicherte Nummer nie erreichbar ist. Als Becca bei einem Ausflug mit Seth und dessen Hund in den typischen Wäldern von noch verwirrenderem Flüstern heimgesucht wird und ihrem Schulkamerad Derric etwas zustößt, bringt sich Becca selbst in die Bredouille. 

Mittwoch, 16. November 2011

... über "Marilyn Monroe: Metamorphosis" von David Wills

David Wills und Stephen Schmidt

Edles Schmuckstück für Fans und Sammler

Englische Ausgabe
Inhalt und Meinung:
Da "Metamorphosis" ganz klar ein Bildband ist, der unverkennbar auf hochwertige Präsentation setzt, und sein Thema, Marilyn Monroe, mittlerweile so oft abgehandelt wurde, dass es mühsam ist, noch Neues auszugraben, muss zum Inhalt an sich wenig gesagt werden. 
Eindeutiges Ziel ist die Präsentation von bekannten und weniger bekannten (angeblich auch unbekannten) Bildern, die liebevoll technisch aufgearbeitet wurden und nun wunderbar in neuem Glanz erstrahlen. 
Ich muss vorausschicken, dass ich mir die englische Ausgabe gekauft habe, da die deutsche Ausgabe (in Anbetracht diverser Buchnebenkosten, wie Lizenz, Übersetzung usw.) wesentlich teurer ist, ich aber in erster Linie natürlich nicht auf die Originallautung von Zitaten usw. verzichten möchte. 
Die deutsche Ausgabe unterscheidet sich (im Gegensatz zur französischen) rein äußerlich erst einmal nicht von der deutschen Ausgabe (die Formatunterschiede sind gering, Unterschiede in der Seitenzahl können unter anderem auch übersetzungsbedingt entstehen), und ich gehe davon aus, dass auch die Innenausstattung vergleichbar ist, möchte mich aber nicht dafür verbürgen. 
Alle meine Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf die englische Ausgabe. 
Der Bildband wird in Festeinband mit Leinenbezug präsentiert und hat einen schwarzen Hochglanzschutzumschlag, auf dem vorn Marilyn Monroe strahlend und glamourös (1958 eingefangen von Richard Avedon), auf der Rückseite widerum in jungen Jahren natürlich und nicht minder strahlend abgebildet ist. 
Text gibt es lediglich auf dem Buchrücken von Festeinband (dort komplett in Gold) und Schutzumschlag (dort weiß und golden). 
Auf dem Umschlag sind dann wie üblich Informationen zum Buch und zu den Herausgebern, die sich beide voll und ganz Foto und Grafik verschrieben haben, zu finden. 
Nicht so gut gefällt mir die Innengestaltung der Buchdeckel, weil dort ein Foto in leichter farblicher Variation von Gold gekachelt abgebildet ist, das mir persönlich nicht sonderlich zusagt und das ich außerdem schon viel zu oft gesehen habe. Der Beginn des Buches macht das aber wieder wett, denn hier werden hochformatige Fotos gezeigt, die jeweils auf einer Doppelseite einem Buchstaben des Namens Marilyn (wieder in Gold) gegenübergestellt werden. Dabei wurde darauf geachtet, die Bilder chronologisch zu sortieren, sodass neben dem M ein farbstarkes, frühes Porträt von André de Dienes zu sehen ist, während die Aufnahme einer gereifteren Marilyn Monroe beim Kostümtest für "Something's got to give" neben dem N das Bild abrundet. 
Franz. Ausgabe (Quelle: amazon)

Erst darauf folgt das eigentliche Inhaltsverzeichnis, das ebenfalls darauf hindeutet, dass man hier keinen wilden Mischmasch von Hochglanzaufnahmen beabsichtigt, sondern Marilyn Monroe so darstellen möchte, wie sie im Laufe der Jahre von diversen Kameras eingefangen wurde. Die dazugehörigen Texte sind allgemeine biografische Ausführungen, aber auch Zitate von Marilyn Monroe selbst bzw. Kollegen und Bekannten. Dass ein Teil der Aussprüche (z. B. von Billy Wilder) hinlänglich bekannt ist, bleibt dabei natürlich nicht aus, stört aber nicht weiter. Im Nachwort kommt Marilyn Monroe selbst zu Wort, denn hier ist ein Interview abgedruckt, das sie kurz vor ihrem Tod Richard Meryman für das Life Magazine gab. Auch dieses Interview ist zwar keine Neuheit, aber ich könnte mich nicht erinnern, es schon einmal komplett gelesen zu haben. Grundsätzlich aber dienen die Texte lediglich der Untermalung und sind größtenteils vernachlässigbar, denn der Betrachter wird vom Bildmaterial voll und ganz eingenommen.

Wer sich Schnappschüsse oder Privates erhofft, wird allerdings enttäuscht, denn "Metamorphosis" (Titel der deutschen Ausgabe: Metamorphosen - Verwandlungen) zeigt in 5 Kapiteln, die jeweils einem Lebensabschnitt gewidmet sind, Modeaufnahmen, Coverfotos und Aufnahmen von Filmsets, Premieren oder Kostümtests und dabei auch einige Klassiker aus bekannten Fotostrecken, aber auch Fotos, die nicht in jedem Monroe-Buch zu finden sind und nicht nur die unterschiedlichsten Ausdrücke der Aktrice im Laufe der Jahre widerspiegeln, sondern auch ein Stück Fotogeschichte repräsentieren.
Da ich inzwischen mehrere Bildbände besitze, kann ich sagen, dass dieser bislang der schönste ist und zumindest ich, die ich nicht jede Internetpräsenz nach bislang ungesehenen Fotos durchstöbere, einige unbekannte Bilder finden konnte.
Ein wahres Schmuckstück für jedes Fanregal.

Volle Punktzahl!





Englische Originalausgabe:
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: It Books (8. November 2011)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 006203619X
  • ISBN-13: 978-0062036193
  • Größe und/oder Gewicht: 29,7 x 23,9 x 3,6 cm 
  • Preis:  20,95 € (bei amazon.de)
Deutsche Ausgabe:
  • Gebundene Ausgabe: 289 Seiten
  • Verlag: Schirmer/Mosel (September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 382960551X
  • ISBN-13: 978-3829605519
  • Größe und/oder Gewicht: 29,8 x 24 x 3,2 cm 
  • Preis: 49,80 €

Freitag, 11. November 2011

[31 Tage - 31 Filme] Tage 16, 17 und 18

Tag 16: Welches Genre bevorzugst du zum Entspannen?


Was für eine Frage?!
Romantisches, Liebevolles, Fantasievolles und Fantastisches ohne epische Gefechte, Paranormales zum Träumen und zum Schniefen. 
Gerne darf es auch ein schöner klassischer Film noir aus dessen Hochzeit sein, mit viel Bildgewalt, Licht- und Schattenspielen und Hinterlist. 
Blut und rasante Verfolgungsjagden entspannen mich hingegen überhaupt nicht. 
Auch kann ich bei irrsinnigen Komödien, in denen ein Gag den anderen um des Gags willen jagt, gar nicht abschalten. 
Irgendwie brauche ich zum Abschalten Subtiles und Ruhiges. Es muss kein Hochglanz sein, Independant-Filme sind sehr gern gesehen, und wenn ich dabei einschlafe, ist es auch nicht so schlimm, denn ich bin froh um jede Minute Schlaf, die ich irgendwie finde.

Tag 17: In welchem Film kommt deine Lieblingsfigur vor? 


Ich versuche ja immer noch, zu ergründen, was Lieblingsfiguren ausmacht.

In unterschiedlichen Lebensphasen dürfte man ebenso unterschiedliche Vorstellungen von fiktionalen Charakteren in Literatur und Film haben. 
Obwohl ich als Teenager Kevin Costners Charakter Frank Farmer in Bodyguard einfach nur angeschmachtet habe, wäre mir nicht eingefallen, ihn als Lieblingsfigur zu bezeichnen.
Mir persönlich liegen sperrige Figuren näher als jene, die sich mit aalglatter Sympathie einschmeicheln. So habe ich kein Problem mit gebeutelten Figuren, die sich irgendwie durchwurschteln, vielleicht auch mal jammern, weil sie einfach die Schnauze voll haben. Andererseits kann mich aber auch eine Mutter faszinieren, die ggf. unkonventionelle Entscheidungen treffen muss.  
Eine Figur, die mir sehr imponiert hat, ist Katie aus So wie wir waren. Katie ist, wie von Barbra Streisand häufig dargestellt, eine Jüdin und dazu noch überzeugte Marxistin, zielstrebig, nicht besonders attraktiv, finanziell eher schlecht situiert. Der attraktive Hubbell (Robert Redford) ist das genaue Gegenteil. Draufgängerisch, wohlhabend, Lebemann. Er mockiert sich über ihr Engagement. Als sie sich in den 30er Jahren begegnen, scheinen sie ganz und gar nichts gemeinsam zu haben. Doch dann lernen sie sich etwas kennen, stellen fest, dass sie beide mit großer Leidenschaft schreiben, und trotz aller Unterschiede ist Katie fest davon überzeugt, dass aus Hubbell Großes werden kann. Erst in Kriegszeiten begegnen sie sich wieder, und Hubbell taumelt eines Nachts zunächst betrunken in Katies Wohnung und dann schließlich in ihr Bett. Sie rutschen in eine Beziehung, ohne dass man zunächst behaupten könnte, dass die große Liebe im Spiel ist. Irgendwie verlieben sie sich aber doch. Während Katie Hubbell immer wieder ermutigt, sein Talent nicht zu verschwenden, stößt sich dieser jedoch an Katies politischem Überengagement. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit, die sich nicht in Schemen pressen lassen möchte, während Hubbell schön den Ball flach hält und sich dem Strom anpasst. Er macht in Hollywood Karriere, in die die sperrige Katie nicht hineinpasst. Auch ihre marxistische Vergangenheit wird ihr unter McCarthy zum Verhängnis. Als Katie schwanger wird und im Grunde auch nur zu Hubbells unliebsamen, sperrigen Anhängsel degradiert ist, beginnt er eine Affäre und es kommt schlussendlich zum Bruch. Nach langen Jahren begegnen sie sich wieder und müssen erkennen, dass die Vergangenheit wirklich vergangen ist und sie nie wieder das sein werden, was sie einmal waren. 
Katie steht an sich dafür, dass man an einen anderen glauben und ihn unterstützen kann, ohne sich selbst aufzugeben, und ihre - salopp-klischeehaft gesagt - starke Persönlichkeit hält sie auch über den vermeintlichen Verlust der Liebe hinaus aufrecht. 
Nicht mein Lieblingscharakter, aber ein Charakter, der mich stark beeindruckt hat.

Tag 18: Welcher Film enthält deinen Lieblingsbösewicht?


Ui, die Fieslinge, Fädenzieher, Hinterlistlinge sind gefragt, und ich bin überfragt, auch wenn ich ein Faible für sympathische Übeltäter habe. So richtig fies und abgründig herummetzelnd müssen sie gar nicht sein. Niederträchtig gerne, aber, wenn's geht, schon auch ein bissele sympathisch. 

Bei Serien würden mir gleich jede Menge solcher Wichte einfallen. 
Also mal schnell an die große Leinwand gedacht ... 
Ein Bösewicht, vor dem ich mich jedes Mal wieder fürchte, weil man ihn im Film fast ausschließlich gepresst atmen hört, während er seine Opfer im Bergwerk verfolgt, ist der vermeintliche Harry Warden in Blutiger Valentinstag (das Original aus den 80ern bitte!). Dieser Film verleiht den Atemgeräten der Kumpels gleich eine völlig neue Dimension. Nun krieg ich aber gleich Gänsehaut ... Schnell unter der Decke verschwinden, da guckt der Mörder nie nach! 
Ein Gegenspieler, über den ich mich aufrege und gleichermaßen amüsiere, ist sicherlich der Sheriff von Nottingham in Robin Hood - König der Diebe, was ganz gewiss Alan Rickmans Schauspielkünsten zu verdanken ist. 
Eine Art Pseudobösewicht, glaube ich, wird von Marilyn Monroe in der Rolle der Rose Loomis in Niagara verkörpert. Pseudo deshalb, weil Rose, ganz Femme fatal und mitnichten dümmlich-schmollmündig, mit ihrem Liebhaber zwar daran schmiedet, ihren vom Koreakrieg traumatisierten Ehemann loszuwerden, aber dann selber unter die Räder gerät. 
Ganz besonders gerne habe ich aber immer noch die Märchenbösewichte, weil die meistens am Ende ordentlich eins auf die Mütze kriegen oder brav geläutert werden ...

Donnerstag, 10. November 2011

Wie die Jungfrau ...

... Ha! Erwischt! 

Wusst ich's doch: ein reißerischer angerissener Titel und schon schaut mal wieder einer vorbei. 
Aber sorry, denn auch wenn hier gewaltig geschliddert wird, wird's nicht schlüpfrig. 

Die Jungfrau bin nämlich ich, und ich darf von meiner Rutschpartie in die elektronische Literatur berichten. Und, nein, es ist kein Testbericht!

Noch nie habe ich ein Blatt vor den Mund genommen, wenn es um meine mangelnde technische Begabung geht. 
In Sachen Technik bin ich ganz freiwillig und freimütig Angehörige des schwachen Geschlechts und hebe, wenn sich die Gelegenheit ergibt, einfach die Hände mit einem irritierten Gesichtsausdruck, der besagt "Sorry, aber das kann ich nicht."
An mindestens 3 Tagen in der Woche beschimpfe ich nämlich mein so genanntes Translation Memory Tool, das von anderen in den Himmel gelobt wird. Ich schimpfe zum einen, weil es mir meistens Zeit und Geld klaut, aber vor allem auch, weil es nicht macht, was es soll oder wovon ich meinte, dass es es machen sollte. 
Ich hämmere etwa 9 bis 10 Stunden im Affenzahn Buchstaben in mein(en) Laptop und komme selbst bei meinem Erstklässler nach Feierabend (Feierabend? was'n das?) nicht um irgendwelche Internetrecherchen herum (sind eigentlich meine Lehrbuch- und Nachschlagewerkberge für die Katz und gehört ein PC jetzt zur Schulstartausrüstung?).  Nicht, dass ich die Vorteile der elektronischen Vernetzung zu Recherchen nicht zu schätzen wüsste ... um Gottes willen, nein ...
Üblicherweise erwartet der Kunde, dass man sich mit jedem DTP Tool ausgekennt, im Idealfalle natürlich auch alles besitzt, was der Markt so hergibt (die Anschaffung von Adobe-Produkten ist bei einmaliger Verwendung in etwa 2-Jahresrhythmus auf jeden Fall anzuraten, immerhin benötigt man zur Hereinarbeitung der Anschaffungskosten auch nur in etwa ein halbes Arbeitsjahr). Und selbstverständlich hat man auch jede Menge Zeit, sich mit Programmen vertraut zu machen oder zu Schulungen zu fahren (am besten nehme ich mein Kind gleich mit, dann ist es schon mal gewappnet für die Zukunft). 
Nein, nein, das ist freilich nur ein Traum, denn in der Realität wurschtelt man sich täglich autodidaktisch in Neues ein, bis einem die Fehlermeldung zu den Ohren herausquellen und man ermattet mit nervös zitternden Händen und einem ebenso dubiosen Zittern der Augenlider zum Telefon (idealerweise natürlich mobil und immer am Mann, äh, an der Frau) greift, um einen Support anzuklingeln, der einen dann süffisant an die Online-Knowledge Base ver- und auf den lukrativen Supportvertrag hinweist. Letzteren hat man aus Kostengründen natürlich nicht, also heißt es wieder "selbst ist die Frau". Dear most beloved Knowledge base, have I told you lately that I love you? Because English is of course my working language!
Weil ich es aber eigentlich so ziemlich satt habe, immer "selbst" zu sein und mich mit Dingen zu befassen, die vom Wesentlichen ablenken, schreibe ich Gedanken ganz altmodisch mit der Hand ins schnöde Notizbuch, zeichne ich meinem Sohn irgendwelche Hausaufgaben von Hand auf echtes Papier und will ich am liebsten immer sofort das perfekte Foto schießen, damit ich es auch ja nie nacharbeiten muss.
Ich will nicht Schriftsetzer, Buchdrucker, Coverdesigner, Werbetänzer, Flöhehüter, Fußabtreter ... ups, das Thema war für einen anderen Tag vorgesehen ... Wörterzählmaschine, Programmierer und Schnickschnack sein und habe mich bis dato nicht die Bohne für E-Books interessiert (Duden 25. Auflage: es heißt E-Book, genauso wie E-Card, E-Business und Co.). In erster Linie auch, weil mir schon die Mikrofiches in der Deutschen Bücherei zu guten alten Diplomarbeitszeiten ein mittlerer Graus waren und vor allem, weil ich meine Lesefreizeit nicht auch noch vor einem Bildschirm verbringen will. Mein einziges technisches Freizeitzugeständnis ist mein iPod Touch, ohne den meine Putztanzsessions schlichtweg nicht denkbar wären.  
Kurzum: Ich versuche, die Elektronisierung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, weil ich nicht ständig das Gefühl haben möchte, nicht mehr denken zu müssen, weil man alles ergoo ... dingsbums kann.
Nun habe ich aber daheim einen (hauptberuflich imkernden) Technikfreak sitzen, einen Autodidakten zwar, aber wenigstens sprüht dieser Non-Fiction-Fetischist und freiwillige Einstein-Leser vor Enthusiasmus für alles Technische, das nicht einmal auf den Computer beschränkt sein muss. Weil er von Technischem nicht die Finger lassen kann, werden wir wohl in Kürze entweder einen (infolge übermäßiger Mengen an Vernachlässigung dahingeschiedenen) Gerätefriedhof oder ein x-tes Standbein haben (Fotoatelier, ick hör dir trapsen für die Bienenwinterschlafszeit (und ja, ich weiß, dass Bienen nicht schlafen!)). 
Das E-Book aber ging auch meinem nach einem Tablet-PC illernden Imker bislang so ziemlich am Allerwertesten vorbei, denn er tendiert aufgrund seines enormen Fahrtaufkommens eindeutig zum Hörbuch. Eine beachtenswerte Hörbibliothek fährt dank Kleingeräts mit Apfel immer mit.
Doch trug es sich eines schönen Tages vor nicht einmal zwei Wochen zu, dass über eine kleine, unbedeutende Zubehörerweiterung der Fotoausrüstung amazoniert wurde. 
Defekt ist nämlich mein heißgeliebter Fernauslöser, und der Blitz (wovon ich elektrotechnische Jungfrau selbstredend null Ahnung habe) muss auch ein wenig gepimpt werden.  
Während wir also diverses Zubehör zusammensuchten, das wider Erwarten so preisgünstig war, dass wir nicht einmal die versandkostenfreie Zone erreichten, sinnierte der bienenzüchtende Landschaftsfotograf vernehmbar in den nicht vorhandenen Bart: "Brauchste nicht einen E-Reader?" 
Ha! 
Das war doch die Gelegenheit, die Hände von mir zu strecken und unschuldig zu flöten: "Ach nö, davon hab ich keine Ahnung. Nö, da müsst ich mich jetzt erst mit befassen und das ist mir grad viel zu aufwändig." In Wahrheit bin ich nämlich auch bequem, altmodisch, borniert, bockbeinig und auch ein bisschen faul.
Sprach's, ließ die Hände sinken, drehte den Rücken ... widmete sich Hausfrauenkram, und schwups wanderte ungesehen ein Kindle in den Warenkorb. 
Kostet ja auch nicht die Welt. Nö ... 
Zu meinem EntsetzenErstaunen hat der Do-it-yourself-Freund tatsächlich zum ersten Mal in knapp über 15 Jahren wilder Ehe ein technisches Gerät geordert, ohne vorher einhundert Testberichte zu studieren und durch einschlägige Elektronikfachmärkte zu tingeln und Verkäufer stundenlang um die allfällige Provision zu bringen (weil er sie nur ausfragt und in 99 % der Fälle nichts kauft). Okay, letzteres hätte mit dem Kindle sowieso nicht geklappt. 
Nicht, dass dieses Verhalten schlecht wäre, denn bisher haben wir stets Technik im Haus gehabt, die nicht bereits nach einem Jahr wegen irgendwelcher dubiosen Macken ausgesondert werden musste (auch wenn mein Laptop im Herbst von Lebensjahr drei einen argen Hau hatte, konnte der doch kostenfrei wieder behoben werden). 
Nicht einmal zwei Tage später kam dann das flache Päckchen hereingeschneit und kurz darauf saßen endlich mal zwei Jungfrauen vor dem grauen Etwas und guckten wie die Kuh ins Uhrwerk. Na gut, die Kuh war ich, denn er hatte in der Zwischenzeit das Testberichtleseloch gestopft. Fast ...
"Ich habe einen Kindle", dachte ich. Glauben konnte ich es immer noch nicht. Wie sich aber herausstellte, gehört das Ding nicht mal mir, denn wir haben es über den Account des Imkers erworben. Wie blöd ist das denn? Was will der Hörbuchlauscher mit einem elektronischen Lesegerät, das nicht vorlesen kann? Nun muss ich mich jedes mal mit seinem Konto anmelden. (Selbstverständlich bekomme ich seitdem täglich Werbe-E-Mails, in denen man mir den Kauf eines Kindle schmackhaft machen will. Klar. Zwei Augen. Zwei Hände. Zwei Ohren. Warum nicht auch zwei Kindles?)
Da traf es sich doch gut, dass ich noch kurz zuvor mit meinem Online-Cineasten über Poe diskutiert habe, denn während der (mir gehen die Synonyme aus)-Imker fleißig das vorgeladene Gerät anwarf (der Anschalter ist unten! der Anschalter ist unten!) und nach einem Sekündchen mit Fluchen anfing, weil seine verappleten Finger keinen Touchscreen vorfanden, durchforstete ich schon mal das Kostenlos-Angebot; ich bin eine Frau, aber ich kann einkaufen, ohne einen Cent auszugeben. Also flüsterte mir der Anbieter eine Reihe Kurzgeschichten für meine Begriffe etwas umständlich auf das (im Übrigen entsetzlich nach Kunststoff stinkende) Neugerät. In der Zwischenzeit schimpfte der Tablet-willige Mathebuchverschlinger (siehe da, mir ist doch noch ein Synonym eingefallen) weiter: 
"... alles nur schwarzweiß ..." (ach, stand wohl nicht in deinem Testbericht?), 
"... das Skalieren ist aber etwas umständlich, das muss ich mir mal näher anschauen ..." (also ich muss das nicht, denn ich will keine Fotofachbücher mit aufwändiger Formatierung als PDF-Datei auf dem Kindle lesen und habe sehr gute Augen, um Schriftgröße 12 erkennen zu können), 
"... Wie jetzt? Der hat ja gar keine Beleuchtung! Da kannste nicht heimlich unter der Bettdecke lesen ..." (weil ich das ja auch immer mache! Erwischt!) 
"...  das Hochformat liest sich aber nicht so gut, mal auf Querformat umschalten ..." (okay, jetzt weiß aber ich mal was: die Zeilen werden im Hochformat kürzer und sind somit besser zu lesen) 
... 
Ich schaltete dann schon mal ab, weil er ja sowieso mit einem iPad liebäugelt, sodass ich eigentlich nur auf ein Stichwort wartete, um endlich fragen zu können: "Darf ich nun endlich lesen?"
Ha, und dann kam doch noch ein Lob: "Diese elektronische Tinte hat schon was. Ehrlich. Guck dir das an. Keine Reflexionen. Aus allen Winkeln gestochen scharf. Da kriegste keine Kopfschmerzen beim Lesen." Ich guckte pflichtbewusst aus allen ohne Verrenkung erreichbaren Winkeln und gab ihm Recht. Mit einer großzügigen Geste reichte er mir dann die Neuerwerbung. "Ich glaub, da haben wir nix verkehrt gemacht", bestätigte er sich selber, bevor ich mich enthusiastisch mit Poe in die Rue Morgue zurückzog. 
Gelesen habe ich zwei Seiten. 
Seitdem liegt der Kindle auf meinem Schreibtisch, akkustark mit wechselndem Bildschirmschonerbild, aber eben ungelesen. 
Das liegt allerdings nicht am Kindle, sondern an Poes unnachahmlichem Hang zum seitenweisen Vorabpsychologisieren, mit dem ich momentan nach Tagen voller technischer Übersetzungen nichts anfangen kann. Zusätzlich ist mein papierduftiger SuB so hoch, dass ich gar nicht auf die Idee komme, den elektronischen SuB ins Blaue hinein zu erhöhen. 
Angekommen in der elektronischen Literaturwelt fühle ich mich demzufolge nicht, und eine Prüfung des Geräts auf Herz und Nieren werde ich wohl auf absehbare Zeit schuldig bleiben. 
Aber hey, wir haben noch mehr Elektronik im Haus!
Das war sie also, die Geschichte, wie die Jungfrau zum Kindle kam, der Familienzuwachs aber noch kläglich versauert.

Montag, 7. November 2011

Laubkönig-Wartezeitverkürzer #23

Nun ist es tatsächlich schon ein Jahr her, dass mich die Magie-der-Natur-Idee übermannt hatte, und inzwischen können wir es nicht mehr abwarten, das Buch endlich in den Händen zu halten. 
Trotzdem muss ich um noch etwas Geduld bitten und vertröste alle heute mit dem letzten Teaser für meine eigene Geschichte über eine überraschende Begegnung im Wald.
"Ach, Mädchen im Turme …"
"Sing nicht so laut, Mae!", forderte der Vater. "Du verschreckst doch alles, Kind! Lausch lieber Bäumen und Vögeln!"

Samstag, 5. November 2011

[31 Tage - 31 Filme] Tage 14 und 15

Tag 14: Welcher Film hat die schönste Musik?



Ich erinnere mich noch gut an die Abende im Internat, an denen Mitbewohnerin 1 und ich uns gegenseitig Film- und Serienmusik vorgesummt haben, wobei Mitbewohnerin 2 meist wohlig eingeschlummert ist. Da das aber gut zwanzig Jahre her ist, haben sich inzwischen unzählige Soundtracks durch mein Gehör geschummelt und sind entweder (und das sind die wenigsten) hängengeblieben oder in Vergessenheit geraten.
Anhand der Filmmusiksammlung, die mir meine Mama vor einigen Jahren geschenkt hat, muss ich feststellen, dass mir immer Musik gefällt, bei der ich den zugehörigen Film gar nicht kenne ...
Meine Schwäche für alte Filme kann ich nicht leugnen, und es sind mir tatsächlich wesentlich mehr ältere Scores und OST im Gedächtnis als neuere. Welches nun der schönste Score ist, kann ich gar nicht sagen. 
Ich mag ruhige, eindringliche Melodien und bin nun mal hoffnungslos romantisch.
Daher würde ich wohl noch im Schlaf Bernhard Herrmanns traurig-dramatische Musik von The Ghost and Mrs. Muir erkennen. Diesen Film habe ich nun schon so oft vorgestellt, dass ich langsam den Verdacht hege, in einer Zeitschleife zu sitzen :-)
Einer meiner Lieblingssoundtracks älteren Datums ist Breakfast at Tiffany's (Henry Mancini). Wer den Klassiker nicht kennt, setzen und eine Runde schämen :-) 
Angetan hat es mir auch The Way We Were (So wie wir waren) mit Barbra Streisand und Robert Redford. Ohne den Film funktioniert der Soundtrack zwar nicht hundertprozentig, denn er spiegelt sämtliche Epochen der Handlung wider, wodurch man hin und wieder geneigt ist, einen Titel zu überspringen. Auch wenn das Hauptthema (ähnlich dem von Barbra Streisand interpretierten Song) hier wiedererkennbar ist, ist es doch nicht ganz so repetitiv, dass es langweilen würde.
Übrigens ein sehr schöner Film mit viel Herzschmerz über die große Liebe und das Sichselbsttreubleiben. 
Ein Soundtrack, den ich wirklich nur im Film hören möchte, stammt von Francis Lai. Obwohl ich Love Story und das allseits bekannte Thema mag (auch wenn mich der Film heute längst nicht mehr voll zu überzeugen weiß), kann ich die Musik nicht losgelöst hören. Nämlich weil das Thema so wenig variantenreich ist, dass es ohne die zugehörigen Szenen nicht wirkt und schon fast langweilig ist.
Meine Favoriten etwas neueren Datums aber sind zum einen Jerry Goldsmiths Musik zu Das Russland-Haus (Taschentuchalarm in der Schlussszene) und Alan Silvestris Forrest Gump.

Und weil das so ein schönes Thema ist, fühlte ich mich zu einer ausgiebigen Runde Youtubing inspiriert, wobei ich wieder einmal über Judy Garland stolperte. 
Voilà, Judy Garland mit Charlie Chaplins "Smile"


Donnerstag, 3. November 2011

... über "Die Insel der besonderen Kinder" von Ransom Riggs

Ransom Riggs
Größtenteils spannende Zeitenverschmelzung, Holpersteine inklusive


Zum Inhalt: 
Jacob Portman ist eigentlich ein ganz normaler Teenager. Er jobt in der familieneigenen Supermarktkette, wo er sich gewaltig fehl am Platze fühlt. Sonderlich viele Freunde scheint er nicht zu haben, und sein einzig wahres Idol ist sein Großvater Abraham (Abe). Als Jacob noch klein war, erzählte Abe ihm allerlei abenteuerliche Geschichten aus der eigenen Jugend. Nicht die üblichen Märchen, die man seinen Kindern und Enkelkindern vorliest, sondern gruselige Geschichten von seltsamen Kindern, die in einem Waisenhaus auf einer Insel leben und besonders stark oder gar unsichtbar sind oder levitieren können. Doch diese besonderen Kinder sind in Gefahr, denn fürchterliche Monster sind auf der Suche nach ihnen. Während Jake als Kind fasziniert und ängstlich zugleich war, wächst mit zunehmendem Alter auch die Überzeugung, dass, entgegen der Beteuerungen des Großvaters, alles nur erfundene Stories sind, die vermutlich lediglich des Großvaters Kriegserlebnisse widerspiegeln. Doch auch mit über achtzig Jahren hält Abe an seinen Erzählungen fest, bis zu jenem Tag, als er Jacob vermeintlich verwirrt zu sich ruft, der Enkel ihn jedoch nur noch in den letzten Atemzügen auffinden kann. Sterbend erteilt er Jacob den Auftrag, "den Vogel" zu finden. Bevor Jacob selbst die Kräfte verlassen, blickt er einer entsetzlichen Kreatur ins Auge, die ihn nicht mehr loslassen wird. Um die Vergangenheit des Großvaters schließlich zu ergründen und die mit seinem Tod verbundenen Dämonen zu verjagen, reisen schließlich Jacob und sein Vater, der erfolglose Vogelbuchautor, nicht zuletzt auch auf Anraten von Jacobs Psychiater auf die Insel, die den Kriegsflüchtling Abe einst so viel Sicherheit geboten hat, und der Junge ist nahezu auf alles gefasst, nur nicht darauf, dass er vielleicht selbst Teil der alten Geschichten werden könnte ...

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