Donnerstag, 30. Juni 2011

Laubkönig-Wartezeitverkürzer #5

Die Science-Fiction-Autoren waren weniger mutig, etwas zum Thema "Magie der Natur" einzureichen, obwohl das zum Wohle der Abwechslung natürlich ausdrücklich erwünscht war.

Deshalb bin ich auch sehr froh, dass der Jury die Geschichte von Sonja Schimmelpfennig so gut gefallen hat und sie ebenfalls für die Anthologie ausgewählt wurde. 

In ihrer Geschichte "Eine fremde Natur" erzählt sie von der Suche nach neuem Lebensraum außerhalb der Erde. 

"Francesca beschirmte mit einer Hand die Augen. Sie blickte zum Himmel empor, an dem zwei Sonnen brannten: die eine rot und riesig, ein gewaltiger Stern, der den halben Himmel einzunehmen schien; die andere golden und klein, ein kleiner, unauffälliger Begleiter.
Eine Herde seltsam anmutender, sechsbeiniger Tiere mit langen Hälsen lief über die Savanne, passierte einzelne Bäume, die denen der Erde verblüffend ähnlich sahen ..."


Montag, 27. Juni 2011

Laubkönig-Wartezeitverkürzer #4

Passend zum "Jahr des Baumes" haben sich viele Autoren in den Wald begeben.

So auch Patrick Henning. In seiner amüsanten Geschichte "Das kleine Einmaleins der Hexenringe" geht es aber nicht um Bäume, sondern um Pilze und um einen grantigen Waldgeist. 
(Ich hoffe, dass die Schriftzeichen niemanden verfluchen :-)) 

"Ich fluche, sehe mich um und fluche noch mal.
Diese verdammten Ringe!
Es kam schon öfter vor, dass ich den einen oder anderen Pilz übersehen habe ..."



Sonntag, 26. Juni 2011

... über "Babel 02 - Dämonenfieber" von Cay Winter

Cay Winter

Verhalten dämonische Fortsetzung mit gewöhnungsbedürftiger Dreierbeziehung, aber sympathischem Heimspielbonus

Zum Inhalt:
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"Dämonenfieber" schließt nahtlos an Babel 01. Hexenwut an. Wir erinnern uns, dass die junge Hexe Babel auf Magie zurückgreifen musste, die sie gut und gerne wieder an den Rand der Magiesucht zurückgebracht hätte. Beim Endkampf war sie schwer in Mitleidenschaft gezogen worden und ist nun auf dem Wege der Besserung (auch dank magischer Selbstheilung). Als Babel nun zur Beerdigung der im Vorgängerband verschiedenen Sonja Schubert alias Madame Vendome geht, muss sie erfahren, dass deren Leichnam aus der Gerichtsmedizin verschwunden ist. Das wäre natürlich weniger dramatisch, wenn Babel Madame Vendome bei den Toten erspüren konnte. Wie im Reihenauftakt thematisiert, ist Babel in der Lage, die Toten zu sehen und wahrzunehmen, doch Madame Vendome ist für sie auf dieser Ebene unerreichbar. Es muss also ein Nekromant, ein Totenbeschwörer, in der Stadt sein, der die Verstorbene offenbar zurückzuholen gedenkt. Die Stadt darf sich auf einen Zombie gefasst machen. Als wäre dieser neue Auftrag nicht genug, steht plötzlich Babels Schwester Judith vor ihrer Tür. Im Schlepptau hat sie eine Reihe von Toten, die sich heimsuchend an sie geheftet haben, und ihre neueste Eroberung Auguste, einen Ombre, der angeblich nicht länger den Nekromanten angehört. Da aber weder Babel noch Judith ein glückliches Händchen bei der Männerwahl haben, ist gesundes Misstrauen durchaus angebracht. Während Halbdämon Sam für eine Weile von der Bildfläche verschwunden ist, bittet Babel überdies Tom, bei ihr einzuziehen ... 

Meine Meinung: 
Ich bin zwar ein visueller Mensch, lasse mich aber selten von Covern verführen, weshalb ich ebenso selten auf die Umschlaggestaltung von Büchern eingehe. In diesem Falle muss ich einfach mit dem Cover anfangen, weil ich der Auffassung bin, dass es trotz seiner ansprechenden Gestaltung nicht passt. Während "Hexenwut" noch die Farben und das Geheimnisvolle der Magie reflektierte und das Gesicht der abgebildeten Dame eher im Verborgenen bleibt, schauen wir hier nun einer rassigen Schönheit direkt ins Gesicht. Einen Bezug zum Inhalt kann ich leider nicht erkennen, denn sowohl Babel als auch Judith, die sich als weibliche Hauptcharaktere von "Dämonenfieber" einstufen lassen, sind blond. Babel ist die "Wilde", sozusagen Buffy auf einem Motorrad, Judith aber schon fast die businessmäßig Elegante mit kurzem Haar. Wer auch immer die rassig-gelockte Beauty ist, sie muss einem anderen Plot entsprungen sein. Zudem wirkt die nächtlich illuminierte Stadt deutlich zu großstädtisch, ja beinahe wie eine der Metropolen dieser Welt, während man Cay Winters Setting eher einer ostdeutschen Großstadt zuordnen könnte, die Babel mit ihrer MZ durchstreift. 
Ich hatte große Erwartungen an "Dämonenfieber", weil mir "Hexenwut" trotz kleinerer Abstriche Spaß gemacht hat. Offenbar waren meine Erwartungen zu hoch, denn "Dämonenfieber" erscheint mir weder so farbenfroh noch so augenzwinkernd humorvoll, wie ich "Hexenwut" empfunden hatte. 
Vom Aufbau her folgt diese Fortsetzung dem Auftaktband. 
Wieder beginnt der Roman mit "Damals" und einem frühen Geburtstag Babels, der dieses Mal die Beziehung zu ihrer Schwester in den Vordergrund rückt. Schließlich sollen wir Judith, die bisher nur am Telefon in Erscheinung trat, in Fleisch und Blut kennenlernen. 
Wie in "Hexenwut" schließt sich die Gegenwart an, und am Ende kehren wir wieder zum "Damals" zurück. 
In meinen Augen ist das eine interessante Lösung und hält mich immer bei der Stange, denn man möchte einfach wissen, welche Leichen die Geschwister noch im Keller liegen haben. Leider ist die Damals-Auflösung am Ende von "Dämonenfieber" weniger aufreibend als in "Hexenwut". 
Schade. 
Während ich zu Beginn noch manches Mal geschmunzelt habe, beispielsweise, als Babel dem Polizisten, der sie in falscher Richtung in der Einbahnstraße stoppt, sehr regional authentisch antwortet: "weil hier Gott verdammich noch mal kein Aas langfährt" (Seite 29), flaut das Humorvolle im Laufe des Buches ab. Tom und Babel haben ein paar seltene Schmunzelmomente, aber über den Mittelteil plätschert die Handlung zwar nicht langweilig vor sich hin, aber doch so unspektakulär, dass ich hin und wieder zum Querlesen verführt wurde. 
Außerdem kann ich mit Babels "Beziehungsmodell" nicht viel anfangen und meine, die Gute sollte sich doch mal für einen der beiden Herren entscheiden. 
Sam ist in "Dämonenfieber" erzählerisch nur ein Schatten seines attraktiven, anziehenden Selbst, während ich geneigt bin, Tom den Vorzug zu geben, der Babel tatsächlich aufrichtig zu lieben scheint. Von Beginn an ist er an Babels Seite, sie scheinen eine Beziehung zu haben, und Babel bittet ihn sogar, bei ihr einzuziehen. Leider ist in den entscheidenden Situationen immer Sam der Mann der Stunde, da er Babel wesentlich besser unterstützen kann, und Babel ist jedes Mal wieder hin- und hergerissen zwischen dem Mann aus ihrer Vergangenheit und dem Mann, der ihre Gegenwart und Zukunft sein könnte. 
Zu einer erdenden Konstante hingegen wird Babels AA-Sponsorin Tamy, um die ich mir allerdings Sorgen mache, da sie ja nur ein "Mensch" ist. 
Von Judith konnte ich keinen tiefen Eindruck gewinnen, und ich hoffe, dass sie uns noch einmal begegnen wird.
Meine Abneigung gegenüber Zombies war dem Lesevergnügen leider ebenfalls nicht zuträglich. 
Alles in allem aber sehe ich Fortsetzungspotenzial und werde auf jeden Fall die Geschichte um Babel weiterverfolgen.

Fazit: 
Kurzweiliger Übergangsband, der zwar nicht halten kann, was der Reihenauftakt versprochen hatte, aber genug Raum für Steigerung in Fortsetzungen lässt, denn Babels Geschichte ist längst nicht auserzählt. 
Für eingefleischte Romanzenfans ohne Kompromissbereitschaft weniger zu empfehlen. 

Nach langem Abwägen gelange ich zu einem
Gesamteindruck von:
3 von 5 Weißdornzweigen

Französischer Abend mit "Odette Toulemonde"

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Weil die letzte Volkshochschulstunde naht und ich meine Schüler zu diesem Anlass ungern mit den Wunderwerken der französischen Grammatik quälen möchte, habe ich mich auf Filmsuche begeben. 

Letztes Semester haben wir mit "Willkommen bei den Sch'tis" geschlossen, allerdings ist es recht schwierig, etwas zu finden, das den Geschmack meiner 5 Kursteilnehmer auf ähnlich universale Weise zu treffen wüsste.
Einer meiner französischen Lieblingsfilme, "Ein Herz im Winter", fällt leider aufgrund von Kriterien, wie Länge und Schwermütigkeit, als Abschlussveranstaltungsfilm auch heraus. Mit "La Boum" kann ich auch niemanden mehr locken.
Also habe ich mir ein paar Filme ausgeliehen, die ich noch nicht kannte. 
Auch wenn mich die französische Sprache beruflich jeden Tag umgibt, sehe ich sehr, sehr selten französische Filme, sodass viele einfach an mir vorbeigehen.
So hat sich auch "Odette Toulemonde" an mir vorbeigeschummelt (zur Entschuldigung darf ich ins Feld werfen, dass der Film im Herbst 2007 in die deutschen Kinos kam, als wir aufgrund akuten Babysittermangels ohnehin nicht ins Kino gehen konnten).

Eric-Emmanuel Schmitts Regiedebüt erzählt von Allerweltsfrau Odette Toulemonde (= tout le monde = jedermann). 
Odette, Mitte Vierzig, ist bereits seit zehn Jahren verwitwet und lebt mit ihren zwei erwachsenen Kindern, dem homosexuellen Rudy und der trotz guter Ausbildung arbeitslosen Sue Helen, und zu allem Überfluss auch noch mit Sue Helens seltsam grummeligen, faul-ordinären Freund in einer spießigen Mietwohnung im belgischen Charleroi. Ihre Brötchen verdient sie in der Kosmetikabteilung eines Kaufhauses, in dem keiner an dem Platz zu arbeiten scheint, für den er geschaffen ist. Odette, die sich nie schminkt und trotz gepflegter Erscheinung unscheinbar, aber lesebegeistert ist, bringt Spachtel und Kitt und so manchen guten Ratschlag an die kaufwillige Frau, während ihre make-up-begeisterte Kollegin für Lektüre nichts übrig hat, aber in der Buchabteilung arbeitet. Abends näht Odette Federn an Revuekostüme, weil ihre Mutter dies bereits getan hat, und verdient sich so etwas dazu. 
Obwohl es auf den ersten Blick nicht so aussieht, dass Odette glücklich sein könnte, ist sie es doch und vor allem mit den kleinen Dingen zufrieden. Sie ist vernarrt in die seichten Romane des französischen Autors Balthazar Balsan, die sie ihrem Alltag (und das ist wörtlich zu nehmen) entschweben lassen, ihr nach dem Tod des Mannes sogar neue Kraft gegeben haben. Deshalb fährt sie ohne Umschweife zu einer Signierstunde nach Brüssel, wo sie ihrem Idol zum ersten Mal gegenübersteht, aber dermaßen aufgeregt und verdattert ist, dass sie nicht in der Lage ist, ihre einstudierte Rede, geschweige denn ihren Namen herauszubringen. Sie ergattert eine Widmung "Für Dette" (dass "dette" im Französischen Schuld bedeutet, geht im Deutschen natürlich unter, ist aber auch nicht weiter schlimm). 
Sohn Rudy, Frisör mit wechselnden Männerbekanntschaften, bringt sie schließlich auf die Idee, dem Schriftsteller einen Brief zu schreiben. 
Gesagt, getan, Odette setzt sich hin und schreibt alles auf, was sie Balthazar Balsan schon immer sagen wollte. Sie macht sich auf zur nächsten Signierstunde in Namur, um ihm den Brief zuzustecken. 
Während Odette mit einer ordentlichen Widmung stolz nach Charleroi zurückschwebt, zerbröckelt in Frankreich Balsans Leben. Er, der keine Gelegenheit, fremden Röcken nachzusteigen, auslässt, wird nicht nur von einem Literaturkritiker verrissen, sondern muss auch noch feststellen, dass seine Frau eben mit diesem Kritiker ein Verhältnis hat. Als sein Sohn auf einem Schulausflug lieber unter dem Namen der Mutter geführt wird, stürzt er in ein Loch. Balthazar unternimmt einen Selbstmordversuch, der ihn ins Krankenhaus bringt. Nachdem er in Therapiesitzungen beharrlich schweigt und schließlich selbst erkennt, dass er jemanden braucht, der ihn liebt, flieht er aus dem Krankenhaus. Auf seiner ziellosen Fahrt findet er Odettes Brief in der Manteltasche. Er liest ihn unter Tränen und steht wenig später unvermittelt vor Odettes Tür mit der Absicht, ein paar Tage zu bleiben. Selbstverständlich kann sie nicht nein sagen.

"Odette Toulemonde" ist zwar eine Komödie, aber kein Schenkelklopfer und macht auch keinen Muskelkater in der Bauchgegend, aber der Film ist auf seine Weise sehr amüsant und auf jeden Fall unterhaltsam. 
Auf der DVD heißt es sogar "Märchenhaft". Nun ja, die märchenhaften Elemente bestehen wohl darin, dass Odette wie Mary Poppins, allerdings begleitet von Josephine Bakers Gesängen, zu schweben beginnt, wenn sie von Gefühlsregungen entrückt wird, und das Schattenpärchen auf ihrer kitschigen Sonnenuntergangstapete lebendig wird. 
Ansonsten ist Odette, charmant dargestellt von Catherine Frot, der klischeehafte Inbegriff der Schmonzettenleserin, aber weder "geistig arm", wie es Literaturkritiker Olaf Pims für Frisörinnen, Kassiererinnen etc. generalisierend behauptet, noch dumm oder kleingeistig. 
Es spielt keine Rolle, ob man überhaupt um die Existenz eines Literaturnobelpreises weiß, wenn das Glück in den Worten liegt, die ein jeder verstehen kann. 
Odette ist sozusagen die Daseinsberechtigung für Balthazar Balsan, denn er macht sie glücklich. Das allerdings muss er erst noch erkennen, er, der zutiefst gekränkt ist angesichts der Kritik (es grenze bereits an einen Geniestreich, dauerhaft so schlecht zu schreiben, so Kritiker Pims). Und er muss herausfinden, was ihn glücklich macht, denn plötzlich merkt er, dass er immer das Glück der anderen anstrebte, indem er sich eine falsche Vergangenheit andichtete, sich eine schöne Frau nahm, langbeinige Geliebte hatte, nach Geld und Ruhm strebte. Die wenigen Tage bei und mit Odette rücken seinen Kopf zurecht
"Odette Toulemonde" ist eine Liebesgeschichte, die mit der Verehrung einer Leserin für einen Autor beginnt und zu mehr wird, ohne dass man sich zunächst allzu große Hoffnungen auf ein Happy End macht. Dies ist übrigens auch der Siez-Distanz geschuldet, die bis zur letzten Szene des Films aufrechtgehalten wird. Der Film ist aber auch eine Liebeserklärung an die "seichtere" Literatur, die ebenso gebraucht wird wie Nobelpreisverdächtiges. Dass auch Autoren Gefühle haben, dürfte zwar klar sein, aber hier wird die Gelegenheit ergriffen, noch einmal darauf hinzuweisen.
"Odette Toulemonde" spielt nicht subtil mit Klischees, sondern kommt relativ holzhammermäßig daher, will vermutlich nicht einmal subtil sein, wodurch die überspitzten Charaktere trotzdem authentisch und sympathisch wirken. So ist Jésus, den Odette stets mit einem "Wie geht's, Jésus?" begrüßt, ganz klar eine Metapher für ihren jeweiligen Gemütszustand. Fühlt sie sich leicht und glücklich, kann Jésus übers Wasser laufen. Ist ihr Herz schwer, läuft er im Hintergrund halbnackt mit schwerem Balken auf der Schulter durchs Bild. Das ist zwar aufgesetzt, aber bringt einen doch zum Schmunzeln. 
Französischen Humor muss man ohnehin mögen. 


Alles in allem ist "Odette Toulemonde" eine charmante belgisch-französische romantische Komödie, die von ihren sympathischen Hauptdarstellern Catherine Frot und Albert Dupontel lebt, unterhält und nicht langweilig ist. 
Frankophilen Kinoliebhabern durchaus zu empfehlen! 
Auch zum Immerwiedersehen.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Von Feen verführt

Nichts ahnend schlenderte ich am Dienstag in den Spielwarenladen mit integrierter Schreibwarenecke meiner Wahl, um die leidlichen Schuleinkäufe fortzusetzen. Es ist schier unglaublich, dass jede Grundschule in der Region andere Heft- und Heftervorstellung hat, sodass ich nun schon zum dritten Mal in der Schreibwarenecke einreiten musste, um das gewünschte Schreibübungsheft, das hier wirklich niemand, aber auch gar niemand, außer natürlich der Schule, in die mein Sohn kommt, verwendet, abzuholen.
Nachdem mich bislang immer die Schleich-Ecke im Laden gefesselt hat, machte ich dieses Mal den Fehler, um das Regal herumzugehen. Meine gierigen Augen erspähten sofort die - jippie! - Buchnische, und es war sofort um mich geschehen. Eines meiner liebsten Hobbies ist es nämlich, Bekannte, Verwandte und solche, die es werden wollen, vor allem aber Kinder mit Büchern zu beschenken. Ohne einen Anlass zu brauchen, schleppe ich daher zu jeder Zeit meinem Sohn neue Bücher ins Haus, und weil die Pi-mal-Daumen-Statik unseres Hauses schon etwas über hundert Jahre ausgehalten hat, bin ich optimistisch, dass sie die Kombination aus neumodischen mal kurz am Holz vorbeigeschrammten Möbeln und Büchern noch etwas länger ertragen wird.
Weil es in der Bücherecke so schön geheimnisvoll funkelte, musste ich einfach nähertreten. 
Ganz ehrlich, ich bin felsenfest davon überzeugt, dass eine Fee aus dem Buch geklettert ist und es mit Feenstaub funkeln ließ, damit ich es sehe.
Nächste Woche haben wir nämlich in der Verwandtschaft einen Mädchengeburtstag, und wie von Zauberhand lockte das Funkeln: Kauf mich, kauf mich.
Alles klar! Wird erledigt, äh, gekauft!

Gekauft habe ich also dieses wunderfeine Buch:
(c) arsEdition

Dieses zauberhafte Buch von Ars Edition hat zwar nur 32 Seiten, aber die sind voll von Feen und Informationen, die kleine und große Feenliebhaber gerne erfahren wollen. Okay, ich gebe zu, man muss ein Faible für Feen und Glitzer haben. Fantasylosen Lesern dürfte es zu kitschig sein. 

Schon der feste Einband des querformatigen Buchs ist eine glitzernde Verführung. Neben dem typischen Reigen liebevoll gemalter Feen in allen Farben des Regenbogens gibt es (die derzeit wohl unvermeidlichen) grünen Ranken, die wie auch der dunkelrosafarbene Titel mit grünem bzw. goldenem Flitter bestreut sind, der ein zusätzliches haptisches Erlebnis bietet. 
Der Text im Inneren klärt uns auf: Feen lieben hübschen Flitter und Tand, deshalb ist es nur recht und billig, dass dieses Buch entsprechend flirrt und schimmert. 

Auf den wenigen Seiten gibt es allerlei zu entdecken. Wir werden nicht nur aufgeklärt, welche Feenarten es gibt (Hausfeen, Gartenfeen, Waldfeen, Wasserfeen), sondern auf fast jeder Seite wartet ein kleines Extra, beispielsweise Klappen, die Einblick ins Feenschloss verschaffen, Büchlein oder Einschübe. 
Der Tagesablauf der Fee kommt ebenso zur Sprache wie Zaubersprüche, Rezepte und nicht zuletzt auch die Feinde der Fee. Der Text ist für Kinder vielleicht stellenweise zu ernst und die Satzlänge zu lang, aber das dürfte kleine Feenmädchen wenig schrecken. 
Liebevolle und hochwertige Ausstattung rechtfertigen den hohen Preis und verdienen insbesondere wegen der kleinen, sensiblen Extras eine sehr pflegliche Behandlung.


Jetzt habe ich nur noch ein Problem: Mein nichtzielgruppenzugehöriger Sohn hat das Schmuckstück entdeckt und sich verliebt. Da werden zum Schulanfang wohl noch ein paar Feen herbeiflattern müssen. 

Sollte man mich in den nächsten Tagen vermissen - ich bin aller Wahrscheinlichkeit nach im Feenland zu finden.

Laubkönig-Wartezeitverkürzer #3

Nachdem der letzte Wartezeitverkürzer von Michaela Kieckheim stammte und sich ebenfalls mit dem Kalten befasste, lasse ich Euch noch einen Augenblick länger frieren, indem ich euch eine weitere Geschichte vorstelle, die von Bergen und dem Winter erzählt. 

Vorher will ich noch darauf hinweisen, dass diese visuellen Wartezeitverkürzer lediglich der Fantasieanregung dienen sollen und meine Interpretationen der Geschichten sind, die Anthologie "Mittendrin - der Laubkönig erzählt" aber keine Illustrationen haben wird. 

Kommen wir also zu Paul Tobias Dahlmanns Geschichte "Rot wie Blut", die von Silweile und ihrer Liebe erzählt, die auch unter den widrigsten Bedingungen Wunder zu vollbringen vermag. 

Als kleiner Anreiz wieder die ersten drei Sätze:

"Silweile war eine Priesterin, eine Frau, die sich ganz und gar den Prinzipien der Liebe verschrieben hatte. Sie liebte die Welt und alles in ihr: die Menschen und die anderen Völker, die Pflanzen und die Tiere, die Wissenschaft und die Magie. Sie liebte die Liebe selbst, und sie war gewillt, sie einem jeden zu bringen, der nur bereit war, sie von ihr zu empfangen ..."


Da ich ja kein Fotomonteur bin, war das ein geringfügiger Kraftakt :-) Danke an Kadri Umbleja, von der das Cover des Laubkönigs stammt, dass ich das Foto ihrer Schwester verwenden durfte.

Montag, 20. Juni 2011

Laubkönig-Wartezeitverkürzer #2

Hier kommt der nächste visuelle Teaser für "Mittendrin - der Laubkönig erzählt". 

Heute ist die Jungautorin Michaela Kieckheim an der Reihe.
In ihrer Geschichte "Gletschergeister" erzählt sie von den Launen und Ränken des Unsichtbaren im Eis. 

Als kleiner Vorgeschmack folgen die ersten drei Sätze:

"Sie waren älter als die Zeit, und einst, als Eis weite Teile der Welt bedeckte, lebten sie beinahe überall. Auf den Bergen, in den Tälern und auf den weiten Eisfeldern der Gletscher. Sie waren Wesen wie Nebelschleier, dem gehauchten Atem der Lebewesen gleich, die später die Erde bevölkern sollten ..."

Sonntag, 19. Juni 2011

... über "Meeresblau" von Britta Strauss

"Meeresblau"

Sirenengleich, sinnlich, spannend - einfach berauschend schön!

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Zum Inhalt:
Christopher Jacobsen, charismatischer, eloquenter Meeresbiologe und jüngster und vermutlich auch beliebtester Dozent der Universität von St. Andrews, wird nicht nur vom Tod seiner Eltern aus seinem Alltag gerissen. Als er auf die Isle of Skye zurückkehrt, um für seine noch schulpflichtige Schwester Jeanne zu sorgen, wird eine seltsame Sehnsucht immer stärker. Neben dem immer deutlicher werdenden Ruf des Meeres stellt er allerlei körperliche Veränderungen an sich fest. Während er noch zu verleugnen versucht, dass er anders ist, ahnt Jeanne bereits, dass er dem Meer gehört. Christopher nimmt eine neue Stelle beim einheimischen meeresbiologischen Institut an, wo er Meeresbiologin Maya, nach eigenen Angaben halb Sioux, halb Japanerin, kennenlernt. Sie plant eine Tiefseeexpedition, und er beschließt, sich ihr mit seiner Schwester anzuschließen. Noch bevor sie aufbrechen, kommen sich nicht nur Maya und Christopher näher, sondern erfahren beide auch, wer bzw. was er wirklich ist. Seine Verwandlung, die mit zahlreichen "Nebenwirkungen" einhergeht, die nicht nur ihn in heikle Situationen bringen, nimmt rasant zu, bis er am Ziel, vor der Küste Chiles, der magischen Anziehungskraft seiner wahren Heimat nicht länger widerstehen kann und die letzten Vertreter seiner Spezies ausfindig machen will. Auf einem Schiff voller Meeresexperten sitzen Maya, Jeanne und Christopher als Geheimnisträger außerdem auf einer Zeitbombe aus Hightech-Ausrüstung, sodass es von vornherein ungewiss ist, ob und wie lange Christophers wahre Natur unerkannt bleibt.

Meine Meinung: 
Es gibt Bücher, die mit jeder entzündeten Kerze, jedem Satz eines begeisterten Herzens, jedem Rattern und Knirschen ... mit jedem tiefen Atemzug, jedem Windhauch und jeder Brise Salzwassers das Herzblut der Autorin oder des Autors atmen. Nach Jennifer Benkaus Phoenixfluch, Vanessa Diffenbaughs Die verborgene Sprache der Blumen und Helene Henkes Electrica - Lord des Lichts zählt für mich Britta Strauss' Meeresblau in diesem Jahr zu den Romanen, bei denen man in jedem Wort spürt, wie sehr sie gerade dieses Buch schreiben wollten. 
Die Autorin nimmt sich Zeit, die Zerrissenheit ihres männlichen Hauptcharakters mit den Gefühlen für den weiblichen Gegenpart zu verspinnen, dass man als Leser buchstäblich in den Strudel des Meeres, das seine Heimat sein sollte, und in die immer stärker werdende Zuneigung zu der intelligenten, ebenbürtigen Frau, die ihn (noch) an Land hält, hineingesaugt wird. In schon fast stillem Einverständnis sind die Frau und das Meereswesen, das sich als eine Art Superman-Findling herausstellt, eins, und man bangt und hofft, dass Christopher seine Bestimmung erkennen möge, ohne die Frauen in seinem Leben, Jeanne und Maya, zu verlieren oder zu verletzen
In der ersten Hälfte des Buches, die sich dem Zueinanderfinden der Charaktere und Erkunden der Mythen der Sirenen und von Christophers Herkunft widmet, geht es vergleichsweise romantisch, sinnlich und auch erotisch zu, wobei keiner den anderen unterwirft, sich aber durchaus nimmt, was er braucht. Der Fokus liegt hier deutlich auf Christopher und Maya, und beim Lesen fühlt und sieht man mehr, als dass man stummer Zuhörer von Dialogen ist. Auf diese Weise entsteht unweigerlich Sympathie für die Charaktere und ihre Beziehung.
In der zweiten Hälfte ändern sich logischerweise Szenerie und Umgang, denn dort befinden wir uns auf einem Forschungsschiff. 
Nachdem Maya sich anfangs durchaus selbstbewusst gezeigt hat, war sie doch fraulich und sinnlich. Aufgrund ihrer Herkunft ist sie in der Lage, die wissenschaftliche Abgeklärtheit aufzuweichen und den Glauben an Legenden und Fabelwesen zuzulassen. Sie ist stark genug, Christopher als das, was er ist, zu akzeptieren, auch wenn die Aussicht, ihn für immer an das Meer zu verlieren, sie unendlich schmerzt, sogar mehr noch als die unterschwellige Sorge, neben ihm zu altern und zu verwittern.
Auf dem Schiff aber ist sie der Boss und hat, wie es aussieht, Crew und Studenten im Griff. 
Sie ist erwachsen und kann den Arbeitsplatz problemlos mit einem gescheiterten ehemaligen Beziehungsversuch teilen. 
Der Ton ändert sich deutlich, wird manchmal so rau wie die offene See, die ihren romantischen Touch verliert. 
So wundervoll die Wellen und der Wind auch sein mögen, das Meer ist nun mal eine Herausforderung, die der Mensch wohl nie meistern oder erschließen wird, und ich finde es gut, dass Britta Strauss ihre Geschichte nicht auf ein fröhliches Plantschen im Meer zwischen bunten Fischlein reduziert, sondern die Gefahren, die das Meer birgt, aber auch die Gefährdung des Wasserlebensraumes durch den Menschen nicht unter den Tisch fallen lässt. 
In der zweiten Hälfte zeigt sich Maya als taffe Wissenschaftlerin, die nun angesichts des Equipments übereifrig auf die Idee kommt, Christopher auf Herz und Nieren zu analysieren. Dieser wird glaubhaft und nachvollziehbar langsam immer mehr zum Meermann, schön und faszinierend, aber mit einem Male auch überraschend gefährlich und unendlich sehnsüchtig dem Ruf des Meeres und dem Pflichtbewusstsein gegenüber seinen letzten Artgenossen verfallen, sodass Maya und Jeanne Gefahr laufen, ihn für immer zu verlieren. 
Als es zur Katastrophe kommt, glaubt man, in den unergründlichen Tiefen zu ertrinken.
Auf den letzten Seiten war ich schließlich außer Atem vor lauter Wünschen und Hoffen für Christopher, sein "Volk" und Maya. Man wird verschluckt von Wellen, kämpft mit Christopher gegen das Vergessen, wartet und sehnt mit Maya. 
Aufatmen konnte ich erst mit dem letzten Vers von Jacks Lied (Christophers Vater) auf Seite 245. 
Der Rausch, den "Meeresblau" hinterlassen hat, wird aber noch lange nachhallen.

Kleiner Hinweis: Wie im Sieben-Verlag recht üblich hat auch "Meeresblau" ein breiteres und höheres Sonderformat mit kleinen Seitenrändern, ist sogar geringfügig größer als "Electrica". Dadurch wirkt die Schrift, die in Standardfont und -größe ausgeführt ist, etwas klein, aber auf 248 Seiten passt so wesentlich mehr Text, als man erwarten würde. Man sollte sich davon aber keinesfalls abschrecken lassen! 

Fazit: 
Geheimnisvolle, berauschende Romantasy, die hält, was Andrea Gunscheras sinnlich-blaues Cover verspricht, ohne lahme Klischees auskommt, von Anfang bis Ende mitreißt, zum Träumen einlädt und atemlos macht.

Gesamteindruck: 
5 von 5 Weißdornzweigen


Samstag, 18. Juni 2011

... über "Electrica - Lord des Lichts" von Helene Henke

"Electrica - Lord des Lichts"

So lässt Steampunk auch Frauenherzen höher schlagen

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Zum Inhalt:
1819 lebt Sue Beaton im Dorf Lochdon auf der schottischen Isle of Mull, das dem Clan der Macleans untersteht, von denen man sich allerlei Schauergeschichten erzählt. Von ihrer Familie ist der gebürtigen Engländerin, nun Mitte Zwanzig, nur Tante Meggie geblieben, bei der sie seit ihrem zehnten Lebenjahr lebt. Im Gegensatz zu dem üblichen dörflichen Frauenbild ist Sue des Lesens und Schreibens mächtig und liebt es, Geschichten auf das schwer zu beschaffende Papier zu bannen. Von anmutiger Gestalt und anziehendem Äußeren, geht sie den Dörflerinnen, die sie eher begaffen, gern aus dem Weg. Lieber umgibt sie sich mit dem scheinbar minderbemittelten, herzensguten Sean, den sie großzuziehen half. Es steht ihr nicht der Sinn danach, sich an einen ungeliebten Mann zu binden, weshalb sie die wenig schmeichelhaften Anträge des ungehobelten Sheriffs Black vehement zurückweist und lieber als alte Jungfer davonlaufen würde. Als es im Hause des rüden Schulmeisters, dessen Haushalt Meggie führt, zu einem Zwischenfall kommt, dem Meggie zum Opfer fällt, beschließt Sue, Lord Maclean um Hilfe zu bitten. Den hat allerdings noch keiner zu Gesicht bekommen. Nach einer Beinahebegegnung mit etwas, das Sue für eines der sagenhaften Wasserungeheuer hält, steht sie bald im Duart Castle zunächst den merkwürdigen Bediensteten des Lords gegenüber, die sie am liebsten schnellstmöglich wieder loswerden möchten. Kurz darauf trifft Cayden Maclean, der Hausherr, ein, der sie nicht nur schützend im Haus aufnimmt, sondern sie auch mit seinen technischen Spielereien fasziniert. So besitzt er eine Druckmaschine, die er Typomat nennt und die sofort Sues Schreiberherz höher schlagen lässt. Außerdem tüftelt er an einem Ersatz des Gaslichtes, forscht an der Nutzbarmachung von Elektrizität, um die Nacht dem Tag ebenbürtig zu machen. Sue aber weiß natürlich nicht, dass der Hintergrund dafür ist, dass Cayden ein Vampir ist. Unwissend in Bezug auf diesen Umstand wird sie bald seine Geliebte, doch Cayden muss seine Gefühle unterdrücken. Ein inneres Band verbindet ihn mit seinem ehemaligen Mentor und nun Feind Luthias, den jede Emotion weiter Fährte aufnehmen lässt, bis er Cayden findet, um ihn zu vernichten. Natürlich hat Sue ein ordentlichen Wörtchen mitzureden ... 

Meine Meinung:
Electrica - Lord des Lichts ist ein wunderbares Gesamtpaket. Bereits beim Cover hat Autorin und Grafikerin Andrea Gunschera ganze Arbeit geleistet und den Inhalt lebendig werden lassen. So ist die abgebildete Dame tatsächlich blond und sanft-hinreißend, wie sie im Roman beschrieben wird, Schloss und mechanische Teile als Steampunk-Elemente sind ebenfalls aufgegriffen. 
Die Autorin Helene Henke hat mit Sue Beaton einen klugen, interessierten und interessanten Charakter geschaffen, der dem männlichen Part ebenbürtig ist. Sie ist zwar fraulich und in bestimmten Situationen (ich sage nur: rasante Automobilfahrt!) verständlicherweise ängstlich, aber es gelingt ihr - und zwar nicht erst in der Gegenwart - Cayden eben nicht nur auf körperlicher Ebene anzusprechen. So springt sie, nachdem sie erst nach vergleichsweise langer Zeit erfährt, was Cayden wirklich ist, auch nicht wie ein aufgeschrecktes Huhn davon, sondern hört ihm erst einmal besonnen zu. 
Dabei ist die Geschichte keineswegs auf die Romanze beschränkt, sondern immer wieder geschickt mit Caydens Technikbegeisterung, die er zudem gewinnbringend zu nutzen weiß, verknüpft. Ohne dass es aufgesetzt wirkt, flicht Helene Henke Steampunkelemente ein, die das Geschehen vorantreiben und die Spannung erhöhen. Einzig das Fluggerät schien mir trotz Einarbeitung in die Handlung ein wenig deplatziert, aber darüber konnte ich großzügig hinwegsehen.
Es ist mir bewusst, dass es ein typisches Frauenklischee ist, aber ich zähle mich zu den technisch wenig begeisterungsfähigen Leserinnen, die schon bei Jules Vernes Abenteuern Angst haben, den Faden zu verlieren. 
Diese Angst ist bei "Electrica - Lord des Lichts" absolut unbegründet, denn alles wird anschaulich und vor allem auch glaubhaft dargestellt, ohne übermäßig zu technisieren. 
Ich ziehe den Hut vor Recherchearbeit und Umsetzung!
Neben Erotik, die nun mal zum Romanzengenre gehört, hier aber wunderbar dosiert ist und nie am falschen Platz wirkt, gibt es ebenso wohldosierte, nahezu filmisch inszenierte Action, aber auch Blut in Maßen und somit einen Endkampf, der es tatsächlich ganz schön in sich hat. 
Aufgrund der Perspektivenwechsel, bei denen man abwechselnd Sue und Cayden (aber auch anderen wichtigen Charakteren) zusieht, kennt man natürlich jeweils deren Gedanken und Gefühle, sodass man sich im Showdown keiner Mitleidshudelei hingeben muss, sondern sich voll und ganz auf die Handlung konzentrieren kann. 
Es gibt kein haltloses Geschmachte, und die Personenanzahl ist überschaubar und nicht verwirrend.
Ebenfalls als wohltuend empfand ich, dass Cayden weder ein "normaler" Vampir und daher nicht mit den Klischeeeigenschaften ausgestattet noch ein typischer gequälter Held ist. Die Erklärungen dafür weiß Helene Henke geschickt in Geschehen und Dialoge einzubauen, ohne Längen zu produzieren. 
Selbst wenn Cayden hin und wieder auf Sues Geist einwirkt, einen Anflug von machohaftem Besitzanspruch zeigt oder sie mit Absinth benebelt, bleibt er durchweg Sympathieträger, und man wünscht sich, dass es ihm gelingt, die Nacht zum Tag zu erhellen. 
Und nicht zuletzt ist noch die eine oder andere Überraschung eingestreut.
Über den gesamten Roman hinweg ist die Freude der Autorin am Experimentieren mit dem Genremix aus Paranormal, Fantasy, Steampunk und Romanze ganz deutlich lesbar. 
Deshalb habe ich mich an "Electrica - Lord des Lichts" auch so festgesaugt, dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe. 

Kleiner Hinweis: "Electrica - Lord des Lichts" hat ein breiteres und höheres Sonderformat mit kleinen Seitenrändern. Dadurch wirkt die Schrift, die in Standardfont und -größe ausgeführt ist, etwas klein, aber auf 200 Seiten passt wesentlich mehr Text, als man erwarten würde. Man sollte sich davon aber keinesfalls abschrecken lassen!

Fazit:
Ein erwachsener Liebesroman mit reifen, besonnenen Charakteren, denen man in nachvollziehbaren Geschehnissen gerne über die Schulter schaut. 
Eine Steampunkromanze, bei der die LeserIN keine Angst vor Technik haben muss, die Romantik aber nicht zu kurz kommt - ein rundum gelungenes Gesamtpaket mit lesbarer Freude, die Lesefreuden bereitet. 

Gesamteindruck: 
5 von 5 Weißdornzweigen

Verspätetes Geburtstagsgeschenk

Ich hatte ja Anfang Mai Geburtstag, aber mir fiel nicht so recht ein, was ich mir außer Büchern schenken lassen sollte. 
Die ganze Schenkerei wird auf Dauer sowieso ein bisschen viel, und ich bin eher genügsam. 

Dann aber fand ich über Facebook die Website www.mygall.net und darüber auch ein Kunstwerk von Gabriele Behrend, die ich ja bereits als wunderbare Autorin kennengelernt habe. Deshalb muss ich einfach hier Werbung für sie machen!

Verliebt habe ich mich in eine Löwin, die so wunderbar in mein Wohnzimmer passt, dass ich sie mir unbedingt selbst zum Geburtstagsgeschenk machen musste. 

Und so sieht sie aus:
Weil ich zu dämlich bin, ein Bild an einer Ziegelsteinwand anzubringen, ohne das Haus zu zerstören, erlaube ich mir, das Foto vorerst schuldig zu bleiben. 

Wer noch mehr von Gabriele sehen möchte, klicke bitte auf klick.

Also ehrlich, ich bin total begeistert, wie viele weitere Talente in manchen Autoren stecken!

... über unliebsame Szenen #1 - oder "kotzende Charaktere"


Bevor ich zum Kern der Sache komme, schicke ich den Warnhinweis voraus, dass nervös-pikierte Mägen diesen Post wohl eher meiden sollten. 

Ich werde häufiger gefragt, was ich gerne schreibe.
Während die meisten Autoren antworten, sie schreiben gern, was sie selbst gern lesen würden, ist meine Antwort nicht ganz so schwarz und weiß. 
Natürlich schreibe ich auch Dinge, die ich gerne lesen würde. Es wäre ja blöd, wenn ich meine eigenen Geschichten nicht lesen wollen würde. Aber ich schreibe auch hin und wieder Dinge, die ich bei anderen Autoren kritisiere oder die (für mich und vielleicht auch für den Leser) eher unliebsam sind.
Auch wenn ich im Leben harmoniebedürftig bin, halte ich allseitige Gefälligkeit noch lange nicht für das Maß der Dinge und sträube mich, zu schreiben, was die Allgemeinheit mit einstimmigen Jubelschreien vom Lesehocker haut. So kann der Kitsch tropfen oder auch nicht, Blut mit Fremdschämfaktor fließen usw.

Schon länger habe ich darüber nachgedacht, in unregelmäßigen Abständen aus der Schreibstube über Szenen zu berichten, die mir aus verschiedenen Gründen schwer fallen. 
Man sitzt schließlich nicht still in seiner Fantasieblase und tippt gedankenlos wirres Zeug, sondern es arbeitet in der Hobbyautorin. Sie hadert, zaudert, zweifelt, löscht, schreibt neu, diskutiert und kämpft mit Szenen, die so gar nicht buttrig sein wollen. Weil sie vielleicht Persönliches preisgeben könnten, zu kitschig sind oder zu blutig oder gar eklig und unangenehm.

Während meiner Überlegungen ergab es sich, dass ich inzwischen von  drei befreundeten Autorinnen auf aktuelle Negativrezensionen zu "Blutsuche" aufmerksam gemacht wurde.

Es tut mir natürlich immer leid, wenn einem Leser mein Buch nicht gefällt, aber ich kann damit leben, denn weder lege ich es darauf an, dass meine Geschichten jedem gleich gut gefallen, noch haben Leser allesamt den gleichen Geschmack. Auch mir geht es gelegentlich so, dass ich positive, gar überschwängliche Bewertungen von Romanen nicht nachvollziehen kann. 

Ich bin also überhaupt nicht beleidigt. Jeder darf seine Meinung äußern, ich tue es ja auch.

Daneben bin ich für negative Kritik nicht einmal undankbar, da ich nicht vorhabe, das Schreiben aufzugeben, sondern Kritik berücksichtigen möchte.

Allerdings wird mir in einer Rezension ein Vorwurf gemacht, den ich so nicht stehen lassen kann. Ich weiß, dass man (sogenannte) Rezensionen eher neutral betrachten und sich nicht äußern sollte. Als BOD-Autor haben wir aber immer den Stempel "Das ist eh bloß Mist" auf der Stirn und werden oft wesentlich gnadenloser beurteilt, auch wenn es in vielen Fällen berechtigt ist, weil BOD ja "nur" ein Verlagsdienstleister ist und auch ein Buch mit komplett schwarzen oder weißen Seiten drucken würde.

Langes Vorgeschwafel, einfacher Anknüpfungspunkt: Dies alles trifft mit meiner Absicht, Leseproben zu posten, wie auch dem Vorhaben zusammen, über Szenen zu schreiben, die mir schwer von der Hand gehen.  

Es gibt einige Themen oder Szenen, die mir von vornherein nicht gut von der Hand gehen. Trotzdem will ich sie nicht umschiffen, wenn sie zu einem Charakter dazugehören, und seien sie noch so unangenehm.

Diese Thematik bietet Stoff für mehrere Postings, sodass ich zu gegebener Zeit darauf zurückkommen werde.

Heute möchte ich nicht nur, sondern muss ich schlichtweg umfangreicher auf den einen Aspekt eingehen, der in aktuellen Negativrezensionen mit einer übertriebenen Bedeutung versehen wird.

Dass das Thema nicht nach Rosen duftet, ist mir klar, aber - gerade herausgesagt - auch ein Protagonist muss mal aufs Klo, und wenn er sich nur kurz zum Nasepudern verabschiedet.
Es wird immer wieder Leser geben, die sich daran stoßen, dass Kommissar X pinkeln muss, sobald er aus seinem Auto aussteigt. 
Aber daneben gibt es auch Leser (oder Filmfreunde), die es befremdlich finden, wenn ein (zukünftiges) Pärchen in einer Hafenkneipe sitzt, ein Bier nach dem anderen trinkt und hernach zu körpernahen Aktivitäten im Stundenhotel verschwindet, ohne dass das Bier auch nur einen Hauch von Wirkung gezeigt hat. (Was in aller Welt trinken denn die Menschen auf diversen Veranstaltungen, wenn sie anschließend nicht ganz so klammheimlich länger in Ecken oder an Straßenrändern verweilen müssen?)
Es geht natürlich nicht darum, die Blasenkapazität en détail zu hinterfragen oder außerhalb von plotnotwendigen Autopsien Mageninhalte zu analysieren, aber einen Funken menschliche Bedürfnisse dürften doch mit einer schlichten Feststellung, wie "Ich ließ ihn stehen, weil sich die drei Tassen Kaffee einfach nicht mehr zurückhalten ließen" (ja, ich weiß, es geht auch besser), niedergeschrieben werden.

Im speziellen Fall geht es nun um das Erbrechen meiner Protagonistin: Es heißt, der Hauptcharakter übergebe sich ständig, was die Frage aufwerfe, ob ich Bulimie habe und das auch noch toll finde.

Werte Leserin, ich bedaure sehr, dass Ihnen dieses menschliche Wesensmerkmal der Protagonistin derart zuwider war, aber ich kann Ihren Vorwurf nicht unkommentiert belassen, und ich tue das hier in diesem Blog, der meine Plattform für meine Schreibarbeit ist. Deshalb möchte ich mich auch an dieser Stelle vehement wehren! 

Nein, ich leide nicht unter Bulimie!
Ich bin ein kugelrunder Genussmensch mit sechs Jahre altem postnatalem Kampfgewicht, und ich finde auch Bulimie nicht toll, sondern halte sie für eine sehr ernstzunehmende Krankheit, über die man weder Scherze macht noch sie leichtfertig unterstellt! 

Tatsächlich ist mir jede der insgesamt sechs Szenen, die fast ausschließlich konstatieren, unendlich schwer gefallen, denn ich selbst wurde aufgrund des Dauerthemas Erbrechen einst von Stephen Kings Büchern abgebracht. Als 16-Jährige fand ich es einfach nicht toll, dass in jedem seiner Bücher die pubertierenden Protagonisten nicht nur zum Fürchten aussahen (na ja, ein Honigschlecken ist die Pubertät wohl nicht), sondern auch noch ein entsetzliches erstes Mal hatten (etwas weniger Holzhammerernüchterung hätte es auch getan) und sich zu guter Letzt irgendwer irgendwann übergab (= eklig). 
Inzwischen sehe ich das aber anders. Würde mich das Thema noch immer derart abstoßen, hätte ich das wunderbar authentische Buch "Die verborgene Sprache der Blumen" von Vanessa Diffenbaugh nämlich weglegen müssen. Dieses ist in Sachen Schwangerschaftsübelkeit so deutlich, dass einem schon fast der Kinderwunsch ausgetrieben werden kann.  
Deshalb habe ich mich auch bei "Blutsuche" tapfer durchgekämpft, ganz gleich, wie unangenehm mir das Thema ist.

Im Vorfeld habe ich nicht nur mit meinen Testlesern meine Bedenken besprochen, sondern auch recherchiert, inwieweit Schock und Panikattacken mit dem Resultat des Erbrechens einhergehen. Geschrieben habe ich diese Passagen weder mit dem  Hintergedanken, mich zu therapieren, noch mit der Absicht, dem Leser vor  Ekel eine Gänsehaut zu verschaffen, und schon gar nicht, um einen Spaßfaktor zu vermitteln!

Mit Anne habe ich einen sehr schwierigen Ohrfeig-Charakter erschaffen, der psychisch (maßlos) viel Gepäck mit sich herumschleppt. Hinzu kommt Ihre medizinisch auf jeden Fall übertriebene Reisekrankheit, durch die sie medikamentenfrei kein Verkehrsmittel nutzen kann und in eine höchst  peinliche Situation gerät (und die ist wirklich so peinlich, dass ich mich selber fremdgeschämt habe). Ich habe ihr keineswegs dieses Merkmal aufgedrückt, weil ich es genieße, sie und den Leser leiden zu sehen, sondern um sie in ihrem Dorf zu fesseln.

Anstatt des Erbrechens hätte ich viel lieber zehn verklausulierte blumige Liebesszenen geschrieben, denn diesen Kraftakt empfinde ich als deutlich weniger immens, auch wenn dies wohl Thema von "unliebsame Szenen #X" sein wird. 

Wenn ich pingelig sein will, könnte ich analysieren, dass entsprechende Verben auf insgesamt knapp 180000 Wörter noch nicht einmal 0,01 % ausmachen, wobei es sich mehrheitlich lediglich um Annes Gedanken handelt, dass sie sich zusammenreißen muss und nicht in Panik ausbrechen darf, denn sonst reagiert ihr Magen. Nur verbietet ihr ihre Sprache, zu sagen: "Jetzt bloß nicht kotzen!"
In sechs Szenen von um die 30 Kapiteln ist die Selbstbeherrschung hin, in drei davon wird nur die Aussage getroffen, dass sie sich erbricht, eben ohne zugehörige Beschreibungen In zwei Fällen sind Schock, Panik und Verzweiflung der Auslöser, Fall 5 und 6 sind übernatürlich verursacht und sollen aus Spoilergründen nicht weiter ausgeführt werden; eine dieser beiden ist tatsächlich eher unschön, aber längst nicht exorzistentauglich. 
In keinem Fall aber erbricht sich die Protagonistin, weil es ihr gar Spaß macht, und von "ständig" kann gar keine Rede sein. Beißt man sich nun aber daran fest, kann es denen einen oder anderen Leser sicher verfolgen. 

Eine Leseprobe zum Thema wird es in den nächsten Tagen geben.

Einfach machen werde ich es mir auch in Teil 2 nicht und auch da mit Szenen hadern, in denen geblutet, erbrochen und geliebt wird. 

Freitag, 17. Juni 2011

... über "Ewige Versuchung" von Kathryn Smith

Kathryn Smith 
"Die Schattenritter: Ewige Versuchung"

Etwas überhasteter, übererotisierter Reihenabschluss mit angelehnten Hintertürchen 


Zum Inhalt: 
Wer die Vorgänger der mit "Unsterbliches Verlangen" eingeleiteten historisch-erotischen Vampirreihe von Kathryn Smith gelesen hat - und man sollte die Reihe unbedingt in Folge lesen - , weiß, dass nun noch ein Schattenritter im Bunde fehlt: Temple. 
Während in den vorangegangenen 4 Romanen vier der einstmals 6 Vampire, die aus dem Blutgral tranken, unter die Haube gebracht wurden, weilte Temple, der ungekrönte Anführer der sogenannten Schattenritter, in Rom in der Gefangenschaft von Rupert Villiers. Letzterer ist Mitglied des Silberhandordens, der sich offenbar der Vernichtung der Vampire verschrieben hat. Obwohl Rupert Villiers ein neuer Charakter ist, sind dem Leser die Machenschaften des Ordens bereits bekannt. Immer wieder fällt er durch Taten auf, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Smithschen Vampire ereignen. 
Während die übrigen Vampire, Chapel, Bishop, Saint und Reign, wie von Zauberhand zu entkommen scheinen, wissen wir bereits von Anfang an, dass Temple entführt wurde. 
In "Ewige Versuchung" treffen wir nun den charismatischen Anführer in seinem Gefängnis. Von seiner Wächterin Vivian, die für eine Frau außergewöhnlich stark ist, wird er mit opiumversetztem Blut gefüttert. Während das Opium nach und nach nicht mehr wirkt, nimmt Temples Interesse an Vivian zu, und auch sie fühlt sich zu dem Vampir hingezogen. Er scheint ihr kaum das Monstrum zu sein, als das er ihr von ihrem Mentor Rupert Villiers beschrieben wurde.
So kommt es, wie es kommen muss, und Temple nutzt einen Moment der Nähe, um von Vivian zu trinken und damit ihre unvermeidliche Bindung zu knüpfen. Wenngleich der Klappentext den Eindruck entstehen lässt, Temples Gefangenschaft machte einen wesentlichen Teil des Romans aus, so ist das nicht der Fall. Denn nicht zuletzt aufgrund Vivians Unschlüssigkeit in Bezug auf ihre eigenen Gefühle gelingt Temple schon nach wenigen Seiten die Flucht. 
Da auch Rupert Villiers nicht blind und unwissend ist, weiß er, dass die Insel Clare Temples Ziel ist, und nutzt die Gelegenheit, Vivian hinterherzuschicken. 
Kaum trifft sie auf der abgeschiedenen Insel, auf der es nicht als die Garden Academy gibt, ein, stolpert sie auch schon in erotisch aufgeladenem, strömendem Regen in Tempels Arme und verliert neben mehr als nur einem Schlückchen Blut auch ihre Unschuld.
Von nun an befindet sie sich sozusagen im offenen Strafvollzug in der von Temples alter Freundin Kimberly Cooper-Brown, kurz "Brownie", geleiteten Garden Academy, die sich Lilith verschrieben hat. Während Rupert Villiers auf dem Festland weiterhin seine Ränke schmiedet und der Leser keinem der Charaktere über den Weg trauen sollte, wundert sich Vivian über die seltsamen Blicke, die ihr in der Akademie zugeworfen werden. Als man sie endlich aufklärt, was an ihr so besonders ist, sind auch schon alle bekannten Akteure der Vorgängerromane versammelt und Temple längst in inniger Liebe zu ihr entbrannt.  

Meine Meinung: 
Ich muss vorausschicken, dass ich die Schattenritter-Reihe insgesamt betrachtet, wirklich mag, denn sie hat im Grunde alles, was das Vampirromanzenherz begehrt: eine interessante Vampirmythologie mit religiösem Hintergrund, ein Setting zur Entstehungszeit von Bram Stokers "Dracula" mit einem oft unüberlesbaren Augenzwinkern an diesen Klassiker, hinterlistige Gegenspieler, attraktive männliche Vampire, die einerseits den gequälten Helden geben, andererseits aber vor atemberaubenden Fähigkeiten strotzen und Frauenherzen zum Schmelzen bringen, nicht alltägliche Frauencharaktere, die sich nicht von der Powerfrau zum Heimchen am Herd wandeln, Erotik, bei der ganz schön viele Gewandschichten fallen müssen, wahre Liebe mit HEA-Ambitionen  ... 
Auch wenn ich ein Fan von derart verpackten Liebesgeschichten bin, wurde selbst mir die ganz offensichtliche "Sex sells"-Methode zu viel. Während in "Unsterbliches Verlangen" Erkundung und Erforschung historischer Hintergründe geschickt mit dem Liebesplot verwoben waren, nahmen die erotischen Begegnungen der Protagonisten in jedem Band mehr und mehr zu, sodass der geneigte Leser vor lauter Anziehung und Übereinanderherfallen schon gar nicht mehr mitbekommt, welche Ziele der böse Antagonist Silberhandorden denn verfolgt. 
Dadurch kommt Kathryn Smith in ihrem letzten Band in Erklärungsnot und muss die losen Fäden der Vorgängerbände sinnvoll und schlüssig miteinander verspinnen. Das wäre vermutlich auch ganz interessant gewesen, hätten Temple und Vivian mal ihre Lust im Zaume gehalten bzw. Vivian nicht immer wieder überlegt, auf welcher Seite sie nun stehen soll, obwohl sie doch von Anfang an bereits entschieden hatte. 
So kommen die Erklärungen um den Nosferatu aus "Kuss der Dunkelheit", die Prostuiertenmorde aus "Salon der Lüste" und all die anderen Ereignisse, die man wahrscheinlich wieder vergessen hat, wenn man die Romane in größerem Abstand liest, in so rasantem Tempo und zwischen Tür und Angel, dass man sich fragen muss: "Moment mal, wann/was war das noch gleich?"
Sehr gut allerdings fand ich, dass die Autorin wirklich alle Protagonisten der Vorgänger, samt Ehefrauen, versammelt und so auch Saint und Marika endlich aufeinander treffen. (Man erinnere sich, dass Marika ja auf Saint einen Groll gehegt hatte, inzwischen aber weiß, dass sie ihm ihr Leben und ihre Geburt, wenn auch als Dhampir, verdankt.) Ganz unverkennbar hebt Kathryn Smith den moralischen Zeigefinger und gibt ihren Charakteren auf, zusammenzuhalten. 
Überrascht hat mich allerdings Rupert Villiers Generalplan, der mir doch ein wenig konstruiert und simpel erschien. Hin und wieder habe ich gedacht, dass er gar nicht solchen Aufwand hätte betreiben müssen, aber berücksichtigt man das Jahr (1899) und die Tatsache, dass die Vampire teilweise über Jahrzehnte keinen Kontakt hatten, sind seine Bemühungen wohl doch nicht so ganz an den Haaren herbeigezogen. 
Zu einer gewissen Verwirrung trugen dieses Mal auch die Namen bei. Rupert Villiers (dass ich immer "Giles" schreiben möchte, dürfte keinen überraschen) beabsichtigte einst die Eheschließung mit einer Dame namens Violet, die dann aber zu einem Vampir wurde und einen Artgenossen ehelichte. Dann, eines Tages, rettete er die liebreizend rothaarige Vivian, die fortan sein Mündel und - perspektivisch - zum magischen Gefäß für Höheres werden sollte. Diese verflixte V-Versammlung verwirrte mich ganz schön, und es gab Passagen, da verwechselte ich tatsächlich Violet mit Vivian, obwohl erstere nun wirklich keine tragende VFunktion hatte. 
Nachdem Kathryn Smith leider über weite Strecken des Romans die Verwicklungen ihrer Vampire aus den Augen verloren und sich darauf konzentriert hatte, nicht nur Temple und Vivian, sondern auch Dreux-Nachfahre Marcus Grey und Akademie-Schülerin Shannon des öfteren körperlich zu vereinen, kam mir die große Aufklärung nebst Endkampf und "wahre Liebe muss belohnt werden" ein bisschen zu plötzlich. Schade ... 
Mir fehlte, wie so häufig, das Wachsen der Beziehung zwischen den Charakteren. Nachdem die kranke Pru sich durch Wissbegierde, Klugkeit, Mut und jammerloses Ertragen ihrer Krankheit in Chapels Herz geschlichen hatte, Marika Bishop ebenfalls mit Intelligenz, Mut und Schlagkräftigkeit überzeugte, Ivy Saint mit Selbständigkeit, Kreativität und unverkennbarem Knistern kaperte, waren Olivia und Reign mehr zwischen den Laken ein Team, als dass man ihnen die wahre Liebe abgekauft hätte. Das setzt sich leider bei Temple und Vivian fort. Unerklärliche Faszination schwappt über in die große Liebe. 
Versöhnt hat mich die Autorin mit ihrem Epilog, der 100 Jahre später angesiedelt ist und alle 5 Vampire, die sich nun wieder regelmäßig treffen, wieder zusammenführt und sie fast menschlich in die Gegenwart integriert. Da alle noch am Leben sind, aber auch (und hier wird einmal mehr mit dem Unfruchtbarkeitsklischee der Vampire gebrochen) Nachkommen  haben, verspüre ich ganz leise angelehnte Hintertürchen, die eine Rückkehr zu einer eigentlich abgeschlossenen Reihe zuließen. 


Fazit: 
Wenig überraschender, teilweise übereilt wirkender Abschluss einer mit 5 Romanen glücklicherweise überschaubaren Vampirreihe für die erwachsene Leserin. Zu viele wenig innovative Erotikszenen unterdrücken leider die Hintergrundgeschichte und verschenken Potential. Nur der Vollständigkeit halber ein Lese-Muss, ansonsten aber nett und kurzweilig für zwischendurch.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen





[Stöckchen] Wenn ich nicht ich wäre, sondern ...

Die liebe Mirjam hat mich mit einem Stöckchen beworfen, und unsportlich, wie ich bin, habe ich mich nicht rechtzeitig geduckt. Der Staffelstab hat seinen Ursprung bei Bookaholic und es dreht sich selbstverständlich um Bücher.

Also dann. 
Wollen wir mal loslegen:

Wenn ich nicht ich wäre, sondern ...

... ein Buchtitel ...
Ha, ich bin ein Buchtitel. 
Wie einige bereits wissen, ist "Sinje" ja mein Spitzname und nicht nur das, Sinje ist auch eine andere Form meines Geburtsnamens Gesine. 
Auch wenn ich nicht nach dem Buch benannt wurde, gibt es dieses aber trotzdem. Geschrieben wurde es von Karl Neumann und heißt "Das Mädchen hieß Gesine". Der Autor erzählt darin vor der Kulisse des Zweiten Weltkrieges von der achtjährigen Gesine, die einem sowjetischen Kriegsgefangenen hilft.



... ein Fantasybuch ...

Nun wird es schon etwas schwieriger. Obwohl ich bekanntermaßen gerne verschiedene Spielarten der Phantastik lese, gelingt es mir selten, mich mit einem Charakter zu identifizieren. Ein richtiges Fantasybuch will mir nicht einfallen, deshalb rutsche ich hier nahtlos in den Bereich der paranormalen Romanzen. Ich wäre bestimmt "Zauber der Wellen" von Christine Feehan, weil mir der sanfte Charakter der Abigail so liegt. Sie ist eine der Drake-Schwestern und hat die Fähigkeit, die Menschen dazu zu bringen, die Wahrheit zu sagen. Als Meeresbiologin ist sie eins mit den Wellen und den Delfinen, aber von der Liebe ist sie enttäuscht ... erst einmal.




... ein Krimi/Thriller-Buch ...

Oje! Wenn ich etwas so gut wie nie lese, dann sind es Krimis oder Thriller, denn darauf habe ich schon seit ein paar Jahren nicht wirklich Lust. Neben ein paar Romanen von Agatha Christie ist der letzte Krimi, den ich gelesen habe, "Schwesterlein, komm tanz mit mir" von Mary Higgins Clark, und der ist schon ziemlich alt. Wie diversen Amazon-Rezensionen (die man ja in den wenigsten Fällen als Rezension bezeichnen kann) zu entnehmen ist, scheiden sich an diesem Roman die Geister. Ich kann mich erinnern, dass er mich doch sehr mitgerissen hat und ich mir damals vorgenommen hatte, mehr von Mary Higgins Clark zu lesen. Dieses Vorhaben habe ich allerdings bis heute nicht umgesetzt.




... ein Historischer Roman ...

Ups, das nächste Genre, mit dem ich nicht auf gutem Fuß stehe, das aber meine Mutter umso mehr begeistert. Ich klappere mein Bücherregal ab, und da steht in meinem Bestand tatsächlich kein echter historischer Roman. Nicht, dass sie mich nicht interessieren würden, aber ich habe momentan einfach andere (Entspannungs-)Präferenzen (ohne Bildungsanspruch), hege jedoch große Bewunderung für die Autoren! Es gibt allerdings ein Kinder- und Jugendbuch aus meiner Kindheit, das ich durchaus als historischen Roman einstufen würde und mich damals schwer begeistert hat: Wilhelm Strubes Novelle "Das strahlende Metall" erzählt Wissbegierigen sehr anschaulich und unkompliziert die Lebensgeschichte von Marie Curie. 




... ein Horror-Buch ...

Echten Horror habe ich lange nicht gelesen. Auch wenn ich mit den Jahren (vor allem auch filmtechnisch) in Sachen Horror etwas sattelfester geworden bin, ist mir mein Nachtschlaf doch heilig. Auf jeden Fall wäre ich aber ein Stephen-King-Roman, mit großer Wahrscheinlichkeit "Christine". Dieser Roman ist vielleicht nicht Kings gruseligstes Werk, das böse Auto hat mein damals 16-jähriges Leser-Ich allerdings ganz schön aus der Bahn geworfen. 



... ein Buchcover ...

Ach, ist das nicht ein bisschen oberflächlich? Na ja ... In Bezug auf Cover wäre ich wahrscheinlich gern ein Covershifter, ein Umschlagsgestaltwandler, denn es gibt mittlerweile so viele tolle Buchumschläge, dass man sich kaum noch für einen entscheiden kann. Auch wenn ich mir selber Sanktionen für neue Buchkäufe angedroht habe, konnte ich nicht widerstehen und habe mir die "Poison Diaries - Band 1" von Maryrose Wood gekauft. Obwohl ich ja seltener in der YA-Abteilung unterwegs bin, reizt mich das pflanzlich-blumige Thema sehr. Ich habe zwar noch nicht mit Lesen begonnen, aber das Buch ist so wunderschön, dass ich es auch einfach nur anstarren könnte.



... ein Genre ...
Wer hier mitliest, kann diese Frage ganz schnell selbst beantworten. Momentan fühle ich mich einfach mit paranormalen Romanzen/Romantasy oder auch Liebesromanen ohne fantastische Elemente am wohlsten. 



... ein Autor ...
Ich halte mich selbst zwar nicht für erstrebenswert, und es gibt jede Menge AutorInnen, die ich aus verschiedenen Gründen bewundere, aber trotzdem wäre ich immer nur ich. 


... ein mystisches Wesen ...
Eine Klischee-Elfe wäre ich wohl, Klischee hin oder her. Elfen als Wesen der Natur finde ich unheimlich spannend, und die Welt im Kleinen mit all ihren verborgenen Wundern fasziniert mich. Ein Vampir mag ich nicht sein, weil ich wahrscheinlich wie Lynsay Sands' Lisianne eine Transfusion bräuchte, weil ich es nicht über mich bringen könnte, meine Zähne in jemanden zu schlagen. 



... ein (Kinder)-Märchen ...
Wie soll ich mich da entscheiden? Wahrscheinlich wäre jeder gerne Aschenputtel, weil das am Ende den Märchenprinzen bekommt. Hm. Aufgrund meines Heuschnupfenproblems käme ich wohl mit den gefiederten Zeitgenossen nicht so ganz klar. Deshalb könnte ich wohl auch keine Gänse am Brunnen hüten ... 

Da ich schon immer einen Hang zum Romantisch-Dramatischen hatte, entscheide ich mich für "Snegurotschka". Dieses russische Märchen ist so schön und so traurig; es erzählt von einem alten Ehepaar, das keine Kinder haben kann. Eines schönen Wintertages formen sie sich ein Kind aus Schnee, das lebendig wird, aber nur bis zum Sommer bei ihnen bleiben kann.


... eine Buchseite ...
Wie jetzt? Ich möchte höchst ungern nur eine Seite sein. Da droht die Gefahr von Rissen und Eselsohren, und vielleicht passiert auch noch etwas ganz Furchtbares darauf. Wenn, dann will ich die Seite mit dem Friede-Freude-Eierkuchen sein, und wenn das die letzte im Buch ist, ist's auch gut. 




... ein Paperback (Taschenbuch) ...

Welch feine Option. Da könnte man mich problemlos in die Handtasche stecken und überall mit hinnehmen. Wär ich ein Paperback (im Sinne der Aufmachung und nicht ein Taschenbuch im Sinne des Lizenzgeschäfts), wär ich wohl "Phoenixfluch" von Jennifer Benkau, straff und schnörkellos erzählt, ungewöhnlich, mutig und innovativ und doch so schön. 




... ein Hardcover (gebundene Ausgabe) ...

Wär ich ein Hardcover, würde ich eigentlich eine höchst edle Aufmachung fordern und so richtig auf dicke Hose machen. Nun bin ich aber keine Hülle, sondern sollte mir auch ein Köpfchen um den Inhalt machen. Natürlich wäre ich gerne ein wunderschöner oder exklusiver Bildband, wie Bert Sterns Marilyn Monroe. The Complete Last Sitting. Aber wäre ich ein literarisches Machwerk, wäre ich Vanessa Diffenbaughs "Die verborgene Sprache der Blumen", zurückhaltend in der Aufmachung (aber mit Lesebändchen), aber emotional und tiefschürfend im Inneren.



... ein verfilmtes Buch ...

Oha, das böse Thema der Literaturverfilmungen. Beschimpft, kritisiert, geächtet und geliebt. Ich für meinen Teil bin ja ganz froh, dass es Literaturverfilmungen gibt, denn ich käme in drei Leben nicht dazu, alles zu lesen, was ich gerne lesen wöllte. Gern wäre ich "Wie ein einziger Tag" oder "Nur mit Dir" (Zeit im Wind: Roman) - wie man sehen kann, bin ich auch dort aktive Anhängerin der Schmacht- und Schluchzfraktion.




... eine Buchserie/-reihe ...
Wie gesagt, inzwischen bin ich arg reihenmüde und froh, wenn etwas endet. Deshalb möchte ich kein Black Dagger oder Mitternachtsbruder mehr sein, sondern halte mich gern an Überschaubares. Gerade habe ich endlich Kathryn Smiths "Schattenritter" beendet und bin froh, mich Neuem widmen zu können. Deshalb wäre ich gern diese Reihe, denn sie hat ein Ende gefunden, sich aber gleichzeitig mehrere Hintertürchen bewahrt.  



Nach der ganzen Tipperei bin ich saft- und kraftlos und schmeiße das Stöckchen nicht weiter. Es bleibt hier liegen. Wer es haben möchte, ist herzlich eingeladen, es aufzuheben.
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