Montag, 30. Mai 2011

Geometrisches zum Wochenbeginn




Dieses zarte Blümchen gehört zur Echten Nelkenwurz (bot. Geum). Neben einer unterstützenden Wirkung in Sachen Liebe schreibt man der Nelkenwurz auch antidämonische Kräfte zu. Sollte demnächst einer meiner Protagonisten gelbe Blüten am Körper tragen oder einen Raum mit nelkenartigem Duft verräuchern, ist es sehr wahrscheinlich, dass er zur Nelkenwurz gegriffen hat.

Ich wünsche Euch einen guten Start in die neue Woche!

Sonntag, 29. Mai 2011

Bitte Platz nehmen ...

... und geduldig warten.

Da die Fotocollagen vom Samstagausflug noch ein wenig Bastelzeit erfordern, erlaube ich mir, wieder eine Vorschau zu posten. 

Wie unschwer zu erkennen ist, waren wir an irgendeinem Aussichtspunkt. 

Bericht folgt ...

Samstag, 28. Mai 2011

Kleine Leseprobe aus "Liebe: Geschichten rund um die Liebe"

Die Veröffentlichung meiner Leseproben entscheide ich immer unabhängig von bestimmten Daten oder Reihenfolgen, Themen oder was auch immer ... 
Heute aber mache ich eine ganz private Ausnahme, denn ich erlaube mir, heute einen Hänger zu haben und mein Herz überströmen zu lassen. 

Weil ich auf Erden mit meinen Gefühlen nicht allein bin, teile ich an dieser Stelle eine Passage aus meiner Kurzgeschichte "Neuanfang", die in diesem Jahr für die Anthologie Liebe: Geschichten rund um die Liebe im Noel-Verlag ausgewählt worden ist. 
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich für themawürdig befunden würde, hoffe aber, dass ich vielleicht Gefühle ausspreche, die andere gern aussprechen würden, aber nicht können. 

"Wie viele gleißend helle Lampen hängen an der Decke und rauschen über meinen Kopf wie ein bedrohlicher Schwarm von Raubvögeln? Wie viele Male habe ich diese Perspektive im Film gesehen und mich gefragt, ob sie der Realität entspricht? 
Heute sehe ich keinen Film, sondern erlebe meine eigene Realität: den Krankenhausgang, das weiße Licht, das steril duftende Bett, die Stützstrümpfe an meinen Beinen, die Flexüle in meiner linken Armbeuge, das Blut, das mich erst langsam und nun immer heftiger verlässt, die vielen Fragen, fremden Gesichter, Stimmen und die unbekannten Hände, die mich untersuchen. 
Wann wird das Licht mich nicht mehr blenden? Warum gelingt es mir nicht, meinen Blick abzuwenden? Warum kann ich meine Augen nicht schließen? 
Das Beruhigungsmittel lähmt mich, soll mich vorbereiten auf das, was kommt. 
Warum bin ich nur unendlich traurig? Warum kann ich mich nicht beruhigen, auch wenn meine Augen trocken sind und mein Körper ruhig und entspannt? 
Ich höre Stimmen um mich, beantworte apathisch Fragen, die meiner Sicherheit dienen. Meine Augen sind nach wie vor auf Lichter geheftet und lassen grellen Schmerz in mein Hirn dringen. Desinfektionsmittelgestank und andere Gerüche bringen meinen Magen zum Revoltieren, und ich spüre, wie die Farbe aus meinem Gesicht weicht. 
Mein Körper gehört nicht länger mir. Professionelle Hände rasieren meinen entblößten Intimbereich, ich bin so taub, dass ich mich nicht einmal mehr schämen kann. Man sortiert meine Gliedmaßen, legt mich in Position, montiert Zubehör und schnallt mich fest. 
Tief einatmen, tief ausatmen, befiehlt jemand mit vertrauenswürdiger Stimme und presst mir eine Maske aufs Gesicht. Ich gehorche stumm und verliere den Kampf gegen den Schlaf. 

Etwas Raues schabt über meine Nase, um Feuchtes fortzuwischen. 
Was ist passiert? 
Mühsam, noch benommen öffne ich die Augen. Da ist es wieder, das gleißende Licht! Der Schmerz in meinem Kopf kehrt zurück, während meine Nase schmerzlos blutet. 
Es ist vorbei! Ich fühle mich leer, als ich mich langsam erinnere, weshalb ich hier liege. 

Die Worte der Gynäkologin hallen in meinem Kopf nach wie der Lärm eines Presslufthammers. 
Die Schwangerschaft ist abgestorben, höre ich sie sagen und falle in ein Loch. 
Abgestorben! 
Weinen will ich, doch meine Augen starren trocken.
 Abgestorben."

Freitag, 27. Mai 2011

Nach dem Wochenende ist vor dem Wochenende

So ein Wöchelchen ist ja gar nichts. 
Wollte ich am Montag noch über unsere Wochenendstreifzüge berichten, weil ich gerade nichts aus der Schreibstube zu erzählen habe, hinderte mich mein gestörtes Bildbearbeitungsprogramm daran. 
Wie üblich huschte dann auch noch die Arbeit dazwischen, sodass ich mein letztes Wochenende einfach mal vor dem neuen Wochenende einschiebe. 
Immerhin hatte ich einen Bericht angekündigt, also, voilà, hier ist er.

ACHTUNG: Es wird lang :-)

Auch wenn uns die zahlreichen Burgen der Region sehr reizen, muss dem kleinen Ritterfan einmal eine Pause gegönnt werden.
Zum Glück bieten sich vielfältige andere Möglichkeiten an, sowohl bei uns in Sachsen-Anhalt als auch - wie man so schön sagt - "über die Huck" in Thüringen. 
Nachdem wir aber auch schon diverse Tiergehege durchstreift haben und seine kindliche Hoheit lautstarken Protest: "Nicht schon wieder Esel!" vernehmen ließ, kamen uns Affen in den  Sinn. 
Das thüringische Straußberg hat nämlich einen Affenwald mit Freigehegen zu bieten, in denen man den pelzigen Zeitgenossen gitterfrei recht nahekommen kann. 
Sofern man keine ortsblinde und geländedoofe Beifahrerin (= mich) dabeihat, die im Vorbeischleichen an Tourismuswegweisern anstatt Erlebnisbergwerk Erlebnispark liest (das war wohl die Vorfreud(sch)e) und einen damit in die nordwestthüringische Pampa lotst, gelangt man sogar recht schnell nach Straußberg. 
Wir brauchten eben etwas länger. Endlich angekommen, machten wir uns mit Sack und Pack (= dämliche Touries, die nicht mitdenken) auf zum Eingang, wo uns zunächst ein Hinweisschild erwartete, das Mann mit Rucksack und Fototasche wieder zum Auto zurückschickte. 
Wie "Freigehege" vermuten lässt, ist das umzäunte Gelände frei begehbar, und die Bewohner gehen beim Anblick von Rucksäcken und Taschen natürlich davon aus, dass es etwas zu essen gibt. Auch wenn die Herren des Waldes einen relativ knuddeligen Eindruck machen, sollte man einen Konflikt tunlichst vermeiden.

Als gebürtige Südostthüringerin mit fünfjährigem Südharzer J-Einschlag bin ich in Straußberg an meine Dialektgrenzen jestoßen - äh - gestoßen. Wir in Südostthüringen "palvern" janz anderst (huch, das war jetzt ein Südharzer Roller), sodass ich den Kassenmenschen einfach nicht verstanden habe. Es beschleicht mich das leise Gefühl, dass wir dadurch den halben Affenwald verpasst haben, denn von den eigentlich zwei Freigehegen haben wir nur eines gesehen. Andererseits war das, was wir für die Schleuse hielten, mit einem Vorhängeschloss gesichert, sodass es schließlich nicht weiterging. Angesichts des Eintrittspreises (9,50 € für uns drei) war das ohne die versprochenen 2 km Rundweg durchaus ernüchternd. 
Trotzdem führte ich vorschriftsgemäß das Kind an der Hand ("Hey, ich bin schon sechs!") - auf demselben Weg zurück - und begab mich auf Beobachtungsposten, um Berberaffen beim Faulenzen zu begutachten, während der Imker (= mein Nichtangetrauter) mit Teleobjektiv Paparazzo spielte und die Tierchen auf ihrem hohen Ross Baum im Bild festhielt.
Wieder unten angekommen, war die Kasse nachfragenuntauglich unbesetzt, das Ritterkind aber auf jeden Fall begeistert. Wir Großen bleiben angesichts von Affen in heimischen Gefilden einigermaßen skeptisch. 
Die angrenzende Sommerrodelbahn empfehle ich größeren Kindern, die bereits allein damit fahren können, und Erwachsenen, die wissen, wie man einen Bremshebel bedient. 
Für Sechsjährige ist sie definitiv nichts, denn diese müssen in elterlicher Begleitung fahren, was leider den Sicherheitsfaktor nicht erhöht. 
Auf ein "Bitte, bitte, bitte!" werde ich mich in naher Zukunft nicht mehr einlassen. 
Da aber zum Glück nichts Notaufnahmenbedürftiges geschehen und der Tag noch jung war, sind wir nach einem Mittagessen im gegenüberliegenden Waldhaus kinderfreundlich weitergefahren. 

 

Es ging also weiter, allerdings ohne spezielles Ziel. 
Der Kyffhäuserkreis bietet nämlich so viele Ausflugsmöglichkeiten, dass man einfach über irgendeine stolpert. 
Die ortsblinde, geländedoofe Beifahrerin (= ich) erblickte dabei ein Schild, das in Richtung "Märchenreich" wies. Sofort schrillten die Märchentantenalarmglocken, während der Imker zwar dem Schild folgte, aber in den nicht vorhandenen Bart moserte, wir würden wohl eher auf einem Campingplatz herauskommen als an einem sinnvollen Ausflugsziel. 
Ha, weit gefehlt, besagtes braunes Schild mit weißer Aufschrift führte uns nämlich direkt zum Erholungsgebiet Teichtal bei Hainrode. 
Campingfreunde, macht euch auf! 
Dort lassen sich wirklich schöne Tage verbringen. Es gibt einen Campingplatz, ein Waldbad, einen Gondelteich, auf dem gepaddelt werden darf, viel Raum zum Wandern und nicht zuletzt wirklich und wahrhaftig ein Märchenreich
Ich bin märchenwalderprobt und -verwöhnt. 
An meinem Lieblingsmärchenwald in Wünschendorf reicht natürlich nichts heran, was mich jedoch nicht daran hindert, andere Märchenwälder unsicher zu machen. Am liebsten mit meinem Märchenprinz. 

 

Ja. 
Zu meinem Glück habe ich einen märchenverrückten Sohn, der (nach Entlöhnen von weiteren 8,50 €) direkt mit Feuereifer in das Eingangsgebäude stürmte, wo Hänsel und Gretel, Ali Baba und die 40 Räuber (hach, wie das funkelte), Hans im Glück, Rumpelstilzchen, die Gänsemagd mit ihrem Fallada und das tapfere Schneiderlein ("och, Fliegen klatschen ist doch nicht tapfer") warteten. 
Cowboys und der Baron von Münchhausen (inkl. Raucheffekt und Kugelritt) hatten sich ebenfalls eingeschlichen. 
Jedes Märchen wird über das Audiosystem kurz vorgestellt. Natürlich wird nicht komplett erzählt, aber zumindest angeregt, sie mal wieder (vor)zu lesen oder neu zu entdecken. 
Auf dem Freigelände (selbstverständlich im Wald) sind Häuschen zu finden, in denen mit Puppen verschiedene Märchenszenen nachgestellt sind. Auf Knopfdruck werden die Szenen erleuchtet, und man kann einem Auszug aus dem jeweiligen Märchen lauschen. 
Das ist wohl etwas, was die meisten Märchenwälder gemein haben.
Neben allseits bekannten Märchen bietet Hainrode aber auch Geschichten, die - so kommt es mir vor - weniger bekannt sind, denn sie werden nicht in neuere Märchenbücher aufgenommen oder von der Filmindustrie berücksichtigt. 
Beispielsweise "Die 7 Schwaben", "Die 3 Spinnerinnen", "Die weiße Schlange", "Brüderchen und Schwesterchen" und "Allerleirauh" (das man in Ansätzen in "Die Prinzessin mit dem goldenen Stern" wiedererkennen kann). Mit dem Rattenfänger von Hameln hat sogar eine Sage Einzug gehalten.  

 

Nicht alle Märchen sind in Hütten dargestellt und vertont. Manche Figuren stehen auch mit witterungsbeständigem Gewand im Freien (Froschkönig-Prinzessin im blauen Latexjäckchen, oder so). 
Schneewittchens Zwerge sind in der Nähe einer Baumwurzel inmitten des Unterholzes integriert, dass man meinen könnte, sie gehörten dahin. 
Wie üblich, gibt es gegen die kindliche Langeweile auch einen Spielplatz und, ganz dem Zeitgeist entsprechend (ist das Augenrollen hörbar?), auch ein Trampolin und eine Hüpfburg (die nächstgelegene Notaufnahme in Nordhausen kennt uns zum Glück immer noch nicht, und ich hoffe, es bleibt eine Weile so). 
Verführungen, die in Form von Überraschungs-Ausspuck-Automaten das Budget der Eltern strapazieren, gibt es in angenehm überschaubarer Zahl (1, wenn ich mich nicht verzählt habe). 
Man darf sich aber auch mit einem Eis niederlassen. 

Tja, und während wir, gesäumt von afrikanischen Tieren und den Bremer Stadtmusikanten, im Wald saßen und hin und her überlegten, worum es in "Die weiße Schlange" ging, fing es an zu regnen. 
Der geplante Ruderversuch fiel damit (jippie!) ins Wasser, sodass wir gemächlich wieder nach Sachsen-Anhalt nach Hause flohen, wo es nicht regnete. 
Hainrode wird uns aber auf jeden Fall wiedersehen. 

 

Sonntag, 22. Mai 2011

Sonntagsausflug - Vorschau

Trotz für den Nachmittag angekündigten Schlechtwetters sind wir auf Sonntagsausflug gewesen. Dieses Mal gab es keine Burgen und Historie, sondern Kinderprogramm pur. 
Bis ich zum näheren Bericht und Zusammenbasteln der Fotos (die dieses Mal mehrheitlich vom Imker aufgenommen wurden) komme, gibt es deshalb an dieser Stelle eine kleine tierische Vorschau. Und nein, wir waren weder im Tiergehege noch im Zoo :-)

Samstag, 21. Mai 2011

Ein Glöckchen im Grünen

Bevor ich demnächst wieder tiefgehend öffentlich sinniere und außerdem meinem Herzen Luft mache, habe ich heute ein weiteres Bild aus der Maifotokiste geholt - zusammen mit ein paar Erinnerungen. 
Hach, da ist man knapp 2 Wochen 35 und schon kommt ein Hammerschlag Melancholie.

Wenn ich Maiglöckchen sehe, muss ich meistens an die Waldspaziergänge mit meinem Vater denken. Er war ein wahres Füllhorn an Naturwissen, vor allem kannte er wahrscheinlich jeden Pilz (kein Wunder, er war ja Pilzberater). Während ich allerdings inzwischen von den 200 Pilzen, die ich im Vorschul- und frühen Schulalter so im Vorbeigehen bei Streifzügen durch die heimischen Wälder im Geiste mitgenommen habe, etwa 190 wieder vergessen habe, kann ich mich noch gut an die Geschichten erinnern, die er hin und wieder erzählte. 

Wir haben die Umgebung meiner Kindheit so oft zu Fuß durchstreift, dass ich manchmal denke, ich müsse alles doppelt und dreifach gesehen und erlebt haben. 
Dann aber fällt mir ein, dass es Orte gibt, die nur einen Steinwurf entfernt scheinen, ich sie aber trotzdem nur einmal aufgesucht habe. 
Ein solcher Ort ist der Waldteich, den ich in meiner Heimat wahrscheinlich nicht mehr wiederfinden würde (Memo an mich: beim nächsten Besuch in Thüringen auf Waldteichsuche gehen). 
Eben diesen Waldteich verbinde ich mit Maiglöckchen, denn der angrenzende Wald war voll davon. 
Noch heute sehe ich den grünen Teppich mit den weißen Glöckchen und erinnere mich ganz genau, dass es dort war, dass mir mein Vater erzählt hat, dass Maiglöckchen giftig, aber in ganz kleinen Mengen in seiner Medizin sind und seinem Herzen helfen. 
Wir saßen auf der alten Holzbank -Schussel, wie ich schon immer war, habe ich mir einen Splitter eingezogen - ich habe mich an sein kariertes Hemd gekuschelt und ihm zugehört, was er über den Teich und seine Geheimnisse zu berichten wusste. 
Während der Wind durch die Bäume strich und der Teich leise schmatzte, habe ich mit geschlossenen Augen von fantastischen Wasserwelten geträumt.
Vielleicht werde ich eines nahen oder fernen Tages über sie schreiben. 

Freitag, 20. Mai 2011

Ein Hauch von Blau

Hatte ich nicht etwas von täglichen Blumen im Mai erzählt?
Nein, so etwas. Da habe ich glatt meinen eigenen Mai-Vorsatz gebrochen. 
Nun ja, im Juni gibt's ja auch noch Blumen zum Fotografieren. 

Um aber wieder ein Farbtüpfelchen in den Tag zu bringen, gibt es heute ein Stück blauen Himmels: 

Donnerstag, 19. Mai 2011

Leseprobe aus "Blutsuche" - Prolog

Man darf nicht denken, dass ich absichtlich mit Leseproben aus "Blutsuche" spare, weil ich zum Buchkauf zwingen will. Das ist nämlich ganz und gar nicht der Fall. Aber mit BOD ist das immer so eine Sache. Zum einen ist nämlich im Autorenvertrag festgelegt, dass man BOD das Recht auf Veröffentlichung von Leseproben einräumt. Und zum anderen darf schlichtweg nicht zu viel unentgeltlich zu lesen sein. Da beißt sich zwar die Katze in den Schwanz, denn man kann "Search Inside!" und Co. mitbuchen, die dann mit etwas Geschick im Zweifel auch das komplette Buch lesbar machen. Nach einer heißen Diskussion im Autorenpool habe ich eine Zubuchung dieser Option unterlassen.

Da nun aber mein Stil vielen zu antiquiert, geschwollen und behäbig ist, was unter anderem an meinem Hang zur Verwendung des Konjunktiv II in seiner Funktion als Irrealis liegt, der meines Wissens bislang nicht offiziell abgeschafft wurde, habe ich mich entschlossen, nun doch noch ein paar mehr Leseproben zu veröffentlichen als die einzelne, die bislang im Netz zu finden ist. 

Hier ist also der Prolog. (Ich habe ihn aus dem Buchblock kopiert. Wenn die Schrift nicht richtig angezeigt wird, bitte ich um kurze Information!)

Mein letzter Tag, meine letzte Nacht, ist gekommen. Zur Nacht­stunde, in der ein Tag stirbt und ein neuer geboren wird, im für uns sicheren Dunkel, gab es uns beide, waren wir einander nah. Wenn der Tag im Lichte steht, werde ich gegangen und Du allein sein. Deine Dunkelheit wird fortdauern, wenn meine vorüber ist.
Meine Brust schmerzt, als zerbräche mein Herz in Tausende Scherben, die sich durch mein Inneres schneiden, mich ausbluten wollen, doch dies genügte nicht, mein Leben zu beenden.
Am Tage, vielleicht noch dann, wenn die Wintersonne die Schiefer meines ge­liebten Heims zum Glitzern bringt, wirst Du erwachen, und ich werde Dich verlassen haben.
Gestern, heute, allezeit habe ich gewusst, welches Leid ich Dir nun zufügen muss.
Ich kann nicht erwarten, dass Du mich verstehst. Du kennst mich. Du siehst in mich hinein. Jede Sekunde, die ich Dir nahe bin. Jede Sekunde, in der ich Dir fern bin. Dennoch verstehen wir beide nicht, wer ich bin und welcher Kummer mir angeboren ist.
Diese Zeilen sollen für Dich sein, sie sollen Dich mit meinen Augen sehen las­sen, was Du im Lichte des Tages nie hast sehen dürfen.
Trag mich im Herzen.
Deine Augen sind geschlossen, und der Mondschein, dem ich nur durch einen Spalt der Balkontür Einlass gewährt habe, spielt mit Deinem nackten Körper, der weder Hitze noch Kälte empfinden kann. Eben noch haben wir uns geliebt, aus vollem Herzen, halbherzig. Meine Gedanken bei Dir und doch so fern.
Ich habe Dich in einen Schlaf verbannt, Schlaf, den Du nicht benötigst. Schlaf, der Dir die Fähigkeit nimmt, in meinen Geist zu dringen.
Schlaf, Liebster.
Träum von unseren letzten Stunden.
Genieß uns ein letztes Mal.
Ich spüre in dieser Stunde den Schmerz, den Du bald, sei es am Tage oder im Dunkel der Nacht, empfinden wirst, ebenso wie Deine Wut, Deine Verzweif­lung.
Du liebst mich. Das habe ich immer gewusst, selbst in den Augenblicken verwirrender Angst und Unsicherheit. Jede Faser meines Körpers, mein Geist, mein gesamtes Ich verzehren sich nach Dir.
Ich liebe Dich. Vergiss das nie. Ich werde immer bei Dir sein, auch wenn ich Dich verlassen habe. Ich verdanke Dir alles, mein Leben, mein Selbst.
Du warst mein Winter, ich Dein Sommer, bis wir an jenem Tage im Winter vereint wurden.
Du wärmtest mich mit Deinen kühlen Armen, ertrugst meine Launen und Ausbrüche, die so gar nicht zu mir gehören.
Ich liebe Dich. Doch ich kann nicht bleiben.
Für mich allein – ohne Dich zu fragen, Dir zu erlauben, mir nahezukommen – habe ich erkannt, dass wir einander nicht genug sein können und ich die Ver­antwortung nicht von mir gleiten lassen kann, so sehr ich es mir auch wünsche.
Die Einsamkeit, die meine Seele verbrannte, als Du in mein Leben tratest, ist zurückgekehrt.
Ich bin unfähig, dieses Leben weiterzuleben, jeglicher Alternative beraubt.
Meine Suche ist zu Ende. Nach kurzer Zeit, die mir wie eine Ewigkeit er­scheint, bin ich zurück an meinem Ausgangspunkt. Hier begann mein Leben. Hier verließ ich mein altes Leben, um Deines zu teilen. Hier wird mein neues heute enden.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Fotofundstücke

Ich habe mal wieder in der analogen Fotokiste gekramt und den Beweis gefunden, dass Sunnydale noch existiert, zumindest ein gutes Jahr, nachdem sich fernsehtechnisch ein Krater aufgetan und es verschluckt hatte. 
Von San Francisco erreicht man es mit dem Bus. 
Leider hatten wir keine Zeit, hineinzuhüpfen und uns auf den Weg zum heiligen Bruno zu machen. 
Hm, ist Sunnydales Vernichtung nur eine CGI-Ente und liegt der wahre Höllenschlund doch in Cleveland?
Es darf spekuliert werden.

(Zum Vergrößern bitte klicken!)

Dienstag, 17. Mai 2011

Kleine Leseprobe aus "Dark Vampire"

Nachdem ich bereits angedeutet hatte, dass mich beim Schreiben hin und wieder der Regen nicht loslässt, ist es wieder einmal Zeit für eine kleine Leseprobe. 

Passend zum Thema gibt es einen Auszug aus meiner Kurzgeschichte "(Nimmer)Wiedersehen", die 2010 in der Anthologie des Geisterspiegels "Dark Vampire" erschienen ist. 
Hier folgt die Version, die auf meiner Festplatte schlummert. 
Abweichungen gegenüber der veröffentlichten Version sind nicht auszuschließen. 
Leider habe ich kein Exemplar mehr hier, weshalb ich nicht abschreiben kann. 

"Kaum hatte Marcus zu graben begonnen, brach der Regen herein. Durch die dunklen Spitzen des Nadelwaldes bahnte er sich seinen Weg, zunächst gemächlich, schließlich aber rasend. Die Baumkronen keuchten im Wind und peitschten die dicken Tropfen hinunter zu dem Mann, der in gebückter Haltung den Waldboden aushub. Es toste, und der Himmel weinte wie vor zehn Jahren.
Waren tatsächlich zehn Jahre ins Land gegangen? Zehn Jahre, seit lebensfrohe Achtzehnjährige einander versprochen hatten, auch nach der Schule Freunde zu bleiben und sich nicht aus den Augen zu verlieren? 
Gierig und ungestüm grub der Spaten ein weiteres Loch in die aufgeweichte Erde, deren wohliger Waldduft vom reinigenden Regen verwischt wurde. Zehn Jahre … Jeder Spatenstich schrie die Zahl hinaus ins Unwetter. Zehn verdammte Jahre, in denen sich die sogenannten Freunde nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten. Nur noch ein Tag trennte den Mann von dem Jahrestag des Schulabschlusses. So sehr er sein Tun unterbrechen wollte, er konnte es nicht. Aufschauen wollte er, durchatmen, nachdenken. Doch alles, was ihn erfüllte, war das, was vor zehn Jahren geschehen war, damals, als er, das Stipendium sicher in der Tasche, hatte aufbrechen wollen, um ein Mann zu werden, mit allem, das dazugehört. Ein standesgemäßer Beruf, ein nettes Häuschen, eine adrette Frau und eine Schar liebreizender Kinder: Die von der Werbung suggerierte Vorstellung saß noch immer in seinem Kopf, doch nichts von ihr war Realität geworden, denn seit zehn Jahren konnte er nicht loslassen von jener Nacht, in der sie voneinander Abschied genommen hatten. Seit jener Nacht hatte er nicht einen Tropfen mehr getrunken, nicht einmal Hustensaft, aus Angst, die Geschehnisse wiederholten sich. Sie wiederholten sich nicht, allein in seinem Kopf waren sie präsent. Seit zehn Jahren schrie ihm jeder Regentropfen ins Gesicht, was er getan hatte."

Montag, 16. Mai 2011

Wochenendausflüge

Normalerweise berichte ich an dieser Stelle unregelmäßig über unsere Sonntagsstreifzüge, aber langsam schlägt bei uns der Aktionismus zu. Wir haben nämlich nicht nur einen Sonntagsstreifzug zu verbuchen, sondern gleich einen Samstags- und einen Sonntagsausflug. 
Wenn ich ehrlich bin, hat es mich nämlich gepackt: Nachdem ich mein Baldschulkind nun als durchaus bildungsbereit einstufe, habe ich beschlossen, uns weiter als bis in den nahegelegenen Wald zu bringen  und gemeinsam mit Kind und Kegel die neue Heimat gründlich, über Stock und Stein, kennenzulernen.
Über die unweit gelegenen Ruine der Grasburg, das Josephskreuz und den Kyffhäuser, aber auch über die Inspirationssuche an der Wüstung Bernecke habe ich - z. T. auch nur in Bildern - bereits berichtet. 
Allerdings bietet die nähere Umgebung in etwas längerer (für Kinderbeine zu weiter) Wanderentfernung bzw. nach kurzer Fahrt noch viel mehr. 
Leider spielte das Wetter nicht so mit, wie wir es gern gehabt hätten. Aber nur wegen potenziell trüben Fotos muss man ja nicht zu Hause bleiben, wenn man ansonsten trocken bleibt. 
Deshalb haben wir also das bildungsbereite, aber -unwillige Kind (O-Ton "Spazieren ist das Blödeste aller Welten!") ins Auto verfrachtet und sind über die umgrünten Landstraßen bis auf den netterweise am Wanderweg angelegten Parkplatz geschippert. Keine 10 Minuten hat's gedauert, bis wir von der faulen Samstagsstube auf den 2 km Wanderweg durch einen der hiesigen Wälder auf zum Bauerngraben marschierten. 
Ich darf hiermit bestätigen, dass sich der Waldmeister dieses besonders pittoresk am Wegesrand gibt und auch die übrige Blütenvegetation zu unseren Füßen ausgesprochen liebreizend anzusehen ist. Zu geschwollen? Das "liebreizend" stammt von meinem Sohn, nachdem er den inneren Schweinehund erfolgreich niedergeknüppelt hatte, und ich finde das wunderbar reizend aus dem Mund eines Sechsjährigen. 
Der Bauerngraben jedenfalls ist ein Schwindenbecken, wovon ich, hätte ich Geographie nicht abgewählt, vielleicht, aber auch nur vielleicht schon einmal gehört hätte. Dieses Becken zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass es sich wie von Geisterhand in einen See verwandelt und dann unbestimmte Zeit später wie von selbiger oder anderer Geisterhand wieder trocken ist. Derzeit befindet sich wohl eher ein Pfützchen im beliebten Ausflugsziel, denn auf diversen Bildern ist schon deutlich mehr Wasser zu sehen, als wir am Samstag fotografieren konnten. 
Wie es der Zufall so will, arbeite ich gerade an einer Kurzgeschichte, in der ein See vorkommt - der Geier oder was Hübscheres weiß zwar, ob ich diese Geschichte je fertig bekomme, aber einen Inspirationsschub habe ich allemal bekommen, ganz egal wie trüb es war. 

Hier habe ich ein paar An- und Aussichten zusammengefummelt, die sich begrenzt vergrößern lassen. Also wie immer bitte Klick auf das Bild für mehr Größe, wenn auch nicht mehr Schärfe. 



Mein Ausflugsdurst war auch am Sonntag noch nicht gestillt, denn ein Vögelchen hatte mir am Telefon geflüstert, es gebe im Südharz unzählige Burgen bzw. Ruinen. 
Was haben wir früher nur ohne das Internet gemacht? 
Hätte ich durchs Dorf laufen und Informationen für Zugezogene einholen müssen? 
Wie dem auch sei, ich habe der Suchmaschine einen Job aufgetragen und gewartet. Schade, dass sie einem nicht auch noch die Entscheidung abnehmen kann. Das hat dann kurzerhand der Imker übernommen und beschlossen, dass wir ins thüringische Neustadt segeln, um die Burgruine Hohnstein zu besichtigen. 
Geringer Fahrtaufwand, aber augenweitendes Ergebnis für die Großen (mit dem Fotoapparat) und den kleinen Ritterfan. 
Geschichtliches erspare ich mir, denn man kann alles beim Hohnsteiner Mittelalterverein nachlesen. 
Selbstverständlich streikten die Kinderfüße erst einmal angesichts des Aufstiegs. Unmut machte sich breit, da half es auch nicht, dass mitten im regionaltypischen Buchenwald plötzlich eine Esskastanie und eine einsame riesige Lärche emporragten. 
Vergessen war der Schmerz jedoch, als das Tor in Sichtweite war und Einlass in die Vergangenheit gewährte. 
Die Burgruine Hohnstein bietet nämlich heute durchaus einen Eindruck von einem Gebäude und besteht nicht nur, wie so manche Ruine, aus ein paar Grundmauern, die für Kinder oftmals nicht greifbar sind.
Deutlich wird die Liebe, mit der man dabei ist, die Anlage zu erhalten und zu sichern. 
Bereits am Eingang ist trampelsicher ein kleiner, ach was, für die Bezeichnung Garten wirklich winziger Kräutergarten angelegt, der aber nun den willkommen heißt, der wachen Auges ist.
Das einzige neue Gebäude, das aber so dezent gestaltet ist, dass es nicht stört, ist das Burgrestaurant, das mit angenehmen Duft nach dem Aufstieg den Magen zu Wortmeldungen aufforderte. 
Ringsum aber befinden sich Fels und alte Gemäuer, von denen aus man eine großartige Aussicht hat. (Wenn mir jetzt noch einer verraten könnte, warum ich immer GemäuSer schreibe anstatt Gemäuer, hätte ich eine Freudsche Sorge weniger.)
Das nebenstehende Panorama wurde vom Imker aufgenommen. Ich fand es so toll, dass ich mich auf keinen Fall mit der Aufnahme brüsten will.  
Selbstverständlich hat es mir der Wind den üblichen Hut vom Kopf geweht und meine neue Kurzhaarfrisur ganz schön zerstrubbelt, aber das gehört hier einfach zum Höhenerlebnis dazu. Wer ist schon auf einem Fleckchen Geschichte eitel? 
Heimatverein und Landkreis sei Dank ist das oben auf dem Fels gelagerte Burgareal inzwischen so gut bereinigt und teilrestauriert, dass man fast schon die Feuerstellen riechen und Gewänder rascheln hören kann. 
Dazu kommt, dass der Besuch nichts außer Kraftstoff und Muskelkraft kostet. 
Man mag es angesichts der horrenden Eintrittspreise, die man hier in der Region in so mancher Sehenswürdigkeit lohnen darf, kaum glauben, dass man dieses Stück Historie (noch) gänzlich unentgeltlich besichtigen kann. Auch dafür gibt es von mir alle Daumen hoch (Kinder- und Männerdaumen gleich mit).
Wen es also einmal in die thüringer Ecke Nordhausen verschlägt, sollte sich einen Ausflug in Richtung Neustadt nicht nehmen lassen (Burgeninteresse natürlich vorausgesetzt), denn dort gibt es neben der Burg Hohnstein noch weitere Burgruinen zu sehen, die wir aber angesichts des drohenden Gewitters nicht mehr auf uns nehmen konnten. 

So voll war unser Wochenende. Schauen wir mal, wohin es uns nächste Woche verschlägt. Vielleicht wird es burgen- und ruinenfrei, vielleicht auch nicht ... Ich lass mich überraschen.

Zum Abschluss gibt es wieder Collagen, damit ich nicht die vielen Bilder einzeln hochladen muss. Ich setze sie auch deshalb ans Ende, weil ich sie hier besser ergänzen kann. Da mein Online-Cineast Ken beim Anblick solcher Anlagen vor Freude Luftsprünge macht (er zeichnet momentan nämlich einen phantastischen Comic mit Mittelalter- und Steampunk-Elementen), werde ich noch ein paar zusammenstellen und nachliefern. 
Es darf also gerne noch einmal hereingeschaut werden. 

 Fortsetzung folgt ...





... Regen, Regen, Regen ...

Man möchte ja meinen, der Regen habe eine reinigende Wirkung. 
Hat er auch, wenn es mal über Tage so richtig schüttet, dass kein Pollen trocken bleibt. 
Wir aber haben seit Tagen das Gefühl, es säße ein unsichtbares Wesen an einem Schalter, den es nach Gutdünken betätigt, und sei es auch nur für eine Sekunde. 
Dann schmeißt es sich offenbar den Bauch vor Lachen haltend zurück und beobachtet, wie ich von der nächsten Pollenattacke heimgesucht werde. 
Herzchen, sei doch so lieb und leg den Schalter mal für eine halbe Stunde am Stück um oder lass einfach die Finger davon!
Ich wüsste nämlich nicht, wem ich auf den Schlips getrampelt sein könnte. 
Damit dieser Post nicht auch  noch verjammert verregnet wird, illustriere ich ihn vorsorglich mit ein paar Nach-dem-Regen-Blumen.
Aber weiter im Text: 
Dauerkopfschmerzen und Leseunlust verhinderten also, dass ich das Blogger-Desaster der letzten Woche am eigenen Leib mitbekommen habe. 
Sollte jemand das Gefühl haben, sein Kommentar sei nicht angekommen, bitte ich um nochmaligen Versuch, denn unbearbeitete Kommentare werden mir momentan nicht angezeigt. Aber im Zeitalter des Internets weiß man ja nie ...
Ebenso habe ich es deshalb unterlassen, über die bevorstehende Einführung des neuen Jugend-Imprints "Ink" bei Egmont zu berichten, was mir ohnehin meine Blognachbarn zahlreich abgenommen haben.  Für Informationen besuche man flugs die Verlagswebsite [klick].
Angesichts der Wasserlaunen habe ich aber nachgesonnen, was wohl an Regen so faszinierend sein könnte, dass man immer und überall darüber schreibt. Nun gut, diese Aussage mag überzogen klingen, denn die Beispiele, die mir einfielen, eignen sich nicht zur Massenansammlung.
Wenn ich an Regen in der Literatur denke, sehe ich vor meinem geistigen Auge immer eine Szene aus Gisela Richter Rostalskis "Ich liebe Victor". 
Da ich das Buch zu meinem Leidwesen nicht besitze, sondern im einschlägigen Alter nur (Achtung: Untertreibung) fünf Mal aus der Bibliothek ausgeliehen hatte, bin ich heute allerdings nicht mehr sicher, ob die Szene mit der im Nachthemd im Sommerregen tanzenden Protagonistin tatsächlich aus dem Buch oder dem gleichnamigen Film stammt. 
Aufklärung nehme ich gern entgegen. 
Während ich noch nachgrübele, ob es sich um eine Film- oder Buchszene handelt, schleicht sich sofort Wolf Spillners DDR-Jugendklassiker "Wasseramsel. Die Geschichte von Ulla und Winfried." ein (irgendwie pinseln mich die Namen nach 23 Jahren (gekauft 1988) plötzlich mit einem breiten Grinsen an, das die frechen Amazon-Gebraucht-Preise gleich wieder verrecken lassen - in diesem Falle geht ein klares "Ja" an ebay). 
In diesem - im Übrigen, wie damals üblich, illustrierten - Jugendbuch gibt es eine Szene, in der die beiden jugendlichen Protagonisten bei einem Waldspaziergang von einem Schauer überrascht werden und der gute Winfried Partien an Ulla erkennt, die ihm vorher weniger interessant schienen. Regennasse (hier natürlich vorsichtige, jugendtaugliche) Erotik ist somit nichts Innovatives. 
Blöderweise will mir partout nicht einfallen, ob es in meinen beiden Nostalgiebüchern schlechthin, "Die unromantische Annerose" und "Aufforderung zum Tanz" einschlägige Regenszenen gibt. Ich schäme mich schon vorab eine Runde und werde bei Gelegenheit einmal nachschauen. 
Mein nächstes Zeitraubprojekt ist somit geboren: Durchforste Bücher, die du irgendwann einmal gelesen hast, und finde heraus, welche Rolle Regen dort spielt und berichte an anderer Stelle erneut darüber! Oder vergiss es einfach wieder, wenn dieses Aprilwetter zur besten Eisheiligenzeit endlich ein Ende hat.
Eine neuerliche literarische Regen-Erinnerung (Verzeihung, liebe Duden-Sprachberatung, aber dieser Bindestrich muss jetzt einfach sein) stammt aus Jennifer Benkaus "Phoenixfluch". Als ich gefühlsmäßig in Bezug auf Regen gefroren habe wie ein Schneider, schafft sie es, eine Szene zu produzieren, die so intensiv ist, dass jeder Nieser im Keim erstickt wird.
Und während ich im Geiste nach weiteren Beispielen grabe, fällt mir auf, dass ich auch ständig über Regen schreibe. 
Vermutlich liegt das tatsächlich an der viel beschrienen reinigenden Wirkung. In "Blutsuche" gibt es zwei Regenszenen. 
Eine, in der die Protagonistin Anne ein sehr peinliches Erlebnis hat, weshalb dieses auch so detailliert beschrieben ist, und eine, in der der Regen ihre Tränen übernimmt und in Sturzbächen daherkommt, um ihre verrückte Gefühlswelt zu reflektieren. Beide Male ist der Regen quasi ein Neuanfang.
Auch meine Kurzgeschichte "(Nimmer)Wiedersehen" startet mit Regen, der an dieser Stelle aber eher verunsichert und straft, aber nicht reinigen kann. 
In meiner Kurzgeschichte "Neuanfang" regnet es ebenfalls, aber dort ist er kein stilistisches Mittel, sondern mysteriöserweise ein Fakt, der die depressive Stimmung nur noch unterstützt.

Damit es hier mal wieder ein bisschen Interaktion gibt, denn ich plaudere ja so gerne, freue ich mich natürlich über eure Gedanken zum Regen in der Literatur. Beispiele wie auch Gedanken zur Symbolik sind willkommen. 

Selbst wenn im Sommer wahrscheinlich kein Mensch über Regen lesen will, werde ich auf ihn zurückkommen. 

In verschnupfter, aber fröhlicher Stimmung wünsche ich euch einen guten Start in die nächste Maiwoche!

über "Romantik für Anfänger" von Ron Markus

Ron Markus

Romantik für Anfänger

Die besten Telenovelas werden sowieso nur vom wahren Leben geschrieben 

- oder - 

das Leben ist nichts anderes als eine Telenovela

(c) Kiwi-Verlag

Zum Inhalt: 
Charlotte, Quereinsteiger-Drehbuchautorin, sitzt mit Mitte Dreißig nach einigen Fernseherfolgsjahren auf einem Ast, an dem inzwischen von vielen Seiten gesägt wird. 
Zum einen ist sie wieder Single, nachdem sich ihr Ex Marius, der Star ihrer Telenovela, die sich, genau wie sie, auf einem absteigenden Ast befindet, durch die Crew geschlafen hat. Zum anderen nimmt das Publikum ihr die Telenovela "Renata - Engel der Liebe" nicht mehr uneingeschränkt ab, wie die Quoten beweisen. So sät Chef Friedhelm ordentlich Unmut, indem er versucht, Charlotte und Zweitautor gegeneinander auszuspielen, frei nach dem Motto "Konkurrenz belebt das Geschäft". Dann aber setzt er Charlotte die Huber Sabine, einen bayerischen Renata-Fan vor die Nase, die von nun an das Telenovela-Publikum repräsentieren und der ausgelaugten Charlotte mit Rat, Tat und Tipps zur Seite stehen soll. Selbstverständlich fühlt sich die großstädtische Autorin gegängelt, nimmt dann aber der Karriere zuliebe die serienverrückte, überbezahlte Hausfrau bei sich auf und bekommt von nun an deren romantische Ader zu spüren. Die Huber Sabine hat sich nämlich in den Kopf gesetzt, nicht nur ihre heißgeliebte Renata zu retten, sondern auch Charlottes Liebes- und Gefühlsleben. Dass dabei die Klischees nur so aufeinanderprallen, ist nicht verwunderlich. Während die Berliner Autorin von der hausmütterlichen Sabine, die ihren Mann sogar aus der Ferne bekocht und mit einem Schoßhund umherzieht, der in Serienfolge XY aufgetreten war, einigermaßen genervt ist, dürfte die Huber von Charlotte zunächst den Eindruck gewonnen haben, diese sei selbst einer Serie à la Sex and the City entsprungen. 
Da schließlich auch Frau Bedürfnisse hat, hat sich Charlotte nach dem Marius-Debakel über eine Internetseite einen One-Night-Stand angelacht, der sich dann nicht nur als deutlich jünger als angenommen herausstellte, sondern sich auch entschloss, bei ihr einzuziehen. 
Das kann die Huber Sabine nur schlecht mit ansehen, sodass sie einen einer Telenovela angemessenen Schlachtplan entwirft, der Schauspieler Marius zurück in die Serie (in der er eigentlich das Zeitliche gesegnet hatte - es lebe das Fernsehen und Bobby Ewing!) und damit zurück in Charlottes Leben bringt. 
Und als würde Charlottes dünner Ast nicht schon laut genug knacken, präsentiert Chef Friedhelm ihr seine Angetraute, eine Vertreterin der Namaste-Fraktion, die ihren Friedhelm ganz schön im Griff hat, als neue Chefin. 
Unter chaotischen Bedingungen in Charlottes neuer, unfreiwilliger Dreier-WG wird nun an den bevorstehenden Folgen von "Renata" gefeilt, um die Telenovela aus dem Quotensumpf zu hieven ... und Charlotte unter die Haube zu bringen. 

Meine Meinung: 
Romantik für Anfänger startet bereits kurzweilig mitten in einer Produktionssitzung, die ein jähes Ende findet bzw. unfreiwillig verlängert wird, als die gesamte Mannschaft von der Putzfrau eingeschlossen wird, weil sie beleidigt ist, dass man ihre geschätzte Meinung zu Renata nicht hören will. 
Zu diesem Zeitpunkt wirkt die Protagonistin noch, als sei sie Herrin der Lage, aber das ändert sich ziemlich schnell, als der Leser Einblicke ins harte Telenovela-Business bekommt. Charlotte ist sogar schon so weit telenovelaisiert, dass sie sich ihre Gedanken und Gefühle visuell als Skript vor Augen führt - die im Buch auch in der typischen Schrift und im typischen Layout abgebildet sind, was dem Roman durchaus einen authentischen Touch verleiht. Überhaupt, und das kommt nicht von ungefähr, denn der Autor schreibt fürs Fernsehen, hat man immer das Gefühl, das professionelle Drumherum ist keine pure Fiktion. Als Nichttelenovelaseherin bin ich geneigt, einen neuen Blick auf das Nachmittagsprogramm zu werfen, ganz gleich, wie verdenglischt die Dialoge im Produktionsalltag wohl sein mögen (tut mir leid, aber ich bin nun mal ein leiser Verfechter der deutschen Sprache und fühle mich von einer Überbeanspruchung des Englischen im deutschen Dialog reichlich genervt).
Obwohl Ich-Erzählerin Charlotte altersmäßig zu mir passt, habe ich schon arge Identifikationsprobleme, was vermutlich daran liegt, dass ich mich nach jahrelangem Paardasein mit Kind und Kegel nicht mehr in eine Single-Städterin hineinfühlen kann. Deshalb kommt mir ihr, und das soll nicht als Wertung zu verstehen sein, Verhalten ein wenig unweiblich vor, wenngleich es nachvollziehbar ist, dass sie nach Marius' Vertrauensbruch nicht mit offenen Armen in die Romantik hüpft, sondern eher Wert auf Bedürfnisbefriedigung legt. Das macht sie unbestritten sympathisch. 
Trotz ihrer nervigen Art ist auch Charlotte-Nemesis Sabine ein im Grunde sympathischer Charakter, der es einfach immer einen Ticken zu gut meint. Wie Charlotte erkennt auch der Leser, dass in der Huber Sabine mehr steckt und sie aus unterdrücktem Potenzial gestrickt ist. Selbst wenn die Voranstellung des Namens vor dem Vornamen nicht sonderlich unüblich ist, muss ich doch sagen, dass mich das nach einer Weile richtig nervte, weil für mich dieser Darstellungsweise (wahrscheinlich meinem eigenen Dialekt geschuldet) immer eine Abwertung anhängt, die allerdings im Roman eher anfänglich zum Tragen kommt, zum Ende hin aber natürlich schwächer wird. 
Die männlichen Charaktere allerdings hätte ich gerne im Verlaufe der Handlung in einen Sack stecken und verhauen wollen. Marius ist mir dermaßen unsympathisch, dass ich am liebsten laut geschrien hätte: "Lass die Finger von dem A..." Andererseits konnte ich mir die gute Charlotte aber auch nicht mit One-Night-Stand-Missversteher Alex vorstellen. 
Das Ende, auf das auf knapp über 300 großzügig bedruckten Seiten hingearbeitet wird, veranlasst mich somit auch zu Punktabzug, weil es mir einfach charakterfremd vorkommt und mich deshalb nicht zufriedenstellen kann. 

Fazit: 
Romantik für Anfänger ist eine sprachlich unkomplizierte, kurzweilige Lektüre aus der turbulenten, zuweilen etwas unrealistischen Telenovela-Welt, die vom Format her ein wenig zu groß für den Urlaub sein mag, aber anspruchslose Schmunzelstunden auf der Terrasse bescheren dürfte. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen







Für das Leseexemplar bedanke ich mich bei http://www.vorablesen.de/ und Kiepenheuer & Witsch.

Samstag, 7. Mai 2011

Vergissmeinnicht

Heute soll ein weiteres Blümchen folgen - mit einem Tag Verspätung, denn das Foto ist für meinen Papa, der gestern Geburtstag gehabt hätte. 
Als ich das Bild aufgenommen habe, musste ich an ihn denken.


Donnerstag, 5. Mai 2011

Kein Maiglöckchen

Wie Anfang der Woche angedroht, geht es weiter mit einem Blumenbild. 
Die Muse hat mich ganz vorsichtig geküsst, sodass ich derzeit wieder etwas mehr in die Tasten haue und deshalb meinen Blog eher mit Bildern als Texten fülle. 
Man möge mir verzeihen, dass mich die pflanzliche Schönheit so anzieht. 

Dienstag, 3. Mai 2011

Der Mai, der Mai ...

Ich bin nun mal ein Mai-Kätzchen, deshalb wird es vermutlich in diesem Monat gefühlte einunddreißig Fotos von Blumen, wahrscheinlich zu 99 % von Maiglöckchen, geben. 

Gesagt, getan - ich beginne sofort. 
Hier ist Maiglöckchen Nr. 1, das uns wohl für die nächsten Tage warmhalten muss: 

Nicht ganz exakt dasselbe Bild, aber ein bisschen Blendenspielerei im wunderbar grünen Rotbuchenwald zwischen Stempeda und Rottleberode.
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