Freitag, 29. April 2011

Gedichtauszug "Frei"

Weil es Freitag ist, gibt es heute einen Miniauszug aus meinem Gedicht "Frei", das in den LeseBlüten Band 2 - Lyrik 2011 im Piepmatz-Verlag erschienen ist. 

Zur Entstehung muss ich sagen, dass mich da die Vergesslichkeit übermannt hat. Ursprünglich habe ich dieses Gedicht auf Englisch geschrieben, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, was den Ausschlag gegeben hat. Letztes Jahr habe ich dann aber den Versuch gestartet, es auf Deutsch zu "recyceln", wobei diese Version allerdings etwas abweicht. 

Das englische Original gibt es auf meiner dA-Seite.

Zum Vergrößern wie üblich bitte klicken. (Brushes von http://spiritsighs-stock.deviantart.com/)
Wie es aussieht, hält "Rosarot" demnächst in einer weiteren Anthologie Einzug. Wenn es offiziell soweit ist, werde ich es natürlich hier verkünden. 

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Montag, 25. April 2011

Die Krux mit dem zweiten ...

Schlehen als Vampirfänger?
... nämlich mit dem zweiten Band. 
Beim zweiten wird alles anders, sagte ich mir und legte mit Elan los. 
Wie lange das her ist, will ich nur ungern erwähnen, denn die Schamesröte könnte sonst hier die Schriftfarbe dominieren. 
Mein Bauplan ist fertig, schon lange, denn der entstand bereits, als mir bewusst wurde, dass ich Blutsuche: Annes Reise nicht ohne Fortsetzung lassen konnte. Nicht nur, weil ich mit dem Ende niemanden - auch mich selbst nicht - im Regen stehen lassen wollte, sondern auch, weil mich die Ich-Erzählperspektive dahingehend einschränkte, dass meine Protagonistin vieles weder sehen noch anderweitig erfassen konnte, sodass nun andere bzw. neue Personen auf den Plan treten müssen, um Zusammenhänge zu entschlüsseln. 
Warten auf Rosa
Also nahm ich, wie immer, meinen Bauplan zur Hand, wer hier mitliest, weiß, dass der von Hand auf Papier niedergeschrieben wird, hangelte mich von Eckpfeiler zu Eckpfeiler und füllte so zwei Drittel der Romans. NICHT in Ich-Perspektive, obwohl mir bewusst ist, dass das den einen oder anderen Leser verwirren könnte.
Seit geraumer Zeit aber geht es nicht mehr vorwärts, weil ich eben beim zweiten nichts anders gemacht habe. 
Da ist also mein lieber Vampir, der sich plötzlich in ein Abbild der verschwundenen Protagonistin verwandelt und genau in ihre Verhaltensweisen verfällt, die sie in Band 1 zu einem sehr schwierigen Charakter machen. 
Dabei soll er doch aus sich heraus und auf die Suche gehen. 
Aber nein, was macht er? 
Schwelgt seelenruhig in Erinnerungen und saugt Details in sich auf. 
Kennen wir das nicht? 
Natürlich sind Erinnerungen und Details bei mir wichtig, denn ich liebe es, Hinweise zu verklausulieren, auch wenn ich dabei mal über das Ziel hinausschieße und die betreffenden Passagen nicht immer gut an- und wegkommen, aber damit kann ich leben. 
Bei mir muss man oft zwischen den Zeilen lesen (was leider hin und wieder beim Leser zu Un- bzw. Missverständnis führt), aber bei der Fortsetzung von "Blutsuche" sollte das gar nicht nötig sein, weil sie doch Fäden verknüpfen soll.
Stopp!
So sehr ich seine vampirische Langlebigkeit mit der antiquierten Frisur auch mag, so wenig will ich ihn in Selbstmitleid versinken sehen und dabei ertappen, wie er das Muster auf dem Teppich abzählt, nur weil Anne das tun würde, weil es nun mal ihre Macke ist, die sie am Wesentlichen vorbeischauen lässt.
Alles wartet ...
Da mir die liebe Anne aber abhanden gekommen ist, muss nun ein anderer das Zepter in die Hand nehmen und alles interessanter machen (davon abgesehen werden die, die Band 1 schon langweilig finden, wohl auch Band 2 nichts abgewinnen können). 
Und wieder sitze ich und betrachte mit dem geistigen Auge meinen Vampir. 
Während ich versuche, ihn objektiver zu sehen, schmelze ich trotzdem dahin. Ich liebe ihn halt - was soll ich tun? 
Aber der Junge muss definitiv mehr aus sich raus  und hundert beschissene Jahre abschütteln, Ängste runterschlucken und etwas unternehmen!
Hier stelle ich mir selber ein Bein, denn ich bin schließlich kein Mann. Ich habe keine Ahnung, wie sich ein Mann verhalten würde, selbst wenn er mein Geschöpf ist. 
Während mein eigener Mann für (jugendfreie) Bissübungen herhalten musste, um zu sehen, ob sich in bestimmten Positionen tatsächlich der Hals nahrungstechnisch noch gut erreichen lässt, ohne zu sportlichen Höchstleistungen herauszufordern, hat er sich als untauglich erwiesen, wenn es um das Ergründen der männlichen Psyche geht. Da muss wohl jemand den Schlüssel verlegt haben ...
Wenn ich abends im Bett liege und über meine Geschichten sinniere, weiß ich genau, was Anne denken würde, wenn John ihr fehlt, er verschwunden wäre und sie nicht wüsste, wo sie mit ihrer Suche beginnen sollte. 
Ist Anne hier durch den Schnee gewatet?
Mit ihrer gesamten Seele ist sie eine Träumerin = sperrig, nervig und zum Ohrfeigen.
Gedanklich wäre sie umhüllt von seinem Duft, der Klang seiner Stimme streichelte sie, während ihre Haut versuchte, seinen Puls an ihrem zu reproduzieren, obwohl sein Herz still steht. Übergeben würde sie sich, keine Frage, das tut sie ja immer. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, unter bestimmten Umständen, würde sie so lange weinen, bis keine Tränen mehr übrig sind, bevor sie die Kraft fände, etwas zu unternehmen. 
Spontanität ist für Anne ein Fremdwort.
Was aber denkt ein Mann? 
Sitzt ein Vampir wie John stumm im Dunkeln oder sucht er zwischen Zeilen oder auf Bildern nach Hinweisen? Schlägt er wütend die Wände ein, weil er so dämlich war, die Zeichen nicht zu erkennen? Würde er fremde Hilfe suchen? Er, der  seit Jahren niemandem vertraut hat? 
Deshalb muss nun mein Online-Cineast Ken (sorry, er heißt wirklich so :-), und ich habe auch die Erlaubnis, zu erzählen) als unabhängiger, vampirinteressierter männlicher Berater herhalten und meinem Rotstift neue Nahrung geben. Und bisher macht er seine Sache wirklich gut. 
Anstatt das letzte Drittel herunterzutippen, auch wenn ich dieses im Bauplan und im Kopf fix und fertig habe, bin ich also momentan dabei, alles bisher Geschriebene umzustoßen und John männlicher zu machen. 
Nach 3 angefangenen Romanen in der Schublade, von denen 2 gewiss nie wieder das Tageslicht sehen werden, fange ich plötzlich an, jedes Wort in die Waagschale zu legen, und das komischerweise, obwohl ich noch nie einen Satz geschrieben habe, nur damit er überhaupt dasteht. Selbst wenn ich mich immer wieder im x-ten Korrekturdurchlauf von Geschriebenem trennen muss, ist doch davon auszugehen, dass jedes Wort davon mit Bedacht aus mir herausgeflossen ist. 
Beim zweiten nun bin ich aus rein formalen Gründen immer wieder Bredouille zu entscheiden, ob ich einen Satz, ein Wort, ja einen ganzen Absatz überhaupt schreibe. Schließlich soll das Buch kein Wälzer werden ... Es ist, als müsse man die Nahrungsversorgung drosseln, um kein übergewichtiges Baby auf die Welt zu bringen, denn übergewichtige Babys sind teuer. 
Viel lieber lege ich mich mit meinen sperrigen Charakteren an als mit Formalien, meine Charaktere nerven nämlich weniger - finde ich.
Könnte Wasser eine Rolle spielen?
Ach ja, da ist ja noch jemand: Rosa - und die wird auch weiterhin so heißen, egal, wie viele Rosas gerade auf den Markt geworfen werden. 
Sie hieß schon in Band 1 so, und dabei wird es bleiben. Keine Pseudonyme, nur um dem Vorwurf von Namensklau zu entgehen. Ich wollte schon immer einen Charakter namens Rosa in meinen Geschichten haben, denn meine (mir nicht bekannte) Urgroßmutter hieß so. 
Nach den besagten zwei Dritteln stelle ich fest, dass Rosa bislang viel zu wenig Raum in der Geschichte hat, obwohl Band 2 eigentlich ihr Buch sein sollte, denn die Hexe Rosa wird gebraucht. 
Also suche ich momentan an jeder Stelle nach Inspirationen für sie, um sie früher aus der Großstadt zurückzulocken. 
Günstig ist dabei, dass ich mich jahreszeitlich im Jetzt bewege, sodass ich quasi sehe, was sie sehen könnte, weshalb ich diesen schnöden Jammerbericht auch brav mit aktuellen Fotos illustriere. 
Die Winterszenen in "Blutsuche" habe ich zu einem große Teil im Sommer geschrieben, was nicht immer einfach war, selbst wenn mich im Schreibfluss nichts bremsen konnte.
Deshalb war auch endlich wieder Rosa in meinem Kopf, als ich am Freitag mit Kind und Kegel auf einer Streuobstwiese in der Sonne lag und die Kirschblüten wie Schnee auf uns herunterfielen. 
Nach und nach beginnt die frühlingshafte Gegend wieder mich zu inspirieren, und ich habe beschlossen, dass ich mich nicht vom zweiten verbiegen lassen werde, denn er soll die Geschichte erzählen, die ich erzählen wollte und in der trotzdem alle Gedanken festgehalten sind, wie ich es wollte, mit ihren Ecken und Kanten und ohne Anspruch auf Gefälligkeit. 
Deshalb habe ich mich außerdem entschieden, nur noch zwei Wettbewerbsbeiträge fertigzustellen und mich anschließend ausschließlich Rosa, John und wer sonst noch dazu gehört zu widmen. Mit einem weinenden Auge sage ich hiermit allen Anthologieausschreibungen vorerst adieu.
Unser Freitagsausflug hat bereits bestehende Szenen noch weiter geschärft und mir außerdem wieder Lust auf die Geschichte gemacht. 
Jetzt muss ich mich nur noch von meinem verlegenen Rücken erholen, und schon kann es losgehen. 

Hier noch ein paar Impressionen von der Wüstung Bernecke unweit meines Wohnortes, wo ich immer wieder Ideen tanke:
Einen ähnlichen Ort wird es in Blutsuche 2 geben.
 

Samstag, 23. April 2011

Frohe Ostern

An dieser Stelle möchte ich euch allen schöne Ostern wünschen!
Genießt die sonnigen Tage!

Sonntag, 17. April 2011

(Kein) Sonntagsspaziergang

Zum Sonntag gibt es heute keine Bilder vom Sonntagsspaziergang, sondern vom Samstagsspezialausflug. 
Da mein Sohn am Freitag Geburtstag hatte, mussten wir natürlich am Wochenende etwas unternehmen. 
Also sind wir ins nahegelegene Tilleda gefahren, das mit der Königspfalz als Sehenswürdigkeit der Region aufwartet. 
Für Jungen dürfte eine mittelalterliche Anlage von besonderem Reiz sein, und erwartungsgemäß galoppierte seine kindliche Hoheit sofort hinter dem Eingang zur Vorburg von dannen, um erst auf dem Burgwall wieder aufzutauchen. 
Mein Informationsbedürfnis kann ich leider nur nachträglich befriedigen, denn meine Augen erwiesen sich als untauglich, um links das Kind und rechts die diversen Infotafeln zu erfassen. Demzufolge habe ich mich aufs Fotografieren beschränkt und werde demnächst ins literarische Mittelalter am Fuße des Kyffhäusers eintauchen und das erworbene Fachbuch schmökern. 

Und hier sind sie, meine Impressionen der einzigen vollständig ausgegrabenen Pfalzanlage überhaupt mit ihren teilrekonstruierten Anlagen: 

Der Eingang
Wer hier wohl wohnte, so dicht am Wachturm der Vorburg? 
Vom Turm aus blickt man nicht nur auf den empfohlenen Rundgang, sondern auch auf das Kyffhäuserdenkmal, das es aber noch gar nicht gab, als die Häuser hier so ausgesehen haben dürften wie diese. 
Flanieren wir also den empfohlenen Rundgang entlang zu allerlei interessanten Gerät. Dieses hier scheint sich noch in Konstruktion zu befinden und entbehrte einer informativen Tafel. Wir mutmaßten daher lediglich, dass es für den Transport von Baumstämmen verwendet wurde. Anspruch auf historische oder technische Korrektheit erheben wir selbstverständlich nicht. 
Da ist man offenbar auch noch nicht fertig, aber gut Ding will Weile haben ...
Nicht fehlen darf natürlich das Verteidigungsgerät.
Langsam nähern wir uns dem Ende der Vorburg.
Hochbeete neben dem auf dem vorstehenden Bild abgebildetem Häuschen. Hier baut man heute allerlei Kräuter an, zu denen man im Rahmen buchbarer Führungen natürlich auch jede Menge Informationen bekommt. Leider habe ich den Zweck des obigen Häuschens vergessen, es beherbergte aber eine Drechselmaschine, die ich zusammen mit Sohnemann sofort ausprobierte. Allerdings war das zugehörige Messer so unscharf, dass ich dem eingespannten Holzstück nicht viel Späne entlocken konnte. 
Das letzte Häuschen der Vorburg. Drinnen findet man eine Feuerstätte und einen Schlafraum nebst Versammlungsraum und Heuboden.
Und noch ein Blick zum Kyffhäuser. Die Wolken sind übrigens echt, denn das Wetter gestern ließ ein wenig zu wünschen übrig. Allerdings konnte man froh sein, dass es nicht zu heiß war, denn ich könnte mir vorstellen, dass "der Planet" auf dieser freien Hochebene doch arg "sticht".
Hier war offenbar die Goldmarie schon vorbeigekommen, denn der Backofen war leer.
Obiges Häuschen noch einmal vom Wall ausgesehen.
Auf geht es zur Hauptburg.
Wer da aber nicht hingehörte und sich widerrechtlich Einlass verschaffen wollte, wurde, wenn er das singende klingende Bäumchen nicht dabei hatte, hier aufgespießt.
Dasselbe noch mal in Grün und Gelb.
Von hinten sieht das Ganze dann so aus.
Hier stand einmal ein Gebäude der Hauptburg. Sogar ein Heizsystem hatte man damals schon ausgeklügelt.
Und hier noch ein paar Detailansichten: 
Nein, das ist kein Löffel, sondern das Hauslicht. Man nehme ein Kerzlein, platziere es hier, und schon findet man den Hauseingang.
In liebevoller Kleinarbeit wurden diverse Bestandteile einer alten Schmiede nachgestaltet. Hier zu sehen: ein hölzener Seilzug. Ich gehe davon aus, dass er ebenso einsatzfähig ist wie die stromlos, mit Fußkraft betriebene Drechselbank.
Wurde Metall geschmolzen, durfte es diese Schmelzrinne bzw. ihre nicht mehr erhaltene Vorgängerin passieren.
Nach den mittelalterlichen Impressionen wünsche ich euch mit einem Blumengruß aus dem Geburtstagsstrauß meines Sohnes eine schöne neue Osterwoche. 

Die Post war da ...

... und ich auch, deshalb durfte ich zwei Sendungen in eigener Sache entgegennehmen. 
Also: Vorsicht Werbung!

Buchumschlag: (c) Sandra Vogel
Bereits vergangene Woche trafen die LeseBlüten Band 3 - Fantasy 2011 bei mir ein. Einen Riesenschreck bekam ich, als ich sah, dass das Päckchen vollkommen verbeult und durchgeweicht war. Den Hermesboten nagelte ich gleich auf dem Hof fest, damit ich den Inhalt der Sendung in seiner Anwesenheit prüfen konnte. Oh Wunder, alle Bücher waren unversehrt. Deshalb können alle bestellten Bücher signiert auf die Reise gehen. Inzwischen sind noch ganze fünf Bücher übrig. Wer also gerne noch eins bei mir erwerben will, melde sich bitte per Mail.

Buchumschlag: (c) Gabriele Benz
Gestern erreichte mich dann noch die Anthologie aus dem Noel-Verlag: Liebe - Geschichten rund um die Liebe (Geschichten rund um die Liebe), in der eine Kurzgeschichte von mir vertreten ist. Diese Kurzgeschichte ist auch gleichzeitig diejenige, die mich vor kurzem noch hatte zweifeln lassen. Letztendlich habe ich mir gesagt: Warum soll ich nicht über meine Gefühle über meinen Verlust und die Liebe, die trotzdem bleiben wird, schreiben, auch wenn es keine fröhliche Geschichte ist? 
Dieses Buch ist eine Sammlung über die Liebe in ihren verschiedenen Formen, und ich habe es selbst schon auf dem Lesenachttisch. 

Zu guter Letzt ist von vorablesen.de  gestern auch noch Ron Markus' Romantik für Anfänger bei mir eingetroffen. Leider kam die Sendung ein wenig spät, sodass ich nicht mehr wirklich vorablesen kann. Der Roman erscheint nämlich bereits am 18.04.2011, also morgen, und ich habe kindergeburtstagsbedingt am Wochenende keine Leselust verspürt. Ich werde aber morgen loslegen und bald berichten.

Dienstag, 12. April 2011

Gedichtauszug "Einsam"

Drei meiner lyrischen Versuche sind auch in den "Leseblüten Lyrik 2011" vom Piepmatz-Verlag vertreten. 

Heute gibt es einen Auszug aus "Einsam". 
Das Gedicht ist auch schon ziemlich alt und entstand ebenfalls auf einer Bahnfahrt 1992, da fühlte ich mich ziemlich oft einsam, denn auf einem Teil der Strecke bestand der gesamte Zug nur aus Triebfahrzeugführer, Zugbegleiter und mir. Da muss sicher niemand fragen, warum die Verbindung irgendwann eingestellt wurde. 
Inspiration war eine Zeichnung, die ich damals in einem Buch gesehen habe und die ein kleines Mädchen mit heruntergerutschtem, zerrissenem Strumpf zeigte. 

Die ersten paar Zeilen habe ich nun mit einem neuen Bild zusammengebastelt. 

Wie üblich: Zum Vergrößern bitte klicken.

Montag, 11. April 2011

Nichts geschrieben, aber geguckt ...

Nachdem "buchstabenmüde" bald mein zweiter Vorname wird, kann ich an dieser Stelle wieder einmal nichts von Schreibfortschritten berichten. Dafür habe ich mal wieder in die Filmkiste geschaut. 

Zunächst hatte ich noch die Absicht, mich mit etwas Romantischen in romantische Schreibstimmung zu bringen, und deshalb "Die Dornenvögel" eingeworfen. Die bekannte Geschichte um Meggie und Pater Ralph de Bricassart brachte mich aber im DVD-Marathon wie schon so viele Male zuvor zuerst in Rage ("I love God more"), weil ich mich bereits vor einer Ewigkeit, als ich das Buch gelesen habe, darüber aufgeregt habe, wie man den eigenen Ehrgeiz vor die Liebe stellen kann, und zwar ganz unabhängig von Religion. Andererseits aber kann die Film-Meggie, so sehr man sich auch auf ihre Seite schlagen möchte, mit ihrer oft sehr verbittert-beleidigenden Art nicht voll und ganz bei mir punkten. Nachdem diese erste Rage, die ich erwartet hatte, verflogen war, saß ich auch schon im ebenso erwarteten Taschentuchberg und hatte zu tun, die Sturzbäche aufzufangen. Damit wähnte ich mich erst recht nicht in passender Schreibstimmung, dachte aber, wenn die Tränendrüsen schon die Gargoyles der Seele sind, sollen sie doch mal ordentlich ihren Dienst tun und hübsch aufräumen. Gedacht, getan, und das Midquel "Die Dornenvögel - die fehlenden Jahre" eingeworfen, denn die filmische Umsetzung kannte ich noch nicht. Die Entscheidung war zwar gut für meinen körpereigenen Wasserhaushalt, aber schlecht für den Filmgenuss. Zum einen, weil meine DVD nur eine deutsche Tonspur umfasst, was mich nach vier Teilen der Dornenvögel in Spielfilmlänge und englischem Originalton nicht nur einigermaßen irritierte, sondern auch mächtig nervte. Zum anderen aber ist diese Verfilmung, die ich in die Kategorien "WTF" und "Geldmacherei" einstufen möchte, nicht nur dank kompletter Umbesetzung, ausgenommen Richard Chamberlain, der wieder den Ralph de Bricassart gab, für den er aber zu diesem Zeitpunkt schon zu alt war, ein Fehlschlag. Inkonsistenzen gegenüber dem ursprünglichen Mehrteiler runden das maue Bild ab, sodass ich am Ende meine Taschentücher wieder einpacken und für die nächste Heuschnupfenattacke aufsparen konnte. 

Nicht auf DVD, aber im Fernsehen, nämlich auf Arte, gab es letzte Woche Plötzlich im letzten Sommer mit Elizabeth Taylor, Katharine Hepburn und Monty Clift. Der Film aus dem Jahr 1959 basiert auf Tennessee Williams gleichnamigen Bühnenstück (Suddenly, last summer) und wurde im englischen Original mit Untertiteln gezeigt (Daumen hoch dafür!). 
Gehirnchirurg Dr. Cukrowicz (dargestellt von Montgomery Clift) muss in der Anstalt "Lions View" unter den unmöglichsten Bedingungen Operationen vornehmen und würde am liebsten alles hinschmeißen. Da kommt das Angebot der wohlhabenden Mrs. Venable (Katharine Hepburn) scheinbar genau zur rechten Zeit: Für eine sehr großzügige Spende soll er ihre Nichte Catherine operieren. Mrs. Venable bestellt den jungen Chirurgen also zu sich, um ihm ihr Anliegen näher zu erläutern. In zunächst endlos wirkenden Kamerafahrten durch Mrs. Venables exotischen Garten mit ebenso endlos wirkendem Monolog (lesetechnisch wäre das wohl kein Pageturner) wird der Zuschauer darauf eingestimmt, dass etwas nicht stimmt. Die gute Mrs. Venable stellt ihren Sohn Sebastian, der im vergangenen Sommer verstorben ist, auf ein höchst seltsames Podest. Während sie ihren toten Sohn, den Poeten, vergöttert, empfindet sie das Verhalten ihrer Nichte, die mit besagten Sebastian zum Zeitpunkt dessen Todes in Europa geweilt hatte, als abartig und unterstellt ihr Wutausbrüche und unangemessenes Verhalten. Eine Lobotomie soll Abhilfe schaffen. Im weiteren Verlauf aber stellt sich heraus, dass Sebastian nicht nur wegen der angeblichen Unpässlichkeit seiner Mutter nicht wie üblich mit ihr nach Europa gereist war, sondern ganz bewusst seine Cousine mitgenommen hatte. Nach und nach kommen weitaus schockierendere Tatsachen als Sebastians Homosexualität zu Tage und werfen die Frage auf, wer hier eigentlich geisteskrank ist. 
Ein Psychothriller in Schwarzweiß, der größtenteils sehr bühnenhaft wirkt, aber mit seinerzeit sehr kontroversen Themen, wie Homosexualität, Vergewaltigung und Kannibalismus aufwartet und von seinen Darstellern lebt. 
Klassikerfans auf jeden Fall zu empfehlen. 


Rein zufällig empfahl mir dann doch mein Freund Ken noch "Sucker Punch", bei dem das Thema Lobotomie ja nicht zu kurz kommt. Der gute Ken war wohl der Meinung, dass mir das fantastische Ambiente und die tiefere Botschaft "find your inner strength" gefallen würde. Nun ja, hüstel, dann hatte ich wohl vergessen zu erwähnen, dass ich mit Maschinengewehrsalven nicht wirklich viel anfangen kann. Aber gut. Der nächste Zufall ist, dass die aktuelle Ausgabe der Abenteuer & Phantastik sowohl "Sucker Punch" als auch "Red Riding Hood" lobhudelnde Artikel widmet. Zugute halten muss ich "Sucker Punch" aber, dass der Film ein visuelles Erlebnis ist, das wie eine Collage aktueller Photoshop-Effekte wirkt und mit geballter Girlpower aufwartet. Ansonsten aber war mir der Film zu schrill und zu laut, als dass ich wirklich tiefer in das Geschehen eindringen konnte. Wahrscheinlich aber war ich auch einfach nur nicht in der Stimmung ...


Da ich ja grundsätzlich skeptisch gegenüber allzu euphorischen Filmbesprechungen bin, warte ich nun mit gespaltenen Gefühlen auf Catherine Hardwickes Rotkäppchen-Adaptation. 

Verfolgt aber werde ich von einem ganz anderen Film, nämlich "Country Strong", einer Independant-Produktion mit Gwyneth Paltrow. Den Soundtrack bekam ich vor kurzem geschenkt, und obwohl ich von Country malträtiert werde, seit mein Imker Johnny Cash als Automusik, Klingelton und Sonstiges für sich entdeckt hat, hat mich die Musike am Haken. Aber auf den Film müssen wir noch bis zum Sommer warten. 

Sonntag, 10. April 2011

Sonntagsspaziergang

Irgendwie will bei mir zurzeit nichts vorwärtsgehen, deshalb bin ich froh, dass mein Sonntagsspaziergang gerade eine feste Größe ist, auch wenn ich vielleicht langsam zum Fotoblog mutiere.
Während andere angesichts des momentan sehr antidepressivasparenden Wetters höchstmotiviert in die Tasten hauen, liege ich im Clinch mit einem jammernden Vampir, der nicht aus dem Knicke kommen will. Von dem körperlosen Dämonenjägerseelchen wollen wir ja mal gar nicht sprechen. Auch das zauberhafte Einhörnchen hat sich irgendwo im Zauberwald verbarrikadiert und will partout keinen an sein Horn lassen. 
Deshalb möge man mir verzeihen, dass ich mir derzeit lieber den Wind um die Allergienase pusten lasse und mit meinem Baldschulkind durch die heimatliche Natur streife. Wer weiß, wozu das mal gut ist. Vielleicht finde ich dabei ja die Wunderwaffe, die ich Rosa in die Hand geben kann. 

Hier folgen nun also die Spazierimpressionen von Samstag und Sonntag in bunter Mischung. 

Auf geht's mit blauem Himmel:
So blau war der Himmel am Samstag.
Vom See ging es dann auch schnurstracks weiter zum Wäldchen, wo uns dann auch Blauviolettes erwartete, meistens in kuscheliger Ansammlung: 
 
Aber Blau und Violett waren doch eher die Ausnahme, denn Buschwindröschen machten sich mächtig breit. Im Übrigen hören Buschwindröschen bei uns auch auf den dubiosen Beinamen "Bettseicher", mit dem sich ja anderswo der Löwenzahn schmückt. zu Großmutters Zeiten schreckte man die Kinder vom Pflücken der vergänglichen Schönheit offenbar mit dem Hinweis ab, dass man ins Bett nässte, wenn man sie pflückte. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es weniger am Pflücken des Pflänzchens liegt, sondern daran, dass dieses gerne feuchte Standorte bevölkert, die dann wiederum gerne mal nach einem stilleren Örtchen verlangen lassen.
Gar nicht fehlen darf natürlich mein Freund, der Weißdorn. Mutig niesend habe ich mich also mit der Kamera auf einen Busch gestürzt, aber aufgrund des starken Windes, der uns hier seit Donnerstag plagt, gerade mal ein gescheites Bild ergattert. Da werde ich wohl noch einmal ranmüssen, wenn es mal wieder windstill ist.
Dafür aber haben Pflaumen und Mirabellen dann etwas stiller gehalten und mit angenehmerem Duft gelockt. Im Oscar-Ansprachenstil muss ich meinem Sohnemann für seine Engelsgeduld danken, mit der er gewartet hat, bis ich fertig war mit Fokussieren. Vielleicht aber hat er sich auch nur über die Pause vom Radfahren gefreut.
Mit einem kleinen "Ach, du Schreck" stellte ich dann fest, dass die Kugelprimeln schon blühen. Mensch, man kann sich aber auf nichts mehr verlassen. Früher standen die brav in Reih und Glied, wenn ich Geburtstag hatte, und das ist noch 4 Wochen hin. 
Zum Abschluss haben wir dann doch noch etwas richtig Blaues gefunden und auch da hab ich ein wenig auf den Wind geschimpft.
Und auf dieser Bank würde ich gerne meine Protagonisten alt und grau in trauter Zweisamkeit sehen. Aber ob es je so weit kommt?

Startet gut in die neue Woche!

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