Montag, 28. Februar 2011

Na sowas ...

Die Kollegen von Ein Buch lesen waren so freundlich, mich Anfang des Monats über Twitter darauf hinzuweisen, dass Blutsuche: Annes Reise auf der BoD-Bestsellerliste steht. 
Vielen Dank an Sylvia B. für die Info, die mich ein bisschen wie ein Schlag getroffen hat, und vor allem vielen Dank an die Leser des Buches. 
Außerdem möchte ich mich an dieser Stelle einmal bei allen bedanken, die regelmäßig bei mir vorbeischauen und hin und wieder mal einen Kommentar hinterlassen. 
Ich freue mich darüber immer sehr.

In Sachen Bestsellerliste lag meine Reaktion so zwischen "Wie bitte?" und "Na sowas!" und "Warum?" und "Häh?". 

Auch wenn es blöd klingt, aber ich schaue wirklich nie in diese Liste und vielleicht  einmal im Monat in meinen Account. Erstens bin ich nicht so eitel und zweitens habe ich schlichtweg keine Zeit dafür. 
Na gut, das mit dem "nie" ist schon wieder hinfällig, denn ich habe nun einfach mal im Februar jeden Montag, da wird die Liste nämlich erneuert, geschaut, wie es meiner Romanze so zwischen Krimis und Erotik geht, und einen Screenshot als Beweis gemacht.

Warum ich nicht listenverrückt bin, ist ziemlich einfach zu beantworten: 
Zum einen ist die Bestsellerliste der Kategorie "Belletristik" immer sehr erotiklastig, sodass man von vornherein ausschließt, je darauf zu kommen, denn mein Buch ist ja höchst wenig erotisch. 
Außerdem fühle ich mich überhaupt nicht nach Bestseller, zumal ich weiß, dass mein Buch nicht unbedingt gefällig ist (nicht nur wegen der anstrengenden Schrift) und damit entweder zu Begeisterungsstürmen oder Lektüreabbruch führt. 

Natürlich kann ich mich jetzt nicht zur Ruhe setzen und in Ruhe nur noch schreiben, aber es wäre gelogen, wenn ich sagte, ich freue mich kein bisschen. 

Hier also der Beweis, dass man auch mit wenigen verkauften Exemplaren vier Wochen auf einer Bestsellerliste vertreten sein kann. Vielleicht war es das erste und letzte Mal. 
Halten wir also den Moment mal fest. 
08.02.2011
14.02.2011
21.02.2011
28.02.2011
07.03.2011
14.03.2011
21.03.2011
28.03.2011
04.04.2011

Februar

Mein Februar sieht lese- und schreibtechnisch ziemlich mau aus. 
Entschuldigung Nr. 1 heißt Sehnenscheidenentzündung, Entschuldigung Nr. 2 ist meine Anthologie, für die jede Menge Beiträge zu lesen waren. 

Gelesen habe ich deshalb nur zwei Bücher, jeweils Vorableseexemplare, die ausnahmsweise einmal nicht aus den Bereichen Fantasy und Paranormal stammen und ganz unterschiedliche Eindrücke bei mir hinterlassen haben: 

Das ist zugleich auch mein Top-Buch des Monats Februar 2011. Zur Rezi führt ein Klick.


Dieser Gesellschaftsroman konnte mich leider nicht überzeugen, aber ich habe ohnehin den Eindruck, dass ich in diesem Monat höchst kritisch war. Zur Rezi führt ein Klick.

Auf den Ohren hatte ich: 
Tír na nÓg von Sean O'Connell, einen ganz wunderbares Abenteuer, das einen bunten Genremix bietet. Ich hoffe, dass ich bald wieder besser schreiben und die ausführliche Rezi nachholen kann. 

Visuell erlegen bin ich einem Stapel DVDs: 
Dem aktuellen Sonderangebot konnte ich nicht widerstehen. 
Supernatural kommt im deutschen Free-TV einfach zu schlecht weg, sodass ich schon immer die DVD-Boxen haben wollte. 
Komplett geschaut habe ich also Staffel Nr. 1

Gestartet habe ich auch schon Staffel 2:


Nun bin ich aber sozusagen übernatürlich überdosiert und mache eine kleine Pause von Dean und Sam. 


Mittendrin stecke ich: 
immer noch in:

Ich gestehe, dieses Buch verlangt mir sowohl Konzentration als auch Geduld ab. Ich will es aber nicht abbrechen, deshalb geht es etwas langsamer voran. 

Ansonsten habe ich mir Buchkaufverbot erteilt, denn neu auf meinem SuB liegen: 
Dragon Kiss: Roman von G. A. Aiken
Dragon Dream: Roman von G. A. Aiken 
Darkyn 3: Dunkle Erinnerung von Lynn Viehl (der dritte Band nach Versuchung des Zwielichts und Im Bann der Träume, und ich habe so ein leises Gefühl, dass ich dafür Jackie Kesslers Sukkubus liegen lassen werde)
Succubus Blues 01: Komm ihr nicht zu nah von Richelle Mead (das Buch habe ich auf Englisch schon mal angefangen, habe dann aber beschlossen, dass ich es doch gerne auch auf Deutsch hätte)
Gefährlicher Fremder von Lisa Marie Rice (okay, ich gebe zu, das war eher ein Cover-Kauf) 
Vertraute Gefahr von Michelle Raven
Blood Lily Chronicles 01: Erwachen von Julie Kenner (ja, ja, Lyx war einfach zu verführerisch, und ich glaube, damit bin ich bis Mai ausgelastet)

Sonntag, 27. Februar 2011

One Night in Vegas

Das Ziel der Reise
Nein, es geht nicht um Elvis Presley, aber sehr wohl um Musik. 
Was macht man, wenn einem krankheitsbedingt die Hände gebunden sind, man nicht ordentlich schreiben kann und an einen Pinsel in der Hand erst recht nicht zu denken ist?
Lesen? Ja, auch. 
Hörbuch hören? Unbedingt. 
DVD gucken? Jawoll!    

Ich habe mich wieder einmal von einem Anfall von Nostalgie in den Würgegriff nehmen lassen und mich visuell nach Las Vegas begeben. 

Ich habe zwar heute in Alexandras Fragerunde berichtet, dass ich es eher nicht so gerne öffentlich mag und ungern Privates erzähle, aber es gibt Dinge, die sind zwar privat, aber auch wiederum nicht so privat, dass ich sie nicht teilen möchte. 
Deshalb habe ich heute wieder eine Reiseanekdote, die von meiner DVD-Guckerei heraufbeschworen wurde.

Es war einmal am 20. März 2004, da machten zwei Übersetzerinnen den berühmt-berüchtigten Strip in Las Vegas unsicher. 
Na ja, so ganz stimmt das nicht, er machte eher uns unsicher. 
Eingetroffen in der funkelnden Spielemetropole waren wir bereits am Vortag, mit dubiosem Fast Food als Wegzehrung im Bauch. 
Der Strip
Nachdem wir unser Zimmer in einem Motel bezogen hatten, das ein wenig an einen Schauplatz von CSI erinnerte, machten wir uns auf den Weg zum Caesar's Palace, um Tickets für den nächsten Tag abzuholen. 
Natürlich hatten wir schon über sechs Monate im Voraus gebucht. Riskant, aber notwendig. Oder auch nicht, denn ein Teil der teuren Parkettplätze war am nächsten Tag nicht besetzt. 
Herausgeputzt, mit ungewohnten, damals total angesagten Flipflops an den Füßen eierten wir - ja, man kann es angesichts der herausragenden Schuhwahl nicht anders bezeichnen - am 20. also wieder zum Caesar's Palace, zum Colosseum, um genau zu sein, wo wir uns in die Menge wartender Fans von Céline Dion einreihten. 
Auf dem preisgünstigeren zweiten Mezzanine angekommen, bereuten wir neben der Schuhwahl auch noch die Fehlentscheidung gegen Strumpfhosen. 
So fröstelten wir schon gewaltig, noch bevor Céline Dion überhaupt eine Note gesungen hatte. 
Ein nüchterner Schnappschuss aus dem Auto
Selbst wenn mir die Klimaanlage eine Bronchitis beschert hätte, wäre mir jeder Huster schnurz gewesen. 
Ich bin und bleibe ein Fan, nicht unumstößlich und auch nicht unkritisch, und dieses Erlebnis wird zumindest emotional für immer im Gedächtnis bleiben, auch wenn ich inzwischen die Songlist vergessen habe - blöd, wie ich war, habe ich natürlich vorab kein Programmheft gekauft und bin im Besucherstrom nach der Show einfach nicht mehr dazu gekommen.  (Wir dürften die Show aber noch in ihrer ursprünglichen Zusammenstellung, die auf der CD A New Day - Live In Las Vegas zu hören ist, gesehen haben.)
Das klingt vielleicht seltsam, aber ich bin in meinem Leben nie groß zu Konzerten gekommen. In erster Linie, weil mich nie eines in meiner Nähe so gereizt hätte, dass ich mein studentisches Nebenjobgehalt dafür ausgegeben hätte. 
Dass ich für Céline Dion einmal um die halbe Welt reisen würde, hätte ich, ehrlich gesagt, nie gedacht. 
Ich weiß nicht einmal mehr, wie die Idee geboren wurde, und es war gar nicht so einfach, einen Reisetermin zu finden. 
New York in Las Vegas
Die Show "A New Day ..." war dauernd ausverkauft bzw. waren die Plätze, die wir uns leisten konnten, ausverkauft. Im Ernst, für knapp 200 Dollar für einen Parkettplatz muss man zwar nicht ganz so viele Zeilen stricken, aber das Reisedrumherum verschlingt natürlich noch ein paar Zeilen mehr. 
"A New Day ..." war für mich sozusagen Programm. 
Frisch meinen Sklavenjob gekündigt, brach eine neue Zeit an, und so brach ich dann auch erst einmal in Tränen aus, als Frau Dion die glamouröse Treppe hinunterschritt und "Nature Boy" anstimmte. 
Die folgenden 90 Minuten waren ein rasanter Wechsel von flotten und langsamen Titeln, untermalt von kurzen Ansprachen der Sängerin, die sie zwar fünf Jahre lang jeden Abend routiniert vorbrachte, aber wohl trotzdem jedem einzelnen Besucher das Gefühl gab, sie sagte die Worte nur für ihn. 
Eine ganz besondere Note bekam dieser Abend durch die Tatsache, dass Thérèse Dion nicht nur im Publikum saß, sondern auch Geburtstag hatte. Ehrlich, ich habe noch nie an einem einzigen Abend so sehr gefroren und so viel trauerlos geweint. Schlimm ist das mit mir ...
Und dann waren sie rum, die 90 Minuten. Wie im Flug, einfach so, ohne Zugabe, dafür aber mit kinomäßigem Abspann. 

Märchenschlösser gibt's auch
Als ich die DVD heraussuchte, fiel mir auch eine alte Rezension dazu ein, die ich einmal auf amazon geschrieben hatte. In einem Kommentar wurde mir vorgeworfen, es sei völlig bekloppt, der DVD nur vier Punkte zu geben, weil sie nicht die Show enthalte, die man selbst gesehen hat. 
Ich korrigiere mich hiermit auf 4,5 von 5 möglichen Punkten. 
Die DVD Live In Las Vegas-A New Day... ist für Fans wirklich klasse. 
Wer Céline Dion nicht mag, kauft sich die DVD sowieso nicht. 
Ohne mich!!!
Die Macher haben sich aber unbestritten Gedanken gemacht, wie man den Fans Freude machen kann. So ist zwar zu meinem Bedauern lediglich die letzte Fassung der Show enthalten, daneben gibt es aber jede Menge, nämlich ganze fünf Stunden, Behind-the-Scenes-Material. 
Was es eben nicht gibt, ist ein Überblick über die Veränderungen der Show im Laufe der fünf Jahre. 
Nicht nur die Songliste, sondern auch die Kostüme haben sich geändert. 
Für den ausländischen Fan, der die Fernsehausstrahlung der Eröffnungsshow nicht sehen konnte, wäre diese bestimmt ebenfalls von Interesse gewesen (nicht nur wegen der erblondeten, kurzhaarigen Céline Dion). 
Verzeihung, aber dafür muss ich Punktabzug geben. 

Tja, am nächsten Morgen verließen wir dann auch schon wieder Las Vegas.  
Und in meiner nostalgischen Laune fragte ich doch glatt heute meinen Nichtangetrauten, ob ich es in den nächsten drei Jahren wohl noch einmal nach Las Vegas schaffen würde, denn  - so ganz nebenbei - am 15. März startet Céline Dions neue Show. 
Die Rückfrage folgte auf dem Fuße: "Da warste doch schon. Was willst'n da nochmal?" 
Ich: "Euch mitnehmen."
Er: "Wozu?"
Herr im Himmel, schenke mir eine ganze Kleingartensiedlung, wenn ein Zaunspfahl nicht reicht ...


Sonntagshimmel

... über "Eine Frage der Höflichkeit" von Amor Towles

Amor Towles
"Eine Frage der Höflichkeit"


Erscheint am 2. März 2011    

Ein Debütroman über den schönen Schein und die Macht der Frauen

Aus dem Inhalt: 
New York, 4. Oktober 1966: Die New Yorkerin und Ich-Erzählerin Kate - Katherine, Katey, Katya - Kontent (Betonung auf der letzten Silbe) besucht mit ihrem Mann eine Fotoausstellung im Museum of Modern Art. Gezeigt werden Bilder des New Yorker Lebens vom Vorabend des Zweiten Weltkriegs. So begegnet die mittlerweile gestandene Frau dem Bildnis eines Mannes wieder, mit dem sie zahlreiche Erinnerungen verbindet, die sie anschließend in diesem Roman für sich Revue passieren lässt. 
Ende 1937 ist sie Mitte Zwanzig, arbeitet als Sekretärin und lebt mit mehreren jungen Frauen in einer Pension. Mit ihrer Mitbewohnerin Eve - Evelyn, Evey - Ross, die aus einer gut situierten Familie aus Indiana stammt und lieber den Gürtel enger schnallt, als Daddys Geld anzunehmen, zieht sie abends um die Häuser. Sie sind sehr erfinderisch, wenn es darum geht, auch ein Stück vom New Yorker Lifestyle abzubekommen. Die Kleider werden mit den Mädchen in der Pension getauscht und dann geht es los in Clubs, wo man bereitwillig Drinks von Fremden annimmt, ohne aber weiterzugehen. Es wird geschnorrt, was das Zeug hält, und sie wissen, wie man sich kostenlos ins Kino schmuggelt. Kurzum: die Damen haben gemeinsam Spaß. 
An Silvester 1937 begegnen sie dem jungen, attraktiven Banker Theodore Grey, genannt Tinker, dem sie bald beide am Arm hängen. Von nun an erleben sie ihre Abenteuer zu dritt - nicht ohne kleinere Eifersüchteleien, denn weder Eve noch Kate gönnen der anderen Zweisamkeit mit Tinker. Beide Frauen genießen die Aufmerksamkeit des wohlhabenden Tinker, bis sich an einem Wintertag ein Autounfall ereignet, bei dem Eve schwer verletzt wird. Während Tinker, wohl schuldbewusst, Eve, deren Gesicht nach dem Unfall vernarbt ist, bei sich aufnimmt, geht Kate weiter ihrer Arbeit nach, zieht schließlich in eine eigene Wohnung. Wenngleich sich die Freundinnen immer wieder beteuern, sie liebten einander, ist ihr Verhältnis gestört. Eve weiß Tinkers Schuld und Gutmütigkeit geschickt zu nutzen, drängt dabei Kate, die über die eigene Verliebtheit hinwegzusehen versucht, aus dem Dreiergespann. Als Tinker mit Eve schließlich nach Europa reist, hat Kate aber längst einen Fuß in Tinkers Kreise setzen können. Sie lernt andere Männer kennen, findet eine neue, bessere Anstellung bei einem aufstrebenden Magazin. Trotzdem wartet sie auf Tinkers und Eves Rückkehr, die sie dann hinter seine Fassade blicken lässt ... 

Meine Meinung: 
Ich gebe zu, dass ich sehr gespalten an dieses Buch herangegangen bin. 
Vor Jahren habe ich Gesellschaftsromane ganz gern gelesen, bin aber irgendwann müde geworden.
Zum einen finde ich, dass New York und die ihm zu gewissen Zeiten nachgesagte Dekadenz schon ziemlich oft thematisiert wurden. Zum anderen stimmen mich hochtrabende Vergleiche mit Größen, wie F. Scott Fitzgerald, eher vorsichtig.
Gereizt hat mich hingegen die Verarbeitung weiblicher Charaktere durch einen Autor und das Setting Ende der dreißiger Jahre, denn ich habe in letzter Zeit eher Autobiografien, aber lange keinen Roman  aus/über diese Epoche gelesen. Nachdem ich die Leseprobe ich als ansprechend empfand, habe ich mich doch auf das Abenteuer eingelassen.
Leider überzeugt mich Amor Towles Debütroman nur bedingt, was vor allem daran liegt, dass er kritisch daherkommen will, aber gerade mal an der Oberfläche kratzt. 
Die Protagonistin Kate ist vergleichsweise blass, obwohl ich ihr eine gewisse unterschwellige Bissigkeit nicht in Abrede stellen möchte. 
Das in Kurzbeschreibung und Klappentext angedeutete Dauerabenteuer des Dreiergespanns ist bereits nach 71 Seiten zuende. Was folgt, ist Kates vorsichtige Hin- und Hergerissenheit zwischen ihrer Verliebtheit und der Loyalität gegenüber der Freundin und nicht zuletzt auch ihr Wunsch, beruflich weiterzukommen. Einerseits stellt sie mit Erschrecken fest, dass Eve ihre "Beziehung" zu Tinker wie ein Hollywoodregisseur inszeniert, nimmt es aber in Kauf und beginnt letztendlich sogar, sich selbst zu inszenieren, mit neuer Haarfarbe und neuem Job. 
Sie bewegt sich in einem Personenkreis, zu dem sie durch Tinker Zugang erhielt, ist dabei aber weder anmaßend noch schüchtern. Offenbar macht sie sich George Washingtons Rules of Civility (so auch der Originaltitel des Romans), nach denen Tinker Grey zu leben scheint, ebenfalls zu eigen. Der Wunsch, dazuzugehören, ist bei beiden Frauen präsent, unabhängig bleiben sie aber beide, jede auf ihre Weise, wobei es Kate augenscheinlich nicht gelingt, so kompromißlos zu werden, wie Eve erscheint. 
Für mich bietet weder Kate noch Eve Identifikationspotenzial. Beide können unterschiedlicher nicht sein, die eine aus einfachen Verhältnissen, die andere fast mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, aber mit dem mehr oder weniger kompromißlosen Wunsch nach Unabhängigkeit, der aber gerade bei Kate kaum nachvollziehbar ist. 
Über das gesamte Buch war ich nicht in der Lage, beiden emotional zu folgen, sondern blieb immer als Beobachter außen vor. 
Als Eve aus Kates Leben verschwindet, treten andere Frauen an ihre Stelle, aber mit keiner kann Kate eine vergleichbare Beziehung aufbauen. 
Bis zum Ende hin konnte ich nicht sagen, wer Kate eigentlich ist. 
Als Chefredakteurin mit Apartment in der 5th Avenue kommt die einstige Sekretärin schließlich in der einmal so verführerischen Welt an, und man hat unweigerlich ein flaues Gefühl im Magen, dass die Vergangenheit ebenso verpufft ist wie die alkoholumnebelten Nächte in Bars, als der Jitterbug noch angesagt war. Die Charaktere, die die Protagonistin Kate umgeben, stehlen sich buchstäblich davon, ohne dass wir Nennenswertes erfahren. 
Was andere stimmungsvolles Porträt der 1930er nennen, wird für mich nur oberflächliches Hollywood, das nichts Neues bietet. Irgendwie fühlte ich mich in einen Katharine-Hepburn-Film versetzt, bei dem leider Hepburns Brillanz fehlt. Vielleicht heißt die Protagonistin nicht zufällig Kate?
Manchmal habe ich mich gefragt, ob der Autor eine eigene Version von Sex and the City in einer anderen Zeit schreiben wollte, ohne Frivolität, aber mit jeder Menge Alkohol.  Oder wollte er uns erzählen, welche Bücher er kennt und wertschätzt? Immer wieder verweist er auf die Literatur, die Kate liest und im Regal stehen hat, zitiert sogar daraus. 
Deutlich hingegen werden Dekadenz und Unbeschwertheit, mit der sich vermutlich nicht nur die New Yorker Ende der 1930er zieren. Da reist die Upper Class nach Europa, sonnt sich an der Côte d'Azur, shoppt in Paris bzw. lässt dort noch ganz andere unliebsame uneheliche Zwischenfälle beseitigen, während in Spanien der Bürgerkrieg tobt und Europa langsam auf den Zweiten Weltkrieg zudriftet. Nur Wallace, den man sich durchaus an Kates Seite vorstellen konnte, wird zum erdenden Element. 
Trotzdem wird der Charakter des Tinker zu einem wunderbaren Beispiel des Klischees, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine erfolgreiche Frau steht. Die Erkenntnis macht den Roman schon wieder lesenswert für Frauen. 
Zur Sprache des Romans muss ich sagen, dass sich mein anfänglich positiver Eindruck nicht ganz halten konnte. Amor Towles bedient sich wunderbarer Metaphern und schafft es auch stellenweise mit Sätzen aufzuwarten, die sich über sechs Zeilen ziehen, aber nicht unverständlich oder übermäßig kompliziert werden. In schon fast krassem Gegensatz dazu stehen die Dialoge, die auffällig und anstrengend oft von einem "sagte ich" oder "sagte er" gefolgt werden, und das in gefühlten zehn Sätzen hintereinander, sodass man sich fragen muss, wem hier nun die Verben ausgegangen sind. 

Mein Fazit: 
Amor Towles Debüt "Eine Frage der Höflichkeit" ist ein Gesellschaftsroman, der charmant und spritzig sein will, aber hinter den hochgesteckten Erwartungen zurückbleibt. Wer sich weder für New York noch für die 1930er interessiert oder mit ebenso kompromißlosen wie oberflächlichen Frauencharakteren nichts anfangen kann, dem sei dieses Buch nicht empfohlen. 

Mein Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen




Vielen Dank an das Team von vorablesen.de und den Graf-Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!

Freitag, 25. Februar 2011

Magie der Natur: Die Teilnehmer der Anthologie stehen fest

72 Geschichten von 66 AutorInnen haben uns pünktlich zum Einsendeschluss erreicht. 
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal herzlich für diese unerwartet zahlreiche Beteiligung bedanken.  
Es war wunderbar zu lesen, dass das Thema "Magie der Natur" zu so vielfältigen, kreativen Ideen anregte.
Liebe Autorinnen, liebe Autoren, glauben Sie mir, am liebsten würde ich ein Buch mit 600 Seiten herausbringen, als einige von Ihnen enttäuschen zu müssen. 

Zunächst war es also an der 5-köpfigen Jury, alle Beiträge anonym zu lesen, zu lesen und noch mal zu lesen und nach einer Skala von 1 bis 10 Punkten zu bewerten. 
Winterlichen Erkrankungen und computertechnischen Schwierigkeiten haben die fünf Leser erfolgreich die Stirn geboten und eine Vorauswahl getroffen. 
Nachdem die Verlegerin und ich in den vergangenen Tagen die Juryauswahl ebenfalls intensiv gelesen haben und nicht immer einer Meinung waren, sodass die Tastaturen ganz schön gequalmt haben, steht heute nun die endgültige Auswahl fest. 

Erscheinen wird die Anthologie wie angekündigt im Wunderwaldverlag, und zwar unter dem Titel: "Mittendrin - Der Laubkönig erzählt". Das Cover befindet sich in den versierten Künstlerhänden von Kadri Umbleja und wird in Kürze in seiner vollen Pracht zu sehen sein.

Lange Rede, nun zum "Tata"!
Das Inhaltsverzeichnis steht bis dato noch nicht fest, deshalb präsentiere ich hier die Teilnehmer in unwillkürlicher Reihenfolge. 


Ich bedanke mich bei allen AutorInnen und drücke Ihnen fest die Daumen für andere Anthologien, die in diesem Jahr noch zahlreich anstehen.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Donnerstagsbilder

Da ich momentan nicht so viel schreiben kann, gibt es eben wieder etwas mehr zu sehen. 

Um einen kleinen Literaturbezug herzustellen, zeige ich ein paar alte Fotografien, die ich 2002 in der Ukraine aufgenommen habe. 
Jeden Tag schlenderte ich über das Gelände des heutigen Sanatoriums "Jasnaja Poljana", denn es war der kürzeste Weg zu meiner Ukrainisch-Lehrerin. 
Der Name ist natürlich nicht zufällig gewählt, denn der allseits bekannte russische Schriftsteller Lew Tolstoi verweilte dort von 1901 bis 1902 für einen Genesungsaufenhalt im Palast des Fürsten Golizyn. 
Heute ist ein Museumszimmer Tolstoi gewidmet. 
Empfangen haben soll er darin unter anderem Tschechow und Gorki. Hier entstand auch seine Novelle "Hadschi Murat".
Leider hatte das Museum in den gesamten zwei Wochen, die ich auf der Krim verbrachte, geschlossen. 

Obwohl ich sicher bin, dass ich mehr Fotos gemacht habe (die im Papieroriginal viel besser aussehen, als in der vom Negativ eingescannten Version), fand ich auf die Schnelle nur die folgenden zwei auf meinen Sicherungs-CDs.

Montag, 14. Februar 2011

Valentinstag visuell

Ich muss mich ja mal öffentlich beschweren, dass der Valentinstag in unserem Haushalt regelmäßig nicht wahrgenommen wird. 
Gemeinhin (und damit ist der Imker gemeint) gilt er nämlich als Erfindung der Blumenhändler, die die Verkaufsflaute im Winter wettmachen müssen. 
Einen sanften Zaunspfahl schwenke ich in Form eines erschwinglichen Sträußchens, das ich mir selbst beschaffe und in allergiesicherer Entfernung aufstelle.
Als Ausgleich darf ich mich alljährlich aber über Grüße meiner Freunde aus Übersee freuen, und zwar ganz geschlechtsunabhängig. 

In weiser Voraussicht habe ich vom vorletzten Rosenstrauß im vergangenen Sommer ganz viele Fotos inszeniert, die valentinstauglich sind. 
Achtung, es wird rot!

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Valentinstag und einen guten Start in die neue Woche!



Sonntag, 13. Februar 2011

... über "Die verborgene Sprache der Blumen" von Vanessa Diffenbaugh

Vanessa Diffenbaugh 
"Die verborgene Sprache der Blumen"

Hinweis: Erscheint im März 2011.


 
Ein einfühlsamer, realistischer Roman über die Sprache der Blumen und die Vielschichtigkeit der Liebe, die zuzulassen erlernt werden muss

Aus dem Inhalt:    
Victoria Jones ist nun volljährig und wird nach Kindheit und Jugend, die sie zwischen Pflegefamilien und Heimen hin- und hergeschubst hatten, von ihrer Betreuerin ins wahre Leben entlassen. Der Aufforderung, sie solle sich umgehend um einen Job kümmern, kommt sie nicht nach. Die Zeit in ihrem vorübergehend mietfreien Zuhause nutzt sie, um in leeren Milchkartons einen Garten heranzuzüchten. Nach Ablauf der Schonfrist findet sich die junge Frau auf der Straße wieder. Alles scheint ihr gleichgültig, nur die Gegenwart der Blumen lässt sie aufleben. Victoria lebt und schläft zwischen ihren Zöglingen im Park, ernährt sich von Kostproben in Restaurants. In diesem Zustand findet sie den Blumenladen "Flora" und dessen Inhaberin Renata. Überrascht von Victorias Können, beschäftigt Renata sie daraufhin sporadisch in Schwarzarbeit. Nach und nach wird die Obdachlose zu einer festen  - und auch ordnungsgemäß angestellten - Größe des "Flora" und findet dank Renata ein Dach über dem Kopf, wenn auch ein sehr karges. Es gelingt ihr mit ihren Blumenarrangements, anderen Menschen nicht nur ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sondern sogar auf fast magische Weise Menschen zueinanderzuführen, Beziehungen zu kitten, anderen Freude zu spenden, während sie selbst in ihrer selbstgewählten Zurückgezogenheit und Unnahbarkeit feststeckt. Ihr Talent und Wissen um die Sprache der Blumen verdankt Victoria ihrer Pflegemutter Elizabeth, bei der sie als Kind ein Jahr lebte. Auf Elizabeths Weinberg lernte sie nicht nur alles über Blumen, sondern auch, wie es ist, so etwas wie eine Mutter zu haben. Ein Unglück aber machte Elizabeths Adoptionspläne zunichte, sodass Victoria zehnjährig zurück ins System fiel und sich wieder zu einem in sich gekehrten, mitunter auch recht renitenten Menschen verwandelte, Elizabeth und ihre Blumen aber nie vergessen konnte. 
Während der Tätigkeit für die beinahe mütterliche Renata, die nach eigenen Angaben nie eine Mutter hatte sein wollen, begegnet Victoria auf dem Blumenmarkt einem jungen Mann. Grant versteht und spricht dieselbe Sprache der Blumen, und es dauert nicht lang, bis Victoria ihn wiedererkennt. Grant ist Elizabeths Neffe, den sie als Jugendlichen mit leichtem Bartflaum im Streit mit Elizabeth in Erinnerung hat. Trotz der greifbaren Vergangenheit, von der sie sich nicht lösen kann, und den damit verbundenen Ängsten lässt Victoria langsam Grants Zuneigung zu und wird schließlich schwanger ... 

Meine Meinung: 
Vanessa Diffenbaughs Debüt ist kein Liebesroman, wie man angesichts von Klappentext und Kurzbeschreibung meinen mag. Trotzdem ist "Die verborgene Sprache der Blumen" ein einfühlsamer Roman über die Liebe, in erster Linie nämlich über die Liebe zwischen Mutter und Tochter, ganz gleich, ob es sich um ein leibliches Kindschaftsverhältnis handelt oder nicht. 
Es ist schwierig, über diesen Roman zu schreiben, ohne zu viel preiszugeben. Diese gebundene Ausgabe soll im März 2011 erscheinen, und ich bin sehr froh, dass ich ihn im Rahmen der Testleseraktion von Droemer Knaur lesen durfte.
Mit Victoria hat die Autorin, die selbst bereits mehrere Pflegekinder betreute, einen realistischen Charakter erschaffen, den sie gleichermaßen realistisch wachsen lässt. So bleibt die Protagonistin, die als Ich-Erzählerin über ihre Erlebnisse und Emotionen berichtet, über das gesamte Buch hinweg von Ängsten und Sorgen erfüllt und wird nicht etwa aschenputtelhaft über Nacht vom Prinzen aus ihrem Schneckenhaus befreit. Dafür hat sie in der Vergangenheit zu viel mitmachen müssen. Pflegefamilien, in denen sie nicht willkommen war und tagelang nichts zu essen bekam, ein Aufwachsen ohne Freunde und ohne Mutterliebe haben zu tiefe Spuren hinterlassen, als dass sich diese auf 416 Buchseiten zur Gänze fortwischen ließen. In nachvollziehbar langsamen Schritten entwickelt sich Victoria in den zwei Jahren, die die Gegenwartshandlung des Romans abdeckt, zu einer jungen Frau, die lernt, Entscheidungen nicht nur zum eigenen Wohle zu treffen. Victoria ist eine Frau, die meint, sie müsse alles allein meistern, und es dauert recht lang, bis sie Hilfe zulässt. Mit aller Akribie bringt sie sich selbst das Fotografieren bei, damit sie ein Wörterbuch der Blumensprache erstellen kann, während sie Alltägliches, wie das Kochen, zurückschrecken lässt. Mit Blumen ist sie glücklich, versagt sich aber ansonsten das Glücklichsein. Nähe und Berührungen will sie nicht zulassen.
Um Victorias Geschichte zu verdeutlichen, stellt Vanessa Diffenbaugh immer eine Episode aus ihrem Leben bei Elizabeth, dem Jahr, in dem das von der Mutter verlassene Kind Hoffnung auf eine Familie hegte, einer Episode aus der Gegenwart gegenüber. Auf diese Weise führt sie dieses entschneidende Jahr nach und nach mit dem Jetzt zusammen, sodass man erst spät erfährt, was damals bei Elizabeth geschehen ist und warum Victoria nicht bei ihr bleiben konnte. 
Auf lebendige Weise leitet die Autorin den Leser durch ihre blumige Geburtsstadt San Francisco und weckte bei mir durchaus die eine oder andere Erinnerung an deren Parks und auch an das Wetter der Bay Area. 
Ich muss gestehen, dass ich bei den vereinzelten Aufzählungen von Pflanzen hin und wieder den Faden verlor, weil ich zwangsläufig nicht alle kannte und mich genötigt sah, im Internet nach Bildern zu suchen, um eine Vorstellung von den Sträußen zu erhalten, die Victoria so kunstvoll zusammenstellte. Das empfand ich aber keinesfalls als störend, da mich Pflanzen interessieren, sodass für mich auch Victorias Wörterbuch der Sprache der Blumen, das sich dem Roman anschließt, reizvoll ist und ich mich sicherlich näher mit Blumen und ihren Aussagen befassen werde.
Während mich Victorias Schicksal als Systemkind vergleichsweise erschreckte, konnte ich mich an anderer Stelle durchaus mit ihr identifizieren, das kann wahrscheinlich jede Mutter, die sich an Dauerstillen, Dauerschreien und Versagensängste (die bei Victoria natürlich anderen Ursprung haben als den üblichen Baby-Blues) erinnert. 
Die wichtigen Charaktere sind sehr feinfühlig beschrieben, wenn man auch einräumen muss, dass das Aufeinandertreffen solch verständiger Menschen im wahren Leben wohl eher unwahrscheinlich ist. Die Autorin führt hier Personen zueinander, die alle ein Päckchen Vergangenheit mit sich herumtragen, sodass Renata zu einem unglaublichen Glücksgriff wird und es kaum wahrscheinlich scheint, dass Victoria ohne sie ihren Parkschlafplatz hätte verlassen können. Während Elizabeth den Weg vorbereitete, ist Renata doch richtungsweisend in der Gegenwart. Auch Grant ist ein außergewöhnlicher Charakter, durchaus der Traum von einem Mann, den man sich an seiner Seite wünscht. Und die Nadel im Heuhaufen. Nie bedrängt er Victoria, wartet mit allem geduldig, bis sie bereit ist, sein Leben zu teilen. Es gibt keinen Streit ... Was bei all der derben Realität von Victorias Schicksal wirkt, als könne es nicht wahr sein, scheint ebenso kritikwürdig wie notwendig. Ohne die verständnisvollen Charaktere der Renata (und all derer, mit denen Victoria dank ihr in Kontakt kommt) und des Grant verlöre der Roman vermutlich ein gutes Stück seiner unterschwelligen Poesie, die ihn so lesenswert macht. 
Auf jeden Fall hat es Vanessa Diffenbaugh mit ihrem Debüt geschafft, dass ich die letzten 100 Seiten fast ununterbrochen geweint habe, und ich kann mich kaum erinnern, wann es mir bei einem Buch zuletzt so ergangen ist (nicht dass ich Tränen bei der Lektüre anstreben würde, aber in Kauf nehme ich sie). 
Ich glaube kaum, dass mich in diesem Monat noch ein anderes Buch derart zu berühren vermag. 

Fazit: 
"Die verborgene Sprache der Blumen" ist eine gefühlvolle Geschichte, die sich der Grauzonen der Liebe annimmt und in ruhiger, ausdrucksvoller Sprache, die schreien und weinen kann, ohne zu entgleisen, ein schwieriges Thema mit einem Funken Hoffnung verbindet. Eine Liebesgeschichte, bei der Mutter und Tochter und Familie im Mittelpunkt stehen. Vor allem Leserinnen zu empfehlen, die leise, feinfühlige Töne bevorzugen. 

Gesamteindruck: 

5 von 5 Weißdornzweigen


... aus der Schreibstube

Da habe ich gefühlte zwei Stunden in meiner visuellen Poesiesammlung gekramt, konnte aber zu meinem Entsetzen nichts Valentintaugliches für morgen finden. Also werde ich weiterkramen und mir etwas anderes einfallen lassen.

Deshalb gibt es einfach heute mal wieder ein Sonntagsextra, das entstand, als ich an Blutsuche arbeitete.  

Ein Klick führt zu meiner dA-Seite und damit zu lesbarer Größe. 
 

Samstag, 12. Februar 2011

Hach ...

... was anderes fällt mir nicht ein. 

Zufälle gibt es:
Erst gestern habe ich noch mit meinem Online-Cineasten über französische Filme gesprochen, und ich erzählte, dass "Les choses de la vie" (Die Dinge des Lebens, nach der Romanvorlage von Paul Guimard) mit Romy Schneider einer meiner Lieblingsfilme ist. 
Eine Vorstellung erspare ich mir an dieser Stelle ausnahmsweise. 
Wie es der Zufall so wollte, postete heute auf Facebook jemand einen Link zum dazugehörigen Chanson, mit dem ich mich nun in den Abend hineinschwelge ...

Und hier ist es, das Lied der Hélène, interpretiert von Romy Schneider und Michel Piccoli:  

Und hier noch die deutsche Version: 

Freitag, 11. Februar 2011

Stöckchen geschnappt

Wenn ich eines nicht bin, dann ist das sportlich, also nicht von der Gesinnung her, sondern vom Dauerlauftalent ... 

Wäre das ein echter Staffellauf, würden mich die Stabreicher wahrscheinlich grün und blau mit selbigen Stöckchen hauen, weil ich es nicht rechtzeitig gefasst habe. 

So hat mir die liebe Mirjam ein Stöckchen rübergeworfen, das schon geraume Zeit durchs Netz geistert. 

Nun habe ich es doch noch fest in die Hand bekommen und will die Fragen mal brav beantworten: 

Gebunden oder Taschenbuch?

Gebundene Bücher sind natürlich deutlich attraktiver und (in den meisten) Fällen unverwüstlicher, allerdings bevorzuge ich für den täglichen Bücherwahnsinn Taschenbücher. Der Belletristikteil meines Regals besteht daher zu 90% (Zahlen ohne Gewähr) aus Taschenbüchern, während meine umfangreiche Sammlung von Biografien und Autobiografien ausschließlich gebundene Ausgaben umfasst. Vor allem bei Büchern, die gut mit Bildmaterial ausgestattet sind, greife ich eher zum Hardcover, weil es meiner Meinung nach die Ausgabe noch mehr aufwertet. 
Da ich Belletristik fast immer mit mir herumschleppe, manchmal gleichzeitig ein angefangenes Buch im Schlafzimmer, eins in der Küche und eins im Bad liegen habe und es  nie ausgeschlossen ist, dass mein Sohn eines der freilaufenden Bücher in die Hand bekommt, wären mir die gebundenen Ausgaben einfach zu schade.

Amazon oder Buchhandel?

 
Da ich autolos auf dem Land lebe, komme ich höchst selten in einen echten, duftenden Buchladen. Hach, was waren das noch für Zeiten in der großen Stadt, als ich nach Uni und Bibliothek noch eine Extrarunde im Buchladen gedreht habe ... Das vermisse ich sehr. 
Natürlich kann man im Onlinehandel mittlerweile auch in viele Bücher schauen und hineinlesen, aber ein Buch in die Hand zu nehmen und schon mal zu blättern ist doch etwas ganz Besonderes. 
Aus logistischen Gründen kaufe ich also ausschließlich im Internet. 

Lesezeichen oder Eselsohr?
 
Es war einmal ein kleines Mädchen, das wollte unbedingt einen Bibliotheksausweis. In einer ausufernden Belehrung wurde der Erstklässlerin erklärt, wie man sich mit geliehenen Büchern verhalten muss. Resümee: "Wasch dir immer die Hände, bevor du das Buch anfasst! Leg es stets ordentlich auf deinen Schreibtisch! Knick nie die Seiten! Bieg ja nicht den Rücken zu weit durch...!"
Seither hat das Mädchen eine Händewaschneurose, weigert sich aber reninent, Bücher am selben Ort aufzubewahren. Seitenknicken verursacht ein übles Ziehen in der Magengegend, aber das mit dem Rücken hat das Mädchen auf sich gemünzt und war davon ausgegangen, es solle nicht dauernd ein Hohlkreuz machen. Ergebnis: Bücher, die auf dem Bauch liegen und einer Dauerbiegeprobe unterzogen werden.
Außerdem leidet das Mädchen unter einem Lesezeichenbasteltrauma, verursacht durch Kindergarten und Werkunterricht in der Grundschule. 
Lesezeichen haben wir viele, suchen sie aber regelmäßig. Deshalb genügt zu Markierzwecken auch einmal ein Notizzettel.

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?
 
Mangels Regals herrscht momentan Chaos pur. 
Fast. 
Sämtliche Vampire stehen bei uns im Schlafzimmer, während die literarische Belletristik (irgendwie verursacht dieser Begriff bei mir ein leichtes tautologiebedingtes Schlottern) im Arbeitszimmer thront. Kommentar des Imkers: "Über Schlafprobleme braucht sich bei uns keiner zu wundern, wenn das erste Buch, das man beim Aufwachen sieht, Death's Excellent Vacation heißt. 

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
 
Meistens behalten. Von Büchern kann ich mich nur sehr schwer trennen. 
Seit der Haushaltszusammenlegung haben wir deshalb auch viele Bücher doppelt. 
Weggeworfen habe ich in meinem Leben bislang nur einen Berg Mathelehrbücher der Oberstufe. 
Hin und wieder verkaufe ich auch mal ein Buch, wenn ich mich bei einem der Überraschungssortimente (ich kann da bei Weltbild einfach nicht widerstehen) doch einmal arg vertan habe. 

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
 
Wer wirft denn Schutzumschläge weg?
Nein, im Ernst, bei Autobiografien, die ich sehr oft gebraucht kaufe, achte ich sogar darauf, dass der Schutzumschlag dabei ist. Na ja, meistens schützt er ja nicht wirklich, aber er macht schon was her. 

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
 
Zum Schutze des Schutzes natürlich ohne. 

Kurzgeschichte oder Roman?
 
Beides. Ich kann ja schlecht sagen, dass ich Kurzgeschichten schreibe, aber keine lese. Tatsächlich lese ich Kurzgeschichten gerne. Ist wie Märchenlesen ... Aber eine Präferenz in Sachen Prosalänge habe ich nicht.

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel zu Ende ist?
 
Wenn die Augen zufallen, macht das Lesen keinen Sinn. 
Ich bekomme ab einem gewissen Müdigkeitsgrad auch nichts mehr mit, selbst wenn ich mich noch so sehr zwingen würde, das Kapitel zu schaffen. Ich müsste es am nächsten Tag noch einmal lesen. 

„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?   

Natürlich beides. 

Kaufen oder leihen?
 
Meistens kaufen. In der Regel will ich ein Buch, das mir als Leihgabe gefallen hat, dann doch im eigenen Regal stehen haben. 

Neu oder gebraucht?
 
Ich kaufe viele gebrauchte Bücher und habe auch kein Problem damit, solange ich nicht eine Speisekarte der letzten 50 Jahre darauf finde. 
Ich gehe unheimlich gern ins Antiquariat - ähem - ich ging ... und besitze auch viele ältere Wörterbücher, die mir durchaus bereits nützlich waren. 
Außerdem habe ich ein Faible für Bücher aus der Zeit meiner Großeltern. 
Die gibt es nun mal häufig nur noch antiquarisch oder als Reprint.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
 
Ich wüsste nicht mal, welches Buch auf der Bestsellerliste steht. Listen haben mich noch nie interessiert.
Tatsächlich finde ich den Großteil meiner Lektüre beim Stöbern und über Empfehlungen, wozu ich z. T. auch Rezensionen zählen würde. 

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
 
Bei Reihen dürfen es Cliffhänger sein, aber Stand-alone-Geschichten mit unklarem Ende lassen mich weiß glühen. 

Morgens, mittags oder nachts lesen?
 
Ich habe keine festen Lesezeiten, sondern lese, wann immer ich Lust und Zeit habe. Das kann beim Kochen sein, aber auch abends auf dem Sofa oder morgens vor dem Aufstehen ... 

Einzelband oder Serie?
 
Momentan definitiv: Einzelband. 
Bei den vielen Serien verliere ich langsam Überblick und Lust. 

Lieblingsserie?
 
Ohne Priorität in der Reihenfolge: 
Kathryn Smiths Schattenritter,  Jeaniene Frosts Night Huntress, Katie MacAlisters Dark Ones und Dragon Love ...

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
 
Herrje ... 
Allerdings dürfte das nicht wirklich in die Kategorie "von dem noch nie jemand gehört hat" gehören

Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?
 
Jonathan Troppers: "Sieben verdammt lange Tage"

Welches Buch liest du gegenwärtig?
 
Ich hatte das Glück, ein Vorableseexemplar von Vanessa Diffenbaughs Die verborgene Sprache der Blumen: Roman zu bekommen, und dafür lasse ich alles stehen und liegen. Mein Lesestoff fürs Wochenende. 

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
 
Es gibt kein Buch, das vollkommen gefahrlos auf dem Lieblingsbuchplatz steht. Man weiß nie, was noch kommen wird und an die Stelle "aller Zeiten" tritt. 

Lieblingsautoren?

Hab ich, wie schon mehrfach erwähnt, nicht. 
Meine Vorlieben sind da eher wechselhaft. 



So, und nun bin ich so frech und lasse das Stöckchen liegen bzw. werfe es mit unbestimmten Ziel in die Luft. Wer mag, darf es aufheben oder schnappen. 
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