Mittwoch, 21. Dezember 2011

Jahresgedanken-ABC Teil 9 - S

Sagen
... habe ich in diesem Sommer intensiv gesucht und dabei einen Stapel Regionales aus meiner thüringischen Heimat zusammengetragen. Jetzt fehlt mir noch die Wahlheimat Harz und sowieso genug Zeit, um alles zu lesen. 

Sag mal, kannste nicht langsam mit dem ABC-Quatsch aufhören? 
Nö. Ihr werdet doch wohl 26 Buchstaben durchhalten, oder? 
Und sooooo viele sind doch auch nicht mehr übrig!
Na also!

Sand
... ist der Graus der Kindergarten-/Schulkindmama, der mit zunehmender Schuhgröße wächst und wächst. 
Haben wir früher auch so viel Sand mit nach Hause gebracht? 
Fortsetzung siehe Staubsauger ... 

Schaffenskrise
Ich glaube, momentan stecke ich genau in einer solchen, gepaart mit einer hübschen Reihe von Selbstzweifeln. 
Mit meinen fortgeschrittenen 35 fühle ich mich zwar fest im Sattel und weiß, was ich will, werde aber gelegentlich von dem Gedanken überfallen, ob ich nicht doch falsch liege.
Ich weiß, dass das Schreiben ein Teil von mir ist und es - wieder - aufzugeben einer Amputation gleichkäme, aber ich weiß auch, dass Schreiben nie mein Lebensinhalt sein wird. 
Ideen tanzen in meinem Kopf, ich fülle ein Notizbuch nach dem anderen, aber mir fehlen der nötige Rückenhalt und auch die eigene Kraft, um jeden Tag ein bestimmtes Pensum zu absolvieren. 
Sicher, ich bin nicht der einzige Mensch, der einen 12-Stunden-Tag hat (nicht immer, klar), und ich bin nicht der einzige Mensch mit Kind (und ich habe nur 1 Kind), aber trotzdem fehlt mir oft die Kraft zum Abtauchen in meine Geschichtenwelt. 
Da sitzt mir als Selbständige ein Kostenberg im Nacken, jede auf den ersten Blick unsinnige Versicherung hält die Hand auf, während ich der Kundschaft hinterherrenne, um einen Betrag einzufordern, den ich dann sofort wieder in eine Rechnung stecken muss. 
Am Nachmittag kommt mein Sohn nach Hause, wieder einmal mit blauen Flecken, weil irgendein anderer Junge ihn nicht mag, nur weil er moppelig ist. 
Also rennt man sich die Hacken ab, um das Problem zu klären, während die Schule die Hände hebt, mit den Schultern zuckt und dafür plädiert, dass Kinder doch allein lernen müssen, in Konfliktsituationen klarzukommen. Danke für die vertane Zeit!
Zurzeit fühle ich mich eingeschlossen in einem Kreis aus Mutterdasein und Arbeitstier, aus dem ich zum Schreiben nicht ausbrechen kann. 
Das, was ich schreiben will, will keiner lesen. 
Romane waren eigentlich nie mein Traum. Ich habe sie zwar in der Schublade, einen Wälzer am Markt, die Fortsetzung in Warteschleife, aber eigentlich schreibe ich viel lieber Kleines, Unspektakuläres sowieso. Ich liebe es, zu experimentieren, aber ich traue mich nicht, es einzureichen. Den Langeweile-Romanzen-Stempel habe ich eh weg. Was soll's. 
Wer liest schon Kurzgeschichten? Weiß noch jemand, was Novellen sind?
Ich weiß, dass ich keine Bestsellergeschichten schreibe, und ich weiß, dass ich oft ewig an mir und dem Geschreibsel arbeite. 
Aber im Ergebnis weiß ich doch nicht, wo ich stehe.
Weil niemand unisono in Applaus verfällt und mich ebenso niemand unisono in Grund und Boden stampft. 
Idee gut, Umsetzung Scheiße. 
Idee Scheiße, aber hey, Sie schreiben gut. 
Mit dieser Idee sind Sie um Jahre zu spät. 
Schreiben Sie vorausschauend!
Selbstveröffentlicher haben doch alle ein verklärtes Weltbild!
Kein Wunder, dass die keinen Verlag findet!
Liebe Sinje, ich habe Ihr Buch verschlungen. Wann und wo erscheint der zweite Teil? Ich kann es kaum erwarten. 
...
Und so schreibt sie denn weiter oder pausiert, jammert eine Runde und schreibt dann weiter, ohne Ziel, nur mit dem Gefühl, es tun zu müssen. Weil sie nicht anders kann. Weil beim Schreiben das Herz ruhiger schlägt. Die Gedanken neue Gestalt annehmen. 
Bis halb 6 der Wecker klingelt, das Kind bitterlich weint, weil es Angst vor dem anderen Jungen hat ...
Und deshalb werde ich wohl immer Selbstveröffentlicher bleiben, weil das, so bekloppt das klingt, besser zu meinem Leben passt. 
Aber trotz dieses Bewusstseins kriege ich momentan meinen breiten Übersetzerarsch nicht aus dem Schaffenssumpf gehievt.

Schlaf
... wird überbewertet. 
Das ist mir aber ganz schnuppe, denn ich würde gerne mal wieder mehr als 6 Stunden am Stück schlafen. 
A wie Augenringe habe ich natürlich in meiner Jahresjammerliste vollkommen vergessen. Also kann es ja so schlimm nicht sein. 

Schnee
... soll noch kommen.
Wir sind zwar mit viel Schnee in das Jahr gestartet, dafür haben wir nun aber in der Weihnachtszeit Regen und Sturm.

Schönheit
... liegt für mich oft in den Dingen, die wir erst auf den zweiten Blick wahrnehmen. 
Die Nachmittagssonne, die breite Lichtbänder zwischen den Bäumen zieht, Schneeflocken, verhakt auf der letzten Blüte des Jahres, Regentropfen auf Löwenzahnschirmchen, in denen sich die Wolken widerspiegeln ... 
Romantisch verklärt?
Na und!  

Schreiben
... atmen, träumen, leben.

Schriftsteller
... bin ich nicht und werde ich nie. 
Beruflich bin ich nämlich schon vergeben. 

Schule
Schau'n wir mal, was da noch kommt.
 
... ist eine Herzblutgeschichte, die sich eines Nachts eingeschlichen hat und einfach aus mir heraus wollte.

Selbstveröffentlichung
Warum denn nur nicht? 
Jeder, der sich eine annehmbare DSLR und eine Studentenversion von Photoshop leisten kann, darf sich Fotograf nennen und die Welt mit seinen Basteleien bespammen.
Ich darf sogar meine selbstgestrickten Strümpfe auf dem Markt feilbieten, aber ich darf kein eigenes Buch selbst veröffentlichen? 
Schwarze Schafe gibt es immer (Achtung, das Klischee könnte hart zuschlagen), aber weshalb sollte man die gebotenen Möglichkeiten nicht nutzen dürfen? 
Ich habe in meinem Leben schon so viele Verlagspublikationen gelesen, bei denen ich mich gefragt habe, warum in aller Welt so etwas eingekauft wurde ... 
Auch Scheitern sollte erlaubt sein. Und wenn's öffentlich ist. Tja, mein Gott, dann ist es halt so. Nicht jeder ist ein Foren- oder Schubladenschreiber, und wer sagt denn, dass wir nicht auch noch was anderes in petto haben?

Selbstzweifel
Siehe oben.

Serienjunkie
... bin ich. 
Gebe ich auch immer wieder zu. 
Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass Serien bei mir immer nur nebenbei laufen, während ich mich den tausend Dingen meines kinderlosen Tagesteils widme. 

Se_
... oh, darüber darf ich nicht schreiben, sonst freue ich mich die nächsten Tage über Spam :-) 

Spam
Wozu sollte mir ein gewisses Enlargement dienen?

Spaß
... habe ich jede Menge im Leben. 
Angesichts meines Bloggejammers kaum zu glauben, oder?

Spaziergänge
... sind was für Rentner?
Denkste! 
Ich gehe für mein Leben gern spazieren, denn so kann ich mal richtig durchatmen oder Ideen Nährstoffe zuführen.
 
... ist mein Beitrag zur Anthologie LeseBlüten Band 4 - Über Grenzen 2011 - Spezial: 50 Jahre Mauerbau. Ganz bewusst ist es keine Herz-Schmerz-Geschichte, weil ich mir keine solche aus den Fingern saugen wollte. Ich war zur Wende gerade einmal 13 Jahre alt und habe dementsprechend kindliche DDR-Erfahrung, weshalb ich mich entschloss, über das zu schreiben, was ich kannte: die Pionierrepublik.

Staubsauger
Nur der Vollständigkeit halber.

Strauß, Britta
... sei noch einmal erwähnt, weil ich "Meeresblau" wirklich liebe und weil sie sich immer so schön freut, dass ihr Herzblutbaby so gut ankommt.  

Supernatural
Ich liebe die Serie!
Warum seid Ihr in Deutschland nur beim Cancel-Sender gelandet?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi du,

ach je *seufz* Ich kann einiges von dem, was du hier geschrieben hast, gut nachvollziehen. Zu gut. Insbesondere die Sachen mit dem Schreiben und den Selbstzweifeln und der fehlenden Zeit und dem "ich muss aber, weil ich will, weil ich es brauche". Von daher ... Hand schüttel. Das Leben ist nicht einfach. Nein, manchmal will man nur abhauen auf eine einsame Insel und dichtmachen.

Oh, und danke für die Erwähnung von meinereiner. Süß! Ich komme aus dem gerührt-sein gar nicht mehr raus.

Deine Britta, the Seagurke

Sinje hat gesagt…

Liebe Seagurke,
das musste einfach mal gesagt werden. So, und nun ist es raus.
Ein ernüchterndes Jahresfazit zwar, aber irgendwie muss ich mich ja meinem Lebensdämon mal stellen. Ein paar Wochen Insel wären schon was wert.

Und nicht, dass du jetzt denkst, ich stalke! Nö, es ist mir nur ein Bedürfnis, zu sagen, was ich denke! Und das ist die Wahrheit, nichts als die n..., ne, angezogene Wahrheit!

2013 ist doch schon übermorgen. Dat wird schon, und ich hab ja den Nathaniel noch vor mir. Und wenn ich Meeresblau jetzt auch noch von meinen Mitleserinnen zurückgeschickt bekomme, kann ich's glatt noch mal lesen.

Ich wünsch dir zauberhafte Weihnachten!

Liebe Grüße
Schmonzettenjammererin oder so
Sinje

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