Freitag, 9. Dezember 2011

3 in 1 mit Jill Shalvis bei Julia Bestseller

(c) Cora-Verlag
Ich muss mich entschuldigen, dass es mit der Vorstellung des nächsten Julia-Bestseller-Band so lange gedauert hat.
Inzwischen habe ich nämlich einen Berg Julias hier liegen, den ich wohl in diesem Jahr nicht mehr schaffen werde. 
Wohl ist gut. 
Nie und nimmer trifft es besser. 
Der August-Band mit drei Romanen von Jill Shalvis ist auch noch selber daran schuld, denn ich habe ihn immer wieder abgebrochen, neu angefangen und mich unerschrocken durchgekämpft. 
Angesichts des Covers hatte ich mir nette modern-urbane Liebesgeschichten versprochen, wobei ich diese Erwartungshaltung angesichts der schwülstigen Titel sofort wieder revidiert habe. 
Und selbst wenn es nicht ländlich oder altmodisch zugeht, lag ich mit dem Mäntelchenschwenk in der Erwartungshaltung gar nicht so falsch ...

"Weil du ein zärtlicher Mann bist" (2002 im Original erschienen unter dem Titel Her Perfect Stranger) führt die geneigte Leserin nämlich bei entsetzlichem Unwetter in ein überfülltes Hotel. Dass die hochintelligente Protagonistin Corinne tatsächlich zu dusselig war, sich ein Zimmer zu reservieren, obwohl sie wusste, dass ihr eigentliches Quartier an diesem Tag noch nicht bereit sein würde, tut erst einmal nichts zur Sache. Bei Jill Shalvis geht es nämlich in erster Linie um die Begegnung mit dem fremden Mann, der Corinne anbietet, sein Hotelzimmer mit ihr zu teilen, damit sie nicht die liebe lange Nacht in der Lobby herumlungern muss (man beachte: es unwettert so sehr, dass nicht daran zu denken ist, das Gebäude zu verlassen). Selbstverständlich nimmt die junge Frau, die in Kürze einen Raumflug leiten soll, die gänzlich unverfängliche Einladung an und landet dann höchst verfänglich und welterschütternd in des Fremden Armen. Was für beide eine einmalige Nacht ohne Verpflichtungen sein sollte - man nennt keine Namen, Frau huscht klammheimlich morgens davon - muss natürlich schief gehen, denn der Fremde, Mike, ist Corinnes neuer Testpilot. Und somit sprühen die Funken zwischen beiden, weil sie doch so gerne noch mal wöllten, aber nicht dürfen, weil sie immerhin zusammenarbeiten und am Arbeitsplatz keine Beziehung erlaubt ist. Na ja, dann tun sie's aber, denn schließlich ist es die große Liebe, und da sollte doch ein Happy End mit Raumflug und Babygeschrei drin sein. 
Tja, wer vom perfekten Fremden träumt, wird hier im Weiterträumen ermutigt.
Jill Shalvis beweist, dass man Figuren mit irgendwelchen top-wichtigen Berufen und noch so viel Intelligenz ausstatteten und sie dann frisch-fröhlich in einem Meer von Hormonen ersaufen lassen kann. Liebesbeziehung um jeden Preis, Romantik kann man konstruieren, und Glaubwürdigkeit braucht kein Mensch.

Mit mehr oder weniger Hormonfasching bzw. überquellender Libido geht es auch in "Schläfst du schon?" (2001 im Original unter dem wesentlich treffenderen Titel "Out of the Blue" erschienen) weiter.
Dwight ist Undercoveragent und nach seinem letzten Job ziemlich angeschlagen. Deshalb fährt er in die alte Heimat zu seiner Schwester, die mit ihren Freundinnen ein altes Hotel aufgemöbelt hat und es nun gemeinsam mit ihnen betreibt. Wie der geübte Leser bereits erahnen wird, ist das Hotel natürlich ausgebucht. Hannah, eine der Freundinnen, nimmt den schmucken,  rekonvaleszenten Agenten, auf den sie schon als Mädchen ein Auge geworfen hat, in Empfang und überlässt ihm ganz ohne mit einem vordringlichen Hintergedanken ihr eigenes Zimmer. Die Gute ist nämlich Mitte zwanzig und noch Jungfrau. Das ist an sich ja nichts Dramatisches und wird von der Autorin auch nicht verurteilend eingearbeitet, allerdings lässt sie ihre junge Protagonistin sich mit einer Inbrunst ins Zeug werfen, die angesichts Hannahs leichter Scheue und Unbedarftheit deplatziert wirkt. Und weil Dwight schon mal da ist und ohnehin immer ein Love Interest war, ist er Ziel des plumpen Entjungferungsplans, für den sich Hannah auch noch bei allen, die sie kennt, Tipps holt. (Fremdschämen ist angesagt.) Der junge Mann, der eigentlich nur seine Ruhe haben und am Strand brutzeln wollte, weigert sich leidlich und duscht oft kalt, denkt aber nicht im Traum daran, das schwesterliche Hotel zu verlassen, und so kommt es, wie es kommen muss: Hannah kriegt, was sie will, einen erderschütternden Schnellkurs in Liebeskunst inkl., und überdies auch den Mann, damit sie ja nicht auf die Idee kommt, das gelernte anderweitig auszuprobieren.
Wenig glaubwürdige Geschichte um Erwachsene, die sich wie Teenager benehmen und nach halbherzigem Hin und Her selig in den dauerhaften Beziehungshafen einschippern. 
Die wahre Liebe - aus heiterem Himmel! 
So ist das eben.   

Vorhersehbar, aber wesentlich prickelnder ging es dann schon in "Sehnsucht nach Küssen, Sehnsucht nach mehr" zu (2004 im Original erschienen unter den Titel Back in the Bedroom). 
Tessa würde sich zwar gerne ihrer Berufung als Kunsthistorikerin widmen, hält sich aber mit Sekretärinnenjobs über Wasser. Eines Tages wird sie von ihrem Boss beauftragt, sein abgeschiedenes Haus zu hüten. Den Job nimmt sie natürlich gerne an. Wann hat man schon mal Gelegenheit, sein Miniapartment zu verlassen und sich in einer Luxusbleibe aufzuhalten? Was kann denn großartig zu tun sein, als im Luxus zu sitzen und proforma ein Haus zu besetzen, damit es bewohnt aussieht? Dummerweise kommt aber Tessa zu spät. Als sie den Housesitterjob antritt, sind die Einbrecher schon da. Sie wird flugs überwältigt und eingesperrt. Aber auch das Gefängnis ist schon besetzt. Dort liegt, ebenfalls überwältigt, der attraktive Reilly, der sich als Sohn vom Boss entpuppt und mal bei der CIA war, weshalb er dann doch noch rasch den Tag rettet, dem erotischen Knistern aber erst einmal den Garaus macht. Auch in der Folge wird das Finale der Anziehung immer wieder vereitelt, während die Nebenfiguren auch so ihre Problemchen haben. 
Nach den beiden vorangegangenen, eher unromantischen Romanen ist "Sehnsucht ..." wider Erwarten eine nette Geschichte mit einem ganzen Kerl, der trotzdem eine Schulter zum Anlehnen bietet. Positiv ist auch, dass das zahlreich erwähnte Nebenpersonal zudem eine eigene Handlung hat und nicht nur den Eindruck von Lückenfüllern vermittelt.

Fazit: 
Bei Jill Shalvis geht es ganz klar um Anziehung und Begehren zwischen den Protagonisten, während das Romantische, das für die meisten Leser eine Romanze ausmachen dürfte, zu kurz kommt. 
Man wird sehr schnell atemberaubend intim, auch wenn man hier nicht mal ansatzweise einem erotischem Roman nahekommt, sondern sensible Körperstellen hübsch verblümt schwülstig stimuliert werden. Löblicherweise wird aber auf den nötigen Schutz nicht verzichtet.
Ein HEA ist stets anvisiert und vorprogrammiert und der Weg dahin konstruiert steinig, vor allem bei Roman 2 - mit Verlaub - ziemlich kindisch.
Trotzdem verfehlen die Romane ihren Unterhaltungszweck nicht und können auch nach längerem Liegenlassen wieder in die Hand genommen und ohne viel Verluste beendet werden. 

Gesamteindruck für alle drei Romane: 
3 von 5 Weißdornzweigen

Kommentare:

evi hat gesagt…

Liebe Sinje!
Ich habe mich gerade allerallerköstlichst amüsiert mit deinen wunderbaren Zusammenfassungen! Dafür gibt es von mir 5 von 5 vorweihnachtlichen Sternchen und noch ein blinkendes Tannenbäumchen obendrauf! ;-)
LG, evi

Sinje hat gesagt…

Liebe Evi,
da muss ich jetzt aber grinsen :D
Dankeschön für Sternchen und Bäumchen, die nehme ich gerne an.
Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!
LG
S.

Carmen hat gesagt…

Liebe Sinje! Mit welcher Sorgfalt, Ernsthaftigkeit und Ausdauer Du ausführlich über Heftromane referierst, die ja auf schnellen Konsum ausgerichtet sind und mit der heißen Kitschnadel gestrickt worden sind.

Da steckst Du in die Rezension mehr Mühe als die Autorin in ihr Schreiben ;-)

Cora-Romane lese ich auf Zugfahrten, auf denen mir meistens übel ist, zur seichten Ablenkdung. Am Zielort fliegen sie in den Müll.

Ich mag Heftromane. Die eine oder andere Autorin würde ich aber Mal gerne am Schlafittchen packen und ihr die drögen Stereotypen aus den Hirnwindungen rausrütteln.

Über die Jungfrau im Liebesroman habe ich viel nachgedacht. Die scheint eine Art Ersatzreligion zu sein.

Liebe Grüße
Carmen

Sinje hat gesagt…

Ach, Carmen, ich weiß schon, dass diese Literatur nicht nachhaltig ist, aber ich meine, ihre Zwischendurchberechtigung hat sie durchaus. Und ich lese diese Hefte echt gerne, wenn mir der Sinn nach Herzschmerz steht. Gerade bei den Julia Bestsellern sind mir schon einige Autorinnen über den Weg gelaufen, die ich anderweitig gerne noch mal ausprobieren werde. Weil ich eben gerne Liebesromane lese.
Ich bin ja glücklicherweise nicht die Einzige, die diese Hefte vorstellt. Rezension würde ich das nicht gerade nennen und Mühe macht es auch nicht. Bei diesem Band habe ich allerdings echt überlegt, ob ich ihn vorstellen soll oder nicht, aber am Ende hab ich mich selber amüsiert, und das war es wert :D
Tja, die Jungfrauen. Ich finde sie nicht schlimm, weil es sie ja gibt. Nervig sind sie meiner Meinung nach dann, wenn sie nichts weiter als Mittel zum erotischen Zweck sind.
Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!
LG
S.

Carmen hat gesagt…

Nochmal ich :-)
Du weißt ja, ich mag Heftromane auch sehr gerne, nur wünschte ich mir, die Autoren und Autorinnen würden mehr mit den klassischen Motiven spielen, die ihnen für dieses Genre zur Verfügung stehen.

Ich habe hier einige wenige herausragende Cora-Romane (schon Jahre alt und ziemlich zerfleddert), die wirklich charmant und spannend sind, in denen die Frauen zwar ein Handicap haben, aber dieses so selbstbewusst überspielen, dass es eine Freude ist, von Ihnen zu lesen. Und wenn sie einen Moment der Schwäche haben, sind sie trotzdem keine verzärtelten Elfchen, die in ihrer naiven Dümmlichkeit weder ein noch aus wissen. Probleme werden nachvollziehbar entwickelt und nicht an den Haaren herbeigezogen.

Es lohnt nur leider nicht, diese Hefte Mal zu rezensieren, weil sie schon so alt sind, dass sie nicht mehr in der Cora-Nachbestellliste auftauen.

LG Carmen

Sinje hat gesagt…

Vielleicht sind die Leser-Erwartungen bei Heftromanen einfach anders. Vermutlich ist die Mehrheit der Leser gar nicht an Nachvollziehbarkeit interessiert, weil es eben um den schnellen Konsum zwischen Hbf Berlin und Hbf München geht.
Weil ich mir immer ein Fünkchen Realität wünsche, hat mich dieser Band ein wenig aus den Latschen gekippt. (Obwohl das hier ja eigentlich gar keine Heftromane sind, auch wenn es Hefte sind.)

Ich sage auch gar nichts gegen die Arbeit der Autoren; ich ziehe nämlich den Hut vor allen, die unter Heftromanbedingungen schreiben können.
Das Schlimme ist, dass wahrscheinlich kein Raum besteht, damit sich mal einer "was traut", und der Leser kann ja ganz schön böse werden, wenn er was anderes erwartet hat (insbesondere, wenn auch noch Bestseller draufsteht).
Worüber ich mich regelmäßig ärgere ist, dass heutzutage Geschichten im hochwertigen Hardcover an den jugendlichen Leser gebracht werden, die im Endeffekt nicht hochwertiger sind als die Mystery-Heftchen, die ich im Zielgruppenalter tonnenweise aus der Bahnhofshandlung nach Hause geschleppt habe. Komischerweise schimpfen alle auf Heftromane, finden aber die Hardcover ganz toll. Seltsam ...

Zu den Uraltheften: Wenn es Übersetzungen sind, ließe sich ja ggf. das Original noch beschaffen. Manche Altromanzen gibt es tatsächlich als Kindle-Ausgabe für kleine Budgets.
(Wann kindlest du eigentlich? :-))

LG
S.

Carmen hat gesagt…

Ach, seufz ... Ich habe Kindle für PC und damit schon einige Cora-Romane gelesen. Aber das meinst Du ja nicht. Ich nehme nicht an, dass es für mich unmöglich ist, die Dokumente ins Mobipocket-Format zu konvertieren, nur wird es bestimmt total nervig werden. Und deshalb habe ich mich bisher davor gedrückt.

Ich werde tatsächlich Mal nachschauen, ob meine Cora-Highlights irgendwie anders verfügbar sind. Das ist eine gute Idee und diese Hefte verdienen es, sie vorzustellen.

Liebe Sonntagsgrüße
Carmen

Sinje hat gesagt…

Ich bin eine Null in E-Book-Formaten, weshalb ich ausschließlich das Kindle-Angebot nutze. Keine Nerven zum Konvertieren und Co. Deshalb drücke ich mich nämlich auch :D

Hab noch einen schönen Restsonntag!
S.

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