Montag, 17. Oktober 2011

Verrückt nach Pop-up-Büchern


Es war einmal eine Buchmesse ... 
Nein, nicht die in Frankfurt, denn das Frankfurter Event fällt für mich alljährlich in logistisches Nirwana. 
Es war die Leipziger im März 2011, die mich an etwas erinnert hat, das ich über Jahre nicht bewusst im Gedächtnis hatte: Pop-up-Bücher. 
Ich weiß noch, dass unsere städtische Bücherei ein einziges Klappbilderbuch hatte, das ich als Kind immer wieder ausleihen musste, weil es mich einfach faszinierte, wie die Bilder beim Aufklappen aufstanden und eine neue Geschichte erzählten. Leider habe ich selbst nie ein Pop-up-Buch bekommen. Kein Wunder, denn selbst ewig im Voraus bestellte Bücher bekam man in unserem duft(end)en Kleinstadtbuchladen nicht immer. 
Später habe ich einfach vergessen, dass es solche Bücher gibt, und im neuerlichen Mutterdasein waren mir bislang all die pädagogisch wertvollen Bücher mit pädagogisch wertvollen Kläppchen und Schieberchen stets ein Graus, weil kleine Kinderfinger gar so gerne Fensterchen aus teuren Bücherchen reißen und der Entdeckungseffekt gerade so lange anhält, wie das Papier ein Reißgeräusch herausstöhnen kann. 
Jedenfalls stolperte ich in der Bildungshalle 2 bei Dorling Kindersley in ein winzigkleines Paradies und mit vollem Rucksack wieder raus. 
Kind ist nun bald Schulkind, dachte ich mir, und da kann man ja schon einmal altersmäßig vorgreifen und -kaufen und stößt zumindest nicht mehr auf Dauermissverständnis, was den pfleglichen Umgang mit wohlriechendem gebundenem Papier angeht. 
Nach Hause schleppte ich zunächst einmal Populärwissenschaftliches (und fragte mich, warum schon wieder mal alles ausländisches, anstatt heimisches Material sein muss, aber sei's drum ...). 
Man höre und staune: Nach gut einem halben Jahr leben alle Schätzchen noch. Nix rausgerissen, nix angeknabbert, aber alles mit viel Interesse in den leuchtenden Blauäuglein beschaut. 


"Weltall" und "Körper" 

Besonders angetan haben ihm es die beiden Bücher Weltall und Körper

Beide Bücher haben gerade einmal 14 Seiten (7 Doppelseiten) und einen, wie bei Pop-up-Büchern aufgrund der aufwändigen Gestaltung üblich, stolzen Preis. 

Vorausschicken muss ich, dass die Altersempfehlung vergleichsweise fragwürdig ist. Mein Sohn ist natürlich noch viel zu jung für die Bücher, die mit einer Altersempfehlung von 8 bis 10 Jahren angesetzt sind, und findet momentan Farben und Aufklappeffekte noch wesentlich interessanter als den zugehörigen Text. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob man einen 10-Jährigen noch mit einem solchen Buch von der Spielkonsole weglocken kann. Ob sie im Zielalter thematisch interessant bzw. relevant sind, vermag ich ebenfalls nicht zu beurteilen, da meine eigene Beschäftigung mit dem Lehrplan bislang nicht über das erste Jahr hinausreicht. Beispielsweise befasst sich "Körper" in einem Kapitel mit Zellen und neuem Leben und geht dabei auf Chromosomen und DNS ein, ein weiteres Kapitel ist der Abwehr gewidmet. Das ist natürlich alles hochinteressant und gehört zum Thema dazu, aber ob nun 8- bis 10-Jährige im Sachkunde- und später Biounterricht bereits mit Chromosomen und lymphatischen System in Berührung kommen, wage ich zu bezweifeln. Diese Themen ziehen meines Erachtens deutlichen Erklärungsbedarf nach sich, was die gemeinsame Buchbetrachtung zwar kommunikativ macht, aber auf Elternseite doch einiges abverlangt. 
"Weltall" war für uns alle spannender, weil wir hier mit dem Kind mitlernen. Natürlich übersteigt der Begriff Weltall derzeit noch die Vorstellungskraft, denn momentan ist die Vorstellung Land schon kaum ermesslich. Auch dieses Buch ist für 8- bis 10-Jährige gedacht und verbreitet sicher mehr Wissen, als üblicherweise von der Schule vermittelt werden dürfte. Natürlich spricht nie etwas gegen eine außerschulische Interessenweckung. Da ich selber nämlich astronomisch vollkommen unbeleckt bin, ist "Weltall" genau das richtige Pop-up-Buch für mein hehres Erwachsenenalter. 
Beide Bücher haben auf der ersten Seite zusätzlich einen Soundeffekt, den man getrost vernachlässigen kann. Besonders der Herzschlag in "Körper" wirkte auf unser Kind zunächst etwas verstörend, ebenso wie das Kunststoffauge, das einem vom Umschlag aus entgegenblitzt.
Trotzdem sind sie zwei schöne Schätze zum Immerwiederanschauen und Entdecken. 

Insekten

Mitgebracht, angeschaut und an die kindliche Verwandtschaft verschenkt habe ich außerdem noch Insektenwissen. 

Wie Tiere wohnen: Mit spektakulären Pop-up-Szenen ist für 5- bis 8-Jährige vorgesehen und führt spannend in tierische Behausungen. Auch hier darf aufgeklappt, geschoben und gestaunt werden. 
Positiv hervorzuheben sind die natürlichen Farben, die den Wissensvermittlungseffekt untermalen. Oft zeichnen sich Kinderbücher ja durch übertriebene, unnatürliche Farbgebung aus, was zwar den Spannungseffekt verstärken mag, aber unter Umständen eine falsche Naturvorstellung nach sich ziehen kann. Dieses Buch, das im Hochformat zu betrachten ist, macht jedenfalls Lust auf mehr Naturinformation, und ich werde es auch noch ein zweites Mal kaufen.

Ein wesentlich bunteres Buch ist Insekten: Ein Pop-up-Buch zum Entdecken, das mein Sohn als Mädchenbuch verunglimpfte. Um ehrlich zu sein, ist das nicht ganz abwegig, denn dieses Bilderbuch ist für 4- bis 6-Jährige gedacht und tastet sich mit eher romantisch-bunter Zurschaustellung von Blümchen und bunten Insekten, wie Schmetterlingen und Marienkäfern, als mit viel Information an die Zielgruppe heran. Aber auch hier handelt es sich größtenteils realistische Abbildungen (u. a. Fotos) und das gemeinsame Blättern und Erkunden macht Spaß. Dieses Buch würde ich nun meinem Sohn aber nicht mehr nachkaufen, weil er ihm sicherlich entwachsen ist.





"Regenwald"

Nicht auf der Messe, aber später und keineswegs zu dem aktuell horrenden Preis (Neuauflage folgt nächstes Jahr) habe ich auf Sohnemanns Wunsch Regenwald: Vom Unterholz bis zu den Baumkronen erstanden. Der Einwand, er sei noch zwei Jahre zu jung, zählt sowieso nicht, und bereut haben wird den Kauf auch nicht. Kollege Frosch auf dem Umschlag hatte es Sohnemann nämlich sofort angetan. Auch hier werden die Seiten nicht von rechts nach links, sondern von unten nach oben aufgeschlagen, sodass sich alle zwei Seiten 3D-Szenerien von der Wasserwelt des Amazonas bis hin zu Baumriesen auftun. Dazu gibt es jeweils eine Legende, sodass man die Bewohner entsprechend in der Klappszene suchen kann. Dann folgt jeweils eine Doppelseite ohne Extras mit weiteren Informationen zum Thema. Auch dieses Buch ist für 8- bis 10-Jährige vorgesehen und bietet, erfreulicherweise ohne störenden Sound, mit Illustrationen und Fotos einen spannenden Freizeit-/Nachttischausflug in den Regenwald. 


Wer viel Geld übrig hat bzw. für pfleglichen Bücherumgang bekannte Entdecker mit etwas Besonderem beschenken möchte, das sie aber wirklich zu schätzen wissen müssen, der darf sich bei Oetinger umschauen. Denn da gibt es jeweils 12 Seiten echte Papierkunst zu einem Wirklich-nur-für-besondere-Gelegenheiten-Preis. 
Aber Achtung: Die Umschlaggestaltung wirkt klassisch-wissenschaftlicher und ernster als der Inhalt wirklich ist, denn der kommt höchst farbenfroh daher, der unser April-Geburtstagskind ausrufen ließ: "Ehrlich? War der T-Rex wirklich rot und das Megafaultier orange?" Sorry, Kind, aber wer weiß das schon. Aber angesichts des Klappabenteuers auf jeder Doppelseite waren ihm die Farben dann schnell "wurscht". 
Die Rede ist von folgenden Regalschätzen, die man beinahe nur unter Aufsicht oder gemeinsam anschauen möchte aus Angst, man könne die Papierarbeit zerstören: 
und .

Etwas Äquivalentes gibt es für die Verehrerin kleiner Zauberwesen, und wir mussten es natürlich der Freundin unseres Prinzen schenken. Diese schwelgt nun in filigran-bunten Feen und Elfen und träumt von Zauberwelten: 

Allesamt sind etwas für Liebhaber und Sammler, aber nicht unbedingt für Kinderhände auf dem Weg zu ausgefeilter Motorik.  

Bleibt nur die Frage: Welches Pop-up-Buch schenkt sich Mutter - äh - schenkt die Mutter dem Kind zu Weihnachten?

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...