Donnerstag, 20. Oktober 2011

... über "Schwanentanz" von Jean Francis

Für Leser ab 18!
Jean Francis
(Erotischer Roman)

Mystisch und unerschrocken erotisch

Zum Inhalt:
Brandon ist ein Mensch, aber er lebt in einer Welt, die es eigentlich nicht geben dürfte, einer Welt, die nur noch in Legenden zu existieren scheint. Er ist Krieger der letzten Sídhefürstin Cara, und er gehört ihr. Mit alter Magie, Ritualen und Gewalt macht Cara sich die Menschenmänner hörig, benutzt ihr Blut und ihre Manneskraft. Sie erstickt ihre Fluchtgedanken und bindet sie mit allen Mitteln an sich, damit sie dafür sorgen, dass sie vor den Menschen verborgen bleibt. 
Der Feenhügel liegt ungünstigerweise genau im Garten eines alten Hauses im entlegenen nordirischen Carryglen, in das gerade eine junge Fremde eingezogen ist. Cara, die im Síd alles und jeden dominiert, aber längst nicht untastbar ist, fürchtet nun, von den Menschen entdeckt zu werden, und sendet Brandon aus, um den Eindringling zu vertreiben. Die unerwünschte neue Bewohnerin des heruntergekommenen, spinnenbesiedelten Hauses ist Suzanna Williams, eine ehemalige Primaballerina, die nach einer schweren Verletzung nun nicht mehr tanzen darf und Abstand von der funkelnden Bühnenwelt Londons sucht. Die irischen Mythen sind der Großstädterin genauso fremd wie dem Viehbauern Spitzenschuheinlagen. 
Schon bald begegnet sie Brandon, der sie befehlsgemäß verscheuchen will, aber plötzlich ganz andere Wünsche hegt und auf einmal hin- und hergerissen ist zwischen der Versuchung und neuen Fluchtgelegenheit, die Suzanna bedeutet, und der Hörigkeit und Angst, die mit Cara verbunden sind. Zwischen Brandon und Suzanna knistert, nein, brennt es rasch lichterloh. 
Natürlich dauert es auch nicht mehr lange, bis Suzanna mit den Legenden um das Feenvolk in Berührung kommt, Brandon in Gefahr gerät und Suzanna mutig Cara gegenübertritt ... 

Meine Meinung: 
"Schwanentanz" ist zunächst einmal ein Durchmarsch durch Wollen, Verlangen, Eifersucht, Machtlosigkeit und Liebe, der trotz Perspektivenwechseln, Rückblenden, Schmunzelmomenten und ruhiger Zwischennoten kaum Luft zum Atmen gibt. Die 208 Seiten sind so flott vorbei, dass man sich unwillkürlich fragt, ob man nicht was verpasst hat und vor allem, ob es nicht vielleicht doch, irgendwie und überhaupt ein klitzekleines bisschen Raum und Hoffnung auf mehr gibt. 
Aber "Schwanentanz" ist auch, wie von Autorin Jennifer Benkau, die sich hinter dem Pseudonym Jean Francis ganz und gar nicht versteckt, gewöhnt, außergewöhnlich. Von wegen Schema "Menschenweibchen trifft paranormales Männlein und verfällt seinem magisch-erotischem Charme". Nix da! 
Es ist doch erfrischend, zu lesen, dass hier eine Frau - eine magisch-mystische Gestalt zwar - die männlichen Charaktere in der Hand hat. Will man mit Brandon, der im Síd demütigend nackt an die Wand gefesselt und in jeder Hinsicht der Hand der Sídhefürstin ausgeliefert ist, durchaus Mitleid haben (muss man ja auch mit gequälten Helden, also bitte eine Runde Mitleid!), so schwingt doch auch ein leises Feixen der Rache an der sonst dominant empfundenen Männerwelt mit. Und Sídhefürstin Cara ist so optisch hinreißend wie abgrundtief bösartig. Mit unerträglichem Genuß, der weit über Nötigung hinausgeht, quält sie (und die Autorin) die männlichen Charaktere, ganz gleich, ob Mensch oder nicht. Das dürfte nicht jedem Leser gefallen, denn die entsprechenden Szenen sind intensiv und atemberaubend. "Schwanentanz" ist trotz der Romanze kein Kuschelwuschelroman. 
Cara lässt die Männer bluten, demütigt sie, reduziert sie zu dienenden Hüllen, die einerseits am liebsten das Weite suchen wollen, andererseits aber vor Verlangen fast platzen. 
Und in eben diesem Zustand lässt Cara - ein Charakter, dessen Verlust man einem Autor nie verzeihen würde - Protagonist Brandon auf Hauptcharakter Suzanna los, die aber so gar nicht zart-zerbrechlich ist, wie man Tänzerinnen klischeehaft missverstehen möchte. 
Die hübsche Primaballerina hat zwar ein kaputtes Knie, zerschwimmt aber nicht in grenzenlosem Selbstmitleid über den Karriereverlust, sondern will zu sich finden und es mit dem goldenen Boden des Handwerks versuchen. Sie ist nämlich gelernte Goldschmiedin und will sich dahingehend neuorientieren. Goldschmiedende Tänzerinnen. Was es nicht alles gibt. Für meine Begriffe nicht ganz schlüssig, aber im Grunde nicht von wesentlicher Bedeutung. Viel wichtiger ist, dass auch Suzanna, so wie wir die weiblichen Figuren der Autorin bisher kennengelernt haben, kein Heimchen am Herd, sondern durchaus in der Lage ist, ihr Leben zu sortieren. Dabei ist sie dem sexuellen Experiment nicht abgeneigt und hat damit zumindest schon mal einen Ex-Freund überfordert. 
Vor diesem Hintergrund sollte sich die geneigte Leserin auch nicht erschrecken, dass die intimen Begegnungen von Brandon und Suzanna einfalls- und abwechslungsreich stattfinden und Suzanna eben nicht schamhaft errötend protestiert. (Ich hingegen bin sehr wohl schamhaft errötet, weil mir bei der Lektüre vernehmbar ein "Autsch! Nur gut, dass sie Ballerina ist." herausrutschte.) 
Auf diese Weise werden Brandons anfänglichen Dominanzabsichten etwas der Wind aus den Segeln genommen und seine gefühlsmäßige Aufmerksamkeit tiefer gelenkt.
Und damit die Erotik nicht langweilig wird, fordert dann auch Cara Hingebung von Suzanna ein. Alles für den guten Rettungszweck natürlich, denn Suzanna ist nicht dumm und weiß die Tipps, die ihr die Dorfbewohner mit den Legenden an die Hand geben, sehr wohl zu nutzen. 
Damit kommen wir dann auch zum Tanz, denn in der Sídhewelt ist der Tanz nicht unwichtig, aber auch nicht ungefährlich. Den Tanz in der Menschenwelt hat Suzanna verloren. Den Sterbenden Schwan könnte sie heute nicht mehr tanzen, aber trotzdem tanzt sie sich in einer sehr magisch-anmutigen Szene für Brandon kraftvoll die Seele aus dem Leib. 
Sprachlich leichtfüßig führt Jean Francis ihre Leser durch eine Geschichte, die gespickt ist mit atemberaubend schmerzhaften, heißen, aber auch liebevoll-warmen Augenblicken und der es keineswegs an humorigen Momenten fehlt. So erfindet sie für den Gnom Dwyn eine ganz eigenwillige Sprache und lässt Suzanna Brandon zunächst als Öko-Freak missdeuten (wir erinnern uns an Umweltsünderseitenhiebe in "Nybbas Träume" und "Phoenixfluch"). Allein aufgrund dieses Markenzeichens bin ich fast geneigt, der Autorin zu vergeben, dass die Liebesgeschichte an sich für meine Begriffe ein wenig zu kurz kommt. 
Außerdem sei dieser Roman all jenen ans Herz gelegt, die den Verbenreichtum der deutschen Sprache vergessen haben.

Fazit: 
Runde paranormale Geschichte, die düstere Mystik mit passend platzierter, abwechslungsreicher Erotik zu verquicken weiß, aber vorsichtigen ErotikleserInnen unter Umständen zu abgefahren ist. 
Bleibt zu hoffen, dass uns Jean Francis erhalten bleibt und uns mit weiteren erotisch-fantastischen Ausflügen überrascht!

Mein persönlicher Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen






Verlag: Sieben Verlag
ISBN: 978-3941547384  
Genre: Paranormal

Kommentare:

Nazurka hat gesagt…

Ich freue mich schon soooo sehr auf das Buch. Es steht schon im Regal, muss sich allerdings noch ein bisschen gedulden, bevor es gelesen wird. Aber der Plot klingt so unglaublich innovativ und spannend!

Gut, dass es dir anscheinend gefallen hat! :)

Liebe Grüße,
Nazurka

Nazurka hat gesagt…

Ich freue mich schon soooo sehr auf das Buch. Es steht schon im Regal, muss sich allerdings noch ein bisschen gedulden, bevor es gelesen wird. Aber der Plot klingt so unglaublich innovativ und spannend!

Gut, dass es dir anscheinend gefallen hat! :)

Liebe Grüße,
Nazurka

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