Sonntag, 11. September 2011

Sonntagsgedanken

Ich bin ja so müde ... und ich beglückwünsche all jene, die es zum Ende dieses Jammerpostings schaffen, ohne einzuschlafen, zu ihrer Fitness.
Da ist man sein Leben lang ein freiwilliger, angeborener Frühaufsteher gewesen, was sich in emsiger Produktivität bis Akkuverfallszeit 12 Uhr äußerte, und plötzlich wirft ein Schulkind alles aus der Bahn. 
Seine Lernwilligkeit muss nun nämlich ebenfalls früh um 6 aus der Kiste (ja, ja, ich weiß, manch anderer muss um diese Zeit bereits arbeiten), um pünktlich in den Schulbus klettern zu können. Allerdings glänzt der kindliche Schlaf mit solch weckertauber Tiefe, dass Mutters innere Uhr Schlag 5 Uhr Laut gibt. So bin ich also stets eine Stunde vor Stichzeit hellwach und fühle mich wie in besten Stillzeiten immer Spitze auf Knopf, Gewehr bei Fuß, yadayada - nur, um den Bus nicht zu verpassen. Bis das Gefährt, das seit Schulstart täglich zehn Minuten Verspätung hat, von dannen gestunken ist, drehe ich also tagtäglich auf Hochtouren. 
Auch nix Besonderes, Millionen Müttern geht es nicht anders. 
Weniger jammerbedürftig wäre ich allerdings, gäbe es nicht jeden einzelnen Morgen die Sinn- und Unsinnsdiskussion. 
Ja, Kind, Schule ist Pflicht. 
Nein, du kannst nicht zu Hause bleiben. 
Aber sicher wirst du noch etwas lernen. 
Sei nicht so ungeduldig. 
Doch, du kannst mir glauben, in der Schule lernt man etwas. 
Im Brustton der Überzeugung muss ich in deren Sinne Arbeit leisten, damit das Kind einen Schritt aus dem Haus setzt. 
Warum? 
Er langweilt sich. 
Nun habe ich - so möchte ich behaupten - ein normales Kind, das weder durch Einfalt noch Hochintelligenz glänzt und ein ganz normaler Junge ist. 
Aber er ist wissbegierig und neugierig. 
Er braucht Information und Aufgaben.
In geschlagenen zwei Wochen der Schuleingangsphase wurden die Kinder zwar gefühlte zehn Mal umgesetzt, haben aber bisher lediglich das M gelernt, und das zusätzlich in Zeichensprache. Damit ich mein Kind, das sich nun gern in, wie er sagt, Geheimsprache unterhält, künftig verstehe, lerne ich die nun mit. Nützlich ist das allemal. 
Wahrscheinlich hätte ich aber in den vergangenen sprachentwicklungswertvollen Jahren nicht so viel Zeit auf ordentlichen Spracherwerb ver(sch)wenden sollen, wenn das Schreibenlernen nun vorsieht, dass nach Gehör geschrieben wird. 
Und das kann in unserer dialektlastigen Gegend hübsch haidar, äh, heiter werden, wenn mal der Mülchwagen einen Umfall hat ...
Aber wollen wir mal nicht so viele Vorurteile gegen neuartige entwicklungspsychologisch verbriefte Lehrmethoden haben und uns das ganze einmal anschauen (obwohl ... wenn ich nach 10 Semestern Sprachstudium die Deutschhausaufgaben meines Sohnes nicht verstehe, habe ich in letzterem entweder zu viel Party gemacht (Mitbewohner und Freunde fallen bei dieser Äußerung wahrscheinlich lachkrampfbedingt um) oder bin schlichtweg zu alt (auch da wird jemand lachend umfallen, ganz bestimmt). 
Drei Jahre Zeit, um zwei Klassen abzusitzen, haben wir schließlich. 
Das alles mag zwar angesichts des Weltgeschehens profan erscheinen, aber gerade deswegen mache ich mir Sorgen um die Bildung meines Kindes, und ich werde das Gefühl nicht los, dass mein Sohn hier nicht die Bildung bekommt, die ich mir für ihn wünsche. 

Wenn der Bus also abgedampft ist, stürze ich mich in den täglichen Angebots- und Arbeitskampf. 
Es ist wahrscheinlich wirklich so, dass, wenn man sich einmal auf Nullbock eingeschossen hat, der Spaß an der Freude arg leidet. 
Häufig ist es in meinem Beruf so, dass man Texte vor die Nase bekommt, die man in den meisten Fällen um des Überlebens willen fressen muss. So kommt es vor, dass man mit einer Maschine konfrontiert wird, von der man noch nie etwas gehört hat. Im schlimmsten Fall scheitert dann auch die Recherche im Internet. Nicht immer kann man der aufzufindenden Terminologie trauen (das Internet ist schließlich eine große, unübersehbare Krake, die jeder mitgestalten kann, sei es nun richtig oder falsch) bzw. Funktionsbeschreibungen sind gar nicht zu finden. So erst wieder geschehen. Brav durch jahrelangen Uni-Unterricht instruiert, habe ich beflissen weitere Informationen angefordert und die lapidare Antwort bekommen: "Sie müssen nicht verstehen, wie die Maschine funktioniert, sie sollen das nur übersetzen." Nun gut, die Produkthaftungsversicherung dürfte das anders sehen ... Es soll sich mal einer über Übersetzungen beschweren.
Mittags, wenn die Post kommt, bin ich dann so müde, dass ich mich gerne vielen Steckenpferden widmen würde, anstatt noch eine Seite der Maschine zu übersetzen, die ich nicht verstehen muss. 

Apropos Post:
Diese brachte mir in den letzten Tagen einige Überraschungen. 
Unter anderem ein Buchpaket, mit dem ich nicht gerechnet hätte und worüber ich mich sehr gefreut habe. Näheres berichte ich, wenn ich die Bücher dann tatsächlich gelesen habe. 
(Oh, hatte ich erwähnt, dass die Bebilderung nicht zwangsläufig zum Text passen soll, sondern die ablenken soll, die sich jetzt angesichts meiner epischen Breite schon wieder langweilen.) 

Die nächsten Überraschungen waren nach mehr als drei Jahren dann doch noch vier Agentur- bzw. Verlagsabsagen. 
Interessanterweise alle auf einem Haufen und allesamt natürlich unerwartet, heißt es doch bei vielen bereits auf den Internetpräsenzen, keine Nachricht bedeute eine Absage.
Die kurze Ein-Satz-Erklärung der Absage widerlegt aber das beliebte Argument, Manuskripte/Exposés werden nicht gelesen. 
Schlauer wird man dadurch leider auch nicht. 
Dem einen passe ich stilistisch nicht ins Programm, dem anderen thematisch nicht. 
Der eine findet es ungünstig, dass ein kleiner Teil des Buches in den USA spielt (eine liebe Kollegin wird jetzt bestimmt hellhörig werden, denn sie kennt das Argument), der andere, dass ein deutsches Dorfambiente gewählt wurde. 
Zwei schlagen mir als Publikationsalternative epubli vor. (Kriegen die Tantiemen?)
Tja, nun, da das sprachlich böse, kotzende, katastrophale, anstrengende Vampirkind geliebt und gehasst schon im Print-on-Demand-Brunnen liegt, bleibt mir eh wieder nur das Fazit: Wie man's macht, macht man's falsch.
In diesem Sinne schmalze ich einfach mal weiter im Geschichtentext, denn bis ich mit meinem Gegenwarts-LiRo fertig bin, passt der in drei Jahren vielleicht irgendwo wieder nicht ins Programm. 
Der Zahn, dass mit Kunst (bitte keine Kunstdiskussionen, die hab ich schon zur Genüge mit einer einschlägig bekannten Versicherung) keine Kröten zu machen sind, muss mir nicht gezogen werden, der ist nämlich bei mir gar nicht gewachsen. Daher übersetze ich brav weiter. 

Nachdem mir im Netz in dieser Woche wieder ein Kritiker über den Weg lief, der sich über die Vermessenheit von Hobbyautoren, Kurzgeschichten zu verfassen, ausließ (verflixtundzugewuffelt, wo ist noch mal der Link hin?), bin ich direkt zu weiteren Blogbeiträgen, die sowieso keiner lesen wird, inspiriert. Kurzgeschichten, Klischees, Kleinmädchenträume, Kitsch schwelen thematisch in mir.
Deshalb stelle ich jetzt einfach das Gejammere ein und gehe zu Erfreulicherem über. 

Die liebe Sayuri hat mir nämlich einen Award verliehen. 
In der letzten Zeit standen die Awards ja mächtig und in meinen Augen auch zu Recht in der Kritik, und ich gebe zu, dass ich der Schwemme skeptisch gegenüberstand, vor allem den tausend Bedingungen in Sachen Weitergabe und und und. 
Nur gut, dass ich bis auf die drei Awards in der Seitenleiste, auf die ich super stolz bin, weil sie von Herzen kamen, keine weiteren bekommen habe. 
Über den NiceGuy freue ich mich aber wirklich. 
Liebe Sayuri, da wir die Filmleidenschaft teilen, stelle ich natürlich gerne mal für dich ein Buch vor. Das versteht sich doch von selbst! 
Den Award nehme ich an. Vielen Dank dafür! 
Ich gebe ihn aber nicht weiter, weil ich mich einfach nicht in die Preisverleihungsschwemme einreihen möchte. Er bekommt sein verlinktes Zuhause in der Seitenleiste. 

Zum Abschluss gibt es noch einen kleinen Blick auf die Sonntagsfotoausbeute. 
In Erwartung spätsommerlicher Hitze sind wir nämlich bereits gegen 9.30 Uhr in den Wald gewandert und haben nicht schlecht über die umgestürzten Bäume gestaunt, die das schlechte Wetter auf dem Gewissen hat. (Die Baumfotos sind im Übrigen nicht wirklich gut geworden, weshalb ich alle anwesenden Leser gern verschone und euch lieber in magischere Gefilde entführe.)

Ich wünsche euch einen angenehmen Restsonntag und Wochenstart!

Wie üblich trägt ein Klick zwar weder zu Erleuchtung noch zu voller Auflösung, aber doch zu mehr Größe bei: 

 
 
 

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