Samstag, 20. August 2011

... über "Mortal Kiss: Ist deine Liebe unsterblich?" von Alice Moss

Alice Moss

Start einer neuen Jugendbuchreihe mit magisch-paranormal-fantastischen Elementen, in hochwertiger Aufmachung, aber ohne hohen Suchtfaktor

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Zum Inhalt:
Es ist gerade Anfang September und an der Winter Mill High beginnt das neue Schuljahr, doch erster Schnee überzieht die Stadt. Seltsam finden das auch Faye und ihre beste Freundin Liz. Zudem erweckt die Ankunft des neuen Schülers Lucas Morrow ihre Aufmerksamkeit. Während Liz sofort deutlich Gefallen an ihm findet, bleibt Faye desinteressiert, denn sie kann sich kaum für den High-Society-Status der Morrows, die neu ein Anwesen im Wald bezogen haben, begeistern. Das Getuschel, warum die reiche Erbin Mercy Morrow mit Sohn und Dienerschaft ausgerechnet ins beschauliche Winter Mill gekommen ist, anstatt sich eine der Cities dieser Welt auszusuchen, geht an ihr vorbei. Lieber schießt Faye Fotos von schneebedeckten Blumen für die Schülerzeitschrift, als sich dem nett anzusehenden 16-Jährigen zu widmen. Zum Leidwesen der Freundinnen zeigt der Neuankömmling allerdings nur allzu offensichtlich Interesse an Faye, sodass zunächst Schatten in der Freundschaft aufziehen. Bald aber gibt es in der Stadt neue Themen. Zunächst wird ein Toter gefunden. Die Information, dass dieser ein alt aussehendes Foto bei sich trägt, auf dem Faye zu sehen ist, bleibt jedoch erst einmal innerhalb der Wände der Polizeidienststelle. Zudem schlägt auch noch eine Bikergang in den nahen Wäldern ihre Zelte auf und scheint auf den ersten Blick dem Ruf von Motorradgangs alle Ehre zu machen. Zu eben dieser Gang gehört auch Finn, der in Faye die Gefühle weckt, die Lucas für sich erhofft hatte. Finn lässt seine Gefühle für Faye jedoch erst zu, nachdem Faye im Wald Bekanntschaft mit einem Wolf machen durfte und er feststellt, dass ausgerechnet Lucas ihr Avancen macht. Von nun an wird nicht nur um Fayes Gunst gebuhlt, sondern auch versucht, Geheimnisse aufzudecken, möglichst ohne die eigenen (nicht ungefährlichen) Geheimnisse preiszugeben ...

Meine Meinung: 
Mortal Kiss: Ist deine Liebe unsterblich? ist der Auftaktband zu einer neuen Jugendbuchreihe, die bekannte Themen, wie Werwölfe und Magie, mit einer Liebesgeschichte verbindet, die auf ebenso nicht unbekannte Weise mit dem Schema Vorherbestimmung spielt. Im Gegensatz zur äußerlich kaum zu unterscheidenden englischen Paperback-Originalausgabe wurde für die deutsche Fassung ein Festeinband mit Schutzumschlag gewählt, wodurch der Roman einen hochwertigen Touch bekommt, dem lediglich das Lesebändchen fehlt. Nimmt man den Schutzumschlag ab, hält man nur noch den Winterwald in der Hand. In beiden Fällen hat die Umschlaggestaltung, die sich an das Original anlehnt, einen inhaltlichen Bezug. Passend zum hochwertigen Äußeren sind das Papier schön grifffest und die Schrift lesefreundlich groß. Trotz des optischen Reizes stehe ich dem Preis skeptisch gegenüber. Ich äußere mich selten zum Preis-/Leistungsverhältnis meiner Lektüre, weil ich Bücher nie für Geldverschwendung halte. In diesem Fall, aber muss ich sagen, dass der Hardcover-Preis deutlich am Budgetlimit meiner Kleinstadtbibliothek, in der ich mich im Zielgruppenalter versorgt habe, kratzt und dem Bücherverschlinger ein hübsches Loch in den Geldbeutel reißt. 
Skepsis hin oder her, ich habe mir Alice Moss' Roman aus dem Programm des neuen Egmont-Jugendlabels Ink gekauft, weil mich die Kurzbeschreibung ansprach und ich mich wieder einmal mit Jugendbüchern befassen will. Mortal Kiss kann jedoch meine jugendlich gebliebene Seite nicht vollends überzeugen. 
In der Tat stand ich spätestens, als Fayes Schulkamerad Jimmy im Wald verschwand, davor, die Lektüre vorerst zu unterbrechen, denn mich störten die scheinbaren Parallelen zu bereits vorhandener Literatur bzw. TV (ich werde das Gefühl nicht los, dass uns die Wölfe überrollen).
Erfreulicherweise gelang es der Autorin, das Ruder herumzureißen und zumindest mich mit Unerwartetem zu überraschen. 
Im Mittelpunkt des Geschehens steht unverkennbar das Mädchen Faye. 
Sie ist relativ selbständig für ihr Alter, da ihr Vater sehr häufig auf archäologischen Expeditionen weilt und sie daher bei ihrer Tante lebt. Trotzdem hat sie eine enge Beziehung zum Vater und träumt davon, ihn eines Tages als Fotografin zu begleiten. Auch wenn der Vater derzeit in Tansania unterwegs ist und so von regelmäßiger Kommunikation abgeschnitten sein dürfte, ist es doch ein wenig verwunderlich, dass sich über Seiten hinweg keiner Sorgen zu machen scheint, dass er sich so ganz und gar nicht meldet. Zudem wird Fayes Hobby, dem Fotografieren, (das auch das Steckenpferd der Autorin ist) am Anfang des Romans eine starke Bedeutung beigemessen, sodass man leicht auf die falsche Fährte gerät, dieses könnte im Laufe des Geschehens eine wesentliche Rolle spielen. 
Spätestens als bei einem toten Fremden ein vermeintliches Foto von Faye aufgefunden wird (das nicht das einzige Foto von "ihr" bleiben soll), ist klar, dass Faye etwas Besonderes sein muss, doch um ihre Herkunft und ihre Aufgabe zu (er)klären, bedarf es Außenstehender. Als diese dann mit der frohen Botschaft über die Hölle herausrücken, ist Faye erstaunlich erwachsen und trifft ohne jegliche Umschweife wichtige folgenschwere Entscheidungen für sich und andere. Dafür, dass sie kurz zuvor noch mit Freundin Liz die Ballkleiderfrage klären musste, war das schon ganz schön schwerwiegend und weltgewichtsmäßig. Leider blieben bei mir Mitgefühl, Herzklopfen oder auch Atemlosigkeit im Zuge der sich zuspitzenden Ereignisse aus.
Wie andere Teenager hat Faye, wie gesagt, eine typische beste Freundin, Liz, die anfänglich durch Outfitbesprechungen und typische, kleinliche Eifersüchteleien etwas oberflächlich wirkt, sich zum Ende hin aber zu einer wahren Freundin und vertrauenswürdigen Hilfe mausert. Damit wird Liz zu einem Sympathieträger, den man sich aus dem Geschehen nicht wegdenken möchte. 
Auf enttäuschende Weise schienen mir die männlichen Parts Finn und Lucas blass. Wäre nicht eine Romanze angestrebt worden und ein Kuss der Liebenden von Bedeutung, hätte ich auf sie verzichten können. Lucas war mir als der Ahnungslose, dazu noch ständig an Faye Baggernde und schlussendlich Kampfwillige vergleichsweise unglaubwürdig, während ich Finn zwar als sympathisch empfand, jedoch Fayes weiche Knie gerade einmal auf die Vorherbestimmung zurückführen würde. Fayes und Finns Verhalten als Paar wirkt aufgrund dessen wesentlich vertrauter als eine frische Beziehung.
Wahrscheinlich aber sehe ich die große Teenagerliebe inzwischen viel zu nüchtern und mit skeptischen Elternblick.
Allerdings muss ich sagen, dass ich in Bezug auf die Identität von Finn und Lucas ganz schön auf dem Holzweg war und somit erfreulicherweise überrascht wurde.
Das Gebuhle der beiden Jungen, Liz' eifersüchtiges Gezicke und die Outfitfragen, bevor es zum magischen Kern des Plots kam, waren mir zuviel, während mir die Erwachsenen bzw. elterliches Einwirken oft zu kurz kamen.
Dem schnörkellosen, unkomplizierten Erzählstil der Autorin ist es jedoch zu verdanken, dass sich diese Längen (die der Zielgruppenleser weniger bis gar nicht wahrnehmen dürfte - und das möge man nicht missverstehen, denn ich denke wirklich, dass Texte von verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich wahrgenommen werden) flott überlesen ließen. Zu einer übersichtlichen Lektüre trägt außerdem die Einteilung in Kapitel mit zusammenfassenden Kapitelüberschriften bei. 
Während die ersten Kapitel vergleichsweise alltäglich daherkommen, kommt die magische Komponente der Geschichte in der zweiten Hälfte mehr zu Tragen, und im letzten Drittel nimmt die Dynamik des Geschehens mächtig zu. 
Auch wenn man sich fragt, warum seit Carrie Schulveranstaltungen und -bälle zum dramatischen Schauplatz werden müssen, ging es doch sehr spannend zu, wobei der fiese Charakter der Mercy Morrow ein ordentliches Wörtchen mitzureden hat. 
Hat man im Laufe der Geschichte noch das Gefühl, alles könne auf eine Lösung hinauslaufen, mit der man auch leben kann, verdonnert Alice Moss den Leser in ihrem Epilog mit einem kleinen Cliffhanger zu einer Fortsetzung. 
Aufgrund des verhaltenen Eindrucks, den Mortal Kiss: Ist deine Liebe unsterblich? bei mir hinterlässt, ist es eher fraglich, ob die Fortsetzung Mortal Kiss 02. Love Never Dies, die im Januar 2012 im englischen Original erscheinen soll, den Weg in mein Regal findet. 

Fazit:
Unkompliziert erzählte magisch-paranormale Teenagerromanze vor winterlicher Kulisse, in der Wölfe nicht das sind, was sie zu sein scheinen, die Charaktere zielgruppengerechtes Identifikationspotenzial bieten und bekannte Elemente mit neuen Wendungen vereint werden. 
Was dem jugendlichen Leser gern zu empfehlen ist, kann den Erwachsenen nur bedingt in emotionale Erinnerungen an Jugendjahre entrücken. 


Mein Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen



Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Ich war schon am überlegen, ob ich schauen sollte, dieses Buch in die Hände zu bekommen. Aber leise Zweifel haben mich bisher davon abgehalten. Es wird wohl auch nichts mehr, danke also für Deine Rezi. Liest sich übrigens toll.
Nervig für mich, wenn etwas, wie hier die Fotografiererei so im Vordergrund steht, dass man immer denkt, da kommt noch ein großer Knall und dann geschieht eigentlicht gar nichts.

Sinje hat gesagt…

Na ja, wenn ich noch 16 wäre und eine gut sortierte Bibliothek zur Hand hätte, würde ich durchaus danach greifen. Im Übrigen sind solche Anschaffungen für meine Minikleinstadtbibliothek viel zu teuer. Ich schenke denen immer meine Reziexemplare.
Das mit dem Fotografieren war in der Tat so auffällig, dass ich immer gedacht habe, es hätte etwas damit auf sich, vielleicht in Verbindung mit den aufgefundenen Fotos, aber auf denen war ja nur die junge Dame zu sehen. Es verlief dann aber im Sande und hatte nichts Magisches an sich.
Viele sagen ja immer, sie lesen YA, um sich wieder in das Alter zurückzuversetzen und die erste Liebe noch einmal nachzuempfinden, aber diesen Wunsch bedient dieses Buch m. E. nicht.
Mit 15/16 hätte ich dem Buch wahrscheinlich 5 Sterne gegeben.
Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!
Liebe Grüße
S.

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