Dienstag, 23. August 2011

... über "Eternally - Selbst die Ewigkeit kann uns nicht trennen" von Lisa Cach

Lisa Cach

Detailreiche Geschichte aus paranormalen und historischen Elementen über eine Jugendliche auf der Suche nach dem wahren Selbst und der Liebe zwischen Träumen, Zeiten, Leben und Sterblichkeit

Zum Inhalt:
Die 15-jährige Caitlyn Monahan lebt in einem langweiligen Kaff in Oregon und könnte eigentlich ein beschauliches, zufriedenes Leben führen. Nachdem ihre Mutter bei einem Autounfall ums Leben kam, als Caitlyn gerade einmal vier Jahre alt war, bekam sie zwar eine neue Mutter, die sie unverkennbar liebt, und dazu noch drei Brüder, aber trotzdem ist sie recht einsam. Aufgrund von Alpträumen, die so intensiv sind, dass Caitlyn kaum noch Realität und Traum auseinanderhalten kann, sondert sie sich ab. Nach einer Gothicphase, die ihr den an ihren Nachnamen angelehnten Spitznahmen Moan-and-Groan einbrachte, sitzt sie inzwischen in Second-Hand-Klamotten herum und zeichnet in jeder freien Minute die kreischenden Gestalten, die ihr in ihren Träumen begegnen. Nur zwei Mädchen könnte man als ihre Freundinnen bezeichnen. Von den Jungen an der Schule hält sie nicht viel, denn sie weiß, ihre Liebe wird sie weit von diesem Ort entfernt finden. Überhaupt fühlt sie sich nicht zugehörig und fehl am Platze. Eines Tages erhält Caitlyn schließlich eine Einladung in die Internatsschule des Château de la Fortune, die sie vor einiger Zeit im Internet recherchiert, aber aufgrund mangelnder Französischkenntnisse wieder aus dem Gedächtnis verbannt hatte. Man verspricht ihr eine individuelle Ausbildung und sogar ein Stipendium. Caitlyn hofft, in Frankreich endlich ihre Alpträume loszuwerden und ein neues Leben zu beginnen, und reist schließlich in die Dordogne. Doch bereits bei der Anreise muss sie feststellen, dass sie ihre seltsamen Träume nicht zu Hause gelassen hat. Im Gegenteil. In ihrem Traum begegnet sie dem jungen Mann Raphael, der sie nicht mehr loslässt. Nun muss sie sich nicht nur in dem fremden Land und der fremden Schule mit ihren neuen wohlhabenden Kommilitoninnen zurechtfinden, sondern wird auch mit der Historie der alten Gemäuer und ihren Spukgeschichten konfrontiert. Da sind Bildnisse, die ihr bekannt vorkommen, manchmal gelingt es ihr aus heiterem Himmel, der französischen Sprache zu folgen, obwohl ihre Kenntnisse schlecht sind, und nicht zuletzt führen sie ihre Träume zu Raphael in eine weit entfernte Zeit, zu Raphael, der eine wichtige Aufgabe verfolgt und dem sie in ihrer Realität unbedingt helfen will. 


Meine Meinung: 
Eternally: Selbst die Ewigkeit kann uns nicht trennen reizte mich aus vielerlei Gründen. Vor allem der Standort Frankreich und der paranormale Hintergrund sprachen mich an, selbst wenn es sich um ein weiteres Jugendbuch mit nicht wirklich originellem Internatsschauplatz handelt.
Der Umschlag ist zwar hübsch gestaltet und spoilert in Bezug auf den romantischen Handlungsstrang weniger als das Cover der Originalausgabe Wake Unto Me, hat aber kaum inhaltlichen Bezug. Der Großteil der Handlung ist, wie erwähnt, in der französischen Dordogne angesiedelt, die sich mehr im Landesinneren als am Meer befindet und eine Vielzahl von Burgen zu bieten hat. Daher ist der Leuchtturm auf dem Umschlag eher irreführend, selbst wenn Leuchttürme dank verschiedener filmischer Umsetzungen gern mit Paranormalem und Geistern assoziiert werden und eine verträumte Stimmung widerspiegeln. Die grüblerische Mädchengestalt, deren roter Rock leicht zu verwischen scheint, ist hingegen nicht ganz so abwegig. Wie schon bei Mortal Kiss: Ist deine Liebe unsterblich? (und vermutlich auch bei den übrigen Ausgaben des neuen Ink-Programms) ist der Festeinband mit einem Schutzumschlag versehen, auf dem alle notwendigen Angaben zu sehen sind. Nimmt man diesen Schutzumschlag ab, bleiben wieder nur Landschaft und Ranken ohne Text und auch ohne die Abbildung von Personen, und zwar sowohl auf Front- als auch auf Rückseite. Der Buchrücken trägt aber regalfreundlich Autorenname, Titel und Verlagslogo. Die Innengestaltung ist ebenfalls wieder liebevoll, und die Kapitelanfänge übernehmen die Ranken des Umschlages. Damit fügt sich "Eternally" nahtlos in die hochwertig ausgestatteten Jugendbuchneuerscheinungen des Verlages.
Inhaltlich muss ich vorausschicken, dass man ein gewisses Faible für Details und Lehrreiches mitbringen muss. Das ist bei mir der Fall, weshalb ich mich in den Passagen, in denen die Autorin das Château beschreibt, historische Hintergründe und Tarotkarten erläutert oder dem Leser die geologische Beschaffenheit der französischen Landschaft näherbringt, nicht gelangweilt habe, selbst wenn diese Informationen nicht immer in ihrer Ausführlichkeit nötig gewesen wären und nicht immer eine vorantreibende Aufgabe hatten. Erfreulicherweise hielten sich oberflächliche Outfitfragen weitestgehend in Grenzen.
Zunächst empfand ich es als erfrischend, mal wieder ein Buch in den Händen zu halten, das nicht in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Trotzdem ist es Lisa Cach gelungen, die Gefühle und Verwirrung ihrer Protagonistin zu transportieren. 
Manchmal hat man das Gefühl, das Geschehen aus der Ferne zu beobachten, und das war meiner Meinung nach auch gut so, denn Protagonistin Caitlyn kann sich die Ereignisse schließlich selbst überhaupt nicht erklären und vermittelt häufig den Eindruck, sie stünde neben sich. Sie hat mit der neuen Umgebung zu kämpfen, ist zunächst wieder nur die Außenseiterin, weil sie die erste und einzige Stipendiatin der Schule ist, während die anderen Mädchen aus wohlhabenden Familien stammen, z. T. sogar Prinzessinnen sind. Die Direktorin, Eugenia Snowe, verlangt viel von ihr ab, erwartet von ihr, dass sie sich dem Willen der von einer Schwesternschaft geführten Schule beugt und lernt und studiert, was man ihr vorgibt. Dabei hat sie allerdings so schlechte Noten, dass es verwunderlich ist, wieso man sie überhaupt in einem überseeischen Internat aufgenommen hat. Dass die Direktorin nicht mit offenen Karten spielt, weiß Caitlyn zwar nicht, erahnt es aber wohl. So kommt sie zunächst mit den schulischen Anforderungen nicht zurecht und kann höchstens im Zeichnen kleine Erfolge erzielen. Ihre Träume, die sie zu Raphael führen, erschöpfen nicht nur sie, sondern auch ihre Mitbewohnerin, bis Caitlyn nach den Schulaufgaben meist gleich im Großen Salon bleibt und dort einschläft. Die Geschichten um die Schwarze Frau, die durch die alten Gemäuer spuken soll, machen es ihr nicht einfacher. 
Trotz der Wechsel zwischen Traum und Realität, Vergangenheit und Gegenwart, die für eine gewisse Handlungsdynamik sorgen, entsteht in "Eternally" daher eine leicht erschöpfend-bedrückende Atmosphäre, die das Buch über zwei Drittel für so manchen Leser unspannend machen dürfte.
Weil ich mich gerne überraschen lasse und beim Lesen selten viel grübele, wer denn nun der Gärtner gewesen sein könnte, sondern gern warte, bis man mir es sagt, war ich über weite Strecken im Unklaren, ob ich es denn nun mit einem Zeitreiseroman oder einer Geistergeschichte zu tun habe. 
Deshalb konnte mich die Autorin schlussendlich überraschen und dann wieder verwirren (im Übrigen auch im Hinblick auf eine mögliche Fortsetzung).
Bei der Zeichnung ihrer Charaktere widmet sich Lisa Cach in erster Linie Caitlyn und Raphael. Verträumte und grüblerische Leser werden sich mit Caitlyn gern identifizieren. Man kann mit ihr leiden angesichts von Misserfolgen, aber auch, wenn ihre Träume plötzlich verschwinden und Raphael unerreichbar ist. Doch genauso möchte man sie tadeln, dass sie scheinbar nie Kontakt zur Familie in Oregon sucht, diese nur noch ein Mal Erwähnung findet. Man möchte sie schimpfen, dass sie sich von Direktorin Snowe einwandlos bestimmen lässt. Dann aber fiebert man wieder mit, hofft, dass sie endlich schlafen und träumen kann, um Raphael nah zu sein. 
Raphael ist mit seinen neunzehn Jahren in der Tat ein Mann in den frau sich auch über die Jahrhundertdistanz gern verlieben möchte. Mutig, intelligent, mit einer Portion schöngeistiger Begabung, loyal und auch noch ein äußerliches Schmuckstück wird er flott zu einem Charakter, den man nicht missen möchte.
Dennoch sollte man sich keine vordergründige Romanze erhoffen, denn die Liebesgeschichte ist meines Erachtens ein Nebenprodukt von Caitlyns Selbstfindung, die über den gesamten Roman hinweg als Suche nach ihren Wurzeln, Fähigkeiten und Bestimmung thematisiert wird.
Nachdem Direktorin Dr. Eugenia Snowe im Prolog noch vor Caitlyn eingeführt wurde, hatte ich mir allerdings mehr von diesem Charakter erhofft und blieb letztendlich leicht unbefriedigt zurück. Sie ist bei weitem nicht so mysteriös oder gar hintertrieben, wie ich erwartet hätte.
Zusätzlich wirkt die Einführung von Caitlyns Schulkameraden an ihrer amerikanischen Schule im Nachhinein betrachtet überflüssig. Auch ihre Familie, in die sie schließlich hineingeboren wurde und die sie auf ihre Weise liebt und keinesfalls verstößt, wird vergleichsweise stiefmütterlich behandelt, sodass man meinen möchte, die fünfzehnjährige Caitlyn sei aus den Augen und aus dem Sinn. Die neuen Freundinnen im Internat wirken austauschbar und sind relativ blass. Ich muss gestehen, dass ich gerade einmal den Namen von Caitlyns Zimmergenossin behalten habe. 
Außerdem wartet die Autorin mit ein paar Klischees, beispielsweise zur französischen Küche, auf, die mich eher nervten.
Ein weiterer kleiner Nervfaktor waren die französisch gesprochenen Sätze in Dialogen, die in den meisten Fällen direkt in einem Nachsatz übersetzt wurden. Da Caitlyn kaum Französisch versteht (wobei es höchst unrealistisch ist, dass jemand mit derart inexistenten Sprachkenntnissen an einer französischen Internatsschule, und sei dieses auch noch so polyglott, angenommen wird), hätte man sich diese Nachsätze in aller Regel ersparen und beim Leser dieselbe Ratlosigkeit zurücklassen können. Zwei oder drei Fehler im Französischen sind mir ebenfalls aufgefallen, aber die sollen nun nicht weiter ins Gewicht fallen. 
Insgesamt zeichnet sich "Eternally" durch eine unauffällige Sprache aus, die den Leser nicht überfordert. Zwar stören mich Ausdrücke, wie "für was" oder  "von was (sie träumte)", die mir gerade in Übersetzungen momentan überhand nehmen und vermuten lassen, "wovon", "wofür", "woran" usw. wären aus unserem Sprachschatz gestrichen worden, dürften von anderen Lesern aber rasch überlesen werden.
Trotz einiger Klischees, stellenweiser Unglaubwürdigkeit, die aufgrund des paranormalen Hintergrundes der Geschichte wenig erheblich erscheint, und vereinzelter Lehrbuchhaftigkeit in ausführlichen Erklärungen wusste Lisa Cach, mich dennoch gut zu unterhalten. Vor allem auch, weil ich es mag, wenn die Freude an Recherchearbeit und Verquickung von wahren und fiktiven Elementen (hier zur Geschichte der de'-Medici-Familie) lesbar wird, wie es hier der Fall ist. Im Zielgruppenalter hätte ich Lisa Cachs Roman ebenso gern gelesen, davon bin ich überzeugt.

Fazit:
Unterhaltsame paranormal-historische Lektüre für verträumte Fans von Zeitreisegeschichten ohne Scheu vor Details und kleineren Längen. Ungeduldige Leser auf der Suche nach innovativer Originalität und rasanten Pageturnern dürfte Eternally: Selbst die Ewigkeit kann uns nicht trennen allerdings weniger gefallen. 

Mein Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen (eher 3,5, aber ich will den Weißdorn nicht noch mehr zerhacken)




Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Ich habe das Buch heute ebenfalls erhalten (ein Tausch mit Ashes) und darum nicht alles gesamt gelesen, nur ein wenig überflogen. (Den Rest hole ich sicher nach)
Freut mich aber zu sehen, dass das Buch insgesamt recht gut wegkommt. Das mit den vielen Einzelheiten und Erklärungen habe ich schon anderswo gelesen und bin gespannt, wie ich damit klarkommen werde.

Charlousie hat gesagt…

Wohow! Das ist aber eine lange Rezension bei dir! Fand es aber auch schwer, sich bei diesem Buch kürzer zu fassen. Ich fand einiges echt toll, anderes ziemlich nervend und irgendwie blieb ich dann auch bei 4 hängen, obwohl es mehr eine 3,5 ist! :) (Wird ja aufgerundet! ;)
Schöne Worte hast du gefunden und was du schreibst, erkenne ich total wieder. Allerdings haben mich diese Details über Tarotkarten und Frankreich etc. nicht so angesprochen wie dich! :D
Liebe Grüße,
Charlousie

Sinje hat gesagt…

Hallo Ihr zwei,

@Soleil:
Ich bin gespannt, wie dir Eternally zusagen wird.

@Charlousie:
Ich neige ja zu Längen, aber ich konnte mich hier gar nicht kurzfassen ;-)
Ich hab nachträglich noch bei dir nachgelesen.
Also wirklich genervt hat mich nichts. Allerdings fand ich die Tarotkarten im nachhinein zu stark ausgewalzt. Interessant waren sie allemal, weil ich von Tarotkarten keine Ahnung habe. Frankreich reizte mich, weil ich einfach berufsbedingt frankophil bin und ja nun nicht jedes Buch in den USA spielen muss. Im Übrigen war es mir neu, dass die Dordogne eine Karstlandschaft ist. Nun ja, man kann ja nicht alles wissen ;-)
Ich bin froh, dass ich die zwei Ink-Bücher sozusagen noch weggelesen habe, denn grad komme ich wieder überhaupt nicht zum Lesen. Schade.

Liebe Grüße an euch und eine schöne Woche!
Sinje

Charlousie hat gesagt…

Pff. Ehrlich? - Das mit der öhhhm "Dordogne" habe ich überlesen und *schäm* was eine Karstlandschaft ist, weiß ich leider auch nicht und JA, auch mit Tarotkarten kenne ich mich nicht aus. Prinzipiell stehe ich dem zwar offen gegenüber, aber in "Eternally" fand ich es einfach nicht passend. Überflüssig (mein neuestes, liebstes englisches Wort passt da super: Overliquid = Überflüssig --> da war es schon ein überflüssig²;)) Oder wie du sagtest: zu ausgewalzt!
Ansonsten war die Idee schön und einiges war echt prickelnd, aber ich las schon bessere Bücher! Was ich dich schon lange mal fragen wollte: Was genau drücken die Wartezeitverkürzer und "Laubkönig" aus? Ich bin (noch) nicht so recht dahinter gekommen. Also, es ist eine Anthologie, zumindest aber ein Buch, auf das gewartet wird???
Hmmmmmhmmmmm und DOCH, natürlich muss jedes Buch in Amerika und mindestens England oder Schottland oder von mir aus auch Irland spielen, denn ich bin im ENGLISCH-LK, da ist dass doch wohl Pflicht und Französisch habe ich zwar behalten, da mir aber das grammatikalisch korrekte bilden von Sätzen zuweilen sehr schwer fällt, bis UNMÖGLICH scheint, muss ich mir noch eine Methode überlegen, dieses Fach IRGENDWIE zu überleben! ;)
Nee, Spaß, ich MAG Frankreich sehr, doch "Eternally" --> Zu viel, zu überladen, very overliquid! ;)
:D :D : D: D: D: D:D :D :D:D :D:D

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