Sonntag, 21. August 2011

Heimaturlaub

Bevor wir Ende des Monats Sohnemann in den Ernst des Lebens namens Schule schubsen, haben wir es tatsächlich noch geschafft, ein paar Tage zu verreisen, in meine thüringische Heimat. 
Und so folgten wir - hach, wie melancholisch - während dieses sehr kurzen Aufenthaltes den Spuren meiner Kindheit. 
Nicht, dass ich wirklich welche hinterlassen hätte, aber gut ... 
Wenn man so als Student hin und wieder mit einem Berg Wäsche zu Hause eintrudelt, hat man anderes im Kopf, als Orte zu besuchen, die man als Kind oder Teenager unsicher gemacht hat. 
Deshalb musste ein Wiedersehen dieser Art auch ein paar Jahre warten, bis es einen triftigen Grund gab, sie wieder einmal aufzusuchen. 
Der triftige Grund ist inzwischen sechs Jahre alt und normalerweise hübsch neugierig. 
Ich habe mir fest vorgenommen, ihm die Orte meiner Kindheit zu zeigen.

Zuerst ging es ins benachbarte Reichenfels zu einer - och nö, Mama, nicht schon wieder olle Steine - Burgruine. Das Ziel ungezählter Wandertage und sonntäglicher Spontanwanderungen mit der Clique (wobei uns dieser Begriff damals fremd war) glänzt zwar nicht mit enormen Ausmaßen, wohl aber mit vogtländischer Geschichte. Letztere war für das Kind nur insofern interessant, dass das angrenzende Museum neben Zeitdokumenten und Ausgrabungsfunden der Region eine kleine Auswahl alter Waffen und Rüstungen zeigt, die ausgiebiger bestaunt wurden, als die tolle Aussicht zum vermeintlichen Georg-Kresse-Geburtsort Dörtendorf
 
Der Rückweg führte uns wieder an der ehemaligen Sportschuhfabrik vorbei, deren Geruch ich seltsamerweise noch sehr lebhaft in Erinnerung habe. Sie ist seit langem geschlossen und dem Verfall geweiht. 

Auch am nächsten Tag wurden die Kinderfüße auf die Probe gestellt. Endlich spielte das Wetter mit und begrüßte uns nicht mit trüben Aussichten, sondern strahlender Sonne. 
Im Mai hatte ich ja noch angekündigt, dass ich beim nächsten Heimatsbesuch auf die Suche nach dem Waldteich gehen würde. Diese Suche musste aber aufgrund der Entfernung und des Fehlens eines fahrbaren Untersatzes an diesem Tag leider ausfallen und wird bis zum nächsten Mal vertagt.
Deshalb schnürte ich das Picknickpäckchen, stattete das Kind mit einem Fernglas aus und nahm es mit auf einen Marsch ins nicht ganz so weit entfernte Leubatal. 
Während meine Mutter als Kind noch trockenen Fußes Sonntagsausflüge durch das Tal machen konnte, trennt, so lange ich zurückdenken kann, nun Wasser den mir bekannten Wald von den Dörfern auf der anderen Seite des Tales: die Leubatalsperre. 
Genau die war mein Ziel, aber bis dahin musste ein gutes Stück Weges zurückgelegt werden.
Wir nahmen uns viel Zeit, die das Kind zum Beobachten von Raubvögeln nutzte, wobei ich feststellen musste, dass ich seit dem Biounterricht der 5. Klasse so gut wie alles über Vögel vergessen habe und nicht in der Lage war, Habichte von Bussarden oder sonstwas zu unterscheiden. Nur gut, dass ich ab sofort wieder mitlerne. 
Nach einer guten Dreiviertelstunde waren wir am Ziel und nahmen auf der Karpfenwiese Platz.  Beim Picknick beobachteten wir einen Haubentaucher (den ich ausnahmsweise erkannt habe) und entdeckten sogar einen Admiral. 
Auf dem Rückweg begegneten wir außerdem einer Waldmaus und einer ziemlich langen Blindschleiche (hatte ich erwähnt, dass mich selbst Fräulein Harmlos-Schleichchen zum Davonlaufen bewegt ...)

Im Übrigen ist die Leubatalsperre nicht der Ort, der mich zu "Seesüchtig" inspiriert hat, könnte es aber durchaus sein.
 
Am späten Abend schließlich entführte mich der Imker zu Nachtaufnahmen. Selbstverständlich ging es über Stock und Stein und eine Brücke, die ich bisher nicht kannte, bevor wir in Zeulenroda anlangten.
 
 
Für den letzten Tag hatte ich einen Plan, der uns raus aus Thüringen und ins Erzgebirge führte. Auch wenn knapp 90 km nicht gerade der nächste Weg sind, hatte ich die Idee, erst Miniaturen zu besichtigen und mich  - uns - dann unter Tage zu begeben. 
Ziel war Waschleithe mit seiner Heimatecke und dem Schaubergwerk
Ich glaube, es ist bestimmt dreißig Jahre her, dass ich selbst dort war. Während ich mich noch an die Miniaturenanlage mit dem Rattern der Modelleisenbahn, dem Sirren der Nachbildung der Seilbahn und dem Hämmern kleiner Wasserkraftwerke erinnern konnte, ist der Bergwerksbesuch gänzlich aus meinem Gedächtnis verschwunden. 
 
  
Besonders die Bergwerksführung nach einer Einfahrt über 250 nicht DIN-gerechte Stufen war ein Erlebnis, bei dem die anwesenden Kinder nicht vergessen wurden und so bei niemandem Langeweile aufkommen konnte. Wir sahen unterirdische Seen, altes Gerät und Drusen. Sogar den im Schlaf versteinerten Berggeist hörten wir schnarchen.  
(Fotos muss ich vorerst schuldig bleiben, denn die hat der Imker.)
Wer im Raum Aue Urlaub machen möchte, dem sei ein Ausflug nach Waschleithe guten Gewissens empfohlen.

Viel zu kurz war's, aber nicht anders machbar. 
Und nun sind wir wieder daheim im schönen Südharz, wo es, wie konnte es anders sein, seit heute wieder wie aus Kannen gießt. 

Daher werde ich nun mit Sohnemann Urlaubsfotos anschauen und in frischen Erinnerungen schwelgen. 

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