Montag, 4. Juli 2011

... über "Zauber der Wellen" von Christine Feehan

Christine Feehan
(Drake-Schwestern 3) 

Auf explosiv getrimmte Krimiromanze ohne den gewohnten magischen Drake-Charme

Zum Inhalt:
In "Zauber der Wellen" (im Original "Oceans of Fire: A Drake Sisters Novel) begegnen wir also nun der dritten Drake-Schwester Abigail, die über die Gabe verfügt, Menschen dazu zu bringen, die Wahrheit zu sagen. Diese Fähigkeit wurde bereits in Band 2 angesprochen, hat sie dort doch zu einigen Reibereien gesorgt. Die junge Frau fühlt sich am Meer am wohlsten, weshalb sie wohl auch Delfinforscherin geworden ist. So begegnen wir ihr zu Beginn beim Schwimmen mit Delfinen, und Christine Feehan schafft damit einen so atmosphärischen, stimmungsvollen Anfang, dass ich am liebsten die Augen geschlossen und geträumt hätte, wenn mich das nur nicht so am Weiterlesen hindern würde. Doch rasch ist es mit der Stimmung vorbei, denn Abigail wird Zeugin eines Mordes in Küstengewässern und wird natürlich entdeckt. Dank ihrer Fähigkeit, mit den Delfinen zu kommunizieren, kann sie entkommen, wird aber angeschossen. Sie findet den durch die Täter ebenfalls verletzten Fischer Gene Dockins und bringt ihn an Land, wo sie ihre eigene Verletzung hintanstellt, um ihn, unter Hinzuziehung der Kräfte ihrer Schwestern, so lange am Leben zu halten, bis ein Krankenwagen zur Stelle ist. Leider fällt sie dabei buchstäblich Aleksandr in die Arme. Seit vier Jahren hat sie den Russen, der einmal ihr Geliebter war, nicht gesehen, und sie hat auch nicht das Bedürfnis, die Beziehung aufzufrischen. Wie sich herausstellt, war der Ermordete Aleksandrs Partner bei Interpol. Aleksandr scheint über die Maßen erfreut, seine große Liebe Abigail endlich wiedergefunden zu haben, und lädt sich als ihr Verlobter selbst in das Haus der Schwestern ein, das ihm den Eintritt nicht verweigert. Das bedeutet natürlich für alle, dass Aleksandr der Richtige ist. Aufgrund dramatischer Geschehnisse in Russland, die Abbey ihren Schwestern erst spät anvertraut, vertraut sie Aleksandr aber nicht (mehr), wenngleich sie ihn noch immer liebt. Aleksandr möchte Abbey vor den skrupellosen Schmugglern, die, wie sich später zeigt, nicht mit Kunstwerken, sondern mit etwas höchst Gefährlichem dealen, schützen, zieht sie aber prompt mitsamt ihren Schwestern hinein, denn auch der vermeintliche Gegenspieler ist magisch nicht unbeleckt. 

Meine Meinung: 
Ich lese Christine Feehans Paranormals unheimlich gern, weil es ihr immer wieder gelingt, eine Atmosphäre zu erschaffen, die mich verzaubert. 
Bei "Zauber der Wellen" muss sie allerdings nach 50 Seiten den Zauberstab verloren haben. 
Die ersten beiden Bände der Geschichte um die Drake-Schwestern warteten zwar ebenfalls mit einem spannenden, kriminalistischen Plot auf, versprühten aber eine ganz besondere Magie, die die Spannung zwischen den magischen und nichtmagischen Charakteren knisternd spürbar machte. 
In Abigails Band zaubern die Wellen nun leider nur zu Beginn, bevor unerwartete Langeweile einsetzt. 
Abigail und Aleksandr tänzeln umeinander herum; er will sie (warum ist er eigentlich so besessen? das "Ich liebe dich" hört sich irgendwie immer zwanghaft und gar nicht tiefgehend an), sie lehnt ihn ab, und es dauert eine Ewigkeit, bis der Leser erfährt, was zwischen beiden vorgefallen ist. Gleichzeitig plätschert der kriminalistische Handlungsstrang nebenher, sodass man sich wundert, wie dieser so dramatisch sein kann, dass anfangs noch tödliche Kugeln über das mondbeschienene Meer peitschten, dann aber so gar nichts mehr passiert. Da wird nach geschmuggelten Kunstwerken und einheimischen Beteiligten gesucht, und nach dreihundert Seiten ist man immer noch nicht nennenswert weiter. Und das ist schon recht merkwürdig, wenn man bedenkt, dass sich in Sea Haven alle kennen und vor allem die Schwestern mit allen auf gutem Fuße stehen. Damit es nicht ganz so merkwürdig wird, bekommt Aleksandrs undurchschaubarer Gegenspieler Prakenskij auch magische Kräfte, und mir schwant, dass wir ihn wiedersehen werden, denn schließlich kommt in "Zauber der Wellen" alles anders, als man denkt. 
Als wären sieben Schwestern nicht schon viel "Personal", schickt Christine Feehan nun auch noch Tante Carol und jede Menge Polizei, FBI usw. ins Rennen, was mir schlichtweg zu viel wurde. 
Zwischendurch aber passiert nichts Nennenswertes, das zur Lösung des Falls beitragen könnte. 
Die vorprogrammierte, absehbare Annäherung von Abigail und Aleksandr geschieht dann recht abrupt und ist angesichts Abigails ständiger, barscher Zurückweisung kaum nachvollziehbar. Dort setzt nun auch die Feehansche Erotik ein, die mir persönlich in "Zauber der Wellen" überhand nimmt. Anstatt, wie aus anderen Feehan-Roman gewohnt, Knistern und Erwartung sorgsam über die gesamte Geschichte zu dosieren, beschränkt sich Christine Feehan auf ganz wenige Szenen, in denen sie dann offensichtlich alles auslebt, was sie zu bieten hat. (Man möge mir verzeihen, dass ich die Seiten der unersättlich aufeinanderfolgenden intimen Begegnungen nicht gezählt habe.) Leider fühlt sich die nächste Szene dann nach Wiederholungstat an und bereitet, und das ist mir bei Christine Feehan noch nie passiert, gar keinen Lesespaß. 
Erst zum Ende hin wird es spannend und auch wieder romantisch, trotzdem kann ich Abigail und Aleksandr die große Liebe nicht abkaufen. 
Zudem haben mich die etwas unbeholfen aus dem Russischen transkribierten Kosenamen und Liebesbekundungen mehr belustigt, als dass sie zu einer verliebten Stimmung beigetragen hätten. In Bezug auf den Kriminalfall und die Nationalitäten werden zudem jede Menge russischer Klischees aufgefahren, die höchst oberflächlich wirken. 
Der "Zauber der Wellen" hat mich so manches Mal zum Kopfschütteln gebracht, und ich hoffe, dass Christine Feehan in Gezeiten der Sehnsucht wieder zu alter Form aufläuft.

Fazit: 
Ungewohnt schwache und langatmige Feehan-Romanze mit unglaubwürdigem Kriminalfall und ohne das erhoffte paranormal-charmante Knistern.

Gesamteindruck
2 von 5 Weißdornzweigen


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