Donnerstag, 21. Juli 2011

... über "Die Nacht hat viele Augen" von Shannon McKenna

Shannon McKenna

Viel deftiger Sex, wenig Thrill

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Zum Inhalt:
Seth Mackey ist ein cleverer Sicherheitsexeperte; seine Welt besteht aus versteckten Kameras und Wanzen. Nach dem Mord an seinem Halbbruder Jesse, einem verdeckten Ermittler, ist er regelrecht bessessen davon, den Täter zu finden und Jesse, zu dem er eine besonders enge Beziehung hatte, zu rächen. Rasch rückt der reiche Unternehmer Victor Lazar in sein Blickfeld. Er findet geschäftlich Zugang zu dem undurchsichtigen Millionär und beobachtet ihn und sein Umfeld unermüdlich und akribisch. Zu seinem Observationsgebiet zählt auch eine Firmenwohnung, die jüngst von der überaus attraktiven Lorraine "Raine" Cameron bezogen wurde. Zunächst hält Seth Raine für eine von Lazars Huren, schließlich hat er schon alles erlebt und gesehen. Raine aber ist als Assistentin der Geschäftsführung tätig und mitnichten ein kleines Dummchen. Als Lazar die junge Frau und den Sicherheitsfachmann scheinbar zufällig geschäftlich zusammenführt, hat Seth noch keine Ahnung, dass Raine sich in eigener Mission bei Lazar eingeschlichen hat. Während sie sich von Seth, der sie bereits in allerlei Lebenslagen über sein Überwachungssystem beobachtet hat, unbändig angezogen fühlt und ihm trotz aller Rauheit nicht widerstehen kann, lässt sie ihn recht lange im Dunkeln, dass auch sie sich auf Rachefeldzug befindet. Für Raine, die nicht die ist, für die sie sich ausgibt, steht es fest, dass Victor Lazar ihren Vater auf dem Gewissen hat. In der Zwischenzeit aber stürzt sie sich in eine heiße Affaire mit Seth und bemerkt erst einmal nicht, dass Victor nicht so unwissend ist, wie er sich gibt, und auch dessen skrupelose Geschäftspartner Interesse an ihr haben. 

Meine Meinung: 
Nach langer Abstinenz vom Romantic Suspense-Genre, das bei Lyx seit letztem Herbst als Romantic Thrill neuen Auftrieb bekommt, wurde ich eher vom Cover als vom Klappentext verführt. Trotzdem hat "Die Nacht hat viele Augen" monatelang ungelesen in meinem Regal gestanden. Nun habe ich also endlich den Roman in so ansprechender Aufmachung zur Hand genommen. In typischer Lyx-Manier mit bekanntem Wiedererkennungseffekt werden hier äußerlich Romantik, aber auch Spannung suggeriert. 
Was dann zwischen den Buchdeckeln folgt, ist zwar unverkennbar ein Liebesroman, aber wenig romantisch und, und das ist leider der Pferdefuß, ebenso wenig spannend. 
"Die Nacht hat viele Augen" startet mit einem Traum, der Raine seit vielen Jahren verfolgt, sodass man unweigerlich neugierig auf mehr wird. 
Ehe man es sich versieht, wird aber zu Seth geschwenkt, der die junge Frau ganz unverhohlen beobachtet. Schnell wird klar, dass man es nicht mit einem Schmusekater, sondern einem echten Kerl zu tun hat. 
Der ist nämlich nicht nur besessen von seinem Hass auf den Mörder seines Bruders, sondern bald auch von Raine. 
Raine ist ein wunderschöner, beinahe schon klischeehafter fleischgewordener Männertraum mit weiblichen Formen, endlos langem Blondhaar und von höchst fragiler Erscheinung. 
Sie verfällt Seth auch fast auf dem Fuße, und trotz diverser Missverständnisse ist ganz klar, dass sie zueinander gehören.  
Man muss sich allerdings auch im Klaren sein, dass man in "Die Nacht hat viele Augen", das eine spannende kriminalistische Hintergrundgeschichte mit Verrat, Ehebruch, illegalen Geschäften bis hin zum Mord bieten will, trotz des genremäßig vorprogrammierten Happy Ends keine schmachtende Blümchenromanze erwarten sollte. 
Das habe ich auch nicht, dennoch wurde ich überrascht, dass es der Autorin tatsächlich gelungen ist, so viele zwar explizit prickelnde, aber am reinen Erotikgenre noch vorbeischrammende Sexszenen zu produzieren, dass sie damit ihre eigene Geschichte fast ausgeknipst hat. Bereits die erste intime Begegnung nimmt gut und gerne dreißig Seiten ein. 
Normalerweise erhoffe ich mir, dass sich der Spannungs- und Erotikanteil in dieser Art Liebesroman die Waage hält. 
Selbstverständlich darf es zwischen den für einander bestimmten Charakteren knistern und heiß hergehen, besonders wenn es sich um Charaktere handelt, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, dann aber nach und nach Gemeinsamkeiten entdecken. 
Hier allerdings wird es szenisch und sprachlich so kernig heiß, dass die Machenschaften, die sich um den Bösewicht Victor Lazar ranken, der in Sachen Big Bad der Woche sogar nur die zweite Geige spielt, verblassen. 
Positiv anzumerken ist, dass die Entwicklung der Protagonisten nicht leidet und sie ihre intimen Momente quasi nutzen, um mehr voneinander zu erfahren, aber auch, um zu lernen, miteinander umzugehen, sich aus Schemata zu locken und den anderen ansatzweise zu zähmen.
Obwohl ich gerne umfangreiche Bücher lese und mich mit Freuden auf Verwicklungen einlasse, muss ich leider sagen, dass es auf den insgesamt 526 Seiten von "Die Nacht hat viele Augen" viele Passagen gab, die mich gelangweilt haben. Wahrscheinlich wurde dadurch das Gefühl, es bestünden Ungereimtheiten, noch genährt.
Glücklicherweise gewann die Handlung im letzten Drittel endlich an Suspense und wartete mit einigen wenigen Szenen auf, die einem Crime-Seriendrehbuch entsprungen schienen. 
Dass es dabei auch etwas unrealistisch zugeht, wird von der Freude über die neue Dynamik der Handlung und auch die neugefundene Verletzlichkeit der Charaktere schon fast wieder wettgemacht. 
Trotzdem kann Shannon McKennas "Die Nacht hat viele Augen" noch vergleichweise gut abschneiden, denn die Geschichte um Seth und Raine mit all ihren seltsamen Verschiebungen der Prioritäten will gar nicht gefällig sein. 
Die Autorin verblümt nichts und weiß trotz einiger Längen, noch abwechslungsreich zu unterhalten.
"Die Nacht hat viele Augen" ist ein Auftakt zu einer Reihe, die den McCloud-Brüdern gewidmet ist. Da aber besagte Brüder erst gegen Ende des Buches eine wichtigere Rolle einnehmen und die Geschichte um Seth Mackey und Raine Cameron in sich geschlossen ist, dürfte es problemlos möglich sein, diesen Roman vollkommen unabhängig zu lesen.
Außerdem würde ich persönlich Shannon McKennas Roman in die Kategorie Ü18 einordnen.

Mein Fazit: 
Ein Liebesroman, der sich durch deutliche Direktheit auszeichnet und gar nicht jedem gefallen muss oder will, aber leider die angepriesene Spannung nicht von Anfang bis Ende halten kann. 
Fans kerniger Erotik kommen auf alle Fälle auf ihre Kosten, während bedingungslose Liebhaber softer Romanzen mit Bedürfnis nach anheimelnder Harmonie wohl besser die Finger von "Die Nacht hat viele Augen" lassen sollten. 

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen

Kommentare:

Carmen hat gesagt…

Liebe Sinje,

herzlichen Dank für Deine netten Kommentare :-)

Deine Rezension fand ich sehr hilfreich. So kann ich es mir ersparen, diesen Roman zu kaufen. Jemand, der mit Überwachungskameras eine Frau bespannt, zum Helden eines Liebesromans zu machen, finde ich schon sehr schräg. Der Plot spricht mich nicht an.

Sinje hat gesagt…

:D
Ich habe nichts gegen raue Antihelden, aber der war mir zu viel des Guten.
Er spannt ja nur am Anfang, denn bald muss er ja nicht mehr nur gucken.
Mich stört die übertriebene Erotisierung und die Ich-Bezogenheit des Typen.
Vor allem sagt er zwar immer, dass er ihr Freude machen will und v... sie auch um den Verstand, aber trotzdem denkt ER daran, wie es sich anfühlen würde, wenn ER ohne Kondom usw.
Und ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, dass sie ihn achsosehr lieben kann.
Interessanterweise war der Loveletter letztes Jahr voll des Lobes, auch in punkto Spannung, und gerade die habe ich vermisst.
Vielleicht lese ich aber auch nur anders, mit anderen Prioritäten.
Ich lese gerade einen anderen Roman aus dem Romantic Thrill-Programm und bin gespannt, wie sich der anlässt.

Ich wünsch dir eine schöne Woche!
LG
Sinje

Carmen hat gesagt…

Hab ich ganz vergessen: Ich wünsche Dir auch eine schöne Woche!

LG Carmen

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