Samstag, 30. Juli 2011

Juli 2011

Es ist zwar erst der 30. Juli, aber ich tanze den Monatsfazitreigen schon mal vorsichtig an.  Für den 31. steht nämlich ein Dorfereignis an, über das ich gesondert berichten werde, sofern es nicht im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt. 


Der liebe Juli ...

Ich möchte den Juli schon fast als meinen manischen Meckermonat bezeichnen, weil ich dem Beispiel einiger anderer Blogger gefolgt bin, um mir mal Luft zu machen. 
Nur ging es bei mir nicht um die allgemeine Missstimmung in Bloggerland, sondern um meine eigene, die seit langem in mir gebrodelt hat. 

Zum einen verliere ich mehr und mehr die Lust an dem Job, den ich von Kindesbeinen an hatte machen wollen. Auch wenn ich nicht erklären kann, warum, war Übersetzen immer mein Traum. Die Arbeit mit Sprachen reizt und interessiert mich. Aber es macht einfach keinen Spaß mehr, ständig in Zeitfenster gepresst zu werden, die einem die Gelegenheit nehmen, vernünftig zu arbeiten, und einen immer wieder in Verteidigungssituationen versetzen. Die Diskrepanz zwischen Lehre und Realität wird in vielen Bereichen, wie Textsortenrelevanz, Preisen und Terminen, fast schon täglich größer (ich habe in zwölf jahren Berufstätigkeit ganze zwei Zeitungsartikel übersetzen müssen - im Studium täglich; in zwölf Jahren Berufspraxis habe ich noch nie einen vollen Euro pro Zeile verdient, weil Agenturen das in den seltenstenstensten Fällen zahlen können; für fünfhundert Zeilen Vertrag hat man vielleicht zwei Tage Zeit und das ist noch zu lang ...)
Zusätzlich wurde meine Hobbytätigkeit mit weniger freundlichen Worten bedacht. Soweit kein Problem, denn ich möchte ja auch meine Meinung frei heraus sagen. 
Aber angesichts des aktuellen Weltgeschehens, wo täglich unzählige Kinder dem Hungertod geweiht sind oder Fanatiker um sich schießen und nicht nur Leben auslöschen, sondern auch Leben für immer zerstören, verbitte ich mir jegliche Assoziation der Stunden, die ich harmlos am Schreibtisch verbracht habe und verbringe, mit dem Begriff Katastrophe!

Aufgrund dessen habe ich auch das Gefühl, dass ich wieder einmal erklären muss, warum ich das, was ich tue, eben genau so tue, wie ich es tue. Dies übrigens auch im Job, denn zwei Mal habe ich mehrere Stunden mit unbezahlter Wortklauberei verbracht und hätte abschließend dem Kunden gern den Wahrig bzw. den Petit Robert geschenkt.
Jedenfalls werde ich mir schriftlich und mündlich nicht den Mund verbieten lassen, weiter gerne mal Kitsch produzieren und auch weiter (an mir) arbeiten.

Mein manischer Meckermonat war lesetechnisch wieder einmal sehr romanzenlastig. 
Wiederentdeckt habe ich als Zwischendurchlektüre die Julia-Bestseller, und außerdem habe ich mich nach langer Romantic Suspense-Abstinenz wieder an das gewagt, das bei Lyx nun neumodisch Romantic Thrill heißt. 
Mein Regal ist voll mit letztjährigen Neuerscheinungen, die noch gelesen werden wollen.
Es dürfte keine Überraschung sein, dass mich Romantisches deutlich mehr anspricht als Rücksitzerotik. 
Deshalb konnte Shannon McKennas Die Nacht hat viele Augen nur bedingt bei mir punkten, während Gefährlicher Fremder schon mehr für meine Harmoniebedürfnisse geeignet war, aber auf der Spannungsseite leider ebenso versagte.
Trotzdem bin ich nun so angefixt, dass ich direkt mit meinem Romantic-Thrill-SuB weitermache bzw. sehnsüchtig den Briefkasten anstarre, bis endlich der nächste Julia-Bestseller-Sammelband darin liegt, der mir das Regenwetter schönredet. 


Obwohl ich nur vier von fünf Punkten vergeben habe, weil das Buch eigentlich zu kurz und die Übersetzung sich nicht immer treu war, ist mein Buch des Monats Juli eindeutig "Die Poison Diaries" von Maryrose Wood. 

Das ist natürlich insofern eine Überraschung, da ich aus verschiedenen Gründen normalerweise keine Jugendbücher mehr lese. 
Zum ersten Mal seit Langem aber hat mich ein Jugendbuch thematisch so angesprochen, dass ich das "teure" Geld dafür ausgegeben und auch nicht lange ungelesen liegen gelassen habe.
Noch nie habe ich bei einem Buch das Gefühl gehabt, dass es so missverstanden wird wie dieses. 
Sicher, persönlich habe ich schon viele Romane als überschätzt empfunden, weil ich die "nervenaufreibende" Spannung, den "unvergleichlichen" Plot, die "starken" Charaktere oder die "sehnsüchtigste" Liebesgeschichte nicht nachvollziehen konnte. 
Bei "Die Poison Diaries" hingegen habe ich den Eindruck, dass die Zielgruppe so auf routiniert-gefällige Geschichten, die dem berühmten vier-Seiten-Schema folgen, getrimmt ist, dass die Poesie und auch die Abgründigkeit nur von wenigen wahrgenommen und daher als langweilig empfunden werden. 
Wie dem auch sei, mich hat das arglistige Eigenleben der Giftpflanzen und die Ausarbeitung von Jessamines eintönigem Leben, dem durch Weed neue Horizonte und Farben verliehen werden, so überzeugt, dass ich auf jeden Fall zur Fortsetzung dieses Schmuckstücks greifen werde. 

Das war aber auch schon alles, das ich gelesen habe. 
Hach, da bin ich richtig froh, dass ich keine Lesestatistiken machen und Seiten sammle. Ich will ja den Spaß am Lesen nicht (wieder) verlieren. 
Wenn es hier mal richtig still ist, darf man davon ausgehen, dass ich gerade kräftig in die Tasten haue und für die Buchstaben zwischen Buchdeckeln weder Muße noch Muse habe.  

Zu meinem Leidwesen musste ich meine Ausflugsberichte vernachlässigen, was daran lag, dass der Juli ein manischer Matschmonat war und lehrbuchmäßiges Aprilwetter präsentierte. 
Kurz: Wir sind überhaupt nicht ausgeflogen, obwohl Einiges auf dem Plan gestanden hätte. 
Wir haben das graue Wetter deshalb genutzt, um mal wieder zu malen und zu zeichnen, denn mit meiner rauschanfälligen Kamera macht Fotografieren bei dieser Stimmung nicht wirklich Spaß. 

Weitergebastelt habe ich an den Laubkönig-Teasern, die ich jetzt nur noch im Rhythmus von 1 Teaser pro Woche präsentieren werde, da die Arbeit aufgrund meines Zeitmangels und auch aufgrund Materialmangels etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt. 
Die Anthologie hat nun auch ihre eigene Facebook-Seite (klick) und freut sich über "Gefällt mir". 
Generell bin ich ohnehin mehr bei Facebook unterwegs als bei Twitter (und zu dusselig, die Accounts jedes Mal miteinander zu verbinden). 
Bei Freundschaftsanfragen schätze ich im Übrigen ein kleines Sätzchen zur Begründung sehr :-)


Zurück zum Blog:
Während die Suchanfragen an einzelnen Tagen ganz interessant waren, fällt die Monatsstatistik in dieser Hinsicht arg mau aus. 
Da gibt es nichts, das ich mit einem Tipp bedenken könnte. 
Mit russischen Hochzeitsgedichten kann ich ebenso wenig dienen wie mit Kurzgeschichten über den ersten schwulen Kuss.
Geschichten übers Nacktbaden kann ich auch nicht beitragen. Obwohl ... "Seesüchtig" ist ja  noch nicht erschienen. 

Trotzdem werde ich weiterhin ein Auge auf die Suchanfragen haben und auch weiterhin meinen Senf zu allem, was ich lese, abgeben. 
Allerdings werde ich nicht mehr ankündigen, was ich gerade lese bzw. als Nächstes lesen werde, weil ich feststelle, dass ich mich gern einmal spontan umentscheide.

Für den August hoffe ich schlussendlich, dass wir noch etwas Sommer bekommen, der das Schreibgemüt erhellt und uns wieder mal auf Regionalerkundung schickt, damit ich was zu erzählen habe.
(Den Hitze- und Trockenheitsgeplagten wünsche ich natürlich die ersehnten Regengüsse!)

Des Weiteren steht uns eine Einschulung bevor, die mich nervös mit den Zähnen klappern und zahlreiche manische Megaschulsystemfrust-Meckerpostings erahnen lässt. Wir werden sehen ... vielleicht stelle ich das Kaffeetrinken schon einmal prophylaktisch ein. 


Ich wünsche euch einen schönen Juliabschluss und einen reibungslosen Übergang in den August!


Kommentare:

Nazurka hat gesagt…

Huhu!

Wirklich sehr schöner Artikel! Ein Jammer, dass du die Lust an deinem Job verlierst.. Ich hoffe, du kriegst die Kurve und bald wieder mehr Freude daran (wobei sich die Umstände wohl kaum ändern werden.... )
Ich bin überrascht, dass du die "poison Diaries" so gemacht hast! Ich habe mir das Buch nämlich gestern gekauft, aber mehr negative, als positive Kritik gehört! Daher freut es mich umso mehr, dass es dir gefallen hat und werde es sicherlich, sobald ich die Möglichkeit habe, noch einschieben! Ich wünsche dir schöneres Wetter und einen guten Start in den August!

Viele liebe Grüße,
Nazurka

Sinje hat gesagt…

Liebe Nazurka,

manchmal braucht es einfach nur einen schönen Auftrag, der herausfordert und Spaß macht. Wenn sich der Kunde dann auch noch bedankt, ist das schon fast ein Sahnehäubchen. Einfach kleine Erfolgserlebnisse anstatt immer nur Stress, Stress, Stress.

Charlouise von LeseLustLeseLiebe mochte die Poison Diaries übrigens auch :-) Die Gründe für das Pro sind bei uns sogar sehr ähnlich gelagert.
Selbst wenn es dir nicht gefallen sollte, es liest sich bei großer Schrift und großem Zeilenabstand doch flott durch und quält niemanden :D
Mich hat das Giftpflanzenthema sehr interessiert, und ich habe noch lange "zwischen den Zeilen" nachgedacht.
Ich bin gespannt, wie du es finden wirst.

Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende!

LG
Sinje

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