Donnerstag, 7. Juli 2011

Donner(s)tag

Gestrichenes Gedankengeschleuder (ich weiß, was ein Füllsel ist) kann, aber muss nicht beachtet werden. 

Geschichten liebte ich schon, bevor ich selbst ein Wort und mehr lesen konnte. 
Seit 32 erinnerungsfähigen Jahren begleiten mich Berge von Büchern, mit denen ich inzwischen wohl eine Dorfbibliothek gründen könnte. 
Ich liebe sie, weil sie Bücher sind, auch wenn ich nicht immer in himmelhochjauchzendes Freudengeschrei ausgebrochen bin.
Lesen hat mich Geduld und Konzentration gelehrt; vor allem meine Geduld ist nicht so leicht zu erschüttern. 
Berufsbedingt habe ich nicht nur physisch, sondern auch psychisch ein recht dickes Fell - wir sind keine Maschinen, die Texte herunterrattern, und das Nervenkostüm wird wie überall arg strapaziert. 
Deshalb bin ich im Alltag geradezu harmoniesüchtig und habe keinen Bock auf keinen Nerv für Konflikte. 
Dank Pädagogenmutter habe ich nämlich gelernt, das Mädchen (= die Bloggerin) von nebenan zu sein, das sich für andere freuen kann, das Neidzerfressensein gern anderen überlässt und Kritik - intern und extern - in Ruhe überdenkt und verarbeitet. 
Kritisiert und getadelt wurde ich in meinem Leben schon oft, aber ich habe überlebt, vor allem weil ich nicht in illusorischen Galaxien herumtänzele, sondern sehr wohl um meine Schwächen weiß und an mir arbeite. 
Und bevor ein falscher Eindruck entsteht: 
Nein, bei uns wird nicht mit Wattebällchen geworfen. (Och nö, jetzt kommt sie auch noch mit Klischees!) 
Auch bei uns brennt mal die Luft, aber wir sind in der Lage zu argumentieren und Angelegenheiten zu beenden. 
Natürlich nicht mit dem finalen Duell alter Schule, aber Luftmachen ist äußerst gesund (zwar nicht für den Wald, den ich, in Ermangelung real anwesender Personen, ab und an anzuschreien geruhe, jawohl "geruhe").
Ich verbringe meine Freizeit (= Kinderschlafens- und Ich-habe-keine-Lust-zum-Putzen-denn-ich-habe-ein-Leben-Zeit) mit Geschichten in verschiedenster Form
Geschichten sind mein Hobby.
Geschichten wollen in mich hinein und sie wollen aus mir heraus. 
Manche (= die meisten), die aus mir herauswollen, schaffen es gerade bis zur Schublade, und da wird es mittlerweile ganz schön eng. 
Über manche, die sich mir auf bedrucktem Papier, in Form wildvirtueller Buchstaben usw. usf. aufdrängen, ärgere ich mich ab und an. Dann gebe ich meinen Senf dazu ab (neuerdings auch flugs mit Copy + Paste bei Lovelybooks, denn was andere können, kann ich schon lange) und lasse es auf sich beruhen. Ich  habe meine Meinung zum Ausdruck gebracht, und damit ist es gut. 
Leben und Leben lassen, aber irgendwann platzt selbst mir der Kragen.
Es liegt mir fern, die Meinungsbildung anderer zu überwachen und zu besenfen. 
Wie oft habe ich schon den Kopf geschüttelt angesichts der leserischen Leidensfähigkeit in Bezug auf hochgefeierte Reihen, die eigentlich immer eintöniger und schlechter werden.
Daher dackele ich niemandem hinterher, um ihn vor Lesestoff zu warnen und allerorts meine Trauer um die verlorene Lesezeit zu bekunden.
Übersetzern und Autoren spreche ich nicht die Sprachkompetenz ab, nur weil ich mich mit deren Ausdrucksweise nicht anfreunden kann. 
Wir sind alle Individuen. 
Ich bin eben sprachlich gestrig, modernes Denglisch in Wort und Struktur macht meine Sprachpflegerseele krank. 
Trotzdem trage ich einen feschen Kurzhaarschnitt zur Dorfkittelschürze und habe ein Kind, das Märchen megacool findet.
Ich verdächtige Autorinnen nicht eines eintönigen Liebeslebens, nur weil deren dämliche Charaktere wenig szenische Fantasie an den Tag legen. 
(Das ist ein aus der Luft gegriffenes Beispiel, da ich das Kotzthema bereits an anderer Stelle kommentiert habe.)
Ich gebe mich nicht als etwas aus, das ich nicht bin, nur um kostenlos ein Buch, das meiner Freundin nicht gefallen hat, zu erschwindeln erhalten und zu verreißen.
Und ich behaupte auch nicht, dass ich Schriftsteller bin. 
Ich nehme mir nicht das Urteil der Verlagstauglichkeit eines Buches heraus und beschimpfe weder Verlage noch Händler wegen Publikation/Verkauf von Werken, die von den berühmten vier ersten Seiten ganz offensichtlich noch nichts gehört haben. 
Kritik formuliere ich für Verlags- wie auch POD-Publikationen gleich sorgsam und verfalle nicht bei letzteren in Pejorativa (Wikipedia hilft), weil der Selbstveröffentlicher die Literaturwelt belästigt.
Ich fordere nicht tonnenweise Rezensionsexemplare an, um sie dann zu verlosen.
Solange mein Bücherstapel nicht abgetragen ist, fordere und nehme ich nämlich überhaupt keine mehr an.
Und auch wenn mich so mancher Lesestoff dazu anstacheln möchte, unterlasse ich Feldzüge, die schon so offensichtlich sind, dass sie gänzlich Unbeteiligten auffallen  (die die Beteiligten dann netterweise in Kenntnis setzen, weil jene nämlich nicht selbstverliebt Tag für Tag nach sich Ausschau halten!)
Vor allem aber latsche ich höchstselten Spoiler breit und unterstelle Fans auch kein gedungenes (zu altmodisch? Duden und Wahrig sind prima Kumpels) Urteilsvermögen.

Mehr denn je kann heute jeder tun und lassen, was er möchte. 
Beispielsweise übersetzen, ohne Übersetzer zu sein, sich Journalist nennen, ohne eine entsprechende Ausbildung vorweisen zu müssen,  fotografieren, ohne Fotograf zu sein, Schreibkurse absolvieren, Bücher schreiben, ohne diplomierter Schriftsteller zu sein, und auch die Frechheit besitzen, selbst ein Buch zu veröffentlichen, um sich anschließend zum Buslenker rundlutschen zu lassen. 
Leben und leben lassen.

Das Gejammer ist nun aber höchst unprofessionell! 

Ich bin hier, real existent, lese und schreibe nicht im luftleeren Raum.
Auch ich habe eine Meinung und Gefühle. 
Bei allem Harmoniebedürfnis und aller Kritikfähigkeit muss ich gerade heraus sagen, dass ich es hasse, verfolgt zu werden, wo ich rein zufällig einmal vorbeischneie. 
(Muss ich jetzt meine täglichen Blogrunden einstellen, nur um meine Ruhe zu haben?)

Ich habe Ihnen Lebenszeit gestohlen?

Das lag nicht in meiner Absicht. 
Mir war jede Sekunde Lebenszeit in den Jahren intensiver Arbeit kein Verlust.
An Kurzfassungen (und mir) wird gearbeitet. 
Gemächlichkeit und geschwollener Stil gehören in ausgewählten, völlig beabsichtigten Fällen zu mir wie kotzende, blutende, rosarot verklärte Charaktere.

Schwamm drüber!

Sie mögen meine Geschichten nicht? 

Hat das jemand verlangt? 
Ich jedenfalls nicht. 
Selbstveröffentlichung ist kein Heischen nach Zuneigung. 
Ein gewisses Maß an Mäßigung erwarte ich jedoch. 


Schwamm drüber!

Jetzt isse beleidigt! 
Ziel erfüllt, jetzt hört se auf, ihren Mist unters Volk zu bringen.

Mitnichten! Und mitnichten! 

Auch wenn die Hobbyautorin mit Sprachberuf heute mal stellvertretend für alle betroffenen BOD-Mittäter den Mund aufreißt (weil ihr der stille Wald leid tut), werden hier schön weiter Geschichten gelebt. 

Schwamm drüber!

Ich wiederhole: Nun aber endlich mal Schwamm drüber und potenziellen Lesern die Mündigkeit zur eigenen Einschätzung belassen!
Ich empfehle, die mit Kommentaren bei potenziellen Lesern vergeudete Zeit in wertvollere Lektüre zu investieren!

Abschließend kann ich versprechen, dass mein Herzensbaby Nr. 2, der Laubkönig, eine ganz wunderbare Anthologie wird, die jede Sekunde Lese- und Lebenszeit wert ist!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Für das Wort "Pejorativa" gibt es keinen Wiki Artikel. Aber auf der Seite vom Duden, gibt es das Wort.

Günther

Sinje hat gesagt…

Oh stimmt, dort gibt es nur den Singular. Na ja, ein bissel Herausforderung muss schon sein :D

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