Mittwoch, 13. Juli 2011

3 in 1 mit Sandra Marton bei Julia Bestseller

(c) Cora-Verlag
Band 0113 der Julia Bestseller, den ich, wie erwähnt, hier im Zeitschriftenhandel nirgends bekam, ist inzwischen mit der Post eingetrudelt. Ich habe meinen angefangenen Romantic Thrill flugs zur Seite geworfen und mich an die Wochenendlektüre gemacht. 
Es handelt sich wieder um eine Neuauflage bereits im Verlag erschienener Romane, die dieses Mal mit Erscheinungsjahr 2003/04 im englischen Original und 2006 in Deutschland vergleichsweise neu sind. 
Eine Überraschung war für mich, dass wir dieses Mal nicht drei beliebige Romane einer Autorin im Sammelband finden, sondern die ersten drei Teile einer sechsteiligen Familiensaga. 
In "Wie soll ich dir  nur widerstehen?", "Sizilianischer Zauber" und "Eroberung in Kalifornien" widmet sich Sandra Marton, die in ihrer Karriere schon auf mehr als 85 Liebesromane zurückblicken kann, der irischstämmigen Familie O'Connell, die mit 6 Kindern reich gesegnet ist. 
Beim Lesen muss man sich zwar auf neue Settings und Charaktere einstellen, findet aber immer wieder Verknüpfungen zu bekannten Charakteren und Ereignissen. Die drei Romane lassen sich somit als Einheit wunderbar hintereinander weg lesen. Aufgrund der Verbindungen der Geschichten kann ich Spoiler nicht ganz vermeiden, auch wenn diese vielleicht keine echten Spoiler sind, da eben gewisse Dinge genretechnisch vorprogrammiert sind.

So beweist die Erfolgsautorin gleich im Auftaktband "Wie soll ich dir nur widerstehen?" (im Original "Keir O'Connell's Mistress"), dass sie ein Händchen für Reibereien hat. Der Originaltitel verrät bereits, dass es um Keir O'Connell geht. Er ist der älteste Bruder der insgesamt 6 O'Connell-Nachkommen (3 Brüder, 3 Schwestern) und hat beschlossen, nachdem er ad interim das Las-Vegas-Hotel seiner Mutter geführt hatte, sich dem Weinbau zu widmen und dazu ein Restaurant zu führen.
Cassie Berk (Cassandra Berkovic) hatte eine klassische Tanzausbildung hinter sich, sich aber vom Glanz der Revuen in die Wüstenstadt locken lassen. Wie das Leben von Tänzerinnen so manches Mal mitspielt, landete sie nach der Revuekarriere allerdings in einem Stripschuppen und später dann im O'Connellschen Hotel als Bedienung. Weil sie diese Tätigkeit aber nicht ihr Leben lang ausüben will und kann, absolviert sie im Internet eine betriebswirtschaftliche Ausbildung im Gastronomiewesen, sodass sie den leichtbekleideten Job an den Nägel hängt, als sie eine Stellung als Restaurantmanagerin angeboten bekommt. Nach langer Irrfahrt kommt sie schließlich am zukünftigen Arbeitsplatz an und kann gerade noch erleben, wie ihre Vorgängerin überstürzt abreist. Und dann steht sie auch schon ihrem neuen Chef gegenüber: Keir O'Connell. Leider ist er kein Unbekannter, denn beide hatten vor geraumer Zeit ein sehr kurzes Tête-à-Tête, das beide nur allzu gern hinter sich lassen würden. Die lieben Gefühle aber spielen ihnen einen Streich ...

"Wie soll ich dir nur widerstehen?" besteht zu großen Teilen aus heftigen Schlagabtauschen zwischen Keir und Cassie. Wie es das Genre will, sind die Romane selbstverständlich Aschenputtelgeschichten, wo Fußvolk auf High Society trifft, was aber die Gewohnheitsleserin nicht stören dürfte. 
Cassie glaubt, dass sie mit ihrer Stripperkarriere nicht standesgemäß für Keir ist. Er wird von allem, nur nicht seinem Kopf getrieben. So will er sie zunächst postwendend zurückschicken, weil er glaubt, sie hätte sich ihr Diplom erschwindelt. Außerdem traut er seinen Gefühlen nicht. Sie aber setzt alles daran, ihm zu beweisen, dass sie keine kleine Kellnerin ist. Dabei knistert es gewaltig zwischen beiden, und man beginnt langsam die Hoffnung zu verlieren, dass es doch noch etwas werden könnte. Cassie ist aber erfrischenderweise kein schwaches Frauchen, sondern versteht es sehr wohl, den mürrischen Keir, der seine Angestellten in den Wahnsinn treibt, zu zähmen und um den Finger zu wickeln. Und es macht richtig Spaß, das zu lesen. 
Abzug gibt es für die Intimitäten, die in eine seitenlange Szene hineingequetscht werden und dadurch nach Hochleistungssport anmuten. 
Ansonsten aber wird das Genre routiniert mit typischen Eifersüchteleien, kalten Füßen und HEA bedient. 

Flotte Romanze ohne rosarote Schwärmerei, aber mit spürbarer Dynamik zwischen den Charakteren. 






In "Sizilianischer Zauber" (im Original "The Sicilian Surrender") kommt eine Weile nach den Ereignissen aus "Wie soll ich dir nur widerstehen?" Keirs Schwester Fallon O'Connell zum Zug. Sie ist ein gefragtes Fotomodell und wird für einen Auftrag nach Sizilien geschickt. Für ein neues Hochglanzmagazin sollen dort auf einem alten Anwesen Fotos von ihr gemacht werden. Als sie dort ankommt, erwartet sie allerdings nicht das erhoffte Luxusambiente, denn der Hausherr verweigert dem Team den Eintritt in seine Villa. Die Crew darf sich mit Zelt und billigem Hotelzimmer begnügen. Stefano Lucchesi, selbst paparazzischeuer Promi, hat nämlich gar keine Lust auf das Team, das ihm die überkandidelte Neuverlegerin, seine nervige Verflossene Carla, auf den Hals hetzt. Auf diesem Stück Erde, das schon seinen Vorfahren gehörte, will der in Amerika aufgewachsene Italiener einfach seine Ruhe haben. Dass er sich die Vorgänge von Weitem aufmerksam beschaut, hat allerdings mit Fallon zu tun, der er am Flughafen bereits begegnet war. Natürlich gab er sich ihr nicht zu erkennen, und als er sich entschließt, sie kennenzulernen, kommt es zu einem für Fallon folgenschweren Unfall. Nun muss Stefano Fallon beweisen, dass ihm nicht nur ihr Aussehen etwas bedeutet ... 

In "Sizilianischer Zauber" lässt Sandra Marton Fallon Stefano verzaubern. Wieder führt sie einen Konflikt der Charaktere herbei, denn während Stefano aus der Ferne, fast wie ein Voyeur, Fallons Schritte beobachtet und sich von ihrer attraktiven Erscheinung angezogen fühlt, glaubt Fallon, in der Villa gegenüber dem Ätna lebte ein arroganter, egoistischer Schnösel. Genau diesen Eindruck von Oberflächlichkeit kann die junge Frau lange Zeit nicht abschütteln, sodass Spannungen vorprogrammiert sind. Auch als Leser nimmt man Stefano nicht immer ab, dass ihm die inneren Werte wichtig sind. Wie schon in "Wie soll ich dir nur widerstehen?" zeichnen sich auch hier die Charaktere durch zum Teil schon überspitzten, bornierten Stolz aus. Sie wollen sich nicht von anderen abhängig machen und sich ihre Persönlichkeit erhalten. Dabei versuchen sie so manches Mal, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. Dennoch gewinnt Stefano Fallon für sich, und Sandra Marton spielt dann wirklich sizilianischen Zauber aus, indem sie den Ätna ausbrechen lässt (was in Wirklichkeit wahrscheinlich kein bisschen romantisch ist). Bevor aber das erwartete HEA herbeiglühen kann, muss sich Fallon noch ihrer Familie und auch Stefanos Leben stellen, sodass man die endgültige romantische Zusammenführung mit einiger Ungeduld erwartet. 

Dramatische Romanze, die Wert auf die inneren Werte legt, bei allem Beziehungsdrama aber ein bisschen das Ambiente vernachlässigt. 





Cullen O'Connells Geschichte schließt sich an Fallons an, wie sich bereits am Ende von "Sizilianischer Zauber" andeutete. In "Eroberung in Kalifornien" (Englisch: Claiming His Love-Child) reist der erfolgreiche und nicht minder wohlhabende Anwalt von seinem Heim an der Ostküste nach Kalifornien, weil ihn One-Night-Stand Marissa Perez nicht loslässt. Bereits in Sizilien auf Stefanos und Fallons Hochzeit verfolgt ihn die Erinnerung an die Nacht mit der ebenso klugen wie stolzen Jurastudentin. Außerdem möchte man meinen, dass ihm die dritte O'Connell-Hochzeit in zwei Jahren (zuerst wurde die Mutter des Clans neu verheiratet, dann Keir und Cassie und nun Fallon und Stefano) durchaus an die Substanz geht und er sich wohl doch etwas "Festes" wünscht. Er beschließt, einfach mal die Seele baumeln zu lassen und zu verreisen. Obwohl er überall hinfahren/-fliegen könnte, macht er sich auf den Weg nach Kalifornien, um Marissa endgültig aus seinen Gefühlen zu vertreiben (= typisch Mann - ich schlaf nochmal mit ihr, und dann hab ich sie aus meinem Kopf). Dumm nur, dass Cullen Marissa nirgends finden kann, und das hat, wie der Originaltitel reißerisch verrät, einen ganz klitzekleinen Grund. Die so vielversprechende Studentin hat alle Zelte, inkl. ihr Studium, abgebrochen, um sich a) nicht nur nicht den Ruf zu versauen, sondern b) um zu arbeiten und Geld zu verdienen, denn bald wird sie ein hungriges Mündchen zu stopfen haben ... 

"Eroberung in Kalifornien" lässt Eroberung im kämpferischen Sinne quasi zum Programm werden, wofür Sandra Marton tüchtig in die Klischeekiste greift, die von One-Night-Stand-Empfängnis bis hin zum Geschlecht des Nachwuchses gut gefüllt ist. So lässt die Autorin den als Anwalt unbenommen patenten, aber in Liebesdingen absolut linkischen Cullen O'Connell kurz nach Übermittlung der frohen Kunde mit einem alles absichernden Vertrag antanzen. Nachdem in "Sizilianischer Zauber" das Aschenputtelschema unterschwellig in Fallons unfallbedingter vermeintlicher Hilfsbedürftigkeit zum Tragen kam, gibt es hier nun wieder deutliche Standesunterschiede. Marissa, die aus einfachen Verhältnissen stammt und dank einem Stipendium studiert hatte, ist mutterseelenallein, hat inzwischen hart am Leben zu knabbern und schlägt sich mit einem Kellnerinnenjob durch. Trotzdem ist sie stolz und auf ihren Ruf bedacht und lässt sich mitnichten auf das beschämende Angebot ein. Die darauf folgenden Schlagabtausche sind durchaus nachvollziehbar und bringen die geneigte Leserin schnell dazu, Sympathie für Marissa zu empfinden. Cullen stellt sich wirklich dusselig an. Der moralische Zeigefinger der Autorin siegt aber doch, und auch der bierbevorzugende Jurist wird noch weichgemacht. 
Etwas bedauerlich finde ich, dass Sandra Marton sich an ihrem eigenen Thema offenbar nicht die Finger verbrennen will. Während sie in den Vorgängerbänden ihren Charakteren jeweils eine ausgedehnte, nimmermüde Liebesnacht gestattet hatte, müssen Marissa und Cullen zwar nicht darben, aber deutlich zurückstecken. Dafür bleibt den Charakteren aber etwas mehr Zeit, aus ihrer überstürzten Ehe eine Beziehung zu machen.

Moralschwangere Romanze mit sturköpfigen Charakteren, die alles richtig machen wollen, sich aber immer wieder ins Fettnäpfchen manövrieren. 






Sandra Marton lässt sich flott lesen und verzichtet weitestgehend auf zu viel Drumherum. In kurzweiligen Plots, die an typische amerikanische Fernsehserien erinnern, legt sie Wert auf Emotion und attraktive Charaktere, überlässt das Ambiente aber stark der Fantasie der Leserin. Sie bietet keine typischen Frauchen-/Heimchencharaktere, selbst wenn sie sie genrebedingt in Beziehungskonventionen zwängt, die unter Umständen etwas altbacken wirken. Die erotischen Augenblicke bleiben hinter anderen LiRo-Kolleginnen zwar stark zurück, fügen sich aber gut in ihre Geschichten ein.
Kurz: Es wird gestritten und geliebt - keine schlechte Kombination für unbeschwert-anspruchslose Lesestunden für nur 5,95 €.


Neugierig, wie es den anderen O'Connells ergeht, bin ich jetzt allemal.

Weiter geht es mit:
The Sheikh's Convenient Bride (Megan O'Connell - leider habe ich den deutschen Titel dazu nicht finden können)
Spiel der Herzen (The One-Night Wife) (Sean O'Connell)
Der Kuss des Sizilianers (The Sicilian Marriage) (Briana O'Connell)

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