Sonntag, 19. Juni 2011

... über "Meeresblau" von Britta Strauss

"Meeresblau"

Sirenengleich, sinnlich, spannend - einfach berauschend schön!

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Zum Inhalt:
Christopher Jacobsen, charismatischer, eloquenter Meeresbiologe und jüngster und vermutlich auch beliebtester Dozent der Universität von St. Andrews, wird nicht nur vom Tod seiner Eltern aus seinem Alltag gerissen. Als er auf die Isle of Skye zurückkehrt, um für seine noch schulpflichtige Schwester Jeanne zu sorgen, wird eine seltsame Sehnsucht immer stärker. Neben dem immer deutlicher werdenden Ruf des Meeres stellt er allerlei körperliche Veränderungen an sich fest. Während er noch zu verleugnen versucht, dass er anders ist, ahnt Jeanne bereits, dass er dem Meer gehört. Christopher nimmt eine neue Stelle beim einheimischen meeresbiologischen Institut an, wo er Meeresbiologin Maya, nach eigenen Angaben halb Sioux, halb Japanerin, kennenlernt. Sie plant eine Tiefseeexpedition, und er beschließt, sich ihr mit seiner Schwester anzuschließen. Noch bevor sie aufbrechen, kommen sich nicht nur Maya und Christopher näher, sondern erfahren beide auch, wer bzw. was er wirklich ist. Seine Verwandlung, die mit zahlreichen "Nebenwirkungen" einhergeht, die nicht nur ihn in heikle Situationen bringen, nimmt rasant zu, bis er am Ziel, vor der Küste Chiles, der magischen Anziehungskraft seiner wahren Heimat nicht länger widerstehen kann und die letzten Vertreter seiner Spezies ausfindig machen will. Auf einem Schiff voller Meeresexperten sitzen Maya, Jeanne und Christopher als Geheimnisträger außerdem auf einer Zeitbombe aus Hightech-Ausrüstung, sodass es von vornherein ungewiss ist, ob und wie lange Christophers wahre Natur unerkannt bleibt.

Meine Meinung: 
Es gibt Bücher, die mit jeder entzündeten Kerze, jedem Satz eines begeisterten Herzens, jedem Rattern und Knirschen ... mit jedem tiefen Atemzug, jedem Windhauch und jeder Brise Salzwassers das Herzblut der Autorin oder des Autors atmen. Nach Jennifer Benkaus Phoenixfluch, Vanessa Diffenbaughs Die verborgene Sprache der Blumen und Helene Henkes Electrica - Lord des Lichts zählt für mich Britta Strauss' Meeresblau in diesem Jahr zu den Romanen, bei denen man in jedem Wort spürt, wie sehr sie gerade dieses Buch schreiben wollten. 
Die Autorin nimmt sich Zeit, die Zerrissenheit ihres männlichen Hauptcharakters mit den Gefühlen für den weiblichen Gegenpart zu verspinnen, dass man als Leser buchstäblich in den Strudel des Meeres, das seine Heimat sein sollte, und in die immer stärker werdende Zuneigung zu der intelligenten, ebenbürtigen Frau, die ihn (noch) an Land hält, hineingesaugt wird. In schon fast stillem Einverständnis sind die Frau und das Meereswesen, das sich als eine Art Superman-Findling herausstellt, eins, und man bangt und hofft, dass Christopher seine Bestimmung erkennen möge, ohne die Frauen in seinem Leben, Jeanne und Maya, zu verlieren oder zu verletzen
In der ersten Hälfte des Buches, die sich dem Zueinanderfinden der Charaktere und Erkunden der Mythen der Sirenen und von Christophers Herkunft widmet, geht es vergleichsweise romantisch, sinnlich und auch erotisch zu, wobei keiner den anderen unterwirft, sich aber durchaus nimmt, was er braucht. Der Fokus liegt hier deutlich auf Christopher und Maya, und beim Lesen fühlt und sieht man mehr, als dass man stummer Zuhörer von Dialogen ist. Auf diese Weise entsteht unweigerlich Sympathie für die Charaktere und ihre Beziehung.
In der zweiten Hälfte ändern sich logischerweise Szenerie und Umgang, denn dort befinden wir uns auf einem Forschungsschiff. 
Nachdem Maya sich anfangs durchaus selbstbewusst gezeigt hat, war sie doch fraulich und sinnlich. Aufgrund ihrer Herkunft ist sie in der Lage, die wissenschaftliche Abgeklärtheit aufzuweichen und den Glauben an Legenden und Fabelwesen zuzulassen. Sie ist stark genug, Christopher als das, was er ist, zu akzeptieren, auch wenn die Aussicht, ihn für immer an das Meer zu verlieren, sie unendlich schmerzt, sogar mehr noch als die unterschwellige Sorge, neben ihm zu altern und zu verwittern.
Auf dem Schiff aber ist sie der Boss und hat, wie es aussieht, Crew und Studenten im Griff. 
Sie ist erwachsen und kann den Arbeitsplatz problemlos mit einem gescheiterten ehemaligen Beziehungsversuch teilen. 
Der Ton ändert sich deutlich, wird manchmal so rau wie die offene See, die ihren romantischen Touch verliert. 
So wundervoll die Wellen und der Wind auch sein mögen, das Meer ist nun mal eine Herausforderung, die der Mensch wohl nie meistern oder erschließen wird, und ich finde es gut, dass Britta Strauss ihre Geschichte nicht auf ein fröhliches Plantschen im Meer zwischen bunten Fischlein reduziert, sondern die Gefahren, die das Meer birgt, aber auch die Gefährdung des Wasserlebensraumes durch den Menschen nicht unter den Tisch fallen lässt. 
In der zweiten Hälfte zeigt sich Maya als taffe Wissenschaftlerin, die nun angesichts des Equipments übereifrig auf die Idee kommt, Christopher auf Herz und Nieren zu analysieren. Dieser wird glaubhaft und nachvollziehbar langsam immer mehr zum Meermann, schön und faszinierend, aber mit einem Male auch überraschend gefährlich und unendlich sehnsüchtig dem Ruf des Meeres und dem Pflichtbewusstsein gegenüber seinen letzten Artgenossen verfallen, sodass Maya und Jeanne Gefahr laufen, ihn für immer zu verlieren. 
Als es zur Katastrophe kommt, glaubt man, in den unergründlichen Tiefen zu ertrinken.
Auf den letzten Seiten war ich schließlich außer Atem vor lauter Wünschen und Hoffen für Christopher, sein "Volk" und Maya. Man wird verschluckt von Wellen, kämpft mit Christopher gegen das Vergessen, wartet und sehnt mit Maya. 
Aufatmen konnte ich erst mit dem letzten Vers von Jacks Lied (Christophers Vater) auf Seite 245. 
Der Rausch, den "Meeresblau" hinterlassen hat, wird aber noch lange nachhallen.

Kleiner Hinweis: Wie im Sieben-Verlag recht üblich hat auch "Meeresblau" ein breiteres und höheres Sonderformat mit kleinen Seitenrändern, ist sogar geringfügig größer als "Electrica". Dadurch wirkt die Schrift, die in Standardfont und -größe ausgeführt ist, etwas klein, aber auf 248 Seiten passt so wesentlich mehr Text, als man erwarten würde. Man sollte sich davon aber keinesfalls abschrecken lassen! 

Fazit: 
Geheimnisvolle, berauschende Romantasy, die hält, was Andrea Gunscheras sinnlich-blaues Cover verspricht, ohne lahme Klischees auskommt, von Anfang bis Ende mitreißt, zum Träumen einlädt und atemlos macht.

Gesamteindruck: 
5 von 5 Weißdornzweigen


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wow. Vielen, vielen Dank liebe Sinje. Ich bin überglücklich! Du sorgst dafür, dass ich grinsend durch den Tag schlendere.

Britta

Sinje hat gesagt…

Gerne geschehen. Ich war wirklich hin und weg und hoffe, dass sich Meeresblau wie geschnitten Brot verkauft!

Anonym hat gesagt…

Schön wär´s. Schaun wir mal. Allein wegen deiner tollen Rezi hat es sich gelohnt ;o)

Ich wünsche dir was!

Dein Schreibfisch ;o)

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