Sonntag, 26. Juni 2011

... über "Babel 02 - Dämonenfieber" von Cay Winter

Cay Winter

Verhalten dämonische Fortsetzung mit gewöhnungsbedürftiger Dreierbeziehung, aber sympathischem Heimspielbonus

Zum Inhalt:
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"Dämonenfieber" schließt nahtlos an Babel 01. Hexenwut an. Wir erinnern uns, dass die junge Hexe Babel auf Magie zurückgreifen musste, die sie gut und gerne wieder an den Rand der Magiesucht zurückgebracht hätte. Beim Endkampf war sie schwer in Mitleidenschaft gezogen worden und ist nun auf dem Wege der Besserung (auch dank magischer Selbstheilung). Als Babel nun zur Beerdigung der im Vorgängerband verschiedenen Sonja Schubert alias Madame Vendome geht, muss sie erfahren, dass deren Leichnam aus der Gerichtsmedizin verschwunden ist. Das wäre natürlich weniger dramatisch, wenn Babel Madame Vendome bei den Toten erspüren konnte. Wie im Reihenauftakt thematisiert, ist Babel in der Lage, die Toten zu sehen und wahrzunehmen, doch Madame Vendome ist für sie auf dieser Ebene unerreichbar. Es muss also ein Nekromant, ein Totenbeschwörer, in der Stadt sein, der die Verstorbene offenbar zurückzuholen gedenkt. Die Stadt darf sich auf einen Zombie gefasst machen. Als wäre dieser neue Auftrag nicht genug, steht plötzlich Babels Schwester Judith vor ihrer Tür. Im Schlepptau hat sie eine Reihe von Toten, die sich heimsuchend an sie geheftet haben, und ihre neueste Eroberung Auguste, einen Ombre, der angeblich nicht länger den Nekromanten angehört. Da aber weder Babel noch Judith ein glückliches Händchen bei der Männerwahl haben, ist gesundes Misstrauen durchaus angebracht. Während Halbdämon Sam für eine Weile von der Bildfläche verschwunden ist, bittet Babel überdies Tom, bei ihr einzuziehen ... 

Meine Meinung: 
Ich bin zwar ein visueller Mensch, lasse mich aber selten von Covern verführen, weshalb ich ebenso selten auf die Umschlaggestaltung von Büchern eingehe. In diesem Falle muss ich einfach mit dem Cover anfangen, weil ich der Auffassung bin, dass es trotz seiner ansprechenden Gestaltung nicht passt. Während "Hexenwut" noch die Farben und das Geheimnisvolle der Magie reflektierte und das Gesicht der abgebildeten Dame eher im Verborgenen bleibt, schauen wir hier nun einer rassigen Schönheit direkt ins Gesicht. Einen Bezug zum Inhalt kann ich leider nicht erkennen, denn sowohl Babel als auch Judith, die sich als weibliche Hauptcharaktere von "Dämonenfieber" einstufen lassen, sind blond. Babel ist die "Wilde", sozusagen Buffy auf einem Motorrad, Judith aber schon fast die businessmäßig Elegante mit kurzem Haar. Wer auch immer die rassig-gelockte Beauty ist, sie muss einem anderen Plot entsprungen sein. Zudem wirkt die nächtlich illuminierte Stadt deutlich zu großstädtisch, ja beinahe wie eine der Metropolen dieser Welt, während man Cay Winters Setting eher einer ostdeutschen Großstadt zuordnen könnte, die Babel mit ihrer MZ durchstreift. 
Ich hatte große Erwartungen an "Dämonenfieber", weil mir "Hexenwut" trotz kleinerer Abstriche Spaß gemacht hat. Offenbar waren meine Erwartungen zu hoch, denn "Dämonenfieber" erscheint mir weder so farbenfroh noch so augenzwinkernd humorvoll, wie ich "Hexenwut" empfunden hatte. 
Vom Aufbau her folgt diese Fortsetzung dem Auftaktband. 
Wieder beginnt der Roman mit "Damals" und einem frühen Geburtstag Babels, der dieses Mal die Beziehung zu ihrer Schwester in den Vordergrund rückt. Schließlich sollen wir Judith, die bisher nur am Telefon in Erscheinung trat, in Fleisch und Blut kennenlernen. 
Wie in "Hexenwut" schließt sich die Gegenwart an, und am Ende kehren wir wieder zum "Damals" zurück. 
In meinen Augen ist das eine interessante Lösung und hält mich immer bei der Stange, denn man möchte einfach wissen, welche Leichen die Geschwister noch im Keller liegen haben. Leider ist die Damals-Auflösung am Ende von "Dämonenfieber" weniger aufreibend als in "Hexenwut". 
Schade. 
Während ich zu Beginn noch manches Mal geschmunzelt habe, beispielsweise, als Babel dem Polizisten, der sie in falscher Richtung in der Einbahnstraße stoppt, sehr regional authentisch antwortet: "weil hier Gott verdammich noch mal kein Aas langfährt" (Seite 29), flaut das Humorvolle im Laufe des Buches ab. Tom und Babel haben ein paar seltene Schmunzelmomente, aber über den Mittelteil plätschert die Handlung zwar nicht langweilig vor sich hin, aber doch so unspektakulär, dass ich hin und wieder zum Querlesen verführt wurde. 
Außerdem kann ich mit Babels "Beziehungsmodell" nicht viel anfangen und meine, die Gute sollte sich doch mal für einen der beiden Herren entscheiden. 
Sam ist in "Dämonenfieber" erzählerisch nur ein Schatten seines attraktiven, anziehenden Selbst, während ich geneigt bin, Tom den Vorzug zu geben, der Babel tatsächlich aufrichtig zu lieben scheint. Von Beginn an ist er an Babels Seite, sie scheinen eine Beziehung zu haben, und Babel bittet ihn sogar, bei ihr einzuziehen. Leider ist in den entscheidenden Situationen immer Sam der Mann der Stunde, da er Babel wesentlich besser unterstützen kann, und Babel ist jedes Mal wieder hin- und hergerissen zwischen dem Mann aus ihrer Vergangenheit und dem Mann, der ihre Gegenwart und Zukunft sein könnte. 
Zu einer erdenden Konstante hingegen wird Babels AA-Sponsorin Tamy, um die ich mir allerdings Sorgen mache, da sie ja nur ein "Mensch" ist. 
Von Judith konnte ich keinen tiefen Eindruck gewinnen, und ich hoffe, dass sie uns noch einmal begegnen wird.
Meine Abneigung gegenüber Zombies war dem Lesevergnügen leider ebenfalls nicht zuträglich. 
Alles in allem aber sehe ich Fortsetzungspotenzial und werde auf jeden Fall die Geschichte um Babel weiterverfolgen.

Fazit: 
Kurzweiliger Übergangsband, der zwar nicht halten kann, was der Reihenauftakt versprochen hatte, aber genug Raum für Steigerung in Fortsetzungen lässt, denn Babels Geschichte ist längst nicht auserzählt. 
Für eingefleischte Romanzenfans ohne Kompromissbereitschaft weniger zu empfehlen. 

Nach langem Abwägen gelange ich zu einem
Gesamteindruck von:
3 von 5 Weißdornzweigen

Kommentare:

Sandrina hat gesagt…

schöne Rezi :)

Sinje hat gesagt…

Dankeschön :-)

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