Montag, 6. Juni 2011

3 in 1 mit Suzanne Brockmann bei Julia Bestseller

Das Verfolgen von Blogs ist schon eine feine Sache. Immer wieder findet man Autoren, von denen man noch nie etwas gelesen hat. So treffe ich häufig (man frage mich jetzt nur bitte nicht, wo genau) auf die Autorin Suzanne Brockmann, von der ich bis Anfang Mai noch nichts in der Hand hielt. Da Sohnemann samstags nach dem Schwimmunterricht immer eine Lese- bzw. Anschaubelohnung bekommt, griff ich, während er noch abwog, ob er wohl doch lieber Yakari oder Petersson & Findus haben will, einfach mal beherzt in das Cora-Regal des Zeitschriftenhändlers meines Vertrauens. Normalerweise haben es mir ja die Mystery-Hefte angetan, denn die lese ich, mit einigen Unterbrechungen zwar, schon seit fast 20 Jahren. Dieses Mal aber entschied ich mich für die Julia Bestseller, worin drei Romane von, jawoll, Suzanne Brockmann zu finden sind.
Nachdem ich den ganzen Mai über leseunlustig war, habe ich es in den letzten Tagen geschafft, das (man glaubt es kaum) 446 Seiten starke Heft durchzuschmökern.
"Versprechen um Mitternacht", "Dich oder keinen" und "Dunkle Nächte voller Lust" sind drei Kurzromane aus der frühen Schaffensperiode der Autorin, die sich flott im Birkenschatten auf der großen Wiese des Strandbades lesen ließen. Uns begegnen das Jugendliebeklischee neben einem moralischen Zeigefinger und vor allem natürlich die große Liebe, die schneller nicht aus dem Verborgenen gehoben werden kann und selbstverständlich immer in einer Eheschließung mündet (und das ist nicht wirklich ein Spoiler, denn beim Genre gehört das nun einmal dazu), gepaart mit ein paar verhalten prickelnden Erotikszenen. 
Meine bescheidene Meinung gibt es im Anschluss, aber trotzdem finde ich, dass wir bei solch leichter Sommerlektüre nicht päpstlicher als der Papst sein müssen und sich der Brockmann-Dreier gut im Entertainpaket für das Nicht-tatenlos-am-Strand-Herumlungern macht.

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"Versprechen um Mitternacht" heißt im Original "Letters to Kelly", womit der Inhalt schon einmal hübsch zusammengefasst ist. Protagonistin Kelly O'Brian ist 23 Jahre alt, Studentin, hat aber bereits eine unglückliche Ehe hinter sich. In ihrer Freizeit bastelt sie an einem Roman. Eines schönen Tages tritt Tyrone Jackson Winchester der Zweite, Jax, nach sieben Jahren wieder in ihr Leben. Schon als sie ein Teenager gewesen war, hat Jax sie geliebt, musste aber die Finger von ihr lassen, weil sie noch minderjährig war, während er bereits aufs College ging. Nachdem beide nach dem Abschlussball von Kellys Bruder Kevin bei einem Kuss, der zu mehr zu werden drohte, erwischt wurden, verließ Jax sowohl seinen vormals besten Freund Kevin als auch Kelly. Erst Jahre später trafen sie sich auf Kevins Hochzeit wieder, doch da war sie bereits in jugendlichem Leichtsinn verheiratet. Nun steht Jax also vor ihrer Tür, beide sind frei, noch immer ineinander verliebt, aber Kelly kann ihm einfach nicht verzeihen, dass er nicht um sie gekämpft und sie nie von ihm gehört hat. Doch Kelly weiß nicht, was Jax in den Jahren nach dem Ball widerfahren ist, und sie weiß auch nicht, dass Jax hinter dem Pseudonym eines bekannten Autors steht. 

In "Versprechen um Mitternacht" wird die ursprüngliche Beziehung der sechzehnjährigen Kelly und des wesentlich älteren Jax arg auf die geschlechtliche Beziehung reduziert, vor allem weil immer wieder Kevins Vorwürfe und Bedenken thematisiert werden. Dabei geht es Jax nicht einmal um den Sex mit Kelly, denn er muss ja der positive Charakter sein und darf das Gesetz in dieser Hinsicht nicht brechen. Das gehört sich weder im Hinblick auf das Genre noch aus moralischer und rechtlicher Sicht. Kellys Groll und Misstrauen wirken nach sieben Jahren reichlich übertrieben und man möchte meinen, dass das Leben nach dem Teenagerdasein und trotz ehelichen Fehlgriffs weitergeht, ohne der Vergangenheit nachzuhängen, aber die Autorin scheint, wie auch der zweite Roman zeigt, eine Vorliebe für das Zusammenführen von Jugendlieben zu haben. Deshalb lässt sich Kelly auch schließlich darauf ein, dass Jax ihr bei der Verbesserung ihres Romans hilft. Natürlich in einem einsamen Strandhaus. Genauso selbstverständlich, wie Kelly langsam ihre eigens aufgestellten Regeln vergisst, will Jax nichts Geringeres, als sie zu heiraten. Das gehört sich schließlich, und es macht sogar Spaß, zu lesen, wie Jax im Zwiegespräch mit seinen Romancharakteren steht, Kellys Widerstand bricht und ihr letztendlich das dunkle Kapitel seines Lebens anvertraut (indem er ihr die "Briefe an Kelly" zeigt). 

Anspruchslos, aber romantisch und einfach schön für Zwischendurch - trotz des teilweise stark moralisierenden amerikanischen Zeigefingers meine Lieblingsgeschichte in diesem Dreiergespann. 

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"Dich oder keinen" greift, wie erwähnt, das Jugendliebeschema auf. Der Originaltitel "Scenes of Passion" ist auch hier meines Erachtens treffender. Maggie Stanton, Ende 20, liiert und irgendwie auch heiratswillig, nach einem Wohnungsbrand wieder bei den Eltern wohnhaft, ist Anwältin, hegt aber seit der Schule eine Leidenschaft für das Theater. Im Fitnessstudio begegnet sie dem Ex ihrer Schulfreundin, Schauspieler und (vermeintlich) Lebemann Matt, den sie zunächst nicht erkennt. Erst nach einer Weile kommt er auf sie zu, denn er braucht einen Anwalt, der ihm nach dem Tod seines Vaters in seiner Erbschaftsangelegenheit behilflich ist. Hals über Kopf kündigt Maggie ihre Job in einer Kanzlei (und die ist auch noch happy, weil die Zeiten für Anwälte auch ziemlich schlecht sind) und beginnt für Matt zu arbeiten. Um alte Schultheaterzeiten wieder aufleben zu lassen, sprechen beide auch noch beim Sommertheater vor (daher Szenen der Leidenschaft). Während die gesangs- und tanztechnisch talentierte Maggie vom Fleck weg engagiert wird, hat Matt den Stempel "Junkie" auf der Stirn und wird vom Regisseur zu regelmäßigen Drogentests verdonnert. Wie bereits in "Versprechen um Mitternacht" hat die Protagonistin keine Ahnung, was in den vergangenen Jahren mit dem männlichen Part geschehen ist, und der hat in "Dich oder keinen" ein ganz schön schweres Päckchen zu tragen.

"Dich oder keinen" empfand ich als schwächer als den vorangegangenen Roman, was in erster Linie an den Charakteren lag. So konnte ich es zwar nachvollziehen, dass Matt sich für die juristische Seite des Testaments seines Vaters und dessen Firma nicht wirklich interessiert, deswegen hielt ich ihn aber noch lange nicht für unfähig, den Inhalt des Testamentzusatzes zu verstehen. Dass er mit seiner Krankengeschichte nicht hausieren gehen will, verstehe ich auch, aber das er sich durch sein eisernes Schweigen ständig in blöde Situationen bringt, müsste selbst ihm auffallen. Als er dann endlich mal versucht, Maggie reinen Wein einzuschenken, will sie selbstverständlich nicht zuhören. Was ich besonders schade finde, ist, dass dieser Roman eigentlich viel zu kurz ist und bestimmt besser wirkte, wenn die Verwicklungen der Charaktere nicht ganz so kurz kämen. 

Auch thematisch empfand ich "Dich oder keinen" nicht unbedingt als entspannte Sonnenhutlektüre, aber hach, es ist nunmal ein kleiner seichter Liebesroman, der in diesem Paket mit in die Badetasche wandern kann. Die Welt kann so schön heil sein, also wollen wir mal nicht so pingelig sein!







"Dunkle Nächte voller Lust" verspricht im Originaltitel "A Man to Die For" zwar keine dunklen Nächte, aber eine todsichere Beziehungskiste. Protagonistin Caroline "Carrie" Brooks, tätig im Sea Circus (als Wissenschaftlerin oder so, aber das spielt ja sowieso keine Rolle), ist eines Tages einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und findet sich plötzlich zwischen Gangstern wieder. Um sie aus dem Weg zu haben, wird sie von dem - schmacht - attraktiven Carlos in den Kofferraum ihres Autos gesperrt, wo sie später von der (von Carlos gerufenen) Polizei befreit wird. Dem geübten Leser ist natürlich bereits klar, dass Carlos ein Undercover Cop ist, aber wer es angesichts des abgebrochenen Satzes "... ich bin ein ..." noch nicht verstanden hat, wird im darauffolgenden 6-Monats-Zeitsprung aufgeklärt. Carrie hat einfach Pech, denn sechs Monate nach ihrem unfreiwilligen Kofferraumaufenthalt steht sie wieder zwischen Carlos und einem Gangster. Weil sie ihren Mund nicht halten kann, enttarnt sie ihn, der eigentlich Felipe heißt, und muss nun mit ihm zusammen auf die Flucht. Auf der Verfolgungsjagd wird Felipe nicht nur angeschossen, sondern auch von Amors Pfeil getroffen. 


Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Qualität der Romane stetig abnahm, und "Dunkle Nächte voller Lust" habe ich eigentlich nur gelesen, weil ich den Bestseller-Band zuendelesen wollte. Ich bin kein echter Fan kriminalistisch angehauchter Liebesgeschichten (ist das schon Romantic Thrill?), und vieles empfand ich einfach als unrealistisch. Beispielsweise hüpft die sehr selbstbewusste Carrie mit ihrem polizeilichen Entführer in die Kiste, obwohl kaum zwei Seiten vorher beschrieben wurde, dass der arme Mann vor Schmerzen kaum noch ein und aus weiß und sich aufgrund der Antibiotika hundeelend fühlt. Natürlich will er sie danach sofort heiraten. Der Schmachtfaktor und das Herzklopfen fehlten mir hier, wahrscheinlich, weil ich mich über zu viele Dinge aufgeregt habe. Zum einen scheint die Übersetzung der "Dunklen Nächte voller Lust" eher lustlos in Angriff genommen. Apropos Antibiotika: Ich finde es schon sehr interessant, dass in Romanen und Filmen immer ganze Serien von AntibiotikA verschrieben werden. Entweder ist die Abschaffung des deutschen Singulars AntibiotikUM an mir vorbeigegangen oder ich habe einfach nur einen schlechten Arzt, der in den meisten Fällen nur eins verordnet. Außerdem heizen die Protagonisten auf der Verfolgungsjagd mit "sechzig Sachen" dahin, was so gänzlich ohne landestypische Umrechnung in km/h ja wohl ein Witz ist (zumindest gehöre ich zu den Lesern, die Meilen nicht auf Knopfdruck im Kopf umrechnen können). Dazu kommen ein paar Stellen, die ich dummerweise nicht wiederfinde, in denen Einzelwörter kursiv hervorgehoben sind, im Deutschen die Betonung aber auf einem anderen Wort sinnvoller gewesen wäre. 

Für meine Begriffe sehr seifenoperverdächtig und keinesfalls mein Favorit in diesem Dreierbunde, aber längst nicht abschreckend in Bezug auf weitere Leseversuche mit der Autorin Suzanne Brockmann. 



 

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