Montag, 16. Mai 2011

Wochenendausflüge

Normalerweise berichte ich an dieser Stelle unregelmäßig über unsere Sonntagsstreifzüge, aber langsam schlägt bei uns der Aktionismus zu. Wir haben nämlich nicht nur einen Sonntagsstreifzug zu verbuchen, sondern gleich einen Samstags- und einen Sonntagsausflug. 
Wenn ich ehrlich bin, hat es mich nämlich gepackt: Nachdem ich mein Baldschulkind nun als durchaus bildungsbereit einstufe, habe ich beschlossen, uns weiter als bis in den nahegelegenen Wald zu bringen  und gemeinsam mit Kind und Kegel die neue Heimat gründlich, über Stock und Stein, kennenzulernen.
Über die unweit gelegenen Ruine der Grasburg, das Josephskreuz und den Kyffhäuser, aber auch über die Inspirationssuche an der Wüstung Bernecke habe ich - z. T. auch nur in Bildern - bereits berichtet. 
Allerdings bietet die nähere Umgebung in etwas längerer (für Kinderbeine zu weiter) Wanderentfernung bzw. nach kurzer Fahrt noch viel mehr. 
Leider spielte das Wetter nicht so mit, wie wir es gern gehabt hätten. Aber nur wegen potenziell trüben Fotos muss man ja nicht zu Hause bleiben, wenn man ansonsten trocken bleibt. 
Deshalb haben wir also das bildungsbereite, aber -unwillige Kind (O-Ton "Spazieren ist das Blödeste aller Welten!") ins Auto verfrachtet und sind über die umgrünten Landstraßen bis auf den netterweise am Wanderweg angelegten Parkplatz geschippert. Keine 10 Minuten hat's gedauert, bis wir von der faulen Samstagsstube auf den 2 km Wanderweg durch einen der hiesigen Wälder auf zum Bauerngraben marschierten. 
Ich darf hiermit bestätigen, dass sich der Waldmeister dieses besonders pittoresk am Wegesrand gibt und auch die übrige Blütenvegetation zu unseren Füßen ausgesprochen liebreizend anzusehen ist. Zu geschwollen? Das "liebreizend" stammt von meinem Sohn, nachdem er den inneren Schweinehund erfolgreich niedergeknüppelt hatte, und ich finde das wunderbar reizend aus dem Mund eines Sechsjährigen. 
Der Bauerngraben jedenfalls ist ein Schwindenbecken, wovon ich, hätte ich Geographie nicht abgewählt, vielleicht, aber auch nur vielleicht schon einmal gehört hätte. Dieses Becken zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass es sich wie von Geisterhand in einen See verwandelt und dann unbestimmte Zeit später wie von selbiger oder anderer Geisterhand wieder trocken ist. Derzeit befindet sich wohl eher ein Pfützchen im beliebten Ausflugsziel, denn auf diversen Bildern ist schon deutlich mehr Wasser zu sehen, als wir am Samstag fotografieren konnten. 
Wie es der Zufall so will, arbeite ich gerade an einer Kurzgeschichte, in der ein See vorkommt - der Geier oder was Hübscheres weiß zwar, ob ich diese Geschichte je fertig bekomme, aber einen Inspirationsschub habe ich allemal bekommen, ganz egal wie trüb es war. 

Hier habe ich ein paar An- und Aussichten zusammengefummelt, die sich begrenzt vergrößern lassen. Also wie immer bitte Klick auf das Bild für mehr Größe, wenn auch nicht mehr Schärfe. 



Mein Ausflugsdurst war auch am Sonntag noch nicht gestillt, denn ein Vögelchen hatte mir am Telefon geflüstert, es gebe im Südharz unzählige Burgen bzw. Ruinen. 
Was haben wir früher nur ohne das Internet gemacht? 
Hätte ich durchs Dorf laufen und Informationen für Zugezogene einholen müssen? 
Wie dem auch sei, ich habe der Suchmaschine einen Job aufgetragen und gewartet. Schade, dass sie einem nicht auch noch die Entscheidung abnehmen kann. Das hat dann kurzerhand der Imker übernommen und beschlossen, dass wir ins thüringische Neustadt segeln, um die Burgruine Hohnstein zu besichtigen. 
Geringer Fahrtaufwand, aber augenweitendes Ergebnis für die Großen (mit dem Fotoapparat) und den kleinen Ritterfan. 
Geschichtliches erspare ich mir, denn man kann alles beim Hohnsteiner Mittelalterverein nachlesen. 
Selbstverständlich streikten die Kinderfüße erst einmal angesichts des Aufstiegs. Unmut machte sich breit, da half es auch nicht, dass mitten im regionaltypischen Buchenwald plötzlich eine Esskastanie und eine einsame riesige Lärche emporragten. 
Vergessen war der Schmerz jedoch, als das Tor in Sichtweite war und Einlass in die Vergangenheit gewährte. 
Die Burgruine Hohnstein bietet nämlich heute durchaus einen Eindruck von einem Gebäude und besteht nicht nur, wie so manche Ruine, aus ein paar Grundmauern, die für Kinder oftmals nicht greifbar sind.
Deutlich wird die Liebe, mit der man dabei ist, die Anlage zu erhalten und zu sichern. 
Bereits am Eingang ist trampelsicher ein kleiner, ach was, für die Bezeichnung Garten wirklich winziger Kräutergarten angelegt, der aber nun den willkommen heißt, der wachen Auges ist.
Das einzige neue Gebäude, das aber so dezent gestaltet ist, dass es nicht stört, ist das Burgrestaurant, das mit angenehmen Duft nach dem Aufstieg den Magen zu Wortmeldungen aufforderte. 
Ringsum aber befinden sich Fels und alte Gemäuer, von denen aus man eine großartige Aussicht hat. (Wenn mir jetzt noch einer verraten könnte, warum ich immer GemäuSer schreibe anstatt Gemäuer, hätte ich eine Freudsche Sorge weniger.)
Das nebenstehende Panorama wurde vom Imker aufgenommen. Ich fand es so toll, dass ich mich auf keinen Fall mit der Aufnahme brüsten will.  
Selbstverständlich hat es mir der Wind den üblichen Hut vom Kopf geweht und meine neue Kurzhaarfrisur ganz schön zerstrubbelt, aber das gehört hier einfach zum Höhenerlebnis dazu. Wer ist schon auf einem Fleckchen Geschichte eitel? 
Heimatverein und Landkreis sei Dank ist das oben auf dem Fels gelagerte Burgareal inzwischen so gut bereinigt und teilrestauriert, dass man fast schon die Feuerstellen riechen und Gewänder rascheln hören kann. 
Dazu kommt, dass der Besuch nichts außer Kraftstoff und Muskelkraft kostet. 
Man mag es angesichts der horrenden Eintrittspreise, die man hier in der Region in so mancher Sehenswürdigkeit lohnen darf, kaum glauben, dass man dieses Stück Historie (noch) gänzlich unentgeltlich besichtigen kann. Auch dafür gibt es von mir alle Daumen hoch (Kinder- und Männerdaumen gleich mit).
Wen es also einmal in die thüringer Ecke Nordhausen verschlägt, sollte sich einen Ausflug in Richtung Neustadt nicht nehmen lassen (Burgeninteresse natürlich vorausgesetzt), denn dort gibt es neben der Burg Hohnstein noch weitere Burgruinen zu sehen, die wir aber angesichts des drohenden Gewitters nicht mehr auf uns nehmen konnten. 

So voll war unser Wochenende. Schauen wir mal, wohin es uns nächste Woche verschlägt. Vielleicht wird es burgen- und ruinenfrei, vielleicht auch nicht ... Ich lass mich überraschen.

Zum Abschluss gibt es wieder Collagen, damit ich nicht die vielen Bilder einzeln hochladen muss. Ich setze sie auch deshalb ans Ende, weil ich sie hier besser ergänzen kann. Da mein Online-Cineast Ken beim Anblick solcher Anlagen vor Freude Luftsprünge macht (er zeichnet momentan nämlich einen phantastischen Comic mit Mittelalter- und Steampunk-Elementen), werde ich noch ein paar zusammenstellen und nachliefern. 
Es darf also gerne noch einmal hereingeschaut werden. 

 Fortsetzung folgt ...





Kommentare:

Rabenblut hat gesagt…

Ganz wunderbare Bilder, liebe Sinje, da komme ich ins Träumen! Meine Jungs gehören eher zu den fußfaulen Gesellen, es sei denn ich treibe einen Fußball vor ihnen her.;)
Schade, dass ich nicht wirklich in der Nähe wohne, somit wäre das mehr als nur ein Samstags-Sonntags-Ausflug für mich.:)

Liebe Grüße,
Nikola

Sinje hat gesagt…

Liebe Nikola,
unser Querulant meckert immer nur am Anfang und ist hinterher ganz begeistert.
Ich stelle immer wieder fest, dass wir doch eine schöne Urlaubsgegend für all jene sind, die es noch unspektakulär mögen und sich an Grün und kleiner Historie erfreuen. Klar, gibt es an anderen Ecken und Enden auch Ruinen und Natur, aber trotzdem finde ich, dass jede anders ist.
Würde ich nicht hier wohnen, könnte ich mir hier gut eine Woche Ferien vorstellen.
Liebe Grüße
Sinje

Claudia und Joachim (Groschi) hat gesagt…

Tolle Collagen :o)
und schöne Einzelmotive!
Mehr davon :o)

Sinje hat gesagt…

Hallo Claudia und Joachim,
willkommen bei mir und danke für den netten Kommentar.
Ich habe euch mal in meine Blogroll genommen, denn ihr habt ja auch wirklich einen schönen Blog!
Liebe Grüße
Sinje

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