Montag, 16. Mai 2011

... Regen, Regen, Regen ...

Man möchte ja meinen, der Regen habe eine reinigende Wirkung. 
Hat er auch, wenn es mal über Tage so richtig schüttet, dass kein Pollen trocken bleibt. 
Wir aber haben seit Tagen das Gefühl, es säße ein unsichtbares Wesen an einem Schalter, den es nach Gutdünken betätigt, und sei es auch nur für eine Sekunde. 
Dann schmeißt es sich offenbar den Bauch vor Lachen haltend zurück und beobachtet, wie ich von der nächsten Pollenattacke heimgesucht werde. 
Herzchen, sei doch so lieb und leg den Schalter mal für eine halbe Stunde am Stück um oder lass einfach die Finger davon!
Ich wüsste nämlich nicht, wem ich auf den Schlips getrampelt sein könnte. 
Damit dieser Post nicht auch  noch verjammert verregnet wird, illustriere ich ihn vorsorglich mit ein paar Nach-dem-Regen-Blumen.
Aber weiter im Text: 
Dauerkopfschmerzen und Leseunlust verhinderten also, dass ich das Blogger-Desaster der letzten Woche am eigenen Leib mitbekommen habe. 
Sollte jemand das Gefühl haben, sein Kommentar sei nicht angekommen, bitte ich um nochmaligen Versuch, denn unbearbeitete Kommentare werden mir momentan nicht angezeigt. Aber im Zeitalter des Internets weiß man ja nie ...
Ebenso habe ich es deshalb unterlassen, über die bevorstehende Einführung des neuen Jugend-Imprints "Ink" bei Egmont zu berichten, was mir ohnehin meine Blognachbarn zahlreich abgenommen haben.  Für Informationen besuche man flugs die Verlagswebsite [klick].
Angesichts der Wasserlaunen habe ich aber nachgesonnen, was wohl an Regen so faszinierend sein könnte, dass man immer und überall darüber schreibt. Nun gut, diese Aussage mag überzogen klingen, denn die Beispiele, die mir einfielen, eignen sich nicht zur Massenansammlung.
Wenn ich an Regen in der Literatur denke, sehe ich vor meinem geistigen Auge immer eine Szene aus Gisela Richter Rostalskis "Ich liebe Victor". 
Da ich das Buch zu meinem Leidwesen nicht besitze, sondern im einschlägigen Alter nur (Achtung: Untertreibung) fünf Mal aus der Bibliothek ausgeliehen hatte, bin ich heute allerdings nicht mehr sicher, ob die Szene mit der im Nachthemd im Sommerregen tanzenden Protagonistin tatsächlich aus dem Buch oder dem gleichnamigen Film stammt. 
Aufklärung nehme ich gern entgegen. 
Während ich noch nachgrübele, ob es sich um eine Film- oder Buchszene handelt, schleicht sich sofort Wolf Spillners DDR-Jugendklassiker "Wasseramsel. Die Geschichte von Ulla und Winfried." ein (irgendwie pinseln mich die Namen nach 23 Jahren (gekauft 1988) plötzlich mit einem breiten Grinsen an, das die frechen Amazon-Gebraucht-Preise gleich wieder verrecken lassen - in diesem Falle geht ein klares "Ja" an ebay). 
In diesem - im Übrigen, wie damals üblich, illustrierten - Jugendbuch gibt es eine Szene, in der die beiden jugendlichen Protagonisten bei einem Waldspaziergang von einem Schauer überrascht werden und der gute Winfried Partien an Ulla erkennt, die ihm vorher weniger interessant schienen. Regennasse (hier natürlich vorsichtige, jugendtaugliche) Erotik ist somit nichts Innovatives. 
Blöderweise will mir partout nicht einfallen, ob es in meinen beiden Nostalgiebüchern schlechthin, "Die unromantische Annerose" und "Aufforderung zum Tanz" einschlägige Regenszenen gibt. Ich schäme mich schon vorab eine Runde und werde bei Gelegenheit einmal nachschauen. 
Mein nächstes Zeitraubprojekt ist somit geboren: Durchforste Bücher, die du irgendwann einmal gelesen hast, und finde heraus, welche Rolle Regen dort spielt und berichte an anderer Stelle erneut darüber! Oder vergiss es einfach wieder, wenn dieses Aprilwetter zur besten Eisheiligenzeit endlich ein Ende hat.
Eine neuerliche literarische Regen-Erinnerung (Verzeihung, liebe Duden-Sprachberatung, aber dieser Bindestrich muss jetzt einfach sein) stammt aus Jennifer Benkaus "Phoenixfluch". Als ich gefühlsmäßig in Bezug auf Regen gefroren habe wie ein Schneider, schafft sie es, eine Szene zu produzieren, die so intensiv ist, dass jeder Nieser im Keim erstickt wird.
Und während ich im Geiste nach weiteren Beispielen grabe, fällt mir auf, dass ich auch ständig über Regen schreibe. 
Vermutlich liegt das tatsächlich an der viel beschrienen reinigenden Wirkung. In "Blutsuche" gibt es zwei Regenszenen. 
Eine, in der die Protagonistin Anne ein sehr peinliches Erlebnis hat, weshalb dieses auch so detailliert beschrieben ist, und eine, in der der Regen ihre Tränen übernimmt und in Sturzbächen daherkommt, um ihre verrückte Gefühlswelt zu reflektieren. Beide Male ist der Regen quasi ein Neuanfang.
Auch meine Kurzgeschichte "(Nimmer)Wiedersehen" startet mit Regen, der an dieser Stelle aber eher verunsichert und straft, aber nicht reinigen kann. 
In meiner Kurzgeschichte "Neuanfang" regnet es ebenfalls, aber dort ist er kein stilistisches Mittel, sondern mysteriöserweise ein Fakt, der die depressive Stimmung nur noch unterstützt.

Damit es hier mal wieder ein bisschen Interaktion gibt, denn ich plaudere ja so gerne, freue ich mich natürlich über eure Gedanken zum Regen in der Literatur. Beispiele wie auch Gedanken zur Symbolik sind willkommen. 

Selbst wenn im Sommer wahrscheinlich kein Mensch über Regen lesen will, werde ich auf ihn zurückkommen. 

In verschnupfter, aber fröhlicher Stimmung wünsche ich euch einen guten Start in die nächste Maiwoche!

Kommentare:

Carmen hat gesagt…

Gegen Frust und Unlust habe ich gerade einen Kuchen "gebacken" (er muss nicht in den Ofen, nur in den Kühlschrank, daher die Anführungszeichen).

Ansonsten freue ich mich über Deinen Kommentar beim Grüntee. Wir lesen uns wohl gerade synchron :-)

Sinje hat gesagt…

Das klingt sehr lecker. Ich kenne auch noch einen backfreien Quark- bzw. neumodisch kalorienbewusst Joghurtkuchen, der brav im Kühlschrank garen durfte. Sehr sommerlich. Ich lad mich ein.
Ich komm noch mal rüber zu dir zum Rhabarber.

Carmen hat gesagt…

Dubidu ... Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz (äh Prinzessin )... Bin mir nicht sicher, ob Du den neuen Kuchen mögen wirst, aber wenn ich den Blogpost erstelle, werde ich mir eine alkoholfreie Variante überlegen.

Der Rhabarberkuchen ist leider schon verspeist ;-)

Sinje hat gesagt…

Ach, das ist ein Kuchen nur für die Großen? Das macht nichts, das muss auch mal sein. Pfefferminz macht aber schon mal einen frischen Eindruck.

Wenn der Phabarber weg ist, hole ich mir jetzt mal einen tiefgefrorenen Joghurt :)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...