Donnerstag, 19. Mai 2011

Leseprobe aus "Blutsuche" - Prolog

Man darf nicht denken, dass ich absichtlich mit Leseproben aus "Blutsuche" spare, weil ich zum Buchkauf zwingen will. Das ist nämlich ganz und gar nicht der Fall. Aber mit BOD ist das immer so eine Sache. Zum einen ist nämlich im Autorenvertrag festgelegt, dass man BOD das Recht auf Veröffentlichung von Leseproben einräumt. Und zum anderen darf schlichtweg nicht zu viel unentgeltlich zu lesen sein. Da beißt sich zwar die Katze in den Schwanz, denn man kann "Search Inside!" und Co. mitbuchen, die dann mit etwas Geschick im Zweifel auch das komplette Buch lesbar machen. Nach einer heißen Diskussion im Autorenpool habe ich eine Zubuchung dieser Option unterlassen.

Da nun aber mein Stil vielen zu antiquiert, geschwollen und behäbig ist, was unter anderem an meinem Hang zur Verwendung des Konjunktiv II in seiner Funktion als Irrealis liegt, der meines Wissens bislang nicht offiziell abgeschafft wurde, habe ich mich entschlossen, nun doch noch ein paar mehr Leseproben zu veröffentlichen als die einzelne, die bislang im Netz zu finden ist. 

Hier ist also der Prolog. (Ich habe ihn aus dem Buchblock kopiert. Wenn die Schrift nicht richtig angezeigt wird, bitte ich um kurze Information!)

Mein letzter Tag, meine letzte Nacht, ist gekommen. Zur Nacht­stunde, in der ein Tag stirbt und ein neuer geboren wird, im für uns sicheren Dunkel, gab es uns beide, waren wir einander nah. Wenn der Tag im Lichte steht, werde ich gegangen und Du allein sein. Deine Dunkelheit wird fortdauern, wenn meine vorüber ist.
Meine Brust schmerzt, als zerbräche mein Herz in Tausende Scherben, die sich durch mein Inneres schneiden, mich ausbluten wollen, doch dies genügte nicht, mein Leben zu beenden.
Am Tage, vielleicht noch dann, wenn die Wintersonne die Schiefer meines ge­liebten Heims zum Glitzern bringt, wirst Du erwachen, und ich werde Dich verlassen haben.
Gestern, heute, allezeit habe ich gewusst, welches Leid ich Dir nun zufügen muss.
Ich kann nicht erwarten, dass Du mich verstehst. Du kennst mich. Du siehst in mich hinein. Jede Sekunde, die ich Dir nahe bin. Jede Sekunde, in der ich Dir fern bin. Dennoch verstehen wir beide nicht, wer ich bin und welcher Kummer mir angeboren ist.
Diese Zeilen sollen für Dich sein, sie sollen Dich mit meinen Augen sehen las­sen, was Du im Lichte des Tages nie hast sehen dürfen.
Trag mich im Herzen.
Deine Augen sind geschlossen, und der Mondschein, dem ich nur durch einen Spalt der Balkontür Einlass gewährt habe, spielt mit Deinem nackten Körper, der weder Hitze noch Kälte empfinden kann. Eben noch haben wir uns geliebt, aus vollem Herzen, halbherzig. Meine Gedanken bei Dir und doch so fern.
Ich habe Dich in einen Schlaf verbannt, Schlaf, den Du nicht benötigst. Schlaf, der Dir die Fähigkeit nimmt, in meinen Geist zu dringen.
Schlaf, Liebster.
Träum von unseren letzten Stunden.
Genieß uns ein letztes Mal.
Ich spüre in dieser Stunde den Schmerz, den Du bald, sei es am Tage oder im Dunkel der Nacht, empfinden wirst, ebenso wie Deine Wut, Deine Verzweif­lung.
Du liebst mich. Das habe ich immer gewusst, selbst in den Augenblicken verwirrender Angst und Unsicherheit. Jede Faser meines Körpers, mein Geist, mein gesamtes Ich verzehren sich nach Dir.
Ich liebe Dich. Vergiss das nie. Ich werde immer bei Dir sein, auch wenn ich Dich verlassen habe. Ich verdanke Dir alles, mein Leben, mein Selbst.
Du warst mein Winter, ich Dein Sommer, bis wir an jenem Tage im Winter vereint wurden.
Du wärmtest mich mit Deinen kühlen Armen, ertrugst meine Launen und Ausbrüche, die so gar nicht zu mir gehören.
Ich liebe Dich. Doch ich kann nicht bleiben.
Für mich allein – ohne Dich zu fragen, Dir zu erlauben, mir nahezukommen – habe ich erkannt, dass wir einander nicht genug sein können und ich die Ver­antwortung nicht von mir gleiten lassen kann, so sehr ich es mir auch wünsche.
Die Einsamkeit, die meine Seele verbrannte, als Du in mein Leben tratest, ist zurückgekehrt.
Ich bin unfähig, dieses Leben weiterzuleben, jeglicher Alternative beraubt.
Meine Suche ist zu Ende. Nach kurzer Zeit, die mir wie eine Ewigkeit er­scheint, bin ich zurück an meinem Ausgangspunkt. Hier begann mein Leben. Hier verließ ich mein altes Leben, um Deines zu teilen. Hier wird mein neues heute enden.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wann gibt es Teil 2 von Blutsuche ??????

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