Samstag, 21. Mai 2011

Ein Glöckchen im Grünen

Bevor ich demnächst wieder tiefgehend öffentlich sinniere und außerdem meinem Herzen Luft mache, habe ich heute ein weiteres Bild aus der Maifotokiste geholt - zusammen mit ein paar Erinnerungen. 
Hach, da ist man knapp 2 Wochen 35 und schon kommt ein Hammerschlag Melancholie.

Wenn ich Maiglöckchen sehe, muss ich meistens an die Waldspaziergänge mit meinem Vater denken. Er war ein wahres Füllhorn an Naturwissen, vor allem kannte er wahrscheinlich jeden Pilz (kein Wunder, er war ja Pilzberater). Während ich allerdings inzwischen von den 200 Pilzen, die ich im Vorschul- und frühen Schulalter so im Vorbeigehen bei Streifzügen durch die heimischen Wälder im Geiste mitgenommen habe, etwa 190 wieder vergessen habe, kann ich mich noch gut an die Geschichten erinnern, die er hin und wieder erzählte. 

Wir haben die Umgebung meiner Kindheit so oft zu Fuß durchstreift, dass ich manchmal denke, ich müsse alles doppelt und dreifach gesehen und erlebt haben. 
Dann aber fällt mir ein, dass es Orte gibt, die nur einen Steinwurf entfernt scheinen, ich sie aber trotzdem nur einmal aufgesucht habe. 
Ein solcher Ort ist der Waldteich, den ich in meiner Heimat wahrscheinlich nicht mehr wiederfinden würde (Memo an mich: beim nächsten Besuch in Thüringen auf Waldteichsuche gehen). 
Eben diesen Waldteich verbinde ich mit Maiglöckchen, denn der angrenzende Wald war voll davon. 
Noch heute sehe ich den grünen Teppich mit den weißen Glöckchen und erinnere mich ganz genau, dass es dort war, dass mir mein Vater erzählt hat, dass Maiglöckchen giftig, aber in ganz kleinen Mengen in seiner Medizin sind und seinem Herzen helfen. 
Wir saßen auf der alten Holzbank -Schussel, wie ich schon immer war, habe ich mir einen Splitter eingezogen - ich habe mich an sein kariertes Hemd gekuschelt und ihm zugehört, was er über den Teich und seine Geheimnisse zu berichten wusste. 
Während der Wind durch die Bäume strich und der Teich leise schmatzte, habe ich mit geschlossenen Augen von fantastischen Wasserwelten geträumt.
Vielleicht werde ich eines nahen oder fernen Tages über sie schreiben. 

Kommentare:

Natira hat gesagt…

Nachträglich noch herzliche Glückwünsche und alles Gute zum Geburtstag, liebe Sinje!

Sich so in Erinnerungen treiben zu lassen ist schön - auch wenn sie melancholisch eingefärbt sind. Ich sehe Deinen Vater und Dich gerade an diesem Teich sitzen ...

Sinje hat gesagt…

Dankeschön, liebe Natira.
Ja, manchmal muss man sich einfach treiben lassen. Ich finde es auch immer schön, wenn man für Erinnerungen Anknüpfungspunkte hat, die immer wiederkehren.

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