Dienstag, 5. April 2011

... über "Wenn nicht jetzt, wann dann?" von Astrid Ruppert

Astrid Ruppert
Wenn nicht jetzt, wann dann?


Drei Generationen Frau = drei Vorstellungen vom Heiraten. 
Eine liebenswerte Suche nach dem Glück im Fernsehfilmstil

Klappentext
Annemie war lange verheiratet. Zu lange. 

Liz ist fest davon überzeugt, dass sie niemals heiraten wird. Nie. 

Nina glaubt, dass sie bald heiraten wird. Sehr bald. 

Doch als die drei Frauen sich durch Zufall begegnen, kommt alles anders. 

Zum Inhalt
Liz Baumgarten ist von der Liebe desillusioniert, hat sie doch ihren Holden kurz vor der Traumhochzeit mit der langjährig besten Freundin inflagranti erwischt. Aus der Not machte sie sozusagen eine Tugend und verkaufte ihre eigene abgesagte Hochzeit an andere Heiratswillige. Weil das so gut klappte und sie sogar weiterempfohlen wurde, verdient sie inzwischen ihr Geld als Hochzeitsplanerin im eigenem Geschäft "Hochzeitsfieber". Während sie die Mädchenträume oder Zweckbünde anderer organisiert, glaubt sie nicht daran, sich noch einmal auf einen Mann einlassen zu können. Geschäftig radelt sie also in ihrer Funktion als Hochzeitsplanerin umher und baut dabei prompt einen Unfall. Mit Folgen: Liz muss ins Krankenhaus, und schon zeigt sich, dass man als Alleinunternehmer ohne Mitarbeiter ganz schön aufgeschmissen ist, wenn sich denn mal ein Zwischenfall ereignet. 
Da die eigene Mutter (wegen emotionaler Stützbedürftigkeit und Zerfließens in Selbstmitleid) und die (alleinerziehende) Schwester (mit drei Kindern) als Aushilfe ausfallen, ruft Liz in ihrer Not Frau Hummel - Annemie - zu Hilfe. 
Annemie ist Liz' Nachbarin und hat ihr schon den einen oder anderen Kuchen für ihre Kundschaft gebacken. Annemie Hummel, seit ein paar Jahren verwitwet, lebt seit ihrer eigenen Eheschließung in derselben Wohnung und findet ihre einzige große Freude im Backen. Obwohl sie früher in einer Bäckerei gearbeitet hat, hat sie doch lieber ihre Ruhe und wird natürlich von Liz' Anliegen mächtig überrumpelt. Während Liz ein recht chaotischer Mensch ist, hat es Annemie gern ordentlich und vor allem ist sie trotz ihrer Ehe, die sich schon bald nach der mickrigen Hochzeit als Gegenteil dessen, das sie sich erträumt hatte, herausgestellt hatte, noch durch und durch Romantikerin. Zudem ist sie schon sechzig und kann mit all dem "Neumodischen" nicht viel anfangen. Weil sie aber im Grunde ein mütterlicher Typ ist, kann sie Liz' Bitte nicht abschlagen und begibt sich also, in altbackener Aufmachung, in Liz' Geschäft, um dort anstelle der Chefin einen Termin wahrzunehmen. 
Dieser Termin ist Nina Winter, die Tochter des angesehenen Juweliers Winter, und somit nicht nur für den Zukünftigen, sondern auch für Liz' Geschäft ein guter Fang. Auf den ersten Blick zählt Nina zu jenen jungen Frauen, die Anfang 20 ihr gesamtes Leben bereits durchgeplant haben. Sie will jetzt, eben mit Anfang 20, heiraten und schnellstmöglich Kinder in die Welt setzen, damit sie mit 40 wieder frei für die großen Weltreisen ist. Dem Zukünftigen Fabian, der als Goldschmied im Hause Winter tätig ist, bleibt nicht viel Entscheidungsraum, denn Nina weiß genau, was sie will. Deshalb ist sie auch zunächst einigermaßen pikiert, als sie und ihr (alleinerziehender) Vater Claus Winter eben nicht die erwartete junge Frau Baumgarten antreffen, sondern Frau Hummel. Ninas Vater hingegen fühlt sich nicht nur von Annemies Lebenserfahrung, sondern auch ihren blauen Augen angesprochen. 
Während Annemie Hummel nun pflichtbewusst Nina nebst Claus versorgt und Wünsche in allen Belangen der Eheschließung festhält, liegt Liz im Krankenhaus und muss zu allem Überfluss auch noch operiert werden. 
Dr. Simon Friedrich, zuständiger Orthopäde, lässt diese weniger erfreuliche Aussicht allerdings nicht mehr ganz so trüb aussehen ...

Meine Meinung
Astrid Ruppert hat meiner Meinung nach einen leichten 90-Minuten-Fernsehfilm zu Papier gebracht, der alles zu bieten hat, was man üblicherweise von ungezwungener Unterhaltung erwartet. 
Mit den drei Hauptcharakteren Annemie, Liz und Nina bietet sie für drei Alterklassen Identifikationspotenzial, wobei aber alle drei mit dem notwendigen generationsübergreifenden dramatischen Gepäck ausgestattet sind. 
Die Autorin ist bemüht, jeder der drei Damen gleichberechtigt Raum in der Geschichte zu schaffen, denn schließlich soll für alle das Motto "Wenn nicht jetzt, wann dann?" gelten.  
So wechseln die Perspektiven regelmäßig, sodass der Leser zunächst in Annemies Wohnung ist, dann mit Liz auf dem Rad durch die Stadt fährt oder eben mit Nina im Büro sitzt.  Hinzu kommt außerdem der Blickwinkel der beteiligten Herren. So mutet die Geschichte insgesamt ein wenig episodenhaft an, erlaubt aber auch, hinter alle Kulissen zu schauen, was ohne Perspektivwechsel natürlich nicht möglich wäre. 
Auch wenn die Autorin die Charaktere in diesen verschiedenen Perspektiven zusammenführt - übrigens begegnen sich Liz und Nina gar nicht persönlich  - war ich immer auf Seiten der Annemie, obwohl sie wohl altersmäßig eher meiner Mutter nahekommt, denn ich fand weder zu Liz noch zu Nina recht Zugang.  
Aufgrund des Erklärungsbedarfs, den es zu jeder Figur nun einmal gibt, hat das Buch einige Längen, die andererseits auch wieder wie kleine Rückblenden im Film wirken. Trotzdem wird damit nur an der Oberfläche der Charaktere gekratzt, die dann auf den letzten Seiten schon fast im Schnelldurchlauf ratzfatz ihre Verwicklungen entwirren. Natürlich nicht ohne den üblichen Eklat vorneweg.
Die Sprache ist unkompliziert und locker, und manches Mal musste ich angesichts der Wortschöpfungen schmunzeln, die wirklich voll und ganz zu Annemie, die "Locations" noch nicht einmal aussprechen kann, passten. 
Alles in allem kam aber die frühlingshaft angedachte Leichtigkeit bei mir nicht so recht an, sodass "Wenn nicht jetzt, wann dann?" für mich eher eine unspektakuläre Zwischenlektüre bleibt, die man aber durchaus auch einmal braucht. 

Fazit: 
"Wenn nicht jetzt, wann dann?" ist eine vorhersehbare, unkomplizierte Geschichte für Zwischendurch, die vom Verlieren und Wiederfinden der Liebe unabhängig vom Alter erzählt und vor allem Frauen gefallen sollte. Dem luftig gestalteten Buchumschlag entsprechend eine passende Frühlingsgeschichte, die man im Herbst aber schon wieder vergessen haben dürfte. 

Deshalb bleibt bei mir ein Gesamteindruck von nur 
3 von 5 Weißdornzweigen




Vielen Dank an das Team von Vorablesen und den Verlag Marion von Schröder für das Leseexemplar!

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