Montag, 11. April 2011

Nichts geschrieben, aber geguckt ...

Nachdem "buchstabenmüde" bald mein zweiter Vorname wird, kann ich an dieser Stelle wieder einmal nichts von Schreibfortschritten berichten. Dafür habe ich mal wieder in die Filmkiste geschaut. 

Zunächst hatte ich noch die Absicht, mich mit etwas Romantischen in romantische Schreibstimmung zu bringen, und deshalb "Die Dornenvögel" eingeworfen. Die bekannte Geschichte um Meggie und Pater Ralph de Bricassart brachte mich aber im DVD-Marathon wie schon so viele Male zuvor zuerst in Rage ("I love God more"), weil ich mich bereits vor einer Ewigkeit, als ich das Buch gelesen habe, darüber aufgeregt habe, wie man den eigenen Ehrgeiz vor die Liebe stellen kann, und zwar ganz unabhängig von Religion. Andererseits aber kann die Film-Meggie, so sehr man sich auch auf ihre Seite schlagen möchte, mit ihrer oft sehr verbittert-beleidigenden Art nicht voll und ganz bei mir punkten. Nachdem diese erste Rage, die ich erwartet hatte, verflogen war, saß ich auch schon im ebenso erwarteten Taschentuchberg und hatte zu tun, die Sturzbäche aufzufangen. Damit wähnte ich mich erst recht nicht in passender Schreibstimmung, dachte aber, wenn die Tränendrüsen schon die Gargoyles der Seele sind, sollen sie doch mal ordentlich ihren Dienst tun und hübsch aufräumen. Gedacht, getan, und das Midquel "Die Dornenvögel - die fehlenden Jahre" eingeworfen, denn die filmische Umsetzung kannte ich noch nicht. Die Entscheidung war zwar gut für meinen körpereigenen Wasserhaushalt, aber schlecht für den Filmgenuss. Zum einen, weil meine DVD nur eine deutsche Tonspur umfasst, was mich nach vier Teilen der Dornenvögel in Spielfilmlänge und englischem Originalton nicht nur einigermaßen irritierte, sondern auch mächtig nervte. Zum anderen aber ist diese Verfilmung, die ich in die Kategorien "WTF" und "Geldmacherei" einstufen möchte, nicht nur dank kompletter Umbesetzung, ausgenommen Richard Chamberlain, der wieder den Ralph de Bricassart gab, für den er aber zu diesem Zeitpunkt schon zu alt war, ein Fehlschlag. Inkonsistenzen gegenüber dem ursprünglichen Mehrteiler runden das maue Bild ab, sodass ich am Ende meine Taschentücher wieder einpacken und für die nächste Heuschnupfenattacke aufsparen konnte. 

Nicht auf DVD, aber im Fernsehen, nämlich auf Arte, gab es letzte Woche Plötzlich im letzten Sommer mit Elizabeth Taylor, Katharine Hepburn und Monty Clift. Der Film aus dem Jahr 1959 basiert auf Tennessee Williams gleichnamigen Bühnenstück (Suddenly, last summer) und wurde im englischen Original mit Untertiteln gezeigt (Daumen hoch dafür!). 
Gehirnchirurg Dr. Cukrowicz (dargestellt von Montgomery Clift) muss in der Anstalt "Lions View" unter den unmöglichsten Bedingungen Operationen vornehmen und würde am liebsten alles hinschmeißen. Da kommt das Angebot der wohlhabenden Mrs. Venable (Katharine Hepburn) scheinbar genau zur rechten Zeit: Für eine sehr großzügige Spende soll er ihre Nichte Catherine operieren. Mrs. Venable bestellt den jungen Chirurgen also zu sich, um ihm ihr Anliegen näher zu erläutern. In zunächst endlos wirkenden Kamerafahrten durch Mrs. Venables exotischen Garten mit ebenso endlos wirkendem Monolog (lesetechnisch wäre das wohl kein Pageturner) wird der Zuschauer darauf eingestimmt, dass etwas nicht stimmt. Die gute Mrs. Venable stellt ihren Sohn Sebastian, der im vergangenen Sommer verstorben ist, auf ein höchst seltsames Podest. Während sie ihren toten Sohn, den Poeten, vergöttert, empfindet sie das Verhalten ihrer Nichte, die mit besagten Sebastian zum Zeitpunkt dessen Todes in Europa geweilt hatte, als abartig und unterstellt ihr Wutausbrüche und unangemessenes Verhalten. Eine Lobotomie soll Abhilfe schaffen. Im weiteren Verlauf aber stellt sich heraus, dass Sebastian nicht nur wegen der angeblichen Unpässlichkeit seiner Mutter nicht wie üblich mit ihr nach Europa gereist war, sondern ganz bewusst seine Cousine mitgenommen hatte. Nach und nach kommen weitaus schockierendere Tatsachen als Sebastians Homosexualität zu Tage und werfen die Frage auf, wer hier eigentlich geisteskrank ist. 
Ein Psychothriller in Schwarzweiß, der größtenteils sehr bühnenhaft wirkt, aber mit seinerzeit sehr kontroversen Themen, wie Homosexualität, Vergewaltigung und Kannibalismus aufwartet und von seinen Darstellern lebt. 
Klassikerfans auf jeden Fall zu empfehlen. 


Rein zufällig empfahl mir dann doch mein Freund Ken noch "Sucker Punch", bei dem das Thema Lobotomie ja nicht zu kurz kommt. Der gute Ken war wohl der Meinung, dass mir das fantastische Ambiente und die tiefere Botschaft "find your inner strength" gefallen würde. Nun ja, hüstel, dann hatte ich wohl vergessen zu erwähnen, dass ich mit Maschinengewehrsalven nicht wirklich viel anfangen kann. Aber gut. Der nächste Zufall ist, dass die aktuelle Ausgabe der Abenteuer & Phantastik sowohl "Sucker Punch" als auch "Red Riding Hood" lobhudelnde Artikel widmet. Zugute halten muss ich "Sucker Punch" aber, dass der Film ein visuelles Erlebnis ist, das wie eine Collage aktueller Photoshop-Effekte wirkt und mit geballter Girlpower aufwartet. Ansonsten aber war mir der Film zu schrill und zu laut, als dass ich wirklich tiefer in das Geschehen eindringen konnte. Wahrscheinlich aber war ich auch einfach nur nicht in der Stimmung ...


Da ich ja grundsätzlich skeptisch gegenüber allzu euphorischen Filmbesprechungen bin, warte ich nun mit gespaltenen Gefühlen auf Catherine Hardwickes Rotkäppchen-Adaptation. 

Verfolgt aber werde ich von einem ganz anderen Film, nämlich "Country Strong", einer Independant-Produktion mit Gwyneth Paltrow. Den Soundtrack bekam ich vor kurzem geschenkt, und obwohl ich von Country malträtiert werde, seit mein Imker Johnny Cash als Automusik, Klingelton und Sonstiges für sich entdeckt hat, hat mich die Musike am Haken. Aber auf den Film müssen wir noch bis zum Sommer warten. 

Kommentare:

sayuri's exile hat gesagt…

Da hast Du ja wirklich spannende Sachen mitgebracht, sozusagen - auch wenn Du "Country Strong" ja noch nicht gesehen hast. Der Trailer gefällt mir gut, den werde ich mir auf jeden Fall anschauen. "Plötzlich, letzten Sommer" hört sich auch gut an, vllt. krieg ich den auch nochmal zu sehen. Was "Sucker Punch" angeht: den Trailer fand ich grausig im Kino und die Kritiken, die ich bisher las, waren vernichten (wobei das ja nicht immer etwas heissen muss).
"Die Dornenvögel" war nie so mein Film, ich gehöre eher der "Vom Winde verweht"-Fraktion an :)
Aber vielen Dank für die vielen spannenden Reviews!

Oh je, hast Du auch Heuschnupfen? Ich ja leider auch, und ich finde es im Moment auch sehr anstrengend. Hoffentlich werden wir das noch mal los... Viele liebe Grüße!

Sinje hat gesagt…

Huhu!
Vom Winde verweht ... oh, da sagst du was. Den liebe ich ja auch. Allerdings habe ich "Scarlett" noch nie gesehen.
Von "Plötzlich, letzten Sommer" hatte ich vorher noch nie etwas gehört und ich fand es toll, ihn im Original zu sehen. Katharine Hepburn ist toll in der Rolle der seltsamen Mutter - eine Art Gratwanderung zwischen geheimnisvoll und irre :-)
"Sucker Punch" war in meinen Augen echt ein zweistündiger Videoclip. Das Setting sieht nach 50er Jahren aus (auch das Thema Lobotomie stammt ja eher aus der Zeit), aber die Musike ist halt brandaktuell und laut. Klar, der Film hat schon seine Botschaft und Symbole, aber ich fühlte mich eher genervt. Auch wenn es um vereinte Girlpower geht, ist der Film wohl eher was für "Jungs" :-)
Ich darf sagen, inzwischen habe ich "Country Strong" gesehen. *Verlegen hüstel*. Er hat mir sehr gut gefallen. Eine kleine Produktion, die sich des Klischees des alkoholabhängigen Stars bedient, aber auch keine heile Welt vorgaukelt. Ich wusste gar nicht, das Gwyneth Paltrow so musikalisch ist. Schöner, kleiner Film mit Musik, von der ich nicht gedacht hätte, dass sie mir zusagt.
Liebe Grüße und halte durch mit dem Heu!
Sinje

sayuri's exile hat gesagt…

Guten Morgen, liebe Sinje :)
Ich glaube, bei Scarlett scheiden sich die Geister. Ich persönlich mag ihn eigentlich ziemlich gerne, diesen Mehrteiler. Ich mochte auch das Buch. Allerdings mag ich auch einfach Filme, die in der Zeit spielen und fand die Weiterentwicklung der Geschichte durchaus nicht unspannend. Ich weiss aber, dass es Unmengen von Personen gibt, die es Unding empfinden, dass die Geschichte so weitergesponnen wurde. Es ist wohl eine Frage, wie weit man original-verbunden ist. Falls Du Interesse hast, könnte ich Dir den Film "leihen", da findet sich sicher ein Weg :)
Ja, bei Sucker Punch hab ich auch gedacht, dass es wohl eher ein Jungs-Film ist ;) Schon allein die Kleidung der Mädels etc.
Oh, Du Glückliche - da muss ich dann mal sehen, ob ich Country Strong nicht auch vielleicht bald zu sehen krieg. Ich muss auch ein bisschen an Crazy Heart denken, wenn auch eine andere Altersgruppe thematisiert wird.
Country ist wirklich nicht so schlecht, vor allem die jüngeren Country-Sänger machen tolle Sachen :)

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