Dienstag, 22. März 2011

... im Gedränge zwischen Menschen und Büchern - Tag 2

Mit einem Buchmessetag war es nicht getan, sodass ich mich am Freitag wieder ins Hauptbahnhofgetümmel gestürzt habe, wo auch wesentlich mehr los war als am Donnerstag. Da ich aber (meistens) ein geduldiger Mensch bin, habe ich lieber eine Straßenbahn davonfahren lassen, als mich zerquetschen zu lassen. Die Verkehrsbetriebe haben die Straßenbahnen nämlich in einem Zwei- bis Fünfminutentakt zum Messegelände verkehren lassen, sodass bestimmt jeder ohne großartige Verspätung ans Ziel kam, sofern nicht etwas dazwischenfunkte. Zur Buchmesse herrscht nun mal verkehrstechnischer Ausnahmezustand, und ich halte es durchaus für einen organisatorischen Kraftakt, die Verkehrmittel zu koordinieren. Auch wenn man manchmal hinsichtlich der Fahrkartennutzung das Gefühl hat, dass bei den Verkehrbetrieben die linke Hand nicht weiß, was die rechte macht (so behauptete eine Kontrolleurin, die mich in der 3 zur Kasse bitten wollte, die Fahrkarte gelte nur ab Hbf, obwohl das Gegenteil klein auf der großen Fachbesucherkarte steht, wurde dann aber von Kontrolleur Nr. 2 zurechtgewiesen), gibt es von mir einen Daumen hoch für die Beherrschung der Lage!

Ich bin also wieder durch den Fachbesuchereingang geschlüpft und habe noch einmal mein Glück in Halle 2 versucht, weil ich dort ohnehin um 11 Uhr einen Termin mit Frau Stadelmann von und im Wunderwaldverlag hatte. 
Natürlich war ich pünktlich zur regulären Öffnungszeit anwesend, weshalb ich mich wieder zu den Lehrbuchverlagen aufmachte und schließlich sogar Glück hatte. Oder Unglück ... wie man's eben nimmt. Denn zum (nicht mehr ganz so) frühen Morgen beglückte mich der Standmitarbeiter mit Höchstgeschwindigkeitsfranzösisch, sodass ich erst einmal meine Sprachkenntnisse verleugnet habe. Ich bin Übersetzerin und kein Dolmetsch-TGV. Interessant war die individuelle Buchvorstellung aber doch und ich werde zumindest mit den Probelektionen im Unterricht arbeiten. 
Das Ganze hat dann sogar so lange gedauert, dass ich im Anschluss direkt zum Wunderwaldverlagsstand schlendern konnte, wo ich Frau Stadelmann mit Kind und Kegel antraf und auch ein Poster abstaubte. 

Für diesen Tag hatte ich mich extra in Werbeschale geworfen, denn aus gegebenem Anlass ließ ich ein T-Shirt mit dem vorläufigen Cover unserer Anthologie bedrucken, siehe rechts. 
Ist es nicht schick?
Aber weiter im Text ...
Man darf keineswegs davon ausgehen, dass Verlegerin und ich uns zuvor schon persönlich begegnet sind. 
Im digitalen Zeitalter kannten wir uns nämlich noch nicht von Angesicht zu Angesicht. Deshalb musste ich mich angemessen zu erkennen geben, und Frau Stadelmann erwartete wohl auch ein typische Übersetzerin (bebrillt und so - wenn jemand weiß, wie typische Übersetzer aussehen, würde ich mich über ein Phantombild sehr freuen, damit ich mir ein Bild machen kann). 
Jedenfalls haben die Verlegerin und ich eine gute Stunde über die Anthologie und vieles mehr geschnattert, und da nach der Messe vor der Messe ist, werden wir uns in Bälde an die Fertigstellung der Anthologie machen. Vor der Messe hat es leider aufgrund diverser organisatorischer Widrigkeiten nicht mehr geklappt, und gut Ding will schließlich Weile haben. 


Am Vortag hatte ich bereits die strategische Position der Fantasy-Insel erkundet, damit ich am Freitag Cornelia Franke nicht verfehlen konnte. Da die Anthologiejury Cornelias Kurzgeschichte ausgewählt hatte, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, die Lesung zu ihrem Kinderbuch Timmy und die Allergomörder zu besuchen und hinterher einmal offiziell guten Tag zu sagen. Die Lesung war auch gut besucht, auch wenn die Schulklassen scheinbar eher ihre Mittagspause in die Fantasy-Insel verlegt hatten, auch war die Geräuschkulisse der Halle der Lesung nicht gerade zuträglich, aber trotzdem habe ich gespannt gelauscht. Anschließend habe ich brav die kindlichen Autogrammjäger vorgelassen, bevor ich Cornelia dann überfallen habe. Dabei habe ich gleich noch Sandra von Read and be yourself ... kennengelernt, mit der ich mich am Nachmittag noch treffen wollte. Frech, wie ich eigentlich gar nicht bin, habe ich dann glatt Sandras Interview mit Cornelia beigewohnt, damit ich wusste, was mich erwartete. Später bin ich mit Cornelia noch kurz durch die Halle 2 zum Stand vom Papierfresserchens MTM-Verlag geschlendert, wo sie auch schon von einem Kettenleser fürs nächste Interview erwartet wurde.

Allein bin ich also weiter in Halle 5 gewandert, die ich am Vortag nur ganz kurz besucht hatte.  Zwischendurch stieß ich zwei Mal beinahe mit Markus Heitz zusammen und quatschte mich dann am Stand der Deutschen Sprachwelt fest (ich sag ja, ich war auch als Übersetzer unterwegs), bevor ich wieder in die Glashalle zum Blauen Sofa flitzte, um meine Freundin einzusammeln. 
Gemeinsam machten wir uns auf zum BoD-Stand in Halle 3, wo ich meinen randplatzierten Bestseller präsentierte und auch mit einer Dame vom Marketing näher ins Gespräch kam. Bei der Gelegenheit habe ich mir auch gleich einmal die e-Books von BoD angeschaut. Seit kurzem kann man nämlich seine Printausgabe auch in eine e-Ausgabe umwandeln lassen. Da Books on Demand ein Verlagsdienstleister ist, kostet das natürlich Geld und da will man doch schon gerne sehen, was man für sein Geld bekommt. Da BoD den für die Printausgabe eingereichten PDF-Buchblock in ein (bislang auf Apple beschränktes) e-Format konvertieren muss (wofür tatsächlich ein menschlicher Mitarbeiter notwendig ist), ist das wohl mit einigem Aufwand verbunden. Nun ja, ich habe mir also ein paar Beispiele an einem echten iPad angesehen und bin zu dem Schluss gekommen, dass es mein Buch erst einmal nicht als e-Book geben wird. Da ich vertraglich an BoD gebunden bin, muss ich e-Books über BoD realisieren lassen, so ich mich denn für das elektronische Format entscheide. Wie erwähnt, wird es  sobald ich dazukomme, eine überarbeitete Version von Blutsuche: Annes Reise geben, sodass ich mir momentan lieber die Kosten spare, zumal ich noch nicht wirklich eine Zielgruppe sehe. Wenn das Angebot einmal weiter ausgebaut ist, sodass nicht nur Apple, sondern auch andere Anbieter bedient werden, könnte man darüber nachdenken, aber bis dahin wird es sicherlich noch einige interne Änderungen geben (vielleicht kann man auch irgendwann ein besseres Format als PDF zur e-Book-Herstellung liefern, um den Konvertierungsaufwand zu minimieren). Ich warte also ab ...
Nach eher ziellosem Herumstreifen, Schauen und Blättern kehrte ich um 15.30 Uhr wieder zu BoD zurück, wo Sandra von Read and be yourself ... mich zum Interview erwartete. Was wir eine Stunde lang zu Beschnacken hatten, könnt Ihr bald bei ihr nachlesen. 

Wie doch die Zeit vergeht ... Nachdem ich auch noch einmal buchstäblich in Sandra Vogel vom Piepmatz-Verlag gerannt bin, haben meine Freundin und ich uns noch etwas Leckeres zum Essen gegönnt und sind fast pünktlich um 18 Uhr vom Messegelände in Richtung Stadt gefahren. 
Eigentliches Ziel war eine Lesung von Jan Weiler im Centralkabarett. Natürlich kamen wir viel zu spät, denn die Location war viel zu klein für einen beliebten Autor wie Jan Weiler. Sehr, sehr schade. Wer sich den Veranstaltungsort ausgesucht hat, hat wahrscheinlich nicht mitgedacht. Wir sind also stehenden Fußes wieder umgekehrt, wie so viele andere auch.
Weil wir nun einmal in der Stadt waren, wollten wir unser Glück woanders versuchen. Da kam uns die Alte Handelsbörse gerade recht, denn dort sollte um 20 Uhr Oliver Kalkofe aus Agatha Christies Der Wachsblumenstrauß (der Link führt zum von ihm gelesenen gekürzten Hörbuch des Poirot-Klassikers) lesen. Um nicht noch einmal vor überfüllter Location zu stehen, besuchten wir in weiser Voraussicht die Vorgängerveranstaltung, nämlich die Präsentation von: Spuk unterm Riesenrad: Filmhörspiel. Wer in der DDR aufgewachsen ist, kennt C. U. Wiesners Reihe: Spuk unterm Riesenrad, Spuk im Hochhaus und Spuk von draußen. Ich bin froh, dass wir bei dieser Veranstaltung waren, denn so wurden nicht nur Erinnerungen wach, sondern wir bekamen auch sehr interessante Informationen zur Entstehung des Filmhörspiels, das der Produzent mit unverkennbarer Leidenschaft ins Leben gerufen hat. 
Pünktlich um 20 Uhr startete dann Oliver Kalkofe mit etwas angeschlagener Stimme, aber viel guter Laune seine Darbietung eines typischen Agatha-Christie-Krimis und ließ uns rasch die Weiler-Enttäuschung vergessen. Ich muss immer noch grinsen, wenn ich an einige Bemerkungen zurückdenke, die ich hier gar nicht zum Besten geben kann, weil ihre Wirkung einfach verpuffen würde.
Um die signierte CD und ein weiteres Autogramm reicher machten wir uns gegen 22 Uhr auf den Nachhauseweg. 


Ja, und das war der zweite Streich, der dritte und letzte folgt auch nicht sogleich, aber morgen.

1 Kommentar:

mirjam hat gesagt…

Huhu Sinje, ich nochmals...

Zwei sehr schöne Berichte zu der Leipziger Buchmesse!
Beim Stand der Papierfresserchen war ich auch und habe mir das neue Buch von Cornelia Franke gekauft. Leider habe ich ihre Lesung verpasst.
Am meisten gefreut hat mich das Kennenlernen von Frau Stadelmann =)
Das Cover von "Mittendrin - der Laubkönig erzählt" finde ich übrigens ganz zauberhaft!

Es freut mich für dich, dass du so erlebnissreiche Tage verbracht hast und ich bin gespannt auf deinen dritten Teil der Messe,
herzlichst mirjam

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