Montag, 21. März 2011

... im Gedränge zwischen Menschen und Büchern - Tag 1

Obwohl ich immer noch platt wie eine Flunder bin und meine Füße bestimmt um eine Schuhgröße angewachsen sind, will ich mich an dieser Stelle (weil ich - Gott sei Dank - nicht mit den laufmüden Füßen schreiben muss) offiziell zurückmelden. 

Die Leipziger Messe habe ich ja sehr ins Herz geschlossen, weil ich dort meinen Lieblingsstudentenjob ausgeübt habe. 
In den vergangenen nichtstudentischen Jahren hatte ich allerdings selten Gelegenheit, als Besucher auf das Gelände zu kommen. 
Mein letzter Besuch liegt schon einige Jahre zurück, sodass ich mich noch mehr auf meine alte Heimat Leipzig freute.
Nur gut, dass ich nicht nur einen Tag bei meiner Freundin verweilen  und Sohnemann in Papas männlich-chaotischer Obhut belassen durfte, denn so hatte ich mehr Zeit zum Herumschauen und Unterhalten. 

Auch wenn, seit wir aus Leipzig weggezogen sind, gefühlte zehn Straßenbahnlinien eingespart wurden, habe ich mich doch im Handumdrehen wieder zurechtgefunden und bin am Donnerstagvormittag guter Dinge im noch vergleichsweise locker bepackten Eisenschwein zur Messe geschippert. 

Ich muss schon sagen, dass es immer wieder ein seltsames Gefühl ist, auf der "anderen Seite" zu stehen. Irgendwie habe ich meistens das Bedürfnis, die dunkelblau gekleideten Damen und Herren an den messeeigenen Informationsständen mit Care-Paketen zu versorgen, weil ich mich noch gut an die Tätigkeit dort erinnere. Vor allem die Buchmesse war immer nicht nur ein besonderes Erlebnis, sondern auch sehr anstrengend, und immer musste man ruhig und freundlich Service leisten, auch wenn einem oft nicht auf selbe Weise begegnet wurde. Deshalb muss ich an dieser Stelle wirklich einmal den Info-, Einlass- und allen anderen Servicekräften Danke sagen, denn oft sind sie Abladestellen für Besucherfrust und -ärger.

Den 17.3. habe ich in erster Linie zur Orientierung genutzt. 
Ich war gleich in dreifacher Hinsicht Fachbesucherin: Übersetzerin, Autorin, Dozentin, ach, was sage ich, ich war sogar in einer vierten Hinsicht unterwegs: als Bücherwurmmutter (jawoll, ich zähle das sehr wohl in die Fachbesucherkompetenz). 
Nachdem ich also über den bequemen Fachbesuchereingang auf dem Gelände eingefallen war, bin ich direkt geradeaus in Halle 2 marschiert. Ziel Nr. 1: Lehrbücher. 
Wie einige vielleicht wissen, übe ich mich nun schon das dritte Volkshochschulsemester darin, erwachsenen Reisewilligen die französische Sprache näherzubringen. Da ich mit meinem aktuellen (auferlegten) Lehrwerk eher unzufrieden bin, wollte ich mich einmal näher umschauen, womit ich Abwechslung in den aktuellen und zukünftigen Unterricht bringen kann. 
Leider aber wurde dieses Vorhaben von unübersichtlichen Schülerscharen erschwert, die mir ungeniert vor die Füße sprangen, um Tüten, Kugelschreiber und anderlei Souvenirs zu ergattern. Hier muss ich auch direkt zum wiederholten Male meckern, denn ich rege mich seit Jahren darüber auf, dass die Schulbuchverlage in Schmusenachbarschaft mit Cosplay-Bereich und Fantasy-Verlagen stehen. Als mir dann zwischen berucksackten Schülern auch noch Monkey D. Ruffy ein Bein stellte und ich bei Klett sanft ins Oberstufensortiment rutschte, gab ich mein Vorhaben erst einmal auf und wanderte weiter. 
Weit kam ich allerdings nicht, denn auf Lehrbücher folgten Kinderbücher. Weil wir selbstverständlich nicht genug Kinderbücher für ein Kind im Haus haben, war ich für die nächsten zwei Stunden gefesselt. In meiner ländlichen Wahlheimat bin ich nämlich auf den Büchertisch im Kindergarten (mit Bestellservice) angewiesen bzw. bestelle eben online. Deshalb machte ich ausgiebig von der Gelegenheit Gebrauch, einmal potenzielle Kinderzimmerfüller in die Hand zu nehmen und hineinzuschmökern, wie in einem echten Buchladen - hach. 


Im Anschluss erspähte ich den Wunderwaldverlag, den ich vereinbarungsgemäß erst am nächsten Tag aufsuchen würde (und Frau Stadelmann war ohnehin nicht am Platz). So schlich ich also inkognito weiter zum Noel-Verlag mit Inhaberin Elke Link, mit der ich mich kurz über die letzte Weltentor-Ausschreibung unterhalten habe, und zum benachbarten MCK-Verlag, wo ich Carola Kickers alias Carol Grayson, die ich schon eine Weile brav virtuell verfolge, persönlich kennenlernen durfte. Leider habe ich es am Abend nicht in La Petite Absintherie zu ihrer Lesung geschafft. 
Ein Stückchen weiter entdeckte ich dann Jennifer Schreiner mit ihrem Verlag Elysion Books. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich auch mit ihr ein ausgiebiges Schwätzchen über Vampire,  Vampirmüdigkeit, Romance und Cover halten durfte, bevor ich von der Kinderbuchhandlung aufgesaugt wurde, die auf Biegen und Brechen an mein Geld wollte. 


Homeoffice-Arbeiter ohne Modelambitionen. (c) Sandra Vogel
Ziemlich viele Euros leichter schleppte ich dann meine Errungenschaften zur Garderobe, um anschließend in die Glashalle zu hetzen, wo ich mit Sandra Vogel vom Piepmatz-Verlag verabredet war. Da die Hinweisschilder der Leipziger Messe nicht immer bombensicher sind, ist die liebe Frau Vogel an mir vorbeigelaufen. Dank Facebook-Fotos habe ich sie aber schon von Weitem identifiziert und bin ihr nachgesprintet. Zusammen besuchten wir einen Vortrag zum Thema e-Book. Zu unserem Leidwesen brachte dieser aber keine neuen Erkenntnisse in diesem Bereich, sondern ließ sich nach nur zwei Sätzen als Werbeveranstaltung für das dort präsentierte Buch entlarven, womit ja weder Sandra als Verlegerin noch mir als Autorin gedient war. Trotzdem haben wir bis zum Ende tapfer durchgehalten und sind dann enttäuscht schnackend weitergelaufen, bevor wir uns in Halle 3 trennten. Wie es immer so ist, habe ich natürlich die tausend Fragen, die ich stellen wollte, vergessen, sondern frisch-fröhlich über Kurzgeschichten und Anthologien geplaudert. 
Eigentlich wollte ich kurz vor Messeschluss auch noch zum Social-Media-Treffen,  um mich dort noch einmal mit Sandra Vogel zu treffen, habe mich dann aber mit meinen Büchersäcken doch gegen 17 Uhr auf den Nachhauseweg gemacht. 
Bevor es aber zum Nachhauseweg kam, schlenderte ich gemütlich zum Stand von BoD, denn ich wollte ja sehen, ob ich nicht nur in eine unauffällige Einbuchpräsentation investiert hatte, sondern Blutsuche: Annes Reise (gibt's gerade unter Ladenpreis gebraucht bei Amazon zu erstehen :-)) auch wirklich im Regal stand. 
Nach positiver Investigation wandelte ich ohne genaues Ziel weiter in Halle 5, wo ich auf die Literaturübersetzerausbildung stieß. Weil die Standbetreuerin ein wenig einsam dort herumstand, habe ich glatt für eine Stunde Gesprächsstoff gefunden. 
Liebe Kritiker der Literaturübersetzer, lasst euch sagen, dass dieser Job nicht nur eine unermüdliche Leidenschaft für Sprache und Literatur, sondern auch eine gewaltige Portion Kritikfähigkeit und Bereitschaft zum Multijobberdasein erfordert. Ich denke ernsthaft über einen gesonderten Beitrag nach und werde versuchen, mit weiteren Literaturübersetzern ins Gespräch zu kommen (ich kenne leider nur eine Übersetzerin persönlich, die ich allerdings nicht als Maß der Dinge heranziehen kann).


Ehe ich mich wirklich für diesen Tag vom Gelände verabschiedete, besuchte ich noch in Halle 4 die Autorin Ulrike Renk, die ich aus einem Forum kenne, und brach bei Ubooks schließlich mein für mich selbst auferlegtes Buchkaufverbot. Ich gestehe zu meiner Schande, dass ich Sandra Henkes Alphavampir bislang nur vom Hörensagen kannte. Nun habe ich also meinen Schweinehund mit einem rechten Haken einwandlos gemacht und mir das Buch gekauft. Außerdem habe ich hier auch mal den raffgierigen Buchmessebesucher raushängen lassen und die schönen Postkarten mit den Covern von Richelle Meads Succubus-Reihe mitgenommen.

Dass ich mich zu Dreck ärgere, weil meine Ixus kaputt ist und ich gepäckeinsparend die Spiegelreflex nicht durch die Gegend schleppen wollte (sie macht ohne Stativ auch keine guten Indoor-Aufnahmen), muss ich wohl nicht noch mehr auswalzen ...


Der Rest des Tages gehörte dann meiner Gastgeberin und viel Gelächter um alte und neue Erlebnisse.


Das war der erste Streich, doch der nächste folgt ... nicht sogleich, aber vielleicht morgen.

Kommentare:

Charlousie hat gesagt…

Oooooh ja! Diese Postkarten von Succubus habe ich auch mitgenommen, weil sie sooooooooo (!!!) schön sind! :)

Klingt nach einem aufreibenden, aber schönem Tag, mit vielen, neuen Eindrücken!

Sinje hat gesagt…

:-)
Ich habe sogar noch ganz vorsichtig gefragt, ob ich die mitnehmen darf, und einen sehr verwunderten Blick geerntet :-)

Ich bin halt nicht so der Mitnehmer.

Die sind aber wirklich zuuuuu schöööööööööön.

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