Donnerstag, 3. Februar 2011

... über "Phoenixfluch" von Jennifer Benkau

Jennifer Benkau
"Phoenixfluch"


Starker Einzelroman mit starker Geschichte und starken Charakteren

Zum Inhalt: 
Als Helena mit ihrer Hündin Cat zum Abendspaziergang aufbricht, ahnt sie nicht, dass das Schicksal ihr einen Selbstmörder vor die Nase setzt. Auf einer Brücke steht Samuel, bereit, sich in die Tiefe zu stürzen, und zu Helenas Entsetzen lässt er sich von ihr nicht abbringen und springt.
Pflichtbewusst meldet die junge Frau den Vorfall der Polizei, die weder eine Leiche noch Anzeichen eines Verbrechens oder Suizids findet. Prompt muss Helena zum Drogentest. 
Ein paar Tage später begegnet sie dem Mann wieder, aber anstatt eine Erklärung abzuliefern oder sich gar zu entschuldigen, behauptet er stur, er habe Helena noch nie im Leben gesehen. 
Während Helena nicht locker lässt, weigert sich Samuel, sie an sich heran zu lassen.
Denn Samuel ist kein normaler Mensch (was ist schon normal?), sondern er (er)lebt seit über hundert Jahren tagtäglich, allabendlich seinen Fluch: jede Nacht tötet er sich, um kurz darauf in Flammen aufzugehen und am Morgen aus seiner eigenen Asche wiederaufzuerstehen. 
Als junger Mann (der er physisch natürlich immer noch ist) hat er eine Entscheidung getroffen, die Moira, das Schicksal persönlich, veranlasste, einen Handel mit dem Teufel einzugehen, um ihre höchsteigenen Pläne mit Samuel umzusetzen. Der Preis aber ist sein täglicher Tod; jede Nacht stirbt er für all jene, die aufgrund seiner Fehlentscheidung ihr Leben ließen. Die Schuldbegleichung scheint unendlich ...
So ist Samuel der nahezu tragische Held der Geschichte, der in seinem Leben, für das es kein Ende zu geben scheint, immer wieder Verluste erleidet, aber auch gegen Windmühlen kämpft. 
Helena allerdings gelingt es nicht nur, Samuel doch noch für sich zu gewinnen, sondern ihm auch sein Geheimnis zu entlocken. Tatsächlich ist sie die erste Frau, die nicht angsterfüllt davonläuft, sondern bereit ist, dem Schicksal die Zähne zu zeigen. Aber auch sie schwebt offenbar in Gefahr. 

Meine Meinung: 
Vorausschicken muss ich, dass ich bereits im Dezember mit Lesen begonnen hatte und mich nur schwer von der Geschichte losreißen konnte. Dann aber las ich, dass ab 24. Januar im Wonderworld Forum eine Leserunde mit der Autorin Jennifer Benkau stattfinden sollte. 
So schwer es mir auch fiel, aber ich habe tatsächlich den Roman beiseite gelegt, weil ich bis zu diesem Termin warten wollte. 
Und das Warten hat sich gelohnt. 
Vom ersten Moment an war ich gefesselt, und das nicht nur, weil mich der Anfang ein wenig an die Szene aus "Ist das Leben nicht schön" erinnerte, in der George Bailey den Ausweg auf der Brücke sucht, aber vom Engel Clarence errettet wird. Aber Samuel ist kein George und Helena kein Engel, wenn auch Samuels Engel.
Sehr rasch erfährt der Leser, weshalb Samuel gesprungen ist und Helena mit seinem abweisenden Verhalten vor den Kopf stößt. 
Mit diesem Charakter begibt sich die Autorin auf eine Gratwanderung, die den Leser nicht kalt lässt, aber zweifellos auch auf Gegenstimmen treffen wird. 
Was ich für gelungene und behutsame Vergangenheitsverarbeitung halte, wird andere unter Umständen abschrecken. 
Aber wo steht geschrieben, dass deutsche romantische Fantasy die Finger vom schwarzen Kapitel der deutschen Geschichte lassen soll? 
Meiner Auffassung nach hat Jennifer Benkau Samuel zu einer authentischen Schlüsselgestalt gemacht, ohne ihn unglaubwürdig wirken zu lassen und  vor allem ohne geschichtliche Ereignisse herunterzuspielen. 
Vor dem Mut zu dieser Geschichte ziehe ich den Hut. 
Mit Helena hat die Autorin das passende Gegenstück zum männlichen Hauptcharakter geschaffen. Während Samuel - leicht zwiespältige, unglatte Charaktere scheinen Jennifer Benkau besonders zu liegen - nach Nicholas in Nybbas Träume: Schattendämonen 01  ebenfalls nicht ohne Fehl und Tadel, für mich aber greifbarer und als gequälter Held sympathischer ist, ist Helena eine erstaunlich mutige und charakterstarke Protagonistin, die nicht so schnell die Flinte ins Korn wirft. Einerseits möchte man ihre Freundin sein und für sie eintreten, wenn sie im Polizeirevier sitzt  und nicht ernstgenommen wird, andererseits strömen ihre Gefühle für Samuel förmlich aus dem Buch, ohne kitschig zu sein, sodass man einfach nur noch offenen Mundes zuschaut. Im nächsten Moment bangt man aber wieder um sie, als sie dem undurchsichtigen Georg begegnet, der erst am Ende des Buches sein wahres Gesicht zeigt.
Als ich im Klappentext "Als Nachfahrin einer alten Hexenzunft ..." las, war ich etwas skeptisch und befürchtete in magischer Hinsicht eine zweite Joana mit fieser, magischer Mischpoke im Nacken, aber dann kam doch alles anders.
Helena ist zwar eine Hexe, aber sie ist das glaubwürdige Mädchen von nebenan und tänzelt nicht abgehoben mit Räucherstäbchen herum und verhext auch niemanden, wie meine Befürchtung Nr. 2 gewesen wäre, während der Leser ihr auf das Mittelalterfest folgt. 
Hach, und nicht zu vergessen: Durch Helena bekommt Regen wieder eine erotische Dimension. 
Mit "Phoenixfluch" gibt Jennifer Benkau dem Schicksal Gestalt und Namen und erzählt wie bereits in "Nybbas Träume" in frischen, unverbrauchten Bildern, straff und schnörkellos eine Liebesgeschichte, die unter die Haut geht. 
Über die gesamte Lektüre wird der Leser rasant mitgerissen und zu einem überraschenden Ende geführt, das alle Fragen klärt und den zwischenzeitlich sorgenvoll angestiegenen Blutdruck wieder auf Normalniveau senkt.  

Mein Fazit: 
Endlich wieder ein rundum passender, spannungsgeladener Einzelroman im undurchdringlichen Fantasy-Wald voller Trilogien und Endlosreihen!
Ein erwachsene, originelle Geschichte, die neben Liebe und Sinnlichkeit, auch die düsteren Seiten von Schicksal und Magie beleuchtet, ohne dass ihr die Puste ausgeht. 
"Phoenixfluch" bietet vieles, das derzeit "in" ist, versinkt dabei aber nicht im Einheitsbrei. 
Überaus empfehlenswert für alle anspruchsvollen Fans romantischer Fantasy!

Mein Buch des Monats Januar 2011!

5 Weißdornzweige - mehr geht nicht!



1 Kommentar:

Charlousie hat gesagt…

Ich glaube, dieses Buch muss ich beim nächsten Buchhandlungsstöberbesuch mal näher unter die Lupe nehmen! ;)

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