Sonntag, 27. Februar 2011

One Night in Vegas

Das Ziel der Reise
Nein, es geht nicht um Elvis Presley, aber sehr wohl um Musik. 
Was macht man, wenn einem krankheitsbedingt die Hände gebunden sind, man nicht ordentlich schreiben kann und an einen Pinsel in der Hand erst recht nicht zu denken ist?
Lesen? Ja, auch. 
Hörbuch hören? Unbedingt. 
DVD gucken? Jawoll!    

Ich habe mich wieder einmal von einem Anfall von Nostalgie in den Würgegriff nehmen lassen und mich visuell nach Las Vegas begeben. 

Ich habe zwar heute in Alexandras Fragerunde berichtet, dass ich es eher nicht so gerne öffentlich mag und ungern Privates erzähle, aber es gibt Dinge, die sind zwar privat, aber auch wiederum nicht so privat, dass ich sie nicht teilen möchte. 
Deshalb habe ich heute wieder eine Reiseanekdote, die von meiner DVD-Guckerei heraufbeschworen wurde.

Es war einmal am 20. März 2004, da machten zwei Übersetzerinnen den berühmt-berüchtigten Strip in Las Vegas unsicher. 
Na ja, so ganz stimmt das nicht, er machte eher uns unsicher. 
Eingetroffen in der funkelnden Spielemetropole waren wir bereits am Vortag, mit dubiosem Fast Food als Wegzehrung im Bauch. 
Der Strip
Nachdem wir unser Zimmer in einem Motel bezogen hatten, das ein wenig an einen Schauplatz von CSI erinnerte, machten wir uns auf den Weg zum Caesar's Palace, um Tickets für den nächsten Tag abzuholen. 
Natürlich hatten wir schon über sechs Monate im Voraus gebucht. Riskant, aber notwendig. Oder auch nicht, denn ein Teil der teuren Parkettplätze war am nächsten Tag nicht besetzt. 
Herausgeputzt, mit ungewohnten, damals total angesagten Flipflops an den Füßen eierten wir - ja, man kann es angesichts der herausragenden Schuhwahl nicht anders bezeichnen - am 20. also wieder zum Caesar's Palace, zum Colosseum, um genau zu sein, wo wir uns in die Menge wartender Fans von Céline Dion einreihten. 
Auf dem preisgünstigeren zweiten Mezzanine angekommen, bereuten wir neben der Schuhwahl auch noch die Fehlentscheidung gegen Strumpfhosen. 
So fröstelten wir schon gewaltig, noch bevor Céline Dion überhaupt eine Note gesungen hatte. 
Ein nüchterner Schnappschuss aus dem Auto
Selbst wenn mir die Klimaanlage eine Bronchitis beschert hätte, wäre mir jeder Huster schnurz gewesen. 
Ich bin und bleibe ein Fan, nicht unumstößlich und auch nicht unkritisch, und dieses Erlebnis wird zumindest emotional für immer im Gedächtnis bleiben, auch wenn ich inzwischen die Songlist vergessen habe - blöd, wie ich war, habe ich natürlich vorab kein Programmheft gekauft und bin im Besucherstrom nach der Show einfach nicht mehr dazu gekommen.  (Wir dürften die Show aber noch in ihrer ursprünglichen Zusammenstellung, die auf der CD A New Day - Live In Las Vegas zu hören ist, gesehen haben.)
Das klingt vielleicht seltsam, aber ich bin in meinem Leben nie groß zu Konzerten gekommen. In erster Linie, weil mich nie eines in meiner Nähe so gereizt hätte, dass ich mein studentisches Nebenjobgehalt dafür ausgegeben hätte. 
Dass ich für Céline Dion einmal um die halbe Welt reisen würde, hätte ich, ehrlich gesagt, nie gedacht. 
Ich weiß nicht einmal mehr, wie die Idee geboren wurde, und es war gar nicht so einfach, einen Reisetermin zu finden. 
New York in Las Vegas
Die Show "A New Day ..." war dauernd ausverkauft bzw. waren die Plätze, die wir uns leisten konnten, ausverkauft. Im Ernst, für knapp 200 Dollar für einen Parkettplatz muss man zwar nicht ganz so viele Zeilen stricken, aber das Reisedrumherum verschlingt natürlich noch ein paar Zeilen mehr. 
"A New Day ..." war für mich sozusagen Programm. 
Frisch meinen Sklavenjob gekündigt, brach eine neue Zeit an, und so brach ich dann auch erst einmal in Tränen aus, als Frau Dion die glamouröse Treppe hinunterschritt und "Nature Boy" anstimmte. 
Die folgenden 90 Minuten waren ein rasanter Wechsel von flotten und langsamen Titeln, untermalt von kurzen Ansprachen der Sängerin, die sie zwar fünf Jahre lang jeden Abend routiniert vorbrachte, aber wohl trotzdem jedem einzelnen Besucher das Gefühl gab, sie sagte die Worte nur für ihn. 
Eine ganz besondere Note bekam dieser Abend durch die Tatsache, dass Thérèse Dion nicht nur im Publikum saß, sondern auch Geburtstag hatte. Ehrlich, ich habe noch nie an einem einzigen Abend so sehr gefroren und so viel trauerlos geweint. Schlimm ist das mit mir ...
Und dann waren sie rum, die 90 Minuten. Wie im Flug, einfach so, ohne Zugabe, dafür aber mit kinomäßigem Abspann. 

Märchenschlösser gibt's auch
Als ich die DVD heraussuchte, fiel mir auch eine alte Rezension dazu ein, die ich einmal auf amazon geschrieben hatte. In einem Kommentar wurde mir vorgeworfen, es sei völlig bekloppt, der DVD nur vier Punkte zu geben, weil sie nicht die Show enthalte, die man selbst gesehen hat. 
Ich korrigiere mich hiermit auf 4,5 von 5 möglichen Punkten. 
Die DVD Live In Las Vegas-A New Day... ist für Fans wirklich klasse. 
Wer Céline Dion nicht mag, kauft sich die DVD sowieso nicht. 
Ohne mich!!!
Die Macher haben sich aber unbestritten Gedanken gemacht, wie man den Fans Freude machen kann. So ist zwar zu meinem Bedauern lediglich die letzte Fassung der Show enthalten, daneben gibt es aber jede Menge, nämlich ganze fünf Stunden, Behind-the-Scenes-Material. 
Was es eben nicht gibt, ist ein Überblick über die Veränderungen der Show im Laufe der fünf Jahre. 
Nicht nur die Songliste, sondern auch die Kostüme haben sich geändert. 
Für den ausländischen Fan, der die Fernsehausstrahlung der Eröffnungsshow nicht sehen konnte, wäre diese bestimmt ebenfalls von Interesse gewesen (nicht nur wegen der erblondeten, kurzhaarigen Céline Dion). 
Verzeihung, aber dafür muss ich Punktabzug geben. 

Tja, am nächsten Morgen verließen wir dann auch schon wieder Las Vegas.  
Und in meiner nostalgischen Laune fragte ich doch glatt heute meinen Nichtangetrauten, ob ich es in den nächsten drei Jahren wohl noch einmal nach Las Vegas schaffen würde, denn  - so ganz nebenbei - am 15. März startet Céline Dions neue Show. 
Die Rückfrage folgte auf dem Fuße: "Da warste doch schon. Was willst'n da nochmal?" 
Ich: "Euch mitnehmen."
Er: "Wozu?"
Herr im Himmel, schenke mir eine ganze Kleingartensiedlung, wenn ein Zaunspfahl nicht reicht ...


Kommentare:

Tanja hat gesagt…

Vegas! Ich fragte meine Schwester mal, die für ein Jahr in Elpaso lebte, wie es in Las Vegas ist.
Ihre Antwort: Es gibt dort traurige und auch sehr glückliche Menschen aber die Traurigkeit überwiegt.
Ich selber war noch nie in den Staaten und werde es wahrscheinlich auch niemals sein. Es sei denn, irgendjemand haut mir einen über die Rübe und schleppt mich ins Flugzeug, nach einiger Zeit würde ich erwachen, einen Schreikrampf bekommen und wieder in Ohnmacht fallen! Arizona (Yuta zum Beispiel) finde ich reizvoll. Celine Dion ist natürlich ein Argument! Tolle Fotos und eine wirklich schöne Geschichte aus deinem Leben. Sehr interessant zu lesen. Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntagabend. Lieben Gruß, Tanja

Sinje hat gesagt…

Hallo Tanja,
ich glaube, Vegas ist kein Ort zum Leben, auch wenn natürlich genügend Leute da leben, schließlich braucht der ganze Trubel auch Personal und nicht nur Spieler und Künstler.
Die zwei Nächte da haben eigentlich genügt.
Die Küste und die Parks sind wesentlich reizvoller.
Die Weingegend um San Francisco würde ich gerne noch sehen oder die Küste in Oregon.
Zurzeit bin ich schon froh, wenn ich mal 10 km von hier rauskomme :-)
Hab eine schöne erste Märzwoche!
LG
Sinje

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