Donnerstag, 27. Januar 2011

... über "Darkyn 2: Im Bann der Träume" von Lynn Viehl

Lynn Viehl 
"Darkyn 2: Im Bann der Träume"

(Originaltitel: Private Demon: A Novel of the Darkyn, Übersetzung: Katharina Kramp) 

Serienepisode mit vampirischen Verwicklungen und einer Liebesgeschichte ohne verklärte Romantik



Zum Inhalt:
Darkyn 2: Im Bann der Träume bildet die Fortsetzung von Versuchung des Zwielichts und schließt sich nahtlos an die dortigen Ereignisse an. 
Es ist deshalb unbedingt zu empfehlen, Lynn Viehls Darkyn-Serie in der richtigen Reihenfolge und die Teile nicht voneinander gelöst zu lesen. 
Wer den Reihenauftakt gelesen hat, wird sich erinnern, dass es auf den letzten Seiten eine Auseinandersetzung gegeben hat, in deren Verlauf die Protagonistin Alexandra verletzt wurde. Von Thierry, der durch seine Ehefrau betrogen und gefoltert wurde. Traumatisiert von den Ereignissen flieht er, aber auch besessen von dem Drang, den Anschlag auf Alexandras Patientin Luisa aufzuklären. 
Michael Cyprien hat er natürlich auf den Fersen, denn ungestraft verletzt man die Gefährtin des Lehnsherren nicht. 
So gelangt Thierry nach Chicago, wo er auf Jema Shaw trifft, die ihn auf seltsame Weise fasziniert.
Die junge Frau, anerkannte Expertin für Antikes, arbeitet im Museum ihres verstorbenen Vaters und nebenbei als Beraterin der Polizei. 
Auf den ersten Blick lebt Jema ein überbehütetes Leben. 
Ihre Mutter wurde bei einem Unfall bei Ausgrabungen schwer verletzt und sitzt im Rollstuhl. Da Jema mit juvenilem Diabetes diagnostiziert wurde, haben Mutter und Tochter sozusagen einen Leibarzt, der sich um beide kümmert. Aufgrund des schweren Ausmaßes von Jemas Erkrankung steht sie trotz ihres bevorstehenden 30. Geburtstages arg unter der Fuchtel der Mutter, die angeblich nur um ihr Wohlbefinden besorgt ist. Ihre Tätigkeit bei der Polizei ist für sie eine Art Ausbruch aus dem goldenen Käfig, denn sie tut dies ohne Wissen der Mutter. 
Bei eben dieser Tätigkeit fällt sie Thierry auf, der sie wider besseren Wissens und Vernunft nicht nur verfolgt, sondern auch bei der ersten Begegnung Blut von ihr nimmt. Danach sucht er nach ihr und kommt Nacht für Nacht zu ihr, um sich in ihren Träumen mit ihr zu treffen. Diese gemeinsamen Träume sind intensiv, aber auch verstörend. Jema beginnt, sich ihrem "gelbäugigen Dämon" (und hier macht der Originaltitel mehr Sinn als der deutsche) anzuvertrauen. Sie öffnet sich ihm und offenbart ihre Ängste vor dem Tod, aber auch von dem Bedürfnis nach Erlebnissen, die ihr verwehrt sind. Magisch angezogen, offenbart sich auch Thierry, nähert sich ihr nicht nur sinnlich, sondern zieht sie auch in blutige Ereignisse seiner Vergangenheit, bis sie erfährt, dass er ein Vampir ist. Zu diesem Zeitpunkt liebt sie ihn jedoch bereits und erwartet ihn schließlich außerhalb ihrer Träume. 
Während die beiden Hauptfiguren dieses Bandes einander näher kommen, sind die Protagonisten des Reihenauftaktes nicht untätig. Alexandra forscht unermüdlich, um der vampirischen Mutation auf den Grund zu kommen, herauszufinden, warum ihre Verwandlung anders verläuft und warum sie überlebt hat. Auch die bekannten Feinde sind präsent, und Cyprien und Alexandra entkommen nur dank ihrer Darkyn-Gabe einem erneuten Anschlag. Auch sie führt es wieder nach Chicago, wo sie zuvor Luisa zurückgelassen hat.
Dort wird klar, dass im Darkyn-Universum alle Personen miteinander verknüpft sind: Luisa, das Anschlagsopfer, hatte im Shaw-Museum gearbeitet, und bei einem Krankenbesuch treffen Alexandra und Jema aufeinander. Die Ärztin wird misstrauisch in Bezug auf Jemas Krankheit und macht eine wirklich überraschende Entdeckung. 
Selbstverständlich darf auch Alexandras Bruder John nicht fehlen, der nun kein Priester mehr ist, nimmt einen Job in einem Heim für obdachlose Jugendliche an, in dem er allerdings eher wie das fünfte Rad am Wagen wirkt. In Sicherheit aber wird auch John nie wieder sein.
Und nicht zuletzt begegnen wir Suzerän Valentin Jaus, der Nachbar der Shaws ist und deshalb Jema von Kindesbeinen kennt. Doch er  ist viel mehr als nur ein Nachbar, sondern hegt zudem eine unausgesprochene, tiefe Zuneigung für die Frau, die außer ihrer herrschsüchtigen Mutter keinen Menschen zu haben scheint. Anlässlich ihres Geburtstages lädt er sie zu einem Maskenball auf seinem Anwesen ein, bei dem alle Charaktere aufeinander treffen ...

Meine Meinung:

Zunächst muss ich leider feststellen, dass Lynn Viehls Darkyn-Reihe zu jenen Büchern zählt, die in ihrer deutschen Aufmachung sowohl aufgrund des Covers als auch des Klappentextes reichlich irreführend sind. 
Während die Umschlaggestaltung durch Mohn und Nacht auf Schlaf und Träume erfolgreich auf den Traumplot Bezug nimmt, ist sie doch deutlich zu romantisch und "verträumt". 
Denn "Im Bann der Träume" ist alles andere als verträumt und auch nicht romantisch im Sinne von Herzklopfen und Herzschmerz, was sich die geübte Romanzenleserin erhoffen würde. 
Auch ist der "Bann" im Titel eher unglücklich, denn Jema steht weniger unter einem Bann als unter Einfluss ihrer Medikamente. Dabei profitiert sie allerdings von Thierrys Darkyn-Fähigkeit, in die Träume der Menschen zu wandern. 
Jema, die, wie bereits erwähnt, anfänglich wie eine junge Temperance Brennan wirkt, arbeitet zwar heimlich für die Polizei, wer sich nun aber einen kriminalistischen Handlungsstrang erhofft, wird enttäuscht. Diese Eigenschaft wird zwar im Klappentext herausgestellt, ist aber im weiteren Verlauf der Geschichte vollkommen nebensächlich. 
Die dort ebenfalls angekündigte Sinnlichkeit vermisse ich. 
Daneben wird die Leserin auf der Rückseite des Buches in roten Lettern mit "rasante Action", "knisternde Erotik" und "atemberaubender Spannung" gelockt. 
Werbung ist wirklich etwas Schönes, vor allem gaukelt sie schön etwas vor. 
Wie zuvor im Reihenauftakt "Versuchung des Zwielichts" gibt es bei Lynn Viehl zwar Erotik, aber da knistert nichts. So schafft es die Autorin, erotische Begegnungen zum Teil auf nur eine Seite einzudampfen, und lässt die Charaktere mit Vorliebe über einander herfallen, und das weder innovativ noch sprachlich sonderlich ausgefeilt.
Ist die Leserin auf der Suche nach romantischen Intimitäten, die das Herz höher schlagen lassen, sollte sie meiner Meinung nach die Finger von den Darkyn lassen, denn Romantikherzen werden enttäuscht. 
Einen Pluspunkt der Liebesgeschichte im großen Darkyn-Ganzen stellt in diesem Fortsetzungsband die Entstehung der Beziehung zwischen Thierry und Jema dar. 
Im Gegensatz zu "Versuchung des Zwielichts" bietet "Im Bann der Träume" keine ad-hoc-Liebe, bei der die Leserin das Gefühl haben muss, sie habe etwas verpasst. 
Das Zauberwort heißt hier Annäherung. Sie geschieht zwar vage und auf nicht unbedingt anheimelnde Art und Weise, aber die Beziehung schleicht sich heran und wird nicht in einer sexuellen Begegnung geboren.    

Die Romanze ist es nicht, die mich an die Darkyn-Reihe fesselt. 
Sie bietet schlichtweg keine Charaktere, denen man hinterherschmachten möchte oder die man um die große Liebe beneidet. 

Es ist zu einem kleinen Teil die geringe Scheu der Autorin vor der Erschaffung ungefälliger Geschichten, mit Szenen, die durchaus an Ekelgrenzen kratzen, gefallenen Priestern, schwangeren Jugendlichen, Abtreibung, Mord ... Elemente, die man mag oder nicht, die aber auch keinem allgemeinen Trend folgen wollen.

Zum großen Teil aber ist es die Komplexität der Serie, die sie für mich spannend macht, während sie anderen wirr und unausgegoren erscheinen mag.
Wir haben es mit einem Gesamtgebilde zu tun, in dem ein Buch nicht ohne das andere funktioniert. Erklärungen wie in anderen Reihen, die immer wieder, in jedem einzelnen Installment, zum Urschleim von Band 1 zurückkehren, muss man bei Lynn Viehl suchen. Alles ist miteinander verknüpft, und man kann keinem Charakter wirklich trauen, so blass er auch noch wirken mag. Denkt man, dass Charaktere eines Bandes, wie man es üblicherweise gewöhnt ist, im nächsten Statisten sind oder gar überhaupt nicht mehr auftauchen, so ist dies bei den Darkyn nicht der Fall. 
Mehrere Handlungsstränge wirken ebenbürtig, auch wenn der eine oder andere scheinbar in der Luft hängen bleibt. 
So sind Alexandra und Cyprien aus Band 1 nicht zu Statisten geworden, denn die Ärztin, das deutete sich im Auftakt schon an, hat innerhalb der Darkyn eine wichtige Aufgabe inne, die es unmöglich macht, sie auf eine Nebenfigur zu reduzieren. Michael Cyprien wirkt weiterhin äußerst zwielichtig, und ich erwarte durchaus eine Eskalation. 
Momentan bin ich in der Erwartungshaltung, dass wir von jedem bislang zur Sprache gebrachten Charakter künftig noch mehr lesen werden. 


Fazit: 
"Im Bann der Träume" ist ein typischer Fortsetzungsband, der anknüpft, aber keinen Abschluss bildet, innerhalb einer Serie, die sich in kein konkretes Fantasy-Subgenre pressen lässt. 
Wer Vampire mag, momentan generell aber schmachtromanzenmüde ist, wird in Lynn Viehls Darkyn-Reihe eine gelungene Abwechslung finden, sofern er bereit ist, sich auf eine Serie einzulassen, die keine echten Stand-Alone-Geschichten bietet, sondern, so deutet sich an, nur als Ganzes funktioniert. 

Trotz sprachlicher Abstriche und unterkühlter Erzählweise konnte "Im Bann der Träume" bei mir punkten und hinterließ einen Gesamteindruck von

4 von 5 Weißdornzweigen 






Weiter geht es im Februar mit Darkyn 3: Dunkle Erinnerung und im August mit Darkyn 4: Blindes Verlangen.

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