Donnerstag, 13. Januar 2011

Kleine Leseprobe aus "LeseBlüten Prosa 2010"

Ein Blick in meine Statistik lässt mich feststellen, dass häufiger nach Leseproben aus meinem Buch gesucht wird. 
Eine der Leseproben, die ich auf dafür bekannten Seiten zur Verfügung gestellt habe, habe ich inzwischen aus verschiedenen Gründen, die ich hier nicht auswalzen will, gelöscht. 
Die einzige Leseprobe existiert momentan auf der Seite http://buechernarr.de/. 
Nachdem ich in letzter Zeit ein paar technische Probleme hatte, habe ich vergessen, dass ich hier im Blog eine Seite mit Leseproben einrichten wollte. 
Das werde ich, wenn ich mit meiner PDF-Fummelei endlich fertig bin, auf jeden Fall nachholen. 

In Ermangelung einer Leseprobe aus Blutsuche: Annes Reise gibt es heute ein bisschen Werbung nebst einer kleinen Leseprobe in nicht romanbezogener Sache. 

Im Dezember erschien das erste Buch des Piepmatz-Verlags, die thematisch sehr vielseitige Anthologie LeseBlüten Prosa 2010, in der auch meine Kurzgeschichte "Sternenkind" zu finden ist. 


Diese Geschichte habe ich lange in der virtuellen Schublade ruhen lassen, weil sie bislang nirgends passte und ich mich auch nicht von ihr trennen konnte. 
Dann bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe sie eingereicht. 

Hier also ein kleiner Auszug:

"Geschlossen sind meine Augen, und ich weiß, dass ich träume. 
Aber ich schlafe nicht, zumindest keinen echten Schlaf, als ich neben mir eine Stimme höre, leise, vom Sommerwind getragen, fremd und doch vertraut.
Da ist auch eine Hand, die sich auf meine legt. Klein ist sie und so warm. Als ich versuche, nach ihr zu greifen, ist sie weg.
„Weißt du, wer ich bin?“, fragt mich die Stimme. Ich schüttle den Kopf und beginne, in mich hineinzuhören.
Die Sonne scheint auf mein Gesicht, liebkosen will sie mich, mir Wärme spenden … und Glück vielleicht.
Aber warum?
Die gutgemeinten Strahlen bohren sich in meine Haut, drohen, mich zu verbrennen, doch tief in mir, wo ich nach einer Erinnerung an diese Stimme suche, bin ich kalt.
Wie eine Hagebutte im Winter ist mein Herz umschlossen von einer Schicht aus Eis.
Ich friere, weil mich nichts wärmen kann, nicht einmal ich mich selbst.
Dann erinnere ich mich.
„Ich weiß es“, sage ich, „aber ich kenne dich nicht.“
Ich höre ein Rauschen.
Vielleicht ist es das hohe Gras drüben auf der anderen Seite?
Es klingt anders, nicht wie das Wasser unter mir.
Merkwürdig still, erwartungsvoll, ist es heute. An manchen Tagen tost es dahin, wirbelt fröhlich, und nicht selten tanzen Schwäne ihr Ballett auf seiner Oberfläche.
Heute ist alles anders.
Mühsam entziehe ich der Sonne mein Gesicht und recke die Nase nach dem Wind.
Was ist das?
Der Blütenduft ist verschwunden. Zuvor war da noch etwas Fruchtiges und ein Hauch Würze. Zurückblieben sind der metallische Geruch des ruhigen Baches und der Staub der Felder, die ich hinter mir gelassen habe.
„Ich hätte dich gern kennengelernt“, flüstert das Stimmchen überzeugt, und ich spüre, wie etwas in mir zu schmelzen beginnt.
Woher die Worte kommen, kann ich nicht lokalisieren.
Mal streifen sie mein Ohr, dann küssen sie meine Wange und dann wieder sind sie in mir, um sich zu nähren und zu wachsen.
Ein Lächeln tritt auf meine Lippen, das spüre ich, denn dieses leichte Zucken in den Mundwinkeln, wenn sie sich heben, diesen sanften Lufthauch, der meinen Mund berührt, wenn er sich einen Spalt öffnet, habe ich vermisst.
Doch ich spüre auch, dass ich weine.
Wie lange habe ich nicht geweint? 
Ich weiß es nicht."

Kommentare:

Alexandra hat gesagt…

Ich lese ja grade dieses Buch, immer vor dem Zubett gehen ;) Und deine Geschichte ist einer von paaren die mir super gut gefallen haben. 5 Punkte. Ich find es einfach eine sehr schöne, zärtliche geschichte die auch mit den richtigen Worten geschrieben ist.

Liebe Grüsse
Alexandra

Tanja hat gesagt…

Ich wollte ja Blutsuche auch noch kaufen und die LeseBlüten Prosa interessiert mich ganz besonders.
Welches Buch liest du denn zur Zeit Alexandra?
Liebe Sinje, du weißt ich mag deine Zeilen und ganz besonders deinen Schreibstil, wenn ich die Hälfte meiner Challenge Bücher durch habe, werde ich mir unbedingt deine schönen Geschichten zu Gemüte führen. Ich lese sehr langsam, weil es für mich nur so möglich ist - ein Teil der Geschichte zu werden. Das ist mit jedem Buch so. Ich lese und genieße! =)
Viele liebe Grüße und danke für deinen wunderbaren Auszug.

Sinje hat gesagt…

@Alexandra
Vor dem Zubettgehen ist doch genau richtig. Geschichten für zwischendurch. Die Anthologie ist ja thematisch sehr unterschiedlich, sicher auch qualitativ.
Ich freue mich, dass dir meine Geschichte gefällt. Sie ist eine der wenigen, die ich im Präsenz geschrieben habe und sie liegt mir sehr am Herzen.

@Tanja
Oh, noch ein Langsamleser :-)
Ich lese auch langsam, zum einen, weil ich so viel zu tun habe, zum anderen, weil ich dazu neige, zu überlesen und zu vergessen, wenn ich nicht alles ordentlich aufsauge.

Liebe Grüße und einen schönen Wochenausklang für euch
Sinje

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