Freitag, 30. Juli 2010

[Musik] "Tu trouveras ... 10 ans de succès" von Natasha St-Pier

Im Grunde bin ich kein sprunghafter Mensch, aber nachdem ich gestern noch durch Twitter getanzt bin und von Garou ganz verzückt war, lief mir eine mir bis dato unbekannte kanadische Sängerin über den Weg, sodass ich mich kurzfristig entschlossen habe, den frankokanadischen Werwolf mit der sexy Reibeisenstimme erst einmal zu vertagen.

Begegnet ist mir Natasha St-Pier mit ihrem Best-of-Album "Tu trouveras ... 10 ans de succès".




Wie sie sich bislang mit ihrer musicalgeschulten Stimme an mir vorbeigesungen hat, ist mir zwar ein Rätsel, aber ich freue mich über diese Überraschung.
 
Natasha St-Pier, Jahrgang 1981, ist wie Annie Blanchard akadischer Herkunft.
Mit 18 wurde sie im Musikal "Der Glöckner von Notre-Dame" als Fleur de Lys besetzt, das übrigens von keinem Geringeren als Luc Plamondon vertextet wurde.
Zuvor hatte die junge Künstlerin zwar bereits ein Album mit dem bezeichnenden Titel "Émergence" (Auftauchen) veröffentlicht, das in Kanada recht erfolgreich war, aber darüber hinaus unentdeckt blieb.
Dank ihres Musical-Engagements wurde Natasha St-Pier auch international bekannt, sodass ihr zweites Album, das im Jahr 2000 erschien, in Frankreich bereits Goldstatus erreichte.
Seither war die Sängerin nicht untätig und kann zahlreiche Alben,  Auftritte und Kooperationen mit den Größen der französischen Musikszene für sich verbuchen.
Natasha St-Pier ist momentan auf Tour und wird im letzten Quartal in Belgien und Frankreich zu sehen und zu hören sein.
 
Mit "Tu trouveras ... 10 ans de succès" verschafft sie nun mit sage und schreibe 17 Titeln einen Überblick über ihre Arbeit in der vergangenen Dekade.
Für mich als Neueinsteigerin ist dieses Album sehr angenehm, denn es bietet eine sehr bunte Mischung, die Lust auf mehr macht.
Aus Zeitmangel kann ich heute nicht sehr ins Detail gehen, sondern möchte nur einen kurzen Überblick geben:
 
Die Titel sind mehrheitlich flott, elektronische Klänge sind ebenso vertreten wie poppige Melodien, und es gibt einen kleinen Kooperationsauszug, denn es werden zwei Duette, "Mourir demain" (mit Pascal Obispo) und "Là-bas" (mit Florent Pagny), vorgestellt. "Mourir demain" befasst sich auf unerwartet musikalisch-fröhliche Weise mit den Dingen, die man gerne tun würde, müsste man am nächsten Tag sterben.
Balladenfreunde werden mit "Tu trouveras", "Tu m'envoles" und dem nicht ganz so in die Balladenschublade passenden "Tant que c'est toi" (6:25!) auf ihre Kosten kommen. "Tu m'envoles" ist eine wunderbare Liebeserklärung. Wer möchte nicht gerne hören, dass er den Partner in andere Sphären entrückt und sein Leben in den schönsten Farben zeichnet.
Mein persönlicher Favorit ist neben dem gitarren- und streicheruntermalten "Nos rendez-vous" das akustisch-melodische "Alors on se raccroche". 
Besonders attraktiv ist auch der Titel "Un ange frappe à ma porte", der mit asiatischen Klängen und teilweise japanischem Text überrascht und die Künstlerin verschiedene stimmliche Facetten zeigen lässt.
Darüber hinaus gibt es einen englischen Song "Trade it all", das sich balladisch einschleicht, dann aber ganz andere Töne anschlägt. Ich muss allerdings sagen, dass ich Mühe habe, den Text zu verstehen.
Etwas schade finde ich, dass die kanadische Ausgabe noch zwei Bonustitel hat (18. "Laisser l'été avoir 15 ans" (mit Claude Dubois, den ich unheimlich gerne höre) und 19. "Quand on aime on a toujours vingt ans" (mit Jean-Pierre Ferland und Marie-Élaine Thibert)), was ich bei anderen Künstlern schon häufiger beklagt habe.

Zum Glück gibt es youtube:



 
Titelliste:
 
1. Tu trouveras
2. L'instant T
3. Je n'ai que mon âme
4. Mourir demain
5. Un ange frappe à ma porte
6. Nos rendez-vous
7. Tant que c'est toi
8. Vivre ou survivre (version chorale)
9. Tu m'envoles
10. Embrasse-moi (single version)
11. Alors on se raccroche
12. Ce silence
13. 1,2,3
14. Tant que j'existerai
15. Là-bas
16. Haut les cœurs
17. Trade it all
 
Einfach wie üblich bei amazon oder iTunes vorbeischauen und reinhören!
 
Bisher vorgestellt:
Annie Blanchard: Sur l'autre rive
Annie Villeneuve: Quand je ferme les yeux
Annie Villeneuve: Annie Villeneuve
Cindy Daniel: Le tout premier jour
Céline Dion: D'elles

Sonntag, 25. Juli 2010

... aus der Schreibstube

Weil heute ein so schöner Sonntag ist, habe ich mir überlegt, ein wenig Bonusmaterial aus meiner Schreibstube zu zeigen.

Wie erwähnt, habe ich es ja nicht so mit der Lyrik, aber während "Blutsuche: Annes Reise" entstand, bin ich gedanklich manchmal abgeschweift und habe darüber nachgedacht, was Anne John wohl schreiben würde, wenn sie eine poetische Ader hätte.
Nun bin ich zwar nicht das hellste Licht in der Lampenfabrik, wenn es um die englische Sprache geht, aber da John schließlich kein Deutsch kann, keimten die Emotionen auf Englisch.

So schlummern in meiner virtuellen Schublade einige Gedichte, die zwar aus mir heraus-, aber nicht in die Öffentlichkeit hinauswollten.

Allerdings hat mich eine wunderbare Online-Freundin bei deviantArt, Claudia, auf die Idee gebracht, Fotos und Text zu verbinden, und nun bin ich fleißig dabei, Annes Gedanken in visuelle Poesie zu verpacken.
Das dauert immer eine gefühlte Ewigkeit, da ich ein paar Umwege nutzen muss, weil mein Rechner für Übersetzungs-, aber nicht Grafikarbeit ausgelegt ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier ist nun Extra Nr. 1, das eine Zusammenfassung der Geschichte bildet.



Freitag, 23. Juli 2010

... ein Röschen zum Freitag

Ich jammere zwar in letzter Zeit über meinen akuten Mangel an selbiger, dennoch habe ich die Rose beim Schopfe gepackt und sie fotografiert und bearbeitet.
Normalerweise bin ich ein Gegner von allem, was über Kontrastspreizung, Weißabgleich und Co. hinaus geht, aber dieses Mal hat es mich gepackt, denn das Original war alles andere als vorzeigbar. 

Ich präsentiere somit meinen Erstling:


[Musik] "D'Elles" von Céline Dion

Nach meinem schändlichen Freitagsaufall der letzten Woche möchte ich diese Woche mal wieder pünktlich sein und meinen musikalischen Französischen Freitag fortsetzen.

Die Auswahl für heute ist mir nicht schwergefallen, denn erst gestern lief mir die betreffende CD ganz zufällig (ja, wirklich, ungelogen!) in die Hände.
Da ich momentan so gar nicht zum Lesen komme - vom Schreiben wollen wir mal gar nicht reden - brauche ich hin und wieder etwas auf die Ohren, und da kam sie mir gerade recht. 

Voilà, an der Reihe ist Céline Dion (man bemerke den Accent aigu im Vornamen) mit ihrem bislang letzten französischsprachigen Studioalbum "D'Elles".


Spätestens James Cameron sei Dank muss ich die Künstlerin nicht mehr vorstellen.

Kennengelernt habe ich Céline Dion Mitte der Neunziger, und zwar nicht über einen ihrer englischen Titel, sondern über ihr Album Dion Chante Plamondon - Celine Dion Sings The Songs Of Luc Plamondon, das mir in einem Geschäft in Montréal zurief: "Kauf mich!" Nachdem ich die CD bei meiner Gastmama in den Player einschieben durfte, bin ich am nächsten Tag als brave Kundin in selbiges Geschäft zurückgekehrt und habe all ihre Alben gekauft, die verfügbar waren.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle ein liebes Dankeschön an meinen Partner in die virtuelle Welt pusten, denn er hat mich und meine Neusammlung nach meiner Rückkehr erstaunlich lang mit Engelsgeduld seinen CD-Player nutzen lassen, ohne die Flucht zu ergreifen. Junge Liebe eben ...

Jedenfalls habe ich mich zu einem glühenden Fan entwickelt, bin in den letzten Jahren aber kritischer geworden und bejubele keineswegs bedingungslos jede Neuerfindung der Maschinerie rund um die Künstlerin.

Auch das 2007 erschienene Studioalbum "D'Elles" ist eine dieser Inventionen, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man bei den französischen Alben Céline Dions einfach sorgfältiger und bewusster wählt und ganz gezielt nicht auf Mainstream setzt. Vermutlich mag ich deshalb ihre französische Arbeit mehr. Ihre französischen Alben sind in letzter Zeit rar gesät; zuvor war 2005 ein Best-of erschienen (On Ne Change Pas (2 CDs + DVD) [Box set]), das Altbekanntes und nur wenig Bonus-Neues enthielt und deutlich den Stempel "Vergesst mich nicht, Las Vegas ist irgendwann auch vorbei" trug, und davor 2003 Une Fille et 4 Types, eine wunderbare Zusammenarbeit mit Jean-Jacques Goldmann, bei der sich Céline Dion sozusagen "réinventée" zeigen durfte. Gerüchten zufolge soll das nächste französische Album nicht mehr lange auf sich warten lassen.


Der Titel "D'Elles" bildet eine Analogie zu ihrem Album D'Eux-Edition 15eme Anniversaire (CD+Dvd), das vor kurzem in Jubiläumsausgabe neu erschien. Dem Konzeptalbum "D'Elles", also "Von ihnen" oder "Über sie" in der weiblichen Form, ging ein Aufruf an Texterinnen voraus.
Somit wurden sämtliche Titel von Frauen verfasst, während für Vertonung und Produktion auch Mann Hand anlegte.


Herausgekommen sind 13 Titel - wie gewohnt rund um die Liebe, Beziehungen und die Frau -, die zwar musikalisch nicht so wagemutig sind wie beim Vorgänger "Une fille et trois types", dafür aber mit wunderbaren Texten aufwarten und Céline Dion die Möglichkeit geben, zu zeigen, dass sie zu Recht zu den technisch besten Sängerinnen der Welt zählt. Insbesondere hatte ich den Eindruck, dass sich ihre Diktion deutlich verbessert hat (was übrigens auch im Englischen auf dem Album Taking Chances (CD + DVD) unverkennbar ist). Alle Texte sind ausgezeichnet zu verstehen und bewusst vorgetragen.
Die lange Wartezeit auf ein neues französischsprachiges Album wird dadurch auf jeden Fall wieder wettgemacht.

"Et s'il n'en restait qu'une (je serais celle-là)" bildet den Auftakt und war auch erste Auskopplung des Albums. Erfreulicherweise gibt es dazu Informationen auf Wikipedia, sodass ich mal ganz faul einen Link (auf Englisch) setzen kann: http://en.wikipedia.org/wiki/Et_s'il_n'en_restait_qu'une_(je_serais_celle-l%C3%A0
Dieser Song startet elektronisch angehaucht, wechselt dann zu balladischen Klängen, wird aber schnell zu einem melodisch-kraftvollen Popsong, der auf Ausschöpfung aller stimmlichen Fähigkeiten verzichtet.
Das offizielle Video ist hier zu sehen: Dailymotion

"Immensité" hat sich sofort als mein Lieblingslied eingeschlichen. Es ist ebenfalls keine Schmalzballade, wartet zwar mit den obligatorischen Streichern auf, ist aber einfach eine schöne Liebeserklärung. (http://en.wikipedia.org/wiki/Immensit%C3%A9)
Auch hierzu gibt es ein offizielles Video auf Dailymotion.

Der Titel "A cause" kommt auf dem Album zwei Mal vor, und man muss schon genau auf den Text hören, um es zu bemerken. An dieser Stelle wird der Text nämlich poppig interpretiert, sodass man geneigt ist, ihn zu vernachlässigen. Umso überraschter ist man dann, wenn man feststellt, dass Titel 12, "On s'est aimé à cause", eine wunderbare Gitarrenballade, die einmal mehr zeigt, wie sehr Céline Dions Interpretationsfähigkeit mit den Jahren gewachsen ist, tatsächlich denselben Text aufweist.
Normalerweise reagiere ich leicht allergisch auf das doppelte Verpacken eines und desselben Titels auf einem Album, aber hier wird eindrucksvoll bewiesen ist, dass ein Text und ein Thema problemlos unterschiedlich vertont werden können, ohne an Wirkung zu verlieren.


"Je cherche l'ombre" ist zur Abwechslung eine folkloristisch angehauchte Ballade, bevor "Les paradis" uns erklärt, dass das Paradies nicht auf Erden liegt, und uns im Rhythmus mitwippen lässt.

Ein höchst schwieriges Stück ist "La diva". Es bildet eine Hommage an Maria Callas, und ich muss zugeben, dass es für mich recht gewöhnungsbedürftig ist, Céline Dion Opernnoten interpretieren zu hören.

"Femme comme chacune" sorgt wieder für ein etwas poppigeres Element, ohne besonderen Eindruck zu hinterlassen. Man hat das Gefühl, der Titel ist rasch vorbei, bevor zu "Si j'étais quelqu'un" übergegangen wird, einem poetischen Stück, das von einer jungen Autorin mit Trisomie 21 verfasst wurde und von ihrer Sicht der Welt erzählt. Erfreulicherweise setzt dieser Titel musikalisch nicht auf Schmalz und triefende Emotion, sondern ist überraschend flott und positiv.

Mein "Indifferenz-Song" ist "Je ne suis pas celle", der mich weder vom Hocker haut noch zur Weißglut treibt.
Da kann gerne "Le temps qui compte", "Die Zeit, die zählt", folgen, denn der ist wieder locker flockig und viel zu schnell vorbei (2:54 ist doch keine Länge für einen Dion-Song!). 
  
Als Nächstes startet ein Versuchsballon mit "Lettre de George Sand à Alfred de Musset", denn hier wurde ein Brief der französischen Schriftstellerin George Sand an ihren kurzzeitigen Geliebten Alfred de Musset vertont. Ich meine, der Versuch ist gelungen, und besonders zu Beginn des Liedes, der nicht durch Gesang, sondern Vorlesen eines Teils des Briefes geprägt ist, wird ganz deutlich, das Céline Dions Sprache und Ausdrucksweise mit ihr erwachsen geworden ist.

Nach dem wunderbaren "On s'est aimé à cause" klingt das Album mit dem Schlaflied "Berceuse" aus, das mich innerlich fluchen lässt, dass ich nicht ordentlich singen kann, denn ich hätte es gerne meinem Sohn vorgesungen, denn bezeichnenderweise hat mein Schreibaby tatsächlich immer friedlich geschlafen, sobald ich das Konzeptalbum Miracle eingelegt habe. 

Alles in allem ist "D'Elles" in meinen Augen rundum gelungen und bietet eine facettenreiche musikalische Betrachtung femininer Texte, präsentiert von einer erwachsenen, zufriedenen, selbstbewussten Céline Dion, der man hier wirklich nicht vorwerfen kann, sie singe nur für ihren Ehemann.

Mit Spannung erwarte ich neues Französisches von Céline Dion, während mich das Englische, Konzeptalbum hin und her, nach wie vor vergleichsweise kalt lässt. 

Hörproben gibt es selbstverständlich auf Amazon und iTunes.   

Sonntag, 18. Juli 2010

[Musik] "Le tout premier jour" von Cindy Daniel

Die Auswahl für meinen - Pardon, verspäteten - Französischen Freitag (die Alliteration mit Sonntag funktioniert ja leider nicht) fiel mir nicht leicht.
Zur Auswahl standen: Cindy Daniel, Cindy Daniel oder Cindy Daniel oder vielleicht doch Celine Dion oder Celine Dion oder Celine Dion ...

Wie unschwer zu erkennen ist, fiel die Auswahl auf Cindy Daniel und ihr aktuelles Album "Le tout premier jour".


Cindy Daniel wurde 1986 in Montreal geboren und hat mit bislang 4 Alben seit 2002 schon Einiges vorzuweisen.
Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich sie zum ersten Mal gehört habe, weiß aber noch, dass mich ihre kraftvolle Stimme mit dem leicht dunklen Timbre ungemein beeindruckt hat.
 
"Le tout premier jour" zählt zu meinen Lieblingsalben, und ich muss an dieser Stelle einmal gestehen, dass meine CD-Sammlung einen unglaublichen Überhang an Alben von Celine Dion hat, der es zuletzt lediglich mit "D'elles" gelungen war, mich restlos zu überzeugen.
Cindy Daniel zählt außerdem zu den Künstlern, die ich beim Schreiben hören kann, ohne mich gestört und abgelenkt zu fühlen. Ihr "Sous une pluie d'étoiles" hat eine Szene in meinem Buch zwar nicht inspiriert, aber untermalt.
 
Obwohl der Name Cindy Daniel erst einmal nicht frankophon klingt, singt die junge Künstlerin fast ausschließlich auf Französisch. Auf ihrem Debütalbum "La petite Indienne" hat sie sich zwar an einem englischen Song versucht, ein Versuch, der in meinen Augen gründlich misslungen ist. Nach wie vor finde ich es wunderbar, wenn Frankokanadier in ihrer Muttersprache singen, und ich kann gar nicht oft genug betonen, wie gerne ich Musik mag, die nicht von der Stange kommt.
 
Auf ihrem aktuellen, 2008 erschienenen Album zeigt sich Cindy Daniel facetten- und abwechslungs- und mit ganzen 14 Songs sogar umfangreich. 
Sie startet sofort rockig-flott mit dem titelgebenden "Le tout premier jour", der gern eine Beziehung zu ihren Anfängen zurückführen würde.
Wer aber nun denkt, es ginge so weiter, der täuscht sich, denn es folgt die Ballade "Tout ce qu'il me reste", die melodisch von dem Rückzug in die Gefühlswelt erzählt, denn die Gefühle bleiben uns, wenn die Welt zu ertrinken scheint.
Um den Hörer nicht zu sehr einzulullen, kommt auf dem Fuße die erste Auskopplung des Albums, ein Duett mit Marc Dupré (dem Schwiegersohn von Celine Dions Ehemann René Angélil): "Et j'espère ..." und lässt uns auf lockere Weise, die zum Tanzen einlädt, teilhaben an der Sehnsucht nach dem geliebten Menschen und der Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden wird.
Eher besorgt, in Balladenform, zeigt sich der nächste Song "Quand tu ne m'aimeras pas", der ausspricht, was manch einer sicher häufig denkt: Man weiß genau, dass die Welt nicht untergeht, wenn eine Liebe verlischt, schließlich ist man dem Märchenalter entwachsen, aber dennoch weiß man, dass man sich selbst wieder verliert, nicht mehr schläft ...
"Dans le vent" ist, so meine ich (leider komme ich nicht dazu, den Musikmarkt in Quebec topaktuell zu beobachten), die aktuelle Auskopplung des Albums, ein poppiger Titel, der das kleine Glück zum Thema hat.
Getreu dem Wechsel zwischen schnell und langsam, der bei Cindy Daniel deutlich erkennbar und vermutlich beabsichtigt ist, schließt sich die Ballade "Le pont" an, die sehr auf Daniels Stimme setzt und mit zurückgenommener Instrumentenbegleitung aufwartet. Erzählt wird hier von der Brücke der Liebe, die unter der Last der jeweiligen Träume zusammengebrochen ist.
"Jusqu'au bout" heitert die Stimmung wieder auf, und es wird geliebt bis zum (bitteren?) Ende, ein Thema, das im Grunde auch im Folgetitel "Nos promesses" aufgegriffen  wird, das sich mit dem Einhalten von Versprechen, der gemeinsamen Stärke, auseinandersetzt.
Irgendwie habe ich ja auf jedem Album einen "Putzsong", und bei Cindy Daniel ist das "A force d'être aimé", der natürlich nichts mit Hausarbeit, aber umso mehr mit der Liebe zu tun hat.
Da ich eine Schwäche für Balladen nicht mehr leugnen kann, darf ich hier ruhig sagen, dass "Ta faille" mein Lieblingslied ist, das einfühlsam die Angst vor dem Verlassenwerden reflektiert.
Überraschenderweise geht es nicht nach dem bekannten Schema mit einem rockigen Titel weiter, sondern es folgt eine weitere Ballade, die auf Streicher und Gitarre reduziert ist und Cindy Daniel von Verlust singen lässt, nämlich davon, das in uns Menschen etwas verloren gegangen zu sein scheint.
Ohne dass die Balladen eintönig oder gar langweilig sind, ist man doch froh, wenn sich wieder flottere Klänge anschließen, aber man wird überrascht, dass auch "Rose des sable" den Kampf auf verlorenem Posten thematisiert, wohl aber mit kräftigem Beat und deutlich entschlossenem Gesang. Als kleines i-Tüpfelchen gibt es hin und wieder orientalische Anklänge in diesem Lied.
Mein Ich-weiß-nicht-was-ich-davon-halten-soll-Titel ist "Oser la nuit". Die Ballade beginnt instrumentalisch sehr zurückgenommen, wird dann zwar nicht überzogen, sondern bleibt ruhig und gesetzt, aber trotzdem wage ich die Nacht nicht. (Obwohl das ja bei mir Programm sein sollte.)
Cindy Daniels Album klingt ruhig aus mit "A la hauteur des hommes" und lässt den Hörer nach einer Reise durch die Höhen und Tiefen der Liebe wieder ankommen.
 
Hörproben gibt es wie üblich bei Amazon und iTunes.
 
Nun begebe ich mich also wieder ans CD-Regal und grübele weiter, wer wohl nächste Woche dran sein wird.

Samstag, 17. Juli 2010

... Freitagsausfall

Ich muss mich entschuldigen, dass ich meinen Französischen Freitag selbst verpasst habe.
Versunken war ich in meiner Geschichte und vergaß darüber, dass ich noch eine CD vorstellen wollte.
Asche auf mein Haupt.
Ich werde es zeitnah nachholen.
Es kann doch einfach mal jeden Tag Freitag sein ...

Donnerstag, 15. Juli 2010

... mal ein Gedicht

Heute gibt es einen kleinen Lückenfüller von mir, da ich diese Woche stark eingebunden bin und nicht großartig zum Posten komme.
Etwas gemein bin ich schon, ich weiß, aber hin und wieder überkommt mich das Bedürfnis, mich in einer anderen Sprache als Deutsch auszudrücken.
Zum Vergrößern bitte klicken. 

Montag, 12. Juli 2010

[Aktuelle Lektüre] "Jägerin der Nacht 02: Dayhunter" von Jocelynn Drake

Nach meinem Exkurs zu den Werwölfen zieht es mich zurück zu den Vampiren.



Bereits im April hatte ich das Vergnügen, den ersten Band von Jocelynn Drakes Urban-Fantasy-Reihe rund um die Vampirin Mira zu lesen (Jägerin der Nacht 01: Nightwalker).

Da mich dieser Reihenauftakt etwas unbefriedigt zurückgelassen hatte, habe ich mir die Fortsetzung besorgt, die im Übrigen auch auf meiner Leseliste im Rahmen der von Natira ins Leben gerufenen SuB-Abbauaktion steht.


Meine aktuelle Lektüre ist also:




Broschiert: 443 Seiten
Verlag: Lyx (15. Mai 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3802582632
ISBN-13: 978-3802582639
Originaltitel: Dayhunter
Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,6 x 3,6 cm

Kurzbeschreibung

Mit ihrer Fähigkeit, das Feuer zu beherrschen, ist Mira die letzte Hoffnung für die Welt. Gemeinsam mit ihrem Verbündeten, dem Vampirjäger Danaus, reist sie nach Venedig, wo die Herrscher der Vampire ihren Sitz haben. Doch der Friede in der uralten Stadt ist trügerisch. Nachdem die Naturi jahrhundertelang von der Erde verbannt waren, bereiten sie sich nun erneut darauf vor, die Herrschaft zu übernehmen. Die große Schlacht, die schon immer Miras Schicksal war, scheint unmittelbar bevorzustehen. Da trifft sie eine weitere schockierende Enthüllung: Danaus, der Einzige, dem sie noch vertrauen kann, ist in Wahrheit nicht der, der er zu sein scheint.

Erster Eindruck
Noch bin ich nicht weit gekommen, aber Band 2 schließt direkt an den Finalkampf von Band 1 an und beginnt mit dem unbändigen Hunger der Vampirin Mira und ihres Begleiters Tristan.
Jocelynn Drake gelingt es da schon sehr gut, mich zu fesseln, denn ich mag ihre Gefühls- und Zustandsbeschreibungen.
In gewohnter Manier gibt es auch gleich zu Beginn einen kleineren Kampf.
Etwas gestört haben mich die Wiederholungen, denn ich habe schon nach der ersten Erwähnung begriffen, dass die Protagonisten aus dem großen Kampf des ersten Bandes blutbesudelt und vollkommen erschöpft hervorgegangen sind, und ich meine, das muss nun nicht alle 2 Seiten wieder heraufbeschworen werden.
Besonders gefällt mir, dass Mira Gefühlsregungen zeigt und sogar Heimweh nach Savannah hat. Den Übergangsaufenthalt London kann sie, obwohl sie die Stadt mag, nicht wirklich als angenehm empfinden.
Ansonsten ist noch nicht viel passiert, und ich denke, dass es nun bald weitergeht nach Venedig zum Konvent, wo Miras Schöpferin bereits weilt.
Ich werde, wie immer, berichten ...

Sonntag, 11. Juli 2010

... über "Wolf Shadow 01: Verlockende Gefahr" von Eileen Wilks

Vielen Dank an Egmont Lyx für das Rezensionsexemplar!

Eileen Wilks
"Wolf Shadow 01: Verlockende Gefahr"

Etwas langatmige Krimi-Fantasy mit unspektakulärer "Liebesgeschichte"

Produktinformation
Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Lyx (15. April 2009)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Antje Görnig
ISBN-10: 3802582152
ISBN-13: 978-3802582158
Originaltitel: Tempting Danger
Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 12,6 x 3,2 cm
Preis: 9,95 €

Kurzbeschreibung

Als Polizistin in San Diego ist Lili Yu mit der Aufklärung von Mordfällen beschäftigt. Dabei kommen ihr besonders ihre übersinnlichen Fähigkeiten zugute, mit deren Hilfe sie feststellen kann, ob bei einem Verbrechen Magie im Spiel war. Da ereignet sich ein ungewöhnlicher Mord: Einem Mann wird in der Nähe eines Nachtclubs, der als geheimer Treffpunkt für Werwölfe bekannt ist, die Kehle herausgerissen. Als Spezialistin für Übersinnliches wird Lili Yu mit dem Fall betraut. Doch der Hauptverdächtige ist ausgerechnet der Werwolf Rule Turner, der prominente Prinz des Nokolai-Klans. Und Lili muss feststellen, dass sie sich von seiner erotischen Ausstrahlung wie magisch angezogen fühlt ...

Meine Meinung

Wolf Shadow 01: Verlockende Gefahr zählt definitiv zu den Romanen, die mich mit gespaltenen Gefühlen zurücklassen.
Ich bekenne mich als Nichtkrimileser, und die Tatsache, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe, ist allein meiner Neugier auf Werwölfe und meiner Schwäche für das Genre der Urban Fantasy geschuldet.
Zusätzlich verlockt hat  mich, wie bereits erwähnt, das sehr ansprechende Cover. Das Buch ist insgesamt sehr schön gestaltet, der Umschlag sogar leicht geprägt, sodass der Lektüre noch ein haptischer Genuss zuteil wird.
Leider täuscht die schöne Aufmachung nicht über meinen eher mittelmäßigen Leseeindruck hinweg.

Die Geschichte gestaltet sich zu Beginn doch recht spannend, denn der Leser stolpert mitten auf den Tatort, sodass man direkt weiß, womit man es zu tun bekommen wird, nämlich mit Ermittlungen. Nur sind die eben nicht gewöhnlich, denn in der Fantasy-Welt der Autorin gibt es Werwölfe, Gnome und allerlei andere Gestalten, die sich mehr oder weniger legal durch den Alltag bewegen.
So ist selbstverständlich auch die Protagonistin Lili Yu ein besonderer Mensch, eine so genannte "Sensitive", die in der Lage ist, Magie zu erspüren. Als Polizistin wird verhältnismäßig resolut und gefestigt dargestellt - man muss bedenken, dass sie noch keine 30, aber schon Detective ist - sodass man rasch ein wenig misstrauisch wird, ob hinter der harten Fassade nicht doch noch etwas lauert.
Im Zuge ihrer ersten Ermittlungen begegnet sie noch am selben Abend Rule Turner, einem als Playboy bekannten Prinz eines Werwolf-Clans. Ganz unpassenderweise verspürt sie eine merkwürdige Anziehung, und der romantasy-kundige Leser weiß natürlich, dass sich daraus mehr entwickeln wird.
Ja, so ging es los, und dann wurde das Buch für mich zu Kaugummi, und ich gestehe, dass ich irgendwann kaum noch den Durchblick in Eileen Wilkes Welt, in der Werwölfe und Menschen legal und reglementiert koexistieren, behielt und mich zu langweilen begann. Es wurden so viele Verdächtige und vermeintlich wichtige Personen auf den Plan gerufen, dass ich anfing, mir eine "stinknormale" Liebesgeschichte ohne Irrungen und Wirrungen zu wünschen.

Die Liebesgeschichte kam, nur nicht ganz so, wie man es sich vielleicht erwartete.
Die magische Anziehung der beiden Protagonistin erwies sich als die romantasy-übliche vorherbestimmte Gefährtengeschichte, womit die Autorin Gelegenheit erhielt, ihre Protagonisten zu jeder Gelegenheit durch die Betten turnen zu lassen, weil sie in der anfänglichen Bindungszeit viel Nähe benötigen (irgendwie hörte ich da Christine Feehan im Hintergrund trapsen). Erfreulicherweise verwendete sie aber nicht viel Raum für explizite erotische Beschreibungen, sondern brachte die Intimitäten verhältnismäßig flott über die Bühne.
Mit dem Gefühl, das man landläufig als Liebe bezeichnet, hat die Beziehung der beiden zunächst herzlich wenig zu tun, denn es handelt sich in der Tat anfänglich eher um ein magisches Band (Rule sagte auch, er kenne die Liebe nicht, während Lili ganz offensichtlich verliebt war).
Nach einer gefühlten Ewigkeit durfte der Leser schließlich doch in Lilis Gefühlsleben eindringen und erfahren, warum sie mit Leib und Seele Polizistin ist.
Endlich war die Protagonistin menschlich und nicht mehr dienstlich unnahbar, und Werwolf Rule durfte ebenfalls seinen weichen Kern zeigen. Trotzdem blieben meines Erachtens alle Charaktere recht blass und die Geschichte ohne sonderlichen Tiefgang.

Aber spätestens da dürfte dem routinierten Leser klar geworden sein, dass es Eileen Wilks nicht um romantische Liebesgeschichten, sondern offenbar eher um das Drumherum geht, denn sie verwendet viel Zeit für die Erklärung ihrer Welt, was das Buch recht zäh macht.
Trotz allem hätte ich gerne noch mehr über Lilis Familie gelesen.

Ich mag Beschreibungen von Orten und Kleidung, weil ich gerne die Gestalten in ihrer Umgebung sehe. Auch gibt es sehr genaue Personenbeschreibungen, sodass man das Gefühl hat, man bekäme einen Polizistenblick aufgezwungen. Das führt allerdings dazu, dass das Buch einige Längen entwickelt, was ich an sich nicht als schlimm empfand.

Leider konnte mich die Werwolf-Geschichte nicht überzeugen, auch empfand ich die Clan-Hierarchien nicht als erfrischend. Ebenso wenig konnten die Nebenfiguren mein Interesse wecken, sondern verwirrten mich eher.

Die Übersetzung hingegen gefiel mir sehr gut und hat mich über die Geschichte hinweggetröstet.

Wolf Shadow 01: Verlockende Gefahr ist eine in sich geschlossene Geschichte, und ich verspüre kaum das Bedürfnis, mich den weiteren Bänden der Reihe zu widmen:

Zusammenfassend glaube ich, dass dieses Buch nicht für Leser geeignet ist, die auf der Feehan- oder Adrian-Welle schwimmen. Ebenso ungeeignet dürfte es für Leser sein, die sich nicht gerne mit ermittlerischen und kriminalistischen Elementen auseinandersetzen.
Als Werwolf-Einstieg hingegen ist es nicht zu verachten, weil es den Werwolf nicht als willenloses, mondgesteuertes Wesen präsentiert, sondern ihn menschlich, sinnlich, attraktiv und damit nicht gänzlich uninteressant macht.

Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 3 von 5
Aufmachung: 4 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 2 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 3 von 5
Gefühl/Subtilität: 2 von 5
Humor: 1 von 5
Spannung/Handlungsdichte/Dynamik: 3 von 5

Gesamteindruck:

3 von 5 Weißdornzweigen

Freitag, 9. Juli 2010

[Musik] "Annie Villeneuve" von Annie Villeneuve

Weil ich es vergangenen Freitag versprochen habe, folgt heute die Vorstellung von Annie Villeneuves zweitem Album, das schlicht ihren Namen trägt.




Das Album "Annie Villeneuve" erschien 2009 und hat, obwohl es noch nicht den bahnbrechenden Erfolg des Vorgängers "Quand je ferme les yeux" reproduzieren konnte, bei mir dem Debütalbum längst den Rang abgelaufen.
 
Das mag jetzt nach Klischee klingen, und ich bin beileibe kein Musikexperte, sondern kann lediglich von schnödem subjektivem Gefallen sprechen, aber ich habe den Eindruck, dass Annie Villeneuve in den 4 Jahren, die zwischen diesen beiden Alben liegen, erwachsen geworden ist.
 
Auch "Annie Villeneuve" wartet mit handgemachter, selbstgeschriebener Musik auf und bewegt sich thematisch wieder in den Gefilden der Liebe, ohne Kitsch zu vertropfen.
 
Die 12 Titel sind abwechslungsreich und machen mir Spaß.
 
Los geht es mit zwei bluesig angehauchten Songs, "Ce soir" und "Ton plus grand secret", wobei letzterer eindringlich dazu auffordert, sich nicht immer zu verschließen, sondern sich auch einmal anzuvertrauen, bevor mit "Rêve encore" zum Träumen und Jammen eingeladen wird.
Dann geht es rockiger und beinahe wütend mit "Rien de mieux à faire" weiter, denn da wird - nicht ganz ohne Verbitterung - Schluss gemacht.
So ist man ganz froh, dass "C'est une autre histoire" wieder ruhig-melodische Klänge anschlägt, damit man sich wieder sammeln kann.
"Les mains vides" gleitet dann dem Titel angemessen in den Blues, und ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich Annie Villeneuve darin besonders zuhause fühlt.
Liebevolle, ruhige Töne bringt uns dann "Comment te dire", eine Ballade, die nicht etwa einer verlorenen Liebe hinterherhängt, sondern Annie Villeneuves Eltern gewidmet ist. Ein angenehmer Chanson, der durch seine Ausgeglichenheit zu bestechen weiß.
Der Folgetitel "Le désamour" spaltet mich auf unerklärliche Weise.
Manchmal lässt es sich einfach nicht beschreiben, warum man mit einem bestimmten Song nichts anfangen kann.
Ich bin definitiv ein Balladentyp, brauche aber nicht unbedingt hochtrabende Koloraturen, die mir nach Holzhammermethode das Gefühl, das das Lied vermitteln will, einhämmern.
Deshalb fühle ich mich bei Annie Blanchard und Annie Villeneuve gut aufgehoben, denn beide verzichten auf zuviel stimmlichen Schnickschnack.
"Le désamour" ist sehr zurückgenommen und setzt auf wenige Streicher und Annie Villeneuves Stimme, nur überzeugen kann mich dieser Titel nicht.
Ist so, kann ich nicht erklären ...
Was folgt, ist mein Putzsong.
Nun ja, viel putze ich dabei nicht, aber mit dem Schrubber eine Runde zu tanzen, soll ja bekanntlich gut für die Kondition sein. 
"Plus rien" ist, sagen wir mal, fetzig und schon beinahe eine Unabhängigkeitshymne.
Mein Kracher dieses Albums kommt aber erst noch, und zwar direkt nach "Plus rien", wo man noch den Rhythmus im Fuß hat.
"Elle veut parler" ist ein Schmunzelsong und erzählt von dem ewigen Bedürfnis des weiblichen Geschlechts, über Gefühle zu reden.
Ich muss immer sehr breit grinsen, wenn ich dieses Lied höre, und Annie Villeneuve wohl auch, denn ihr Schmunzeln ist manchmal hörbar, und sie lässt "Elle veut parler" mit einem Lachen ausklingen.
"Que feras-tu de nous" leitet das Ende des Albums ein und ist wieder eine Ballade, die vom Vermissen berichtet.
Zum Abschluss erwartet uns mit "Mon héros" eine klavierbegleitete Ballade mit traurigem Hintergrund, denn dieses Lied ist William-Harry Massicotte, einem Jungen, der im Alter von 9 Jahren an Leukämie verstarb und Annie Villeneuve beeindruckt und inspiriert hat, gewidmet.

Hörproben gibt es wie üblich über den Link bei Amazon bzw. bei iTunes.
 
Nun bin ich also erst einmal durch mit den Annies.
Noch grübele ich, wem ich nächste Woche den Stab in die Hand reiche.
Ach, ich lasse mich einfach überraschen.

Donnerstag, 8. Juli 2010

... über "Sieben verdammt lange Tage" von Jonathan Tropper

Ich bedanke mich bei Droemer-Knaur für die Bereitstellung des Leseexemplars im Rahmen der Testleseaktion.   

Jonathan Tropper
"Sieben verdammt lange Tage"

Ein trauriger Anlass, um die Scherben der Vergangenheit zusammenzukehren

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Knaur (20. August 2010)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Birgit Moosmüller
ISBN-10: 3426662736
ISBN-13: 978-3426662731
Originaltitel: This is Where I Leave You
Preis: 16,95

Kurzbeschreibung

Die Familientreffen der Foxmans enden stets mit zuschlagenden Türen und quietschenden Reifen. So schnell wie möglich versuchen die vier erwachsenen Kinder, einen Sicherheitsabstand zwischen sich und ihr Elternhaus zu bringen. Doch nun ist ihr Vater gestorben und dessen letzter Wunsch treibt seinen Lieben den Angstschweiß auf die Stirn: Sie sollen für ihn Schiwa sitzen, sieben Tage die traditionelle jüdische Totenwache halten. Das bedeutet, dass sie auf ausgesprochen unbequemen Stühlen in einem kleinen Raum gefangen sind und nicht davonlaufen können. Nicht vor dem, was zwischen ihnen passiert ist, und nicht vor dem, was die Zukunft für sie bereithält.

Aus dem Inhalt

Das Wichtigste sagt bereits die Kurzbeschreibung. Wie es sich gehört, fasst sie kurz und bündig das Chaos zusammen, in dem sich Protagonist und Ich-Erzähler Judd Foxman befindet. Viel erzählen darf ich nicht, denn das Buch erscheint erst im August, und man will schließlich nicht schon im Vorfeld alle Karten offenlegen, aber versuchen kann ich es ja mal:
Der Ausgangspunkt der Geschichte ist traurig, denn Vater Morton Foxman musste sich nach langem Kampf dem Krebs geschlagen geben. Sein letzter Wunsch kommt für die gesamte Familie doch recht überraschend, denn keiner hat ihn als sattelfesten Juden in Erinnerung. Nur lässt sich eben der letzte Wunsch des Verstorbenen nicht so einfach auswischen, und deshalb finden sich nun die vier Geschwister im Elternhaus ein.
Es besteht von Anfang an kein Zweifel, dass die Familie Foxman heillos verkorkst ist, sich liebt und hasst und es keine Minute miteinander aushält.
In jenem Haus in Elmsbrook, in dem alle aufgewachsen sind und in dem es ständig Stromprobleme gibt, weil der Papa, seines Zeichens Elektrofachmann, getreu dem Klischee es nicht auf die Reihe bekam, es ordentlich zu verdrahten, treffen nun ein:
- die älteste Tochter Wendy, die mit Portfolio-Manager Barry verheiratet ist, der mehr Zeit am Telefon verbringt als mit den überaus liebreizenden gemeinsamen Kindern (ist die Ironie lesbar?),
- Kind Nr. 2, Paul, der leidenschaftslos das Familienunternehmen weiterführt, weil Lebensplan A nicht umgesetzt werden konnte, woran sein jüngerer Bruder Judd nicht unschuldig ist, mit Ehefrau Alice, die einst von Judd entjungfert wurde und sich nichts sehnsüchtiger wünscht als ein Kind (Hormonbehandlungen und filmreifer Sex nach Plan),
- Judd, der Hauptdarsteller der Geschichte,
- und schlussendlich Nesthäkchen Phillipp, der gleichermaßen verwöhnt wie ignoriert aufgewachsen ist, alle Drogen des Planeten probiert haben dürfte und über nutzlose Fähigkeiten, wie das Einklemmen von 8 Schnapsgläsern zwischen seinen Fingern, verfügt und mit einer deutlich älteren Frau, Tracy, im Schlepptau anrückt.  
Ja, und da ist ja noch die silikonausgestopfte Mama Hillary Foxman, die bezeichnenderweise Psychiaterin ist und in grauer Vorzeit einen Bestseller mit dem wunderbaren Titel "Wiege & Co.: Ein Wegweiser zur aufgeklärten Mutterschaft" verbrochen hat, woraus sich natürlich ableiten lässt, dass die Familie aus psychologisch-psychiatrischer Sicht nur saniert sein kann.
Während alle Geschwister mit Kind und Kegel zum Schiwa-Sitzen hereinschneien, kommt Judd allein, denn er wurde jüngst von seiner Ehefrau betrogen.
Wie es das Schicksal so wollte, hat er seine Angetraute, Jen, just an deren Geburtstag mit seinem Chef im Bett erwischt und durfte obendrein erfahren, dass das keine Einzelvorstellung war. 
Judd bekommt somit Gelegenheit, auf dem unbequemen Schiwa-Stuhl nicht nur die foxmannsche Vergangenheit aufzubereiten, sondern auch seine Ehe, wobei man beides durchaus als Scherbenhaufen bezeichnen kann.
Da sitzen sie nun alle, versuchen hin und wieder auch einmal, auszubrechen, hangeln sich durch Wiedersehen verschiedenster Art und sind vor der einen oder anderen Überraschung nicht gefeit. Ob man wohl alles für bare Münze nehmen kann?

Meine Meinung

Als bestsellerabstinenter Mensch kannte ich natürlich Jonathan Tropper überhaupt nicht. Darüber hinaus liegt mein Lektürebeuteschema doch mehr als drei Meter von dieser Art Belletristik entfernt.
Ich muss sagen, dass ich sehr misstrauisch angesichts des Themas Tod war. Da das Cover nun aber keinen Taschentuchkaufrausch versprach, habe ich mich also herangewagt, weil ich neugierig war, a) was man so macht, wenn man Schiwa sitzt und b) warum denn die Foxmans so gar nicht miteinander können.

Was soll ich sagen? Dieses Buch hat begeistert.
Vermutlich hat es mich angesprochen, weil ich als nahezu Mitdreißigerin vom Identifikationspotenzial der Protagonisten eingelullt werde.
Da sitzt man so in seinem Leben, denkt, nun ist man erwachsen, verheiratet, dem ganzen Jugendchaos erfolgreich davongelaufen, wähnt sich in einer Friede-Freude-Eierkuchen-Sicherheit, aber dann kommt es knüppelhart.
Ein Elternteil stirbt, und als wäre das noch nicht genug, geht auch noch die Ehe den Bach runter.
Nach 25 Seiten flutschte mir direkt ein "Au Backe, du arme Sau" heraus, und das obwohl der Protagonist ein Mann ist und eigentlich mal kräftig für die vielen literarisch gehörnten Ehefrauen herhalten müsste, und dabei will Judd eigentlich gar kein Mitleid heischen. 
Als dann nach kurzer Zeit noch ein näheres, höchst schmerzliches Ehedetail zutage trat, dachte ich einen kurzen Moment, soviel Drama ginge nicht gut, zumal die Foxman-Familie auch ohne Anhang weder intern noch extern unbelastet ist.
Aber es funktioniert, flott und unterhaltsam, ohne die Fingerspitzenthemen des Romans herabzuwürdigen. Man fühlt mit, ohne in Mitleid zu zerfließen, atmet überrascht ein und erleichtert wieder aus, redet mit dem Buch, wie es mit dem Leser redet (denn ab und zu wird der Leser mit Sie direkt angesprochen) und lacht in unpassenden Momenten, weil es die Protagonisten auch dürfen.
Jonathan Tropper ist direkt, weiß aber mit treffenden Bildern und köstlichem Wortwitz zu erzählen und den Leser damit über die sieben Wochentage und einzelnen Stunden von Anfang bis Ende bei der Stange zu halten.
Obwohl er seine Charakter (bewusst) überspitzt darstellt und man sich denkt, dass soviel Verkorkstheit auf einem Haufen schon gar nicht mehr möglich ist, lässt er sie vollkommen menschlich und nachvollziehbar hinter die Mülltonne kotzen und Fehler begehen bzw. in selbige hineinrutschen, die man bereitwillig verzeiht.

Ich habe "Sieben verdammt lange Tage" verschlungen und bin mir sicher, das war nicht mein letzter Tropper.

Ohne Umschweife und Punktezerpflückerei gibt's von mir

5 von 5 Weißdornzweigen



Dienstag, 6. Juli 2010

... Buch im Test: "Sieben verdammt lange Tage" von Jonathan Tropper

Ich bin ja ein vergleichsweise glückloser Mensch, was Testaktionen aller Art angeht, aber nun habe ich tatsächlich einmal das Vergnügen, neben Alexandra (http://der-buecherwahnsinn.blogspot.com/) und zahlreichen anderen Lesefreunden an einer Testleseaktion teilzunehmen.

Mich erreichte Post von Droemer Knaur mit folgendem Buch, das ich nun bis 13. August 2010 lesen und bewerten sollte:

"Sieben verdammt lange Tage" von Jonathan Tropper


Kurzbeschreibung

Die Familientreffen der Foxmans enden stets mit zuschlagenden Türen und quietschenden Reifen. So schnell wie möglich versuchen die vier erwachsenen Kinder, einen Sicherheitsabstand zwischen sich und ihr Elternhaus zu bringen. Doch nun ist ihr Vater gestorben und dessen letzter Wunsch treibt seinen Lieben den Angstschweiß auf die Stirn: Sie sollen für ihn Schiwa sitzen, sieben Tage die traditionelle jüdische Totenwache halten. Das bedeutet, dass sie auf ausgesprochen unbequemen Stühlen in einem kleinen Raum gefangen sind und nicht davonlaufen können. Nicht vor dem, was zwischen ihnen passiert ist, und nicht vor dem, was die Zukunft für sie bereithält.

Nun muss ich wieder im Staube der Scham wälzen, denn ich hatte vorher noch nie was von Jonathan Tropper gehört. Das Buch sah auch nicht so aus, als ob ich es Hals über Kopf im Buchladen erwerben würde.

Ja, was soll ich sagen?
Ich habe verdammt kurze anderthalb Tage mit diesem Buch verbracht und bin begeistert.

Rezension folgt.
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