Freitag, 30. April 2010

... über "Nightwalker - Jägerin der Nacht" von Jocelynn Drake

Vielen Dank an Egmont Lyx für das Rezensionsexemplar!


Jocelyn Drake
Jägerin der Nacht 01: Nightwalker
(Original: Nightwalker: The First Dark Days Novel)
Übersetzung: Antje Görnig
Sprache: Deutsch
Verlag: Lyx (2009)
407 Seiten
ISBN-13: 9783802582516
ISBN-10: 3802582519

Aus dem Inhalt:

"Mit ihren sechshundert Jahren gehört Mira zu den ältesten Vampiren Nordamerikas. Sie besitzt zudem eine Gabe, die sie von allen anderen Nachtwandlern abhebt: die Macht über das Feuer. Mira wacht über die jüngeren Vampire in ihrer Domäne und sorgt dafür, dass der Frieden mit den Gestaltwandlern gewahrt wird. Eines Tages kommt der attraktive Vampirjäger Danaus in die Stadt und tötet Vampire, die unter ihrem Schutz stehen. Als sie ihm im Kampf gegenübersteht, muss sie jedoch feststellen, dass Danaus kein gewöhnlicher Sterblicher ist. Und er ist nicht gekommen, um Mira ein Ende zu bereiten. Stattdessen bringt er unheilvolle Neuigkeiten: Die Naturi, grausame, archaische Elfenwesen, die einst von der Erde verbannt wurden, sind zurückgekehrt, um Menschen und Vampire zu vernichten! Noch sind es nur wenige, doch die magischen Siegel, mit denen die Naturi in einer anderen Welt gefangen gehalten werden, drohen zu brechen. In Mira erwachen schreckliche Erinnerungen – vor vielen Jahren wurde sie von den Naturi gefangen genommen und grausam gefoltert. Obwohl sie eigentlich Feinde sein müssten, verbündet sich Mira mit dem geheimnisvollen Danaus. Sie begeben sich auf die Suche nach den Ältesten der Vampire, denn nur mit deren Hilfe können sie dem gefürchteten Feind entgegentreten."
(Umschlagtext der Klappenbroschur)

Meine Meinung:

Obwohl mich das Cover ein wenig an „Feuerkind“ erinnert, wirkt es auf mich insgesamt eher, als stelle es eine in einen Bluttopf gefallene Dame dar. Die Stadt, über die sie zu wachen scheint, wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Die Motivation des unschuldig weißen Hintergrundes verschließt sich mir vollkommen. Ohne Titel würde ich das Buch angesichts der Umschlaggestaltung nicht unbedingt der Urban Fantasy zuordnen, schon gar nicht einem Vampirroman, der sich eindeutig mit Nachtwandlern befasst. In diesem Zusammenhang hätte ich mir eine dunklere Gestaltung vorgestellt. Im Vergleich gefällt mir das Cover des amerikanischen Originals besser, da dort beide Protagonisten berücksichtigt sind und auch die Nachtkomponente deutlicher wird.

„Nightwalker – Jägerin der Nacht“ ist ein Roman, der mich dank der Ich-Perspektive, die auch hier sehr gut geeignet ist, in die Protagonistin hineinzublicken, bis zum Ende gefesselt, aber auch gespalten hat, und nachdem ich die Lektüre beendet habe, bin ich noch immer unentschlossen, ob ich ihn lieben oder hassen soll. Das liegt vor allem an der Protagonistin Mira.

Zunächst einmal lockt der Klappentext dem Attribut „attraktiv“, und der Fan moderner Vampirromane aus weiblicher Feder dürfte an dieser Stelle hellhörig werden und sich wenn schon keine zarte Romanze wenigstens sinnliche Begegnungen erhoffen.
Toughe Vampirin trifft attraktiven Vampirjäger – das mutet auf den ersten Blick leicht nach Buffy und einer sich anbahnenden "verbotenen" Beziehung an, aber der Leser wird schnell eines Besseren belehrt.

Der Roman startet ein wenig in Comic-Manier mit einer Kreatur, der Vampirin Mira, die im Dunkel der Nacht auf ihre Beute lauert, in diesem Fall Danaus, der fleißig Miras Vampirgemeinde dezimiert und sich zu seinem Ziel, Mira, vorarbeitet, die er früher oder später tot sehen möchte.
Ein ordentlicher Kampf folgt auf dem Fuße. Es geht flott zur Sache, es wird kräftig zugehauen und Blut fließt, und wir erleben umgehend Miras besondere Macht. Während der Vampir üblicherweise seine Probleme mit dem Feuer hat, kann sie es erschaffen und macht eindrucksvoll von ihrer Gabe Gebrauch.

Das eigentliche Problem, das der Geschichte zugrunde liegt, wird ebenso rasch geklärt, wie der Kampf beendet, und diese Bedrohung ist der Part des Plots, der mir am meisten Schwierigkeiten bereitet hat. Die „Bösen“ in Jocelynn Drakes Welt sind nämlich Elfenwesen, die sogenannten Naturi, und damit stößt die Autorin mein Fantasy-Bild gewaltig um.
Die Darstellung dieser Gestalten ist so abgrundtief böse, dass ich es schwer hatte, meine Vorstellung feingliedriger, zarter Naturwesen aus meinem Kopf zu verscheuchen.

In der Tat darf der Leser nicht zimperlich sein, denn bei Jocelynn Drake fließen Schweiß und Blut, und Verstümmelungen stehen auf der Tagesordnung.
Der Autorin gelingt es, das Geschehen in eine sehr anschauliche Sprache zu verpacken, sodass sich die Action-Szenen trotzdem angenehm lesen lassen und weder übertrieben noch aufgesetzt wirken. 

Wie der Titel „Nightwalker“ besagt, entführt uns Jocelynn Drake mit ihren Vampiren wieder in die Welt der Nacht. So lässt sie auch ihre Protagonistin auf Reisen in einer Kiste schlafen, die sie selbst durchaus auch einmal „Sarg“ nennt.
Ihre Nachtwandler, Vampire, trinken Blut, schlafen am Tag, haben mentale Fähigkeiten, die erfrischenderweise längst nicht universell einsetzbar sind und durchaus einige Anstrengung erfordern, wirken aber trotz ihrer traditionellen Charakteristik nicht langweilig. Eine interessante Vorstellung ist, dass die Vampire ihren Herzschlag und Atem reproduzieren können, um den Menschen zu täuschen, auch wenn dies mit großem Kraftaufwand verbunden ist. Darüber hinaus sind sie in der Lage, sich für das menschliche Auge unsichtbar zu machen, ohne tatsächlich unsichtbar zu sein. Trotzdem sind Drakes Nachtwandler keine gefühllosen, toten Hüllen, wie Mira selbst (in Bezug auf die Menschen) äußert: „Wir empfinden Schmerz und Freude. Wir empfinden Trauer und Liebe genau wie ihr.“
Ebenso herrscht eine gewisse Organisation in der Vampirgesellschaft, und Konvent und Triade verleihen dem Plot einen Hauch von "Charmed".
Damit sind Drakes Vampire zwar nichts Besonderes, werden aber dank der Verbindung mit heidnischer Magie, Elfenwesen, die aus dem Fantasy-Genre herüberschwappen, und eben Miras außergewöhnlicher Macht und den geheimnisvollen Themis, von denen wir noch mehr erfahren wollen, trotzdem nicht in Schema F gepresst.

Obwohl Mira seit Jahrhunderten ein Vampir ist, ist auch sie von Gefühlen geprägt, für meine Begriffe wird sie allerdings von einer solchen Vielzahl von Emotionen erfüllt, dass sie am Ende weder Fisch noch Fleisch ist.
Im Grunde stellt sie eine toughe Protagonistin dar, die aber mit menschlichen Schwächen glänzt, wodurch sie – eigentlich – sympathisch sein müsste. Mira wird als starke Persönlichkeit präsentiert, die jedoch von deutlicher Furcht durchzogen ist. Sie fürchtet sich vor Danaus, vor dem Tod, und sie fürchtet sich auch vor Jabari, einem Ältesten, der eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt.
Die Erinnerungen an die Jahrhunderte zurückliegende Folter durch die Naturi, womit ihr aufgezeigt wurde, dass es mächtigere Wesen als den Vampir gibt, nagen an ihr, und man fragt sich unwillkürlich, ob es vampirische Psychiater gibt, die sich eines solchen Falls annehmen können, immerhin ziehen sich ihre Erinnerungen an Machu Pichu und die dortigen Geschehnisse wie ein roter Faden durch die Geschichte.
Vermutlich rührt auch daher Miras „Mitgefühl“ für die menschlichen Opfer, die die Naturi bei ihren Plünderungen schrecklich verstümmelt und ausgeweidet zurücklassen.
Diese Vielzahl der Charakterzüge macht Mira in meinen Augen zu einem vergleichsweise widersprüchlichen Charakter, insbesondere scheint mir ihr schnippisches, geradezu aufwieglerisches Verhalten gegenüber Jabari zu Ende des Buches vollkommen unangemessen und nicht nachvollziehbar.

Danaus zeigt sich als ziemlich undurchsichtiger Protagonist. Seine im Klappentext angepriesene Attraktivität ist eher nebensächlich, dafür ist er umso geheimnisvoller und für mich als Leserin wesentlich interessanter als Mira. Die Erkenntnis, dass er am Ende in den Kreis der Nachtwandler gehört, kam trotzdem überraschend.

Über die gesamte Lektüre hinweg ist klar, dass „Nightwalker – Jägerin der Nacht“ ein Reihenauftakt ist.
Es gibt viele Charaktere, mir waren es schon fast zu viele, dass nun ausgerechnet der Mensch Michael dem Plot und dem Bösen zum Opfer fiel, ging mir dann aber doch gegen den Strich, denn ich konnte mich des Eindruckes nicht erwehren, dass er schlichtweg den Weg räumen musste, ohne zu Ende erzählt zu sein.
Die Werwölfe wirken am Anfang hineingequetscht und hatten offenbar lediglich die Aufgabe, die enorme Macht der Naturi zu verdeutlichen.
Nicht alles scheint endgültig geklärt, und man hat oft das Bedürfnis, noch mehr zu erfahren. Insbesondere die Naturi sind mir in ihrem Ansinnen, die Welt von Menschen und Nachtwandlern zu befreien, noch deutlich zu eindimensional, auch wenn sich am Ende des Romans das Bild vor allem in Bezug auf das besondere Interesse an Mira zusammenzufügen beginnt.

Insgesamt betrachtet bietet „Nightwalker – Jägerin der Nacht“ von allem ein Bisschen: Die Charaktere haben, salopp gesagt, „was drauf“ und sie sind eingefügt in eine Welt aus normaler Urbanität und uralter, unfassbarer Magie.
Es bestehen nicht nur Berührungen, sondern auch Überschneidungen von Menschen- und Vampirwelt (Miras „Leibwächter“ sind Menschen), die eine ordentliche Portion Normalität, aber auch deutliches Konfliktpotenzial mitbringen.
Freunde von flotten Kampfszenen im Comicstil werden auf ihre Kosten kommen, während all jene, die eine Romanze erwarten oder erhoffen, vermutlich enttäuscht sind, denn mit Ausnahme vereinzelter sinnlicher Anflüge, passiert in dieser Hinsicht nichts.

Gut gefallen hat mir überdies die kleine Weltreise, auf die uns die Autorin schickt. Der Ausgangsort Savannah mutete zunächst ein wenig langweilig an, da auch Raven Hart ihre Vampirreihe dort ansiedelt.
Diese Location wird aber schnell verlassen, und die Vorstellung von „kalten“ Vampiren im heißen Ägypten war interessant.
Der Aufbruch zu neuen Abenteuern am Ende des Romans lässt auf eine weitere Weltreise hoffen.

Abschließend darf ich mich als Fan von Antje Görnig outen, die mir bereits die Lektüre von Katie MacAlister versüßte und auch Jocelynn Drakes Roman mit einer wunderbaren, von reichem Wortschatz geprägten Sprache übertragen hat, sodass auch hier eine angenehme Lektüre gewährleistet ist.

Weil „Jägerin der Nacht“ wohl im Zusammenhang zu sehen ist, aber trotz kleiner Widersprüchlichkeiten keine Sekunde langweilig war und neugierig auf mehr macht, gestatte ich mir folgende Wertung:
Anspruch: 3 von 5
Brutalität: 4 von 5
Erotik: 2 von 5
Gefuehl: 1 von 5
Humor: 0 von 5
Spannung: 4 von 5

Mein Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen


Dienstag, 20. April 2010

... über Elfen und Feen

(c) Kadri Umbleja - No use without permission!!!
Die Welt ist ein Dorf, das muss ich immer wieder feststellen. Zur gleichen Zeit, an vollkommen verschiedenen Orten, befassen sich verschiedene Menschen mit dem gleichen Thema.
Nachdem ich bereits von einer Anthologie-Ausschreibung inspiriert wurde und sich eine Elfe sozusagen von selbst bei mir zu Tee oder Ambrosia eingeladen hat, um mit mir eine Kurzgeschichte zu erarbeiten, interessiert sich nun auch Jenny für Elfen und Feen und widmet diesen fantastischen Wesen ein Projekt: http://www.opheliasunfugfabrik.de.vu/.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich nie ernsthaft mythologisch mit Elfen auseinandergesetzt. Auch habe ich kein literarisches Bild von Elfen oder Elben à la Tolkien, und im Zuge meiner Auseinandersetzung mit diesen Gestalten habe ich keine Recherchen betrieben, sondern möchte lediglich darlegen, welche Vorstellungen ich von ihnen habe und wie diese entstanden sind.

Ich bin mit vielen Sagen- und Märchenbüchern und entsprechenden Geschichten aufgewachsen, die meine Vorstellung von Elfen und Feen geprägt haben dürften.

So sehr ich auch Regal und Kisten durchsucht habe, ich konnte leider das allererste Sagenbuch, in dem unter anderem Elfen vorkommen, nicht finden.
Ich erinnere ich mich jedoch, dass diese Elfen nicht auf ein Geschlecht festgelegt waren, denn es gab sowohl männliche als auch weibliche Elfen. Ihre Rolle war ausschließlich auf Naturgebundenheit festgelegt. Sie spannen in der Natur die Fäden, sorgten für den Morgentau auf dem Rasen und tanzten Frühlingsreigen, bis die Knospen aufbrachen.
Das klingt ein wenig nach der Barbie-Welt "Fairytopia", das ist mir durchaus bewusst, aber meine „sagenhaften“ Wurzeln liegen deutlich weiter zurück als die Begeisterung meines Kindes für Barbie-Elfen.
In meiner Erinnerung sind Elfen winzig klein, sie entsprechen einer Däumling- bzw. Däumeline-Vorstellung, zumeist hatten sie auch Flügel, um sich wie ein Schmetterling davonstehlen zu können. In einem Teil der alten Bilderbücher, die ich besitze, sind Elfen sogar eine Art Mischwesen aus Insekt und winzigem Mensch, und man gewinnt dabei leicht den Eindruck, der Mensch habe sich das Tier „vermenschlicht“, um sich die Tierwelt auf neue Weise vorstellen zu können bzw. eine menschliche Welt im Kleinen, z. B. eine typisch menschliche Hochzeit von Schmetterlingsprinz und Schmetterlingsprinzessin, zu kreieren.

Die Elfen, die ich zuallererst in Erinnerung habe, konnten nicht für den Menschen zaubern, sondern sorgten wie die Heinzelmännchen dafür, das für ihn alles schön war, aber sie schufen auch Regen und Unwetter, wenn der Mensch seine Umgebung missachtete. Sie repräsentierten sozusagen eher eine Art Naturmagie, und wenn ich selbst über Elfen schreibe, verfolge ich zumeist diesen Gedanken.

Anders als diese Vorstellung zeigen sich hingegen die Elfen in einem recht alten Buch, das ich als Kind aber nicht minder geliebt habe und mir unter anderem auch meine erste Berührung mit Drachen brachte. 
In einer Geschichte, "Die Gaben der Elfen", aus „Gaben der Völker“ (erschienen 1952) sind die Elfen feine, kleine Wesen, die auf den Wiesen Reigen tanzen und singen, aber sie sind keine Naturwesen, sondern verfluchte Seelen, die so lange auf Erden wandeln sollen, bis es einem Menschen gelinge, ihr Lied zu Ende zu singen.
Obwohl es sich um verwunschene Seelen handelt, die in normaler Menschengestalt, mit gewohntem menschlichem Anlitz daherkommen, sind sie nicht, wie man erwarten könnte, von bösen Absichten beseelt, sondern sie helfen der Protagonistin, die als eine Art Aschenputtel oder Goldmarie beschrieben wird, fleißig und gutmütig ist, aber von der Muhme gequält wird und aufgrund ihrer Armut den Auserwählten nicht heiraten kann.
Diese junge Frau, Jaffik, wird nun eingeladen, mit den Elfen zu tanzen und zu singen und am Ende wird sie mit dem Liebsten belohnt, während die verwunschenen Seelen erlöst werden, als sie die letzte Zeile des Liedes singt, und die Wiese mit wunderschönen Blumen bedecken.

Eine neue Betrachtungsweise des Naturwesens Elfe bringt mir nun Jocelynn Drake in ihrem Roman „Jägerin der Nacht 01 – Nightwalker“, denn dort sind die Elfen, genannt "Naturi", die Bösen und wollen die Welt sowohl von Menschen als auch von den Nachtwandlern befreien. Ich bin gespannt auf die weitere Handlung des Buches.

Feen hingegen sind für mich Märchengestalten.
Vielleicht verbinde ich unbewusst Feen mit Märchen, da „Märchen“ im Französischen unter anderem auch „féerie“ heißt. (Manchmal denke ich sozusagen „zwischen“ den Sprachen.) "Féerie" hat in meiner Vorstellung mit Zauberei und dem Wirken von Wundern zu tun. Vgl. Englisch "fairytale".
Ich halte es durchaus für möglich, dass die Fee aus der Elfe entstand und sich eigenständig entwickelt hat. Ich besitze eine französische Märchensammlung, in der die Fee immer wieder thematisiert wird, und dabei handelt es sich nicht einmal um Märchen von Charles Perrault, der Disney Pate stand. Interessant ist, dass die Fee offenbar sowohl gut als auch böse sein kann, Attribute, die ich einer Elfe aus meiner Leseerfahrung heraus bislang nicht zuordnen würde. Wenn man so will, kann natürlich eine Elfe durchaus böse sein, wenn sie eine negative Handlung des Menschen rächt. Die Fee hingegen kann dem Menschen aus reiner unbegründeter Bosheit schaden, ohne dass eine Schlechtigkeit vorausgegangen sein muss. Hier ließe sich die gute Fee mit der guten Hexe und die böse mit der bösen Hexe gleichsetzen, und schon entsteht im Kopf ein Bild der Hexen bzw. Fee aus dem "Zauberer von Oz".

Während ich mit der Fantasie, Elfen seien mit der Natur verbunden, aufgewachsen bin, repräsentieren Feen für mich zutiefst menschliche Eigenschaften, Tugenden. 
Vermutlich habe ich zu oft Dornröschen gelesen, wo jede Fee dem Kind eine Gabe oder Tugend verleiht, diese Vorstellung kann aber auch aus Sagen über die Schicksalsgöttinnen entstanden sein.

Feen habe ich als Zauberinnen kennengelernt, die wie Elfen eine menschliche Gestalt haben, aber zudem auch Menschengröße annehmen können, aber nicht müssen.
Auf eine gewisse Weise sind sie durchaus Lichtwesen, aber präsenter als Elfen, eine Art Engel, der sich materialisieren kann und in der Lage ist, menschliche Wünsche zu erfüllen, z. B. bei Pinocchio.
Aber wie auch die Elfe ist die Fee für den Menschen nicht wirklich "greifbar", sie zeigt sich nur demjenigen, der es wirklich verdient hat, von reiner Seele oder reinen Gewissens ist oder sich durch besondere Tugend auszeichnet.

Während ich die Elfe als geflügeltes Wesen vor Augen habe, sehe ich Feen meist als durchsichtige Gestalt mit funkelndem Zauberstab, und dieses Bild war in meinem Kopf schon entstanden, bevor ich je Cinderella oder Dornröschen in Disney-Animation sah. Beide aber haben "menschliche" Züge und zeigen sich mir nicht als kindliche Gestalten. Spitze Ohren sind kein Muss. Insbesondere die Elfe scheint häufig als Kind dargestellt zu werden, nach meinem Dafürhalten ist das aber ebenfalls nicht obligatorisch. In meiner Vorstellung ist klein nicht gleichzeitig mit Kind zu assoziieren. Haut und Haare beider Gestalten können alle erdenklichen Farben annehmen, ohne auf Menschliches beschränkt zu sein. 

(c) Kadri Umbleja - No use without permission!
Dass ich zur Fee nicht so viel ausgeführt habe wie zur Elfe, bedeutet nicht, dass sie mich weniger fasziniert oder uninteressant wäre. Tatsächlich muss ich jedoch einräumen, dass ich mich schreiberisch vornehmlich mit Elfen befasse, und dort ausschließlich in naturmagischem Sinne.
Darüber hinaus stelle ich bei meinem Sohn fest, dass auch er bereits eine vorgefertigte Vorstellung von Elfen und Feen hat und mit seinen fünf Jahren bereits vehement alle korrigiert, die beispielsweise eine Porzellanfigur, die ein geflügeltes Wesen darstellt, als Fee bezeichnen.

Ich erlaube mir, Jennys Aufruf an meine Leser weiterzugeben, denn auch ich bin neugierig, was Elfen und Feen für euch sind und woher eure Vorstellungen kommen.

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... worüber ich lese: "Jägerin der Nacht 01 - Nightwalker" von Jocelynn Drake

Es könnte der Eindruck entstehen, ich habe nichts anderes zu tun, als zu lesen.
Das stimmt leider nicht, aber trotzdem versuche ich in jeder freien Minute, mir ein paar Seiten zu Gemüte zu führen.

Momentan beschäftigt mich:

Jocelyn Drake:
Jägerin der Nacht 01: Nightwalker
ISBN-13: 978-3802582516

Kurzbeschreibung:

Mit ihren sechshundert Jahren gehört Mira zu den ältesten Vampiren Nordamerikas. Sie besitzt zudem eine Gabe, die sie von allen anderen Nachtwesen abhebt: die Macht über das Feuer. Mira wacht über die jüngeren Vampire in ihrer Domäne und sorgt dafür, dass der Frieden mit den Gestaltwandlern gewahrt wird. Eines Tages kommt der Vampirjäger Danaus in ihre Stadt. Als sie ihm im Kampf gegenübersteht, muss sie feststellen, dass auch Danaus kein gewöhnlicher Sterblicher ist. Außerdem bringt er unheilvolle Neuigkeiten: Die Naturi, grausame, archaische Elfenwesen, die einst von der Erde verbannt wurden, sind zurückgekehrt, um Menschen und Vampire gleichermaßen zu vernichten!

Mein erster Eindruck:

Ich muss gestehen, dass ich auf Amazon in die Rezensionen geschaut habe, die sich recht durchwachsen zeigen. Davon will ich mich aber mal nicht abhalten lassen und hübsch weiterlesen.
Bislang habe ich 80 Seiten geschafft, und bis zu dieser Stelle ist mir der Roman eine Bewertung von 4 von 5 Punkten wert.
Ich hatte keinerlei besondere Erwartungen an das Buch, denn ich kannte es vorher nicht, obwohl ich die Autorin vom Hörensagen in Erinnerung, mich aber nicht weiter mit ihr beschäftigt hatte.
So war ich also überrascht, dass ein weiteres Buch mit der Ich-Erzählweise aufwartet, was natürlich einerseits den Vorteil bietet, dass man als Leser wunderbar in die Gefühls- und Erlebniswelt der Hauptfigur eintauchen kann, gleichzeitig aber den deutlichen Nachteil hat, dass man nur eine Perspektive zu lesen bekommt.
Dennoch startet das Buch flott. Es wird gleich ordentlich gekämpft, und Heldin Mira hätte um ein Haar das Zeitliche gesegnet, was natürlich nicht passieren durfte, weil der Roman ja noch ein paar Seiten mehr hat.
Gewöhnungsbedürftig ist und bleibt für mich die Vermischung der Welten von Vampiren, Werwölfen und Elfen. Da der Vampir nun aber nicht mehr eine reine Horrorgestalt ist, sondern ins Fantasy-Genre hinübergeschwappt ist, muss ich wohl ein wenig flexibler werden.
Neu für mich ist auch, dass die Elfen, hier Naturi genannt, im vorliegenden Fall die Bösen sind, und eines dieser bösen Wesen geht auch direkt zu Beginn des Buches drauf. 
Zimperlich sein darf man nicht, denn Jocelynn Drake lässt ihre Heldin ordentlich zuhauen und Blut produzieren. 
Ich bin ordentlich gespannt, wie es weitergeht, und werde berichten. 

Montag, 19. April 2010

... über "Darkyn 01 - Versuchung des Zwielichts" von Lynn Viehl

Lynn Viehl:
Darkyn 01. Versuchung des Zwielichts
(Originaltitel: If Angels Burn)
Übersetzung: Katharina Kramp

Broschiert: 390 Seiten
Verlag: Lyx (15. April 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3802582691
ISBN-13: 978-3802582691


Aus dem Inhalt:

Alexandra Keller ist plastische Chirurgin und hilft mit Leib und Seele Bedürftigen. Als sie von Michael Cyprien, einem Multimillionär, nach New Orleans beordert wird, lehnt sie ab. Mit der Hartnäckigkeit des Unbekannten hat sie allerdings nicht gerechnet, denn der lässt sie kurzerhand auf sein Anwesen La Fontaine entführen, wo sie schließlich begutachten darf, weshalb der Patient Cyprien solches Interesse an ihren chirurgischen Fähigkeiten zeigt. Er ist vollkommen entstellt und hat das Problem, dass all seine Wunden so schnell heilen, dass eine rekonstruktive Operation nahezu unmöglich ist. Doch Alex ist mit dem Skalpell die Schnellste, und es gelingt ihr, den Fremden wieder in einen ansehnlichen Mann zu verwandeln. Dumm nur, dass sie dadurch in eine Welt gerät, von deren Existenz sie nichts ahnte.

Meine Meinung:

Langsam frage ich mich, ob die deutsche Buchbranche ausnahmslos auf dieselben Stockfotos zurückgreift, denn mittlerweile schleicht sich bei mir ein Gefühl der Langeweile ein, wenn ich die Umschlaggestaltung betrachte. Wie üblich wird im Hintergrund vor einem Mond geflattert, während ein Gesicht den Vordergrund ziert. In diesem Falle wieder ein Gesicht, das so gar nicht zu den Charakteren passen will.
Neu hingegen sind die Blüten, allerdings habe ich keine Kornblumen im Buch entdecken können.
Die Gestaltung der Kapitelköpfe hingegen gefällt mir recht gut.
Leider ist die Titelwahl eher eintönig und reiht sich in die Vielzahl der Versuchungs- und Zwielichttitel ein. Wirklich in Versuchung ist meines Erachtens im Roman nur der Bruder der Protagonistin, John Keller.

Von vornherein haltlos sind jedoch jegliche Trittbrettfahrervorwürfe, die aktuell häufig laut werden, denn das Original dieses Titels ist bereits 2005 erschienen. Allerdings kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts bewährte Romanzen-Autorinnen verbündet und kollektiv beschlossen haben, das Genre der paranormalen Romanzen zu erschaffen.
Das Buch ist Anne Rice gewidmet, was nicht nur in der knappen Widmung zu Beginn, sondern auch im Textverlauf deutlich wird. Es gibt immer wieder kleine Verweise auf ihre Vampirromane, und mit dem Schauplatz New Orleans und dem religiösen Hintergrund werden unverkennbar Parallelen zu Anne Rice deutlich.

Ob es nun beabsichtigt war, sei einmal dahingestellt, aber der Charakter der Ärztin Alexandra Keller erinnerte mich oft stark an Shea O'Halloran Dubrinsky aus Christine Feehans Karpathianer-Reihe. Auch die Tatsache, dass es nicht mehr wirklich viele Darkyns gibt und Neuerschaffene aus unerfindlichem Grund nicht sonderlich alt werden, erinnert vage an das Feehansche Universum.

Daneben haben die Darkyn ihre eigene Charakteristik, so können sie von Kupfer verwundet und nur durch Enthaupten getötet werden. Die Darkyn-Werdung wird als eine Art schleichende Infektion beschrieben, die mit dem menschlichen Tod und anschließender Auferstehung als verdammtes Wesen endet. Damit wird der Protagonistin Alexandra die Möglichkeit gegeben, über weite Teile des Buches als Halbwesen, also nicht mehr wirklich Mensch, aber auch nicht Darkyn, zu verbringen und dabei die Stärken ihrer Darkyn-Seite zu nutzen. Im Zuge dessen erhielt sie die Gabe der Präkognition und nutzt sie, wie nicht anders zu erwarten, um den Schwachen zu helfen.

Die Darkyn sind hierarchisch organisiert, und an dieser Stelle muss ich als Manko einwerfen, dass dem Buch ein Glossar fehlt. Man wird unvorbereitet in eine neue Begriffswelt geworfen, und ich hatte ehrlich Mühe, mich zwischen Suzeräns, Highlords, Sygkenis, Tresoras und wie sie alle hießen, zurechtzufinden.

Dass die Territorien der Darkyn Jardin, also Garten, heißen, passt wiederum zu der Tatsache, dass ihnen Blumenduft anhaftet.
Während Michaels Rosenduft und Alexandras Lavendelnote für mich olfaktorisch noch nachvollziehbar sind, muss ich passen, wenn es um Geißblatt geht.
Sicherlich will die Autorin kein Geruchsmeisterwerk nach dem Vorbild von „Das Parfum“ erschaffen, aber ich hätte mir an mancher Stelle eine detailliertere Duftbeschreibung gewünscht, um die Wahrnehmung der Protagonisten besser nachvollziehen zu können, schließlich ist der Duft der „Attrait“, die Anziehungskraft, der Darkyn. Die Vorstellung von verschiedenen, wirklich sehr intensiv blumig duftenden Vampiren ist für mich allerdings eher übelkeitserregend als verlockend.

Apropos Übelkeit: Der Leser muss schon Einiges vertragen können. Zwar driftet die Erzählung nicht weit ab, Gore- und Horrorfans werden vermutlich enttäuscht, aber die Beschreibungen der Operationen verlangen schon einige Resistenz.

Von fremden Begriffen einmal abgesehen, liest sich der Text flüssig, vor allem wenn der Leser der französischen Sprache mächtig ist. Hin und wieder wird nämlich französisch parliert, und nicht in jedem Fall folgt eine deutsche Erklärung auf dem Fuße. Das gilt auch für lateinische Passagen, die vornehmlich am Anfang in Kirchenszenen vorkommen und daran schuld waren, dass ich sozusagen nur quer las, wann immer mir ein lateinischer Satz unter die Augen kam.

An einer Stelle musste ich sogar lachen, und zwar nicht aufgrund der Story, sondern dort erklärt die Übersetzerin in einer Anmerkung, dass es sich bei Morticia (in der Szene wird auf die Kleidung einer Person Bezug genommen) um eine Gestalt aus der Addams Family handelt. Ich fragte mich unwillkürlich, wer denn nach Auffassung von Übersetzerin/Lektor der Adressatenkreis dieses Romans ist, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass erwachsene Leser - ein Jugendroman ist „Versuchung des Zwielichts“ keinesfalls - die Addams Family nicht mehr kennt. Ich hätte der Leserschaft doch so viel Hintergrundwissen zugetraut. Auf der anderen Seite aber soll Otto-Normal-Leser Sätze, wie: „J’ai honte de ce que j’ai fait à toi, mais j’ai voulu que tu restasses avec moi …“ (man beachte die veraltete Subjonctif-Konstruktion) verstehen, auch wenn dieser eher von nebensächlicher Bedeutung ist.

Auch darf der Leser keine liebreizende Romanze erwarten.
Alexandra Keller ist eine überaus starke, eigenständige und damit durch und durch sympathische Protagonistin, die dem 700 Jahre alten Michael Cyprien mächtig vor den Karren fährt.
Es ist nachvollziehbar, dass sie für die Darkyn von unschätzbarem Wert ist, genau wie Shea für die Karpathianer oder Dr. Jane für die Black Dagger, aber dazu muss sie ja keine Bindung mit ihrem Erschaffer eingehen.
Umso erstaunlicher ist zum Ende des Buches hin die Erkenntnis, dass sie einander lieben.
Ja, warum, wieso, weshalb denn überhaupt? Es gibt kein vorsichtiges Hineingleiten in eine Beziehung. Man liebte sich nicht zart, schmachtete nicht voreinander hin, sondern es wurde schlussendlich, als man es kaum mehr für möglich gehalten hätte, „gefickt“ und Körperflüssigkeiten ausgetauscht, die die Darkyn-Werdung Alexandras noch beschleunigten.

Von der angepriesenen sündhaften Erotik habe ich nicht viel gelesen. Sündhaftigkeit und gewissen Zündstoff birgt der Charakter des John.

Insgesamt gesehen ist „Versuchung des Zwielichts“ keine Stand-alone-Geschichte, und insbesondere die letzten Seiten bereiten auf die Fortsetzung vor.

Ich denke, dass wir allen wichtigen Charakteren dieses Buches wiederbegegnen werden.

Meines Erachtens ist „Versuchung des Zwielichts“ ein solider Reihenauftakt, der sprachlich nicht zimperlich daherkommt, mit einer starken Protagonistin aufwartet, aber definitiv nichts für Romanzen-Shipper ist.

Lesenswert, aber kein Muss im dunklen Wald der Vampirliteratur.

4 von 5 Weißdornzweigen




Sonntag, 18. April 2010

... worüber ich lese: "Darkyn - Versuchung des Zwielichts" von Lynn Viehl

Gestern als Leihgabe von meiner lieben Lesefreundin Franca eingetroffen:

Lynn Viehl:
Darkyn 01
Versuchung des Zwielichts
Verlag: Egmont Lyx
ISBN: 978-3-8025-8269-1

Kurzbeschreibung:

Dr. Alexandra Keller ist eine erfolgreiche Schönheitschirurgin, die ihre Praxis auch des Öfteren für Bedürftige kostenlos zur Verfügung stellt. Eines Tages erhält sie einen Anruf von dem Millionär Michael Cyprien, der dringend ihre Hilfe braucht. Als sich Alexandra weigert, seinen Fall zu übernehmen, lässt dieser sie kurzerhand entführen. Was Alexandra nicht weiß: Michael ist ein vierhundert Jahre alter Vampir. Er wurde von seinen Feinden furchtbar entstellt, doch seine raschen Heilungskräfte machen eine Operation nahezu unmöglich. Alexandra muss all ihre Fähigkeiten als Chirurgin aufwenden, um ihm zu helfen.

Erster Eindruck:

Ich bin bis Seite 134 vorgedrungen. Allerdings merke ich, dass meine Konzentration arg auf die Probe gestellt wird, denn man muss schon aufpassen, dass man keine Information überliest, was recht schnell passieren kann, denn die Beschreibungen lassen die Fantasie gerne entgleiten.
Die in der Kurzbeschreibung angesprochene Gesichtsoperation habe ich bereits hinter mir, und die Passagen, die sich um Alexandra drehen, lesen sich flüssig und gefällig. Sie ist bis jetzt ein sympathischer, vertrauensvoller Charakter, während ihr Bruder John noch undurchsichtig ist und durchaus Unsympath-Potenzial hat.
Ein wenig Bammel hatte ich vor der eigentlichen Gesichtsrekonstruktionsszene, aber zu meiner Erleichterung war sie weder zu langatmig noch zu detailliert oder gar höchst ekelerregend.
Schwer tue ich mich bislang mit den Kirchenszenen und den immer wieder auftretenden Begriffen, wie "Hörigkeit" und "Entrückung", auch die vorprogrammierte Biss-Szene war mir ein bisschen sehr "entrückend", allerdings wirklich gut geschrieben.
Bisher sind die "Darkyn" nicht wirklich etwas Besonderes.
Die Bezeichnung soll zwar "dunkle Nachbarn" bedeuten, mit Freudscher Fehlleistung lese ich aber immer "Darkwing".
Neu an diesen Vampiren ist allerdings, dass hier Kupfer und nicht wie sonst Silber die Waffe der Wahl ist, und ich hoffe, dass noch erklärt wird, warum.
Darüber hinaus duften diese Wesen nach Blumen, und die Vorstellung, dass jedes Einzelne sehr intensiv riecht und sich dann allesamt vermutlich zu einem sehr extremen Bouquet verbinden, ist nicht sonderlich ansprechend.
Nachdem die gute Alex nun offenbar Biss und Bluttausch überlebt hat und nicht "entrückt" ist, wird es wohl erst richtig losgehen.
Gespannt bin ich auf jeden Fall, und ich hoffe, dass der Darkyn-Charakter Michael Cyprien noch mehr Farbe bekommt, aber da er bislang kein Gesicht hatte, ist zu erwarten, dass er sich nun zeigen wird.
Auffällig ist die häufige Verwendung französischer und lateinischer Phrasen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese immer für jeden verständlich sind.
Ebenso wird häufig Kursivschrift für Fremdsprachiges und Gedankliches verwendet, was mich persönlich nicht stört.

Ich werde an dieser Stelle weiterberichten.

Samstag, 17. April 2010

... über "Kuss der Dunkelheit" von Kathryn Smith

Kathryn Smith
Die Schattenritter – Band 2
Kuss der Dunkelheit
(engl. Original: Night of the Huntress)
Verlag: Droemer/Knaur (Oktober 2009)
ISBN: 978-3426502327
394 Seiten


Aus dem Inhalt:
 
Wir befinden uns, wie schon in Band 1, im Jahr 1899, allerdings nicht dieses Mal nicht in England, wo Band 1 begann, oder Frankreich, wo Band 1 endete, sondern in Rumänien.
Protagonistin Marika betritt einen Raum, in dem sie von einem potenziellen Auftraggeber
erwartet wird. Schnell wird klar, dass Marika kein schwaches, kleines Mädchen ist, sondern eine Jägerin, und zwar eine ganz besondere Jägerin, die einen Vampir ausfindig machen und fangen soll.
Als Gegenleistung erwarten sie angeblich Informationen, die sie zu dem Monster führen sollen, dem sie ihre Existenz zu verdanken hat.
Nein, Marika ist in der Tat keine normale junge Frau, sie ist ein Dhampir, und sie hat sich in den Kopf gesetzt, die Vampire gnadenlos zu jagen und auszulöschen.
 
Für sie gibt es in der Welt der Vampire keine Grauzonen, für sie sind alle Vampire böse, denn schließlich hat ein bestimmter Vampir namens Saint ihre Mutter auf dem Gewissen. So hat man es ihr erzählt.
 
Als nun dieser mysteriöse Auftraggeber daherkommt und sie auffordert, einen Mann namens Bishop zu fangen, kommt sie ihrem Ziel, Saint, scheinbar ganz nah, und genau dieser Bishop ist derjenige, der Marika umkrempelt.
 
Bishop ist auf der Suche nach einem Freund und reist deshalb nach Rumänien. Vor vielen hundert Jahren hatte er dort ein Heim und eine Frau, deren Grab er nun besucht.
 
Es gelingt Marika, ihn gefangen zu nehmen, doch er weiß – im Gegensatz zu ihren Mitstreitern, die ihr sozusagen unwissend und blind in ihrer Mission folgen - sofort, was sie ist.
 
Als sich die wahren Beweggründe ihres Auftraggebers herausstellen, zweifelt Marika bereits an ihrer bisherigen Einstellung und erkennt nach und nach, dass Bishop nicht das ist, wofür sie ihn hält und sie auch ihr eigenes Dasein als Halbwesen nicht verleugnen kann.
 
Schließlich kommt es zu einer folgenschweren Begegnung mit einem Nosferatu.
 
Meine Meinung:
 
Das Cover und auch der deutsche Titel sind meiner Ansicht nach deutlich zu romantisch, denn dieser 2. Band ist wesentlich rasanter als der erste.
 
Die Hintergrundgeschichte der Vampirwerdung wird hier für meine Begriffe ein wenig heruntergespielt und wirkt vermutlich, wenn man Band 1 nicht kennt, etwas konstruiert.
 
Der Klappentext konzentriert sich wie schon bei Band 1 in erster Linie auf den Schattenritter, hier Bishop, dennoch scheint mir immer deutlicher zu werden, dass die wahren Helden in Smiths Geschichten die Frauen sind.
 
Durch das Verschwinden von Schattenrittern wird der Faden des ersten Buches weitergesponnen und Stoff für Fortsetzungen geschaffen.
 
„Kuss der Dunkelheit“ hat Einiges, das man momentan zuhauf zu lesen bekommt.
Z. B. wurde Marika von der Großmutter aufgezogen, und natürlich entspinnt sich zwischen ihr und Bishop eine Romanze. Es gibt Entscheidungs- und Rettungsmomente, Enttäuschungen, ordentlichen Sex.
 
Trotzdem gibt es auch Unterschiede.
Durch den Blutgral haben die Vampire zwar enorme Kräfte bekommen, so sind Smiths Vampire selbstverständlich unsterblich, und sie können auch mal wieder fliegen, was Grundlage für ein paar nette Szenen gibt, aber sie können wiederum keine Gedanken lesen, wodurch sie einmal nicht in der Lage sind, immer alles zu wissen und vorauszuahnen.
Die Sonnenlicht- und Silberklassiker sind auch vertreten.
 
Während „Unsterbliches Verlangen“ eher ruhig war und sich auf das „Leid“ konzentrierte, womit eine gewisse Schmalzigkeit nicht ausblieb, hat „Kuss der Dunkelheit“ einige ordentliche Kampfszenen zu bieten.
Die Protagonistin Marika ist kein Mauerblümchen und trotz ihrer guten, gehobenen Erziehung und Bildung keine feine Dame. Sie ist ein starker, sympathischer Charakter, der aber sehr mit seiner Herkunft hadert.
 
Gut gefallen hat mir die Darstellung der gefühlsmäßigen Zerrissenheit Marikas. Sie will kein halber Vampir sein, weil sie dem glaubt, was man ihr erzählt hat, gleichzeitig würde sie aber für ihre Männer den Kopf hinhalten, umso schmerzlicher ist dann die Situation, als diese erfahren, dass sie eigentlich zu denen gehört, die sie seit Jahren jagen.
Sie akzeptiert sich im Grunde nicht als Mensch und nicht als Frau, sie ist ganz Jägerin und geht in ihrer Mission auf.
 
Bishop ist das ganze Gegenteil. Er hat sich mit seinem Dasein abgefunden, er ist zwar, wie offenbar auch die übrigen Schattenritter, auf der Suche nach Erlösung im religiösen Sinne, aber wirkt im Vergleich zu Chapel nicht wie ein Jammerlappen. Scheinbar lebt er aber gut mit seinem Schicksal. Er arrangiert sich mit seiner Existenz und hat einst den Wunsch seiner Frau akzeptieren müssen, die nicht wollte, dass er sie wandelte. Entgegen der Kurzbeschreibung wirkt Bishop auf mich nicht melancholisch.
 
Durch diese unterschiedlichen Einstellungen zum „Leben“ erscheint die Entwicklung der Liebesgeschichte durchaus realistisch und nicht einfach so dahingeklatscht.
 
Die Entwicklung von Marikas Vater ging mir ein bisschen zu schnell und war für mich nicht 100 % nachvollziehbar, aber vielleicht tut sich noch was in der Richtung, denn schließlich war er Mitglied des berüchtigten Silberhandordens. Von der Bunica hätte ich ebenfalls gern mehr gelesen.
 
Die kleinen Seitenhiebe auf die Vampirliteratur der Jahrhundertwende, wie Bram Stokers Klassiker, die schon in "Unsterbliches Verlangen" vorkamen, bringen mich immer etwas zum Schmunzeln.
 
Angenehm war das Wiedersehen mit Pater Molyneux und auch Marcus Grey, über dessen Verbindung mit den Schattenrittern wir ein wenig mehr erfahren durften. Gut gelöst war für meine Begriffe die Verknüpfung zu Band 1, denn Chapels Rettung von Pru legte den Grundstein für Marikas Rettung.
 
Neu erfuhren wir hier, dass Vampir und Nosferatu nicht dasselbe ist, sondern Nosferatus sozusagen die schlechte, böse Ausgabe des Vampirs sind. Allerdings frage ich mich, warum Chapel keinen Schaden nahm, als er von Pru trank, schließlich war sie ja auch krank.
 
Ich habe bereits erwähnt, dass ich kein ausgemachter Fan des historischen Romans bin, und das Setting im Jahre 1899 macht den Roman unleugbar „historisch“.
Man merkt jedoch in „Kuss der Dunkelheit“ selten das Historische, denn die Sprache ist vergleichsweise modern. Die Dialoge sind nicht angestaubt und die Figuren eigentlich zeitlos. Würden nicht hin und wieder ältere Wortwahl deutlich und ein Hinweis in Sachen gut situierter Eheschließung kommen oder sich einer der Charaktere auf ein Pferd schwingen, könnte man meinen, man befände sich in der Gegenwart.
 
Manchmal war mir die Sprache etwas eintönig bzw. einfallslos, und auch bzw. insbesondere bei den Sexszenen hatte ich ein leichtes Wiederholungsgefühl, nicht nur sprachlich, sondern auch handlungstechnisch, aber da mir ansonsten das Buch gut gefallen hat, kann ich darüber hinwegsehen.
 
Gut gefallen hat mir auch, dass diese Fortsetzung sich von Band 1 abhebt. Die Frauengestalt ist ebenso stark wie Pru, aber auf andere Weise. Sie ist nicht normal menschlich, sondern besonders und damit auf ihre Weise dem männlichen Protagonisten durchaus ebenbürtig. Bishop ist ein Charakter, den man durchaus auf die Liste der Vampirlieblinge setzen kann.
Bislang ist kein echtes "Schema F" zu erkennen, wenngleich selbstverständlich ein roter Faden verfolgt wird.
 
Es gab einige Szenen, die ich als sehr liebevoll und romantisch empfand, beispielsweise, als Bishop Marika badet und ihr Trost spendet, ohne dass diese Szene zu Erotik verkommt.
 
Auch hat Band 2 mehr Erotik zu bieten als Band 1. Ich denke, weniger hätte dem Buch nicht geschadet, um Wiederholungen zu vermeiden.

„Kuss der Dunkelheit“ ist wieder eine solide Zwischendurch-Lektüre mit Pluspunkten, wie rasanten Kampfszenen und einer starken Protagonistin, aber auch Schwächen, wie eintöniger Erotik und zu schwach ausgearbeiteten Charakteren, wie Marikas Vater.
Dennoch bleibt die Neugier auf die Fortsetzung.

Bewertung: 4 von 5 Weißdornzweigen.

... über "Unsterbliches Verlangen" von Kathryn Smith

Kathryn Smith:
Die Schattenritter – Band 1
Unsterbliches Verlangen
(engl. Original: Be Mine Tonight)
Verlag: Droemer/Knaur (Juni 2009)
ISBN: 978-3-426-50231-0
400 Seiten




Aus dem Inhalt:

Im Jahr 1307 sind sechs Soldaten auf Geheiß Königs Philipp auf der Suche nach den Schätzen des Templerordens. Was sie finden, ist das Geheimversteck eines Grals. Ist das der Heilige Gral? Die Versuchung ist groß und lockt die Männer in die Falle. Sie spürten nicht den Heiligen Gral auf, sondern den Blutgral mit dem Geist Liliths. Daraus zu trinken, rettet den Männern zwar das Leben, macht sie jedoch zu Vampiren, den Schattenrittern.

Jahrhunderte später, 1899, ist die Suche nach dem Heiligen Gral längst nicht abgeschlossen. Kurz vor der Jahrhundertwende überredet Prudence Ryland ihren Vater zum Kauf eines Anwesens, wo die Geburtsstätte König Arturs vermutet wird. Pru ist schwerkrank, sie leidet an Krebs, und die ihr verbleibende Zeit verrinnt unaufhaltsam, während die Ausgrabungsarbeiten in vollem Gange sind. Die Kunde von Prus Bemühungen ruft schließlich die Kirche auf den Plan, die zwei Abgesandte, Pater Molyneux und einen Mann schickt, der schlicht Chapel genannt wird. Der Fremde fasziniert die junge Frau sowohl äußerlich als auch intellektuell. Obwohl Chapel, einer der Schattenritter, seltsame Gewohnheiten zu haben scheint, die Sonne nicht verträgt und bei Tag schläft, gelingt es ihm zunächst, sein Geheimnis vor Pru zu verbergen. Doch dann endet auch Prus Suche in einer Falle, und Chapel muss seine Zähne zeigen.

Meine Meinung:

Als ich das Cover des Buches sah, konnte ich mir zunächst keine historische Vampirromanze dahinter vorstellen. Nur der schnörkelige Schriftzug des Namens der Autorin deutete vage auf das historische Ambiente hin, während der Kuss auf den Hals der rotlippigen Dame wohl als versteckter Bisshinweis zu verstehen ist.

„Unsterbliches Verlangen“ passt eigentlich nicht in mein Leseschema, denn ich muss zugeben, dass es mir historisches Flair nicht besonders angetan hat.
Auch warf mich die Beschreibung nicht unbedingt vom Hocker, denn die krebskranke Prudence rief mir Mary aus „Lover Eternal“ in Erinnerung, und da dieser Roman mein Lieblingsband der Black-Dagger-Reihe ist, hatte ich ein wenig kalte Füße, mich auf eine Geschichte um eine sterbende Frau und einen Unsterblichen einzulassen.

Was mich dann aber überzeugte, war die Hintergrundgeschichte des Blutgrals, denn ich fand eine religiöse Herangehensweise an den Vampirmythos durchaus interessant, obwohl sie natürlich bereits verschiedentlich belegt und keinesfalls außergewöhnlich ist.

Der „gequälte Held“ in Kathryn Smiths Story ist in erster Linie Prudence, deren Tod von Anfang an unausweichlich ist. Ihr Leiden scheint mir im Vergleich zu Chapels Gram um seine Verdammung und Ausgestoßenheit deutlich realer.
Für das zeitliche Setting des Romans hätte ich mir zunächst mehr Schmerz und Beschwerden erwartet, diese traten dann aber zum Ende hin noch stark zutage und es hätte dem Buch sicher nicht gut getan, wäre es Pru die gesamte Zeit über zu schlecht gegangen.
So hat der Leser Gelegenheit, sie als entschlossene Frau kennenzulernen, die weiß, was sie will und nicht herumjammert und darüber hinaus nicht auf den Mund gefallen ist.
Das ist in der Tat erfrischend, denn Chapel kommt im Gegenzug manches Mal ein wenig zu gequält daher in all seinem Zögern, er wolle Pru nicht auf seine Seite ziehen und sie auf ewig verdammen, woran er selbst dann noch festhält, als der Vater der Auserwählten ihn buchstäblich anfleht, sie zu verwandeln.

Action kommt in diesem Band etwas zu kurz, ist aber angesichts der Beziehung, die sich zwischen den Protagonisten anbahnt, nicht notwendig.

Prus endgültige Erkenntnis, dass Chapel ein Vampir ist, ließ mit etwa 250 Seiten vergleichsweise lang auf sich warten, allerdings ohne langweilig zu wirken oder das Gefühl zu erzeugen, dass man die Protagonistin packen und sie mit der Nase darauf stoßen möchte.

Als angenehm empfand ich die Tatsache, dass Intimitäten ebenfalls erst spät ausgetauscht und nicht in den Vordergrund gedrängt werden, wohl aber unvermeidlich sind, um das Romanzengenre zu bedienen. Diese Passagen sind geschmackvoll und arten nicht zu einer Aneinanderreihung sexueller Praktiken aus.

Etwas gestört hat mich, dass Chapel trotz Prus Krankheit von ihr trinkt, was mich persönlich leicht abstößt, weil ich die Vorstellung, dass das Nähren von einer Kranken diese zwangsläufig noch mehr schwächen muss, nicht abschütteln kann.

Darüber hinaus werden nicht alle Vampirklischees ausgewalzt.
Interessant ist, dass Smiths Vampire einmal nicht paranormal befähigt sind und somit weder Gedanken lesen noch manipulieren können. Dem Plot tut das gut, denn sonst hätte Chapel viel schneller von Prus Zustand gewusst und ihre schlagfertigen Reaktionen ihm gegenüber wären im Keim erstickt wurden.
Dafür aber können Smiths Vampire fliegen, was offenbar ein sehr aufregendes Abenteuer ist. 

Selbstverständlich ist der Ausgang der Geschichte vorprogrammiert, was nicht nur der Untertitel „Band 1“ verrät.
Der Plot lässt Fragen offen, auch wenn der Handlungsstrang um Chapel und Pru in sich geschlossen ist.
Der Silberhandorden hat offenbar Größeres vor, und auch Pater Molyneux und Marcus Grey sind tragende Nebencharaktere, die durchaus eine weitere Beleuchtung verdienen.
Nicht zuletzt ist Temples Verbleib ungeklärt, und ich habe den leisen Verdacht, dass es noch eine ganze Weile so bleiben wird.
Etwas unzufrieden war ich damit, dass die übrigen Charaktere der Ryland-Familie allesamt kaum misstrauisch gegenüber Chapel waren und ihn nach seiner Heldentat quasi blind in die Arme schlossen. Vielleicht war einfach kein Raum für mehr Konflike übrig ...

Da ich das Buch auf Deutsch gelesen habe, kann ich die Sprache des Originals nicht beurteilen.
Während die Dialoge sprachlich recht neutral wirken, wird dem Text durch Wörter, wie „mithin“, „fürwahr“ oder „fürderhin“, hin und wieder ein altmodisches Flair verliehen, was mich persönlich nicht stört, da damit der historische Plot recht gut unterstrichen wird, anderen Lesern aber möglicherweise gekünstelt erscheinen kann.

Insgesamt ist „Unsterbliches Verlangen“ – die Titelwahl ist gar nicht mal so abwegig und erotisch irreführend, wie man zunächst meinen möchte - für mich weder ein Lese-Muss noch eine innovative Sensation und macht mich nicht unbedingt süchtig nach Fortsetzungen, wenn auch neugierig.

Der Roman ist jedoch solide und eignet sich gut als Lektüre für zwischendurch.

Deshalb vergebe ich

vier von fünf Weißdornzweigen.








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