Sonntag, 5. Dezember 2010

[Weihnachtsfilmklassiker] Musik, Musik / Holiday Inn

Der zweite Advent hat sich hereingeschlichen, und ich will nun einen weiteren meiner Weihnachtsklassiker vorstellen. 

Als ich noch zur Schule ging, habe ich mir auf dem Nachhauseweg, wo ich immer etwas Zeit auf dem Busbahnhof verbringen musste, im nahegelegenen Kaufhaus eine Kassette mit Weihnachtslieder gekauft, weil sie mit damals 2,99 DM ein absolutes Schnäppchen war. Darauf zu hören war Bing Crosbys berühmtes "White Christmas". "War" deshalb, weil ich die Kassette inzwischen entsorgen musste. 

Damals wusste ich nicht, dass das Lied aus einem Film stammt, bzw. nahm es nicht wahr, weil man ja eine Zeit lang die Unsitte besaß, Songs in Filmen ebenfalls Deutsch zu vertonen.
"White Christmas" stammt aus einem Film, der im Deutschen "Musik, Musik" heißt.
Nicht zu verwechseln ist er mit "Weiße Weihnachten": 
In "Weiße Weihnachten" aus dem Jahr 1954 ist zwar ebenfalls Bing Crosby zu sehen, und man kann diesen Film durchaus als Remake bezeichnen, ich spreche heute hier jedoch von dem Originalfilm, der 1942 in die Kinos kam.

Im Original heißt dieser Film "Holiday Inn":

"Holiday Inn" ist zunächst einmal eine Dreiecksgeschichte um Jim Hardy (Crosby), Ted Hanover (Astaire) und Lila Dixon (Virginia Dale). 
Die drei treten gemeinsam auf und sind sehr erfolgreich, dennoch ist unverkennbar, dass die beiden Männer, der Sänger Jim und der Tänzer Ted, um die Gunst der Partnerin Lila buhlen. Als Jim eines Tages, günstigerweise zu Weihnachten, beschließt, das Showbusiness zu verlassen und mit Lila aufs Land zu ziehen, stellt sich heraus, dass die in Wirklichkeit Ted liebt und die Tanzschuhe nicht an den Nagel hängen will. 
Jim ist noch mehr enttäuscht und geht schließlich allein nach Connecticut, um ein Leben als Farmer zu beginnen. Sehr bald muss er aber feststellen, dass er nicht zum Farmer geboren ist und ersinnt einen neuen Plan. Er gründet ein Unterhaltungslokal, das passenderweise den Namen "Holiday Inn" bekommt, denn es soll nur an Feiertagen geöffnet sein. 
Als nun Jim seine Show plant, schickt ihm Teds Agent eine Verkäuferin Linda  Mason (Marjorie Reynolds), die nicht nur Gesangsambitionen hat, sondern echtes Talent besitzt, und beide machen sich zunächst etwas vor, geben sich als mehr aus, als sie eigentlich sind.
Inzwischen wurde Ted von Lila sitzen gelassen und macht sich, nicht mehr ganz nüchtern, auf den Weg ins Holiday Inn. 
Das Buhlen beginnt erneut, doch diesmal geht es zunächst professionell um Linda, denn nachdem Lila verschwunden war, steht Ted allein da und braucht eine Partnerin, und Jim will sich seine Neuentdeckung nicht wegnehmen lassen.
Später taucht aber nicht nur Lila auf, sondern auch Hollywood zeigt Interesse am Holiday Inn.

"Holiday Inn" ist eine Geschichte voller Missverständnisse, weil sich die Beteiligten nicht immer reinen Wein einschenken und aneinander vorbeireden. So missversteht Linda beispielsweise eine Einladung Jims, bei ihm im "Holiday Inn" zu bleiben, als Heiratsantrag. Überhaupt stehen die Herren der Schöpfung hier herrlich charmant auf ihrer eigenen Leitung und brauchen die klischeehafte Haushälterin zum Kopfgeraderücken.
Dank zahlreicher Verwicklungen ist man sehr gespannt, wer denn nun wen bekommen wird und ob sich alle wieder zusammenraufen. 

Ein klassischer Familienweihnachtsfilm dürfte "Holiday Inn" zwar nicht sein, aber romantisch ist er allemal und hat viele Weihnachtslieder zu bieten, die man bestimmt schon irgendwo einmal gehört hat. Vor allem "White Christmas" bekommt gleich ein anderes Flair, wenn man das bekannte Lied einmal in seinem "Originalumfeld" gehört hat.
Auf alle Fälle ist "Holiday Inn" ein Schmankerl für Fans der guten alten Musical-/Show-Filme, denn Gesang, Musik und Choreographien machen den altbekannten Plot lebendig. 

Auch hier kann ich wieder die US-Version wärmstens empfehlen. 
Bevor ich es, wie beim letzten Mal, vergesse, will ich hier gleich vorausschicken, dass die DVD Untertitel in Englisch, Spanisch und Französisch hat. Eine deutsche Version ist wie üblich nicht enthalten.
Man beachte, dass diese Edition Regionalcode 1 hat und deshalb nicht auf jedem DVD-Player hierzulande abspielbar ist. Die Ausstattungen eventueller deutscher Versionen bzw. der UK-Importversion ist mir nur bekannt, soweit eine Beschreibung bei Amazon vorliegt. Ich besitze die US-Edition, und nur zu der kann ich sagen, was drauf ist und was nicht.
Toll an dieser Ausgabe ist, dass sie drei Disks umfasst: eine mit der originalen SW-Version, eine mit der nachkolorierten Version und eine CD mit 12 Klassikern des Original-Soundtracks. 
Für den Filmfan bietet sie außerdem interessante Extras, wie einen Audiokommentar des Filmhistorikers Ken Barnes mit Archivkommentaren von Bing Crosby und Fred Astaire. 
Wer sich für Behind-the-Scenes interessiert, bekommt hier ebenfalls kleine Einblicke und darüber hinaus erfährt man, wie dieser Film nachkoloriert wurde. 
Bevor sich die Computerexperten (in Indien) an die eigentliche Arbeit machen, die vergleichsweise flott vonstatten geht, muss jede Menge Vorarbeit geleistet werden. Es kann ja nicht einfach drauflos eingefärbt werden, denn es sind Recherchen notwendig, welche Farben z. B. die Kostüme bzw. welche Augen- und Haarfarben die Darsteller hatten. Letzteres ist bei bekannten Schauspielern nicht so schwierig, denn entweder waren sie in irgendeiner Form irgendwo in Farbe zu sehen oder es ist irgendwo schriftlich belegt. Komplizierter wird es bei weniger bekannten Nebendarstellern und Komparsen, die durchaus auch einmal eine falsche Farbe bekommen können. Die Archive werden gewälzt, um die Kostümfarben zu ermitteln. Manche Farben werden wohl von vornherein ausgeschlossen, weil sie im Schwarzweißfilm nicht richtig wirken (Ginger Rogers hat das in ihrer Autobiographie Ginger: My Story angesprochen) ... solche Sachen könnte ich mir stundenlang anschauen, denn ich finde es unheimlich faszinierend, hinter die Kulissen zu blicken.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Klassiker heutzutage nur noch selten zu sehen sind, macht sich dieser Film gut in der heimischen Sammlung zum Immer-wieder-Anschauen.


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