Freitag, 31. Dezember 2010

... über "Babel 01: Hexenwut" von Cay Winter

"Babel 01: Hexenwut"

Farbenfroh-magisches, aber auch mächtig problemgeladenes Lesevergnügen



Produktinformation (lt. amazon.de)

Broschiert: 399 Seiten
Verlag: Lyx (4. Oktober 2010)
Sprache: Deutsch
Genre: Urban Fantasy
ISBN-10: 3802582950
ISBN-13: 978-3802582950
Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,4 x 3,2 cm
Preis: 9,95 € 

Kurzbeschreibung (lt. amazon.de)

Als Hexe führt die junge Babel ein Doppelleben. Offiziell ist sie als Personal Trainerin bei einer Firma angestellt. Insgeheim erledigt sie jedoch mit Hilfe von Magie Aufträge ganz anderer Art. Als eine rätselhafte Mordserie die Stadt erschüttert, wird Babel von den Alben engagiert, um den Täter zu finden. Schon bald gerät auch ihr Ex-Geliebter, der Halbdämon Samuel, unter Verdacht, von dem Babel aus erster Hand weiß, wie gefährlich er werden kann. Als sie auch noch mit dem Alben Tom anbandelt und selbst unter Verdacht gerät, zieht sich die Schlinge um ihren Hals immer weiter zu. Um die Katastrophe abzuwenden, muss sie Kräfte nutzen, von denen sie sich geschworen hatte, sie nie wieder anzurühren. 

Aus dem Inhalt

Als Tochter einer Hexe entdeckt Babel bereits als kleines Mädchen ihr magisches Erbe. Bereits im Kindergarten sieht sie die Geister Verstorbener und verschreckt damit ihr Umfeld gewaltig. Somit ist es praktisch schon vorprogrammiert, dass sie als Teenager Samuel begegnet, der ein Dämonenkind ist. Gemeinsam mit ihm erkundet sie das Ausmaß ihrer Fähigkeiten. Dabei stellt sich nicht nur heraus, dass sie überdurchschnittlich begabt und somit höchst mächtig zu sein scheint, sondern sie lässt sich vom Zauber der Magie verführen. Unermüdlich beschwören sie und Sam Dämonen, immer mehr lässt sie sich vom Reiz, auf verschiedenen Ebenen zu wandeln, und nicht zuletzt auch von den intimen Gefühlen, die sie zu diesen Anlässen mit dem Geliebten teilen darf, hinreißen. Lange Zeit gelingt es ihr nicht, sich von Sam zu lösen, bis sie eines Tages über die Strenge schlagen. 
Die eigentliche Handlung setzt ein, als Babel erwachsen ist. 
Sie schleppt ein ordentliches Päckchen Vergangenheit mit sich herum, besucht regelmäßig die AA, sozusagen als Ersatz, weil es natürlich keine Selbsthilfegruppen für Magie- oder Dämonensüchtige gibt. 
Sie führt im Grunde ein Doppelleben. Für das "normale Leben" geht sie pro forma einem normalen Job nach, während sie eigentlich für eine Agentur arbeitet, die sich mit magischen Kleinigkeiten befasst, z. B. Flüche bricht. Nichts wirklich Großartiges oder Aufwändiges. Nichts, das ihre wahren Kräfte herausfordern oder sie gar in Versuchung führen würde. 
Dann aber ereignen sich rätselhafte Morde in der Stadt. Auf höchst seltsame Weise ist die Polizei nicht in der Lage, die Morde aufzuklären. Die Aufklärung erfordert also magischen Einsatz, denn die Opfer sind Plags, Nachfahren der Naturgeister Alben. Diese haben  zwar eine magische Vergangenheit, sind in Cay Winters Welt aber inzwischen selbst machtlos, sodass sie nun die Hilfe einer Hexe benötigen.So begegnet Babel, die sich von Männern ferngehalten hat, dem Alben Tom, der Faszination und Gefühle in ihr weckt, die ganz anders sind als das, was sie mit Sam verband. Auch Tom fühlt sich zu ihr hingezogen, auch wenn Alben ein naturgemäßes Hexenmisstrauen hegen. 
Wie es kommen muss, steht, sobald sich zwischen Babel und Tom Tieferes zu entspinnen scheint, Sam auf der Matte, und Babels Gefühlsleben wird auf den Kopf gestellt. Einerseits wünscht sie Sam zum Teufel, andererseits aber braucht sie ihn auch, denn um den Mörder zu stellen, muss sie Energien entfalten und Ebenen beschreiten, von denen sie sich nie wieder einnehmen lassen wollte. 

Meine Meinung

In meinen Augen ist "Babel 01: Hexenwut", dessen schönes Cover mich gelockt hat, ein typischer Reihenauftakt, der an sich schon mysteriös startet. Der Roman beginnt mit einschneidenden Episoden aus Babels Vergangenheit, umschifft dabei aber gekonnt die Schlüsselereignisse, aufgrund derer die Protagonistin auch als Erwachsene noch mit sich selbst zu kämpfen hat. 
Die Hexenwelt der Autorin fügt sich in die reale Welt ein. Wirklich geheim sind die fantastischen Wesen nicht, aber es werden auch keine nennenswerten Konflikte zwischen Fantasiewelt und Menschen thematisiert. Etwas bedauerlich dabei ist, dass alle Hexen von Natur aus nicht gerade liebenswerte Charaktere sind: Von vornherein haben sie nur Interesse an der Nährung der eigenen Macht und besitzen nicht unwesentliches kriminelles Talent. Auch wenn Babel ihre Magie für das Gute einsetzt, vermisste ich doch den Facettenreichtum der Hexerei.
Babel selbst ist nach meinem Dafürhalten eine blonde Mischung aus Jeaniene Frosts Cat (Lederkluft, Motorrad) und Joss Whedons Willow (Magiesucht). Von ihrem in der Kurzbeschreibung angedeuteten Doppelleben erfährt man sehr wenig, ihr "menschliches", normales Leben ist im Prinzip irrelevant. 
In interessanten, vielfarbigen Bildern schildert die Autorin, wie die Protagonistin Energien aufbaut und ihre Magie anwendet. Das mochte ich sehr, zumal Zauberei in ihrer Entstehung ja sehr vage und nicht greifbar ist, sodass  der Vorstellungskraft kaum Grenzen gesetzt sind.  Trotzdem ist die Magie Cay Winters nicht willkürlich, sodass sich die Protagonistin ganz schön anstrengen muss, der Physik unterworfen ist und auf Rituale zurückgreifen muss, eben nicht alles aus "la main" schleudert. Ebenso hat jede Hexe ihre "Spezialität", Babels Schwester Judith beispielsweise kann ausgezeichnet Tiere beschwören und sie für Zauber einsetzen, während Babel darin ziemlich schlecht ist und so die Schwester um Hilfe bitten muss.  Bei Cay Winter ist Magie wie Elektrizität, körperlich spürbar und in verschiedenen Farben präsent. An keiner Stelle empfand ich die Beschreibungen als überzogen, sondern immer passend und ansprechend. Ein wenig erleichtert war ich sogar, dass mühsam gereimte Zaubersprüche fehlten.
Dass Babel dabei selbst trotz aller Macht recht blass blieb, konnte ich verschmerzen, da es der Autorin gelang, mich gut bei Laune zu halten. 
Besonders gut gefiel mir, dass die Handlung in Deutschland spielt, zumal ich während des Lesens nie den Eindruck loswerden konnte, dass Leipzig zum magischen Tatort auserkoren wurde. Obwohl das nie explizit zur Sprache kam, meinte ich doch, den einen oder anderen Ort wiederzuerkennen. So oder so bekommt Cay Winter von mir den Regionalbonus, da "Hexenwut" auf diese Weise noch ein Tüpfelchen mehr Identifikationspotenzial bot. 
Es muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass die Romanze bei Cay Winter nicht im Vordergrund steht. Wer auf die romantische Verspinnung zarter Bande hofft, wird wahrscheinlich enttäuscht. Der Charakter der Babel ist zu sehr gebranntes Kind und hat natürlich ein paar Morde aufzuklären, sodass es nachvollziehbar ist, dass dem gegenseitigen Verlangen relativ spät nachgegeben wird. Die intimen Begegnungen sind dann auch weniger von romantischer Zuneigung als vielmehr sehr erwachsenem Begehren geprägt und nicht unbedingt gefällig.
Dank des Hexenthemas kommt die Autorin um fundierte Polizeihintergründe herum und kann Babel, bis auf einen kleinen Ausflug zur Staatsanwaltschaft, "machen lassen". In "Hexenwut" geht es um Magie und nicht um kriminalistisches Vorgehen.
Auf die ansatzweise Aufklärung von Babels Problemhintergrund muss übrigens bis zum Schluss warten, wodurch die Fragen des Lesers lange aufgeschoben bleiben und er so bei der Stange gehalten wird.
Insgesamt betrachtet ist "Babel 01: Hexenwut" eine Art Urban Romantasy-Thrill, der sich unkompliziert liest und Lust auf mehr macht. 

Mein Fazit

"Babel 01: Hexenwut" ist eine lesenswerte Geschichte, die als Schauplatz keine fernen Reisetraumwelten benötigt, um urbane Atmosphäre zu schaffen. Auch wenn die Figuren noch etwas Tiefgang vermissen lassen und der beabsichtigte Humor an machen Stellen ein wenig verpufft, weiß Cay Winters mit ihrem Roman kurzweilig zu unterhalten. Da das Liebesleben der Protagonistin noch arg vertrackt und problemgeladen ist, muss man wohl auf Babel 02. Dämonenfieber warten, bevor sich für den Romanzenfan in Sachen Liebe und Romantik mehr tut.  Überanspruchsvolle Leser, die sich bereits für Auftaktromane akribisch ausgefeilte erzählerische Tiefen  erhoffen, werden von Babel wohl eher die Finger lassen.

Kurzum: Mir hat "Hexenwut" gut gefallen. 

Mein Gesamteindruck

4 von 5 Weißdornzweigen







Vielen Dank an den Egmont Lyx-Verlag für das Rezensionsexemplar. 

Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Klingt echt toll, dann werde ich es wohl doch lesen müssen. Mal sehen, ob es mir nicht demnächst irgendwo über den Weg läuft. ;)
Deutsches Setting und das glaubhaft, darauf bin ich ja mal gespannt! Ich war bisher nur einmal in Leipzig und zwar zur Buchmesse, da habe ich aber nicht viel von der Stadt gesehen ;)

Guten Rutsch!

Tanja hat gesagt…

Liebe Sinje!
Dir und deiner Familie alles Liebe und Gute für das neue Jahr 2011. Auf das alles so wird, wie ein jeder sich es erhofft. Bleib gesund und munter! Deine Tanja

Sinje hat gesagt…

Ich wünsche ein wunderbares 2011!

Ich bin wahrscheinlich eine der wenigen, die das Buch doch noch so gut fanden. Die meisten Vorstellungen, die ich lese, sind nicht so dolle. Wie Babel aber mit der MZ durch die Stadt fährt bzw. in die Straßenbahn steigt, jemanden in einem Gebäude aufsucht, das noch aus DDR-Zeiten übriggeblieben ist usw., das fühlte sich, wie soll ich sagen, "wie zu Hause" an. Ich habe lange in Leipzig gelebt, und ich glaube wirklich, dass es Pate stand.
Ich werde auf jeden Fall den zweiten Band lesen.

LG
Sinje

Sinje hat gesagt…

Liebe Tanja,
auch euch wünsche ich ein wunderbares 2011. Viel Glück und Gesundheit!
Alles Liebe
Sinje

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