Sonntag, 19. Dezember 2010

[Trickfilmklassiker] Die zwölf Monate

Im Augenblick sendet KiKa den russischen Märchenfilm Der Hirsch mit dem goldenen Geweih und da fiel mir auf, dass ich im Rahmen meiner Weihnachtsklassikervorstellung glatt vergessen habe, meinen Lieblingstrickfilm aller Zeiten vorzustellen. 

Wie bereits erwähnt, bin ich in einer thüringischen Kleinstadt aufgewachsen und ein DDR-Kind. Die russischen Märchenfilme kenne ich in- und auswändig, nicht zuletzt dank der Flimmerstunde, sondern auch weil wir in unserem kleinen Städtchen tatsächlich ein Kino hatten, in dem man für damals 50 Pfennig regelmäßig ins Kinderprogramm flitzte. 
Dort habe ich Drei Haselnüsse für Aschenbrödel - DEFA während der Spielzeit einmal wöchentlich gesehen, und auch wenn er heute auf gefühlten zehn Sendern täglich drei Mal in der Wiederholung gesendet wird, verbinde ich damit unvergessliche Erinnerungen, die mich nie des Filmes überdrüssig werden lassen.
Und dort habe ich auch ihn zum ersten Mal gesehen, meinen Lieblingstrickfilm: 


Ich glaube, mich hat damals fasziniert, dass die Protagonisten in diesem Film aus dem Jahr 1956 Kinder waren und man so gerne mit Kinderaugen an die Wunder der Neujahrsnacht geglaubt hat. 
Leider habe ich ihn noch nie auf Russisch gesehen; das sollte ich bald einmal nachholen. 
"Die zwölf Monate" kennt bestimmt jeder, mit seinen typisch-traditionell russischen Farben, der russischen Musik und seiner Magie. 
Die Originalgeschichte stammt aus der Feder des russischen Autors Samuil Jakowlewitsch Marschak, der sie ursprünglich als Kindertheaterstück verfasste, eine Geschichte, die ebenso märchenhaft bekannt wie lehrreich ist. 
Innovativ ist der Plot vielleicht nicht, denn auch Jakowlewitsch greift die Themen "armes, gutherziges Mädchen lebt mit Stiefmutter und böser Schwester und wird von diesen malträtiert", "Könige sind hochmütig, hartherzig, eigenwillig und dumm" und "ein gutes Herz wird belohnt" auf. 
Interessanterweise wird im Film im Gegensatz zum Theaterstück der Handlungsort nicht näher präzisiert, aber schon die Verwendung des Begriffes "Königin" anstatt "Zarin" suggeriert einen westlichen Ort (im Theaterstück Böhmen), obgleich die Darstellungen typisch russisch sind.

Die kindliche Königin, die für Regierungsaufgaben überhaupt noch nicht reif ist und die Wissenschaft gerne nach ihrem Belieben beugen möchte, beschließt, dass am nächsten Tag einfach April sein solle und wer ihr Schneeglöckchen bringt, einen Korb voll Gold bekommen werde.
Die Stiefmutter und ihre faule Tochter möchten natürlich gerne reich sein und nachdem das ungeliebte Stieftöchterchen zuvor im Wald beim Holzsammeln schon nicht erfroren war, schicken sie es wieder los, auf eine aussichtslose Mission. 
Frierend quält sich das Mädchen durch den Wald, den beißenden Wind im Gesicht, bis es in der Ferne ein Feuer brennen sieht. Unaufdringlich nähert es sich, bittet die 12 am Feuer sitzenden Männer, sich kurz aufwärmen zu dürfen, und erzählt ihre Geschichte. 
Die zwölf Männer sind die zwölf Monate, und aus Mitleid mit dem Mädchen bittet Bruder April Bruder Januar um Erlaubnis, kurz den Frühling entstehen zu lassen, sodass das Mädchen seine Schneeglöckchen sammeln kann. Außerdem schenkt er ihr einen Zauberring und vermittelt ihr entsprechende Zauberworte. Mit diesem Ring und dem Zauberspruch kann das Mädchen, sollte es einmal in Not geraten, die zwölf Monate zu Hilfe rufen. 
Als die Stiefmutter und ihre Tochter die Schneeglöckchen im Palast abliefern, bleibt es nicht dabei, denn die Königin möchte sich persönlich an den Ort begeben, wo diese gefunden wurden. 
Die Hilfe der zwölf Monate wird somit schneller nötig, als erwartet. 

"Die zwölf Monate" ist ein Zeichentrickfilm, in dem Wunder geschehen, wenn man daran glaubt, ein Film, der ein Verständnis für den Lauf der Natur vermittelt, der sich nun einmal nicht willkürlich verändern lässt (lassen darf), und zeigt, dass man genauso verzeihen lernen muss wie man lernen muss, eigene Fehler einzugestehen.

Bei uns steht er auf jeden Fall auf dem Weihnachtsprogramm. 


Daneben gibt es übrigens eine japanische Neuverfilmung, die ich allerdings noch nie gesehen habe, obwohl der Film auch in der DDR erschienen ist. 

Kommentare:

Sarah hat gesagt…

Oh, den Film habe ich als Kind geliebt und als er auf DVD rausgekommen ist habe ich ihn mir sofort gekauft ;-)

Allerdings ist mir noch nie jemand begegnet der den Film auch kennt!

LG
Sarah

Natira hat gesagt…

Ach, ich liebe diesen Trickfilm auch (die japanische Version kenne ich nicht)...

Was hier bei mir auf DVD daheim steht ist übrigens "Das bucklige Pferdchen" ...

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Das bucklige Pferdchen ... ach schön. Den haben wir damals auch im Kino gesehen. Und "Die wilden Schwäne". Ich liebe diese Filme.

Natira hat gesagt…

hach ... "Die wilden Schwäne" ... ja

Kurz entschlossen haben ich mir jetzt ein weiteres Weihnachtsgeschenk gemacht:
"Die 12 Monate", "Die wilden Schwäne" und "Zar Soltan und die Wunderinsel" habe ich mir bestellt :) Und weil ich so schön in Schwung war und ich noch die 20EUR-Grenze knacken mußte, kam auch noch "Die kleine Meerjungfrau" mit Miroslava Safrankova hinzu :D

Danke für das in Erinnerung rufen, Sinje!

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