Sonntag, 28. November 2010

[Weihnachtsfilmklassiker] Miracle On 34th Street

Weihnachten naht, und für mich ist das eine Zeit, um die Klassikersammlung startklar zu machen. 
Bei uns wurde früher zu Weihnachten (ja, bei uns sagt man "zu" und nicht "an" Weihnachten) kaum ferngesehen. Die Erwachsenen hatten zwar ihre Favoriten unter den Weihnachtsshows und für uns Kinder gab es immer das obligatorische Märchen zur Flimmerstunde, die meiste Zeit aber sind wir spazieren gegangen, haben Schallplatten gehört, Geschichten gelesen und tatsächlich auch gesungen. 
Leider ist Weihnachten seit dem Tod meines Vaters nicht mehr dasselbe, und wir haben es uns angewöhnt, die Weihnachtsflucht anzutreten und zu verreisen. 
Inzwischen stehe ich in der Weihnachtszeit auf der Seite der Verkäufer und bin ein fleißiges Bienchen, das Honig an den Schleckerfreund bringt. 
Auf gewisse Weise will sich bei uns deshalb nicht wirklich Weihnachtsstimmung einstellen. Weihnachten bedeutet für uns ein Vierteljahr Stress und nicht selten liegen wir dann an den eigentlichen Feiertagen mit irgendeinem Infekt danieder, denn bekanntlich brechen solche ja immer dann aus, wenn man einmal zur Ruhe kommt. 

Vor einigen Jahren lief mir im Rahmen eines solchen Weihnachtsinfektes im Fernsehnachtprogramm einmal ein alter Weihnachtsfilm über den Weg. 
Mein Fieberkopf hat ihn zwar wahrgenommen, aber wieder vergessen. 


Dann allerdings las ich Maureen O'Haras Autobiographie: Tis Herself: An Autobiography, in der sie unter anderem auch Miracle On 34th Street [UK Import] und ihre Erinnerungen an Natalie Wood anspricht. (Dabei fällt mir ein, dass ich diese Autobiographie schon lange hatte vorstellen wollen.)

Bei diesem Anlass machte es Klick, und ich musste den Film haben. 


Auf Deutsch heißt dieser Weihnachtsklassiker aus dem Jahr 1947 Das Wunder von Manhattan, sollte aber nicht mit dem gleichnamigen Remake von 1994 verwechselt werden, das relativ regelmäßig im Fernsehen gezeigt wird. 

"Das Wunder von Manhattan" erzählt von der alleinerziehendenDoris Walker, einer leitenden Angestellten des New Yorker Stammhauses der Warenhauskette Macy's, und deren Tochter Susan. 
Kurz vor Start der alljährlichen Weihnachtsparade (eigentlich findet die zu Thanksgiving statt und wird im Film übrigens nicht nachgestellt, sondern es wurden Aufnahmen der echten Parade verwendet) wird der bestellte Weihnachtsmanndarsteller mit einer ordentlichen Fahne aufgefunden, sodass rasch einer neuer her muss.  Kris Kringle, zur rechten Zeit am rechten Ort, sieht so aus, wie man sich den Weihnachtsmann vorstellt, und übernimmt den Job. Vom Fleck weg wird er dank guter Leistung als hauseigener Weihnachtsmann eingestellt, der den Verkauf ankurbeln soll. Das läuft nun aber nicht so, wie es sich die Hausleitung vorgestellt hat, denn der neue Weihnachtsmann schickt die potenziellen Kunden auch schon mal zur Konkurrenz, wenn Macy's einen Artikel nicht führt. Obwohl damit Ärger vorprogrammiert scheint, ist die Kundschaft hoch erfreut, sodass die Direktion dies als Anlass für eine neue Marketingidee nimmt. 
In der Zwischenzeit hat Doris ihre liebe Not mit dem netten neuen Angestellten, der unter den Mitarbeitern für Neid und Reibereien sorgt und ihre Tochter, die für ihr Alter ziemlich altklug daherkommt und nicht an den Weihnachtsmann glaubt, vom Glauben an Weihnachten überzeugen will. 
Ihr Nachbar, Rechtsanwalt Fred Gailey, der für Doris und Susan ganz offensichtlich mehr empfindet als nur nachbarschaftliche Freundschaft, steht dem sehr offen gegenüber, denn auch er hegt Bedenken, dass Susan nicht Kind sein kann und viel zu schnell ihren kindlichen Glauben verliert und erwachsen wird. Die Hektik in der Großstadt, die Abwesenheit der Mutter, die sich nach Kräften bemüht, dem Kind ein angenehmes Leben zu ermöglichen, und nicht zuletzt auch die Abgeklärtheit der Mutter haben aus der Sechsjährigen quasi eine kleine Erwachsene gemacht, die sich tief im Inneren aber nach einem ruhigen Leben in einem ruhigen Vorort, in einem eigenen Haus und vor allem mehr Zeit mit ihrer Mutter wünscht.
Nach und nach freunden sich Kris und das Mädchen an und sie vertraut ihm diesen ihren Weihnachtswunsch an. 
Da aber auch ein Weihnachtsfilm etwas Dramatik vertragen kann, kommt es, wie es kommen muss: Die Neider gewinnen und überzeugen Kris' Arbeitgeber davon, dieser sei psychisch gestört, sodass er schließlich in eine Anstalt gebracht wird und schon beinahe bereit ist, zu resignieren.
Nun muss Rechtsanwalt Gailey zeigen, was er kann und dass es nicht nur den Weihnachtsmann, sondern auch Wunder gibt. 

Ich ziehe das Original dem Remake vor, weil ich zu Weihnachten noch hoffnungsloser nostalgisch werde, als ich es ohnehin schon bin. 
Dieser Film ist nicht bunt, übertrieben oder laut, aber charmant-witzig und lebt von seinen Darstellern: Maureen O'Hara, die überzeugend die alleinerziehende Mutter spielt, Edmund Gwenn, der für seine liebenswerte Weihnachtsmanndarstellung einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt, und natürlich der damals 8- oder 9-jährigen Natalie Wood, die hier schon zeigen durfte, was in ihr steckt. "Das Wunder von Manhattan" ist auch der einzige Film, den ich aus John Paynes Repertoire (Fred Gailey) bewusst in Erinnerung habe.
Trotz seiner 63 Jahre gelingt es diesem Film immer noch, mir eine Gänsehaut zu bescheren, wenn Postboten säckeweise Briefe an den Weihnachtsmann in den Gerichtssaal tragen.
Auf jeden Fall ist "Das Wunder von Manhattan" ein Film für die ganze Familie, der einfühlsam von Wundern und Freundschaft erzählt und gleichzeitig Spaß macht.

Sehr empfehlen kann ich die Special-Edition des Films, die in den USA erhältlich ist. 
Sie enthält die Originalversion in schwarzweiß sowie eine liebevoll kolorierte Fassung. 
Ich hatte zunächst Bedenken, weil ich es für überflüssig hielt, einen alten Film nachzukolorieren. Wie einer Dokumentation, die als Extra bei einem anderen Weihnachtsfilm (Vorstellung folgt) zu entnehmen ist, ist das auch keine Arbeit, die sich zwischen Tür und Angel erledigen lässt, aber dazu an anderer Stelle mehr. 
Daneben gibt es einen Audiokommentar von Maureen O'Hara, die in diesem Jahr übrigen 90 Jahre alt wurde. Es ist zwar kein typischer Audiokommentar, der entstand, während der Sprecher den Film sah, sondern eine Aufnahme aus einem Interview, aber deshalb nicht weniger interessant. 
Natürlich ist keine deutsche Tonspur enthalten, aber angesichts der zwei Versionen und diversen Extras verzichte ich darauf gern. Mein Sohn muss allerdings auf eine Fernsehausstrahlung oder so lange warten, bis er genug Englisch kann. 

Ich jedenfalls bin gespannt, ob und zu welcher Nachtstunde uns die deutschen Fernsehsender in diesem Jahr mal wieder einen Klassiker präsentieren. 

Hier ein netter Trailer (Achtung, typische 40er-Jahre Dramamusik zu Beginn) mit witzigen kleinen Begegnungen mit Darstellern anderer Filme des Jahres, unter anderem mit Rex Harrison, der in "The Ghost and Mrs. Muir" zu sehen war.


Kommentare:

Natira hat gesagt…

Ich kenne diesen Originalfilm nicht und Du hast mir jetzt so etwas von den Mund wässrig gemacht :)

Hat die USA-Version englische Untertitel oder gar keine?

Lg und einen schönen ersten Advent!
Natira

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Liebe Natira,
nun hast du mich erwischt. Ich gucke fast nie mit Untertiteln und die meisten meiner US-DVDs haben sowieso keine. Also habe ich die Box mal rausgeholt. Jawoll. Beide Versionen bieten Untertitel auf Englisch und Spanisch. Sehr schön. Wäre ja auch frech gewesen, die Klassiker ohne UT zu lassen. Außerdem ist noch ein TV-Remake aus den 50ern mit drauf, das ich aber noch nicht gesehen habe, sowie eine Dokumentation über die Entstehung des Films und noch andere kleine Leckerli.
LG
S.

Tanja hat gesagt…

Miracle On 34th Street ist einfach zauberhaft! Nun hast du mich in eine schöne vorweihnachtliche Adventsstimmung gebracht. Zwei Fenster müssten noch geputzt werden, bevor ich diese dekoriere. Das ihr an Weihnachten lieber verreist, kann ich verstehen.
Ich wünsche dir, fleißiges Bienchen und deinen Lieben trotz des Honigverkaufs eine schöne Adventszeit.
*fühl dich geknuddelt* glg, Olli und Tanja

Natira hat gesagt…

Hm... Du hast die US-Version? mit dem Reginalcode1? Die muß leider nicht unbedingt in der Untertitelausstattung mit derjenigen aus UK übereinstimmen... verflixt...
Aber dann müßtest Du ja einen DVD Player haben, den man freischalten kann... hm... was für einen Player hast Du? Ich wollte mir nämlich mal einen region-free bzw. freischaltbaren kaufen...

Also noch mehr Fragen :)
Lg Natira

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Ja, ich habe die US-Version.
Die UK-Version wird vermutlich gar nicht mit der US-Version übereinstimmen, weder von den UT noch von den Extras. Die Amazon-Beschreibung ist leider auch nicht wirklich hilfreich.
Die US-Version ist wirklich RC 1, und ich kann sie auch nicht auf meinem Player abspielen. Reine RC 1-DVDs schaue ich immer am Computer. Dort kann man den Code zwar nur 4 x wechseln, aber da ich ohnehin nur RC 1 und 2 habe, gucke ich eben RC 1 am PC und den Rest normal. Ich habe auch ein paar US-DVDs von Serien, die als RC1 deklariert sind, aber trotzdem auf dem normalen Player funktionieren. Bei den Weihnachtsfilmen, die ich habe, ist das aber leider nicht der Fall. Übrigens ist mein Player hornbeinalt, und ich will auch mal einen neuen freischaltbaren.
Im Netz gibt es eine Seite, wo man die Ausstattungen (UT, Extras, Sprachen usw.) der verschiedenen Versionen vergleichen kann, dummerweise finde ich die nicht wieder ...
LG
S.

Natira hat gesagt…

ich habe mir zu weihnachten einen neuen player gegönnt und der soll - das muss ich noch austesten - auch auf region 0 gestellt werden können ;) ...

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Ich hoffe, dass er dann auch alles kann. Viel Spaß beim Ausprobieren und schauen.

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