Samstag, 6. November 2010

... über "Es kann nur eine geben" von Stephanie Rowe

Stephanie Rowe
"Es kann nur eine geben"

Hüter magisch-mystischer Gegenstände haben es nie leicht, und wenn sie dann auch noch dem anderen Geschlecht abschwören müssen, kommt es ganz dicke ... und gereicht nur zu wenig Amüsement.



Produktinformation:
Broschiert: 336 Seiten
Verlag: Lyx (15. Februar 2010)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Catrin Lucht
ISBN-10: 3802582985
ISBN-13: 978-3802582981
Originaltitel: Date Me, Baby, One More Time

Kurzbeschreibung (lt. Amazon)
Als Unsterbliche hat es Justine Bennett wirklich nicht leicht im Leben - sie wacht über den Quell der ewigen Jugend, ist seit Wochen nicht mehr aus dem Haus gekommen und ihr letztes romantisches Date ist mehr als zweihundert Jahre her. Da bricht der gut aussehende Derek LaValle in Justines Leben ein. Über Dereks Familie liegt ein Fluch, weswegen er nur noch wenige Tage zu leben hat. Er kann seinem traurigen Schicksal nur entgehen, indem er die Wächterin des Quells der ewigen Jugend findet und ihr den Kopf abschlägt. Das sollte ihm eigentlich nicht schwer fallen. Wenn diese Wächterin bloß nicht so verdammt sexy wäre ...

Meine Meinung
Man möge mir verzeihen, dass ich in diesem Falle auf eine weitreichende eigene Inhaltsangabe verzichte, denn mit der Kurzbeschreibung ist im Grunde bereits alles gesagt und, so muss ich leider sagen, es widerstrebt mir, die unspektakuläre Handlung dieses Fantasy-Romans, dem ich so gar nicht das Attribut Chick Lit zugestehen will, auszuwalzen.

"Es kann nur eine geben" ist mir bereits vor längerer Zeit auf eigenen Wunsch zugegangen, weil ich Lust auf (weitestgehend) Vampirfreies und Lustiges hatte, aber aufgrund diverser Widrigkeiten bin ich nicht früher zum Lesen gekommen, und auch wenn mich Soleils Besprechung ein wenig erschreckt hat, konnte sie mich nicht komplett verschrecken.

Angesichts des Covers und des Klappentextes und nicht zuletzt auch aufgrund der verheißungsvollen Anpreisungen von Katie MacAlister und Paranormal Romance Reviews, die von "wunderbar witziger Fantasy-Roman", "frech" und "genial-witzig" tönen, hatte ich mich auf Lesespaß gefreut.
Nachdem ich in der Regel eher unwitzige Lektüre auf dem Nachtschränkchen liegen habe, rieb ich mir die Hände in der Hoffnung auf ein breites Grinsen im Gesicht, wenn nicht sogar laute Lacher, für die ich schon bekannt bin, wenn ich Katie MacAlister lese.

Wahrscheinlich bin ich ein humorloser Mensch, der die Ausnahme von der lobpreisenden Regel darstellt, und kann den Witz in diesem Roman schlichtweg nicht erkennen.

Was mich erwartete, waren geschätzte drei lange Lesewochen, die ohne Grinsen und Lachen, aber mit viel Kopfschütteln und Augenrollen einhergingen.

Eigentlich ist die Vorstellung doch ganz amüsant:
Inmitten der Großstadt lebt eine hinreißend attraktive junge Dame, die seit zweihundert Jahren den Kelch der ewigen Jugend hüten muss. Besagtes Objekt trägt den wunderbaren Desdemona, neuzeitlich Mona, und kann sich in verschiedene Gegenstände verwandeln, neuzeitlich eine Espressomaschine. Damit aber noch nicht genug. Zu allem Überfluss ist dieser Hüterjob so prekär, dass die Espressomaschinenbeauftragte in diesen zweihundert Jahren weder ein Date, geschweige denn intimen Verkehr hatte (warum eigentlich? Eid und so ...). Die Wohngemeinschaft mit ihrer Schwester, die aufgrund eines Fluches als Drachin durchs Leben geht und auf Brezeln und Onlinebekanntschaften steht, macht die Situation nicht einfacher, aber dummerweise auch nicht witziger. Verflucht ist auch der Mann der Stunde und sollte demzufolge in Kürze, nämlich Schlag mit Erreichen des Einunddreißigsten Lebensjahres, das Zeitliche segnen. Um das zu verhindern, muss er die Hüterin um die Ecke bringen (denn Hüterinnen sind ja sowieso von vornherein an allem schuld). Daneben gibt es die reizende verstorbene, in hübscher Bleibe im Fegefeuer lebende Mutter der Hüterin, auf die Satan persönlich ein Auge geworfen hat. Im Übrigen ist der in Erwartung körperlicher Freuden mit jener Frau Mama und hat ganz eigene Interessen am Ableben des Verfluchten.

Diese Konstellation ließ auf einige Verwirrungen hoffen, denn schließlich kommt ja immer alles anders, als man denkt. Verwirrungen treten dann auch ein, sind aber durchaus vorhersehbar und unspektakulär.
Daneben empfand ich den Stil nicht als amüsant, obwohl der Gedanke an einen Drachen, der auf Cybersex steht und mal so ganz aus Versehen, die Wohnung in Brand steckt, damit ein paar knackige Feuerwehrleute zum Löschen kommen, einen doch eigentlich zum Grinsen bringen müsste. Allerdings vermag ich nicht zu sagen, ob das an der Übersetzung liegt oder bereits am Original, wobei ich jedoch vermute, dass der Hund schon dort begraben liegt. Insgesamt wirkte auf mich jede Situationskomik erzwungen.
Von "hinreißender Romantik" lese ich nichts, denn in der romantischen Vorstellung der Autorin geht es tatsächlich nicht um die "Eine", sondern um das "Eine".
Sämtliche Charaktere sind meines Erachtens in ihren Dialogen und generell schon penetrant - mit Verlaub - notgeil, sodass sich mir persönlich die romantische Liebesgeschichte zur Gänze verschloss.
Als sich dann herausstellte, dass Justine Satans Tochter ist, entfuhr mir ein "Aber sicher doch ...", denn das war einerseits zu viel des Guten, aber andereseits auch schrecklich vorprogrammiert. 
Leider haben sowohl die Protagonistin Justine und das todgeweihte Love oder besser Sex Interest Derek bei mir einen ziemlich plumpen, einseitigen Eindruck hinterlassen. Weder Justine, die ich mir aufgrund ihrer Bindung an einen dick verstaubten Eid, der so gar nicht zu der flotten Jungbrunnen-Mona, die schließlich eine hippe Espressomaschine sein kann, wenn sie es nur will, überhaupt nicht als sexy Metropolitin oder selbstbewusste Kämpferin vorstellen kann, noch Brezel-König Derek sind mir sympathisch geworden.
Mir war es schlicht und ergreifend egal, ob die beiden nun romantisch oder im Rahmen eines Nümmerchens zusammenfinden oder nicht. Von mir aus hätte auch die von Satan gesandte Becca gern Erfolg haben und Derek vorzeitig ins Jenseits befördern können.
Was mich bei der Stange gehalten hat, waren ich selbst und mein Hang, alles zuende bringen zu müssen, und die vom Cover grün versprühte Hoffnung, dass es doch irgendwann noch besser würde.
Auch wenn ich mich insgesamt nicht unbedingt gelangweilt habe, war ich doch streckenweise arg genervt.
Der Folgeband, Schau mir in die Augen, Kleiner!, in dem Drachin Theresa zum Zuge kommen soll, wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in mein Bücherregal wandern.



Fazit
Eine chaotische, aber uncharmante Geschichte voller in Fantasy verpackter Großstadtfrauenklischees, die aber trotz komischer Ansätze nicht in Fahrt kommen will und kaum Witz zu versprühen weiß.
Keine Leseempfehlung für Fans sprühend-amüsanter Romantik.


Anspruch (inhaltlich und sprachlich): 2 von 5
Aufmachung: 4 von 5
Brutalität (Kampfszenen/Gewalt/Gore/Tempo): 1 von 5
Erotik (Häufigkeit/Explizität/Sprache): 2 von 5
Gefühl/Subtilität: 2 von 5
Humor: 2 von 5
Spannung/Handlungsdichte/Dynamik: 2 von 5

Gesamteindruck:

2 von 5 Weißdornzweigen


 







Vielen Dank an den Lyx-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Siehste *g* Hättest Du mal auf mich gehört. Werde mich nächstes Mal mehr anstrengen und von so einem Buch stärker abraten.
Stimme Dir voll zu. Ätzend und zäh. Tapfer sein und abbrechen, nicht zwingen! Das hast Du nicht verdient ...

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Hihi, ich hab's ja so gewollt, und Eindrücke und die berühmten Geschmäcker können ja sehr unterschiedlich sein.
Ich bin eher tapfer im Nichtabbrechen, weil ich befürchte, dass ich was verpassen könnte.
Na ja, nun widme ich mich einmal etwas anderem.
Schönes Restwochenende noch!
LG
S.

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