Freitag, 22. Oktober 2010

Zettelei oder nicht? aka Antwort 12

Vor inzwischen mehr als zwei Monaten hatte ich hier zur Fragestunde aufgerufen und auch einige Fragen gestellt bekommen. Leider fehlte mir im Anschluss dann die Zeit, alle zeitnah ausführlich zu beantworten. So blieben unter anderem noch ein paar Fragen von Tanja unbeantwortet.

Hier sind sie:

Nutzt du Karteikarten für neue Einfälle oder hängst du überall Zettel hin?
Oder nutzt du auch andere Methoden, wie die Mind- oder die Cluster-Methode?

Ich starte mal so: Im Rahmen meines Schreibkurses habe ich so ziemlich alles ausprobiert, was vorgeschlagen wurde, dann aber festgestellt, dass ich mein eigenes System brauche.

Das war dem Dolmetschunterricht sehr ähnlich, wofür wir eine Einführung in Notizentechnik besuchen mussten, was sich bei mir als vergebene Liebesmüh herausstellte. Habe ich einmal ein für mich selbst funktionierendes System gefunden, komme ich selten und nur widerwillig davon los.

Mit Karteikarten verhält es sich bei mir wie mit Socken:
Egal, wie gut man sie zusammenpackt und aufbewahrt, es fehlt immer eine.

Zettel sind logistisch nicht machbar, denn die trägt mir mein sonst ordnungsresistenter Sohn, für den auch das Arbeitszimmer kein Sperrgebiet ist, akribisch hinterher, sodass ich am Ende nicht mehr weiß, was wie zusammengehört.

Ich glaube, mein Notizbuch kommt von der Struktur her dem Mind-Mapping am nächsten.
In einer früheren Antwort habe ich geschrieben, dass ich nie drauflos schreibe, wenn die Geschichte nicht von Anfang bis Ende in meinem Kopf existiert.
Das bedeutet nicht, dass ich jeden einzelnen Schritt im Kopf habe, aber ich weiß, wo meine Geschichte anfängt und wie sie ausgehen soll. Bisher ist es noch nie vorgekommen, dass ich mich zu einem anderen ungeplanten Ende gehangelt habe.
Wie beim Clustering konzentriere ich mich erst einmal auf die Idee und halte sie fest.
Das mache ich allerdings eben nicht ungeordnet, sondern Schritt für Schritt.
So sind die vier großen Abschnitte, in die "Blutsuche" unterteilt ist ("Lichtreise", "Schattenwürfe", "Dämmerungsboten" und "Nachtmahr"), identisch mit den großen Handlungsschritten, die ich von Anfang an mit Anne vorhatte. Im Grunde war das wie ein Foto mit unterschiedlichen Beleuchtungsverhältnissen, die von optimalem natürlichen Licht bis zu Dunkelheit, die künstliche Beleuchtung benötigt, um die Protagonistin klar sehen zu lassen, reichen.
Diese großen Abschnitte habe ich dann in meinem Notizbuch in kleinere Handlungen unterteilt, fast wie ein Inhaltsverzeichnis ... also wieder weg vom Clustering.
Ich brauche dieses strukturierte Vorgehen, um mich nicht zu verzetteln, außerdem erzähle ich gern und viel (auch drumherum), sodass ich mich auf diese Weise selber bremse.
Wenn ich diese Struktur fertig habe, notiere ich mir das Wichtigste zu meinen Charakteren, soweit das in diesem Stadium möglich ist. Meistens habe ich ein grobes Bild vom Aussehen der Charaktere und vergesse, dass ich so etwas auch notieren müsste. 
Dass das aber hilfreich ist, habe ich bei "Blutsuche" festgestellt, weil ich mich nach zweihundert Seiten oder so plötzlich nicht mehr an Eunices Augenfarbe erinnern konnte bzw. Anne ursprünglich viel kürzere Haare hatte, sodass nach dem Besuch im Beauty-Salon eigentlich gar keine Hochsteckfrisur mehr möglich gewesen wäre.
Eine Notiz hätte mir viel Blätterei erspart, außerdem merke ich mir Dinge besser, die ich mit der Hand aufgeschrieben habe. 
In Kurzgeschichten kommt es übrigens schon mal vor, dass ich es ganz unterlasse, das Aussehen von Charakteren zu beschreiben (so in "(Nimmer)Wiedersehen", wo Marcus quasi gesichtslos bleibt).

Diese Notizen gehen meist relativ flott, sodass ich nicht lange herumplotte, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Während des Schreibens notiere ich mir neue Einfälle ebenfalls. Das mache ich aber auch schon mal in einer Datei.
Obwohl ich das Autorenprogramm Papyrus habe, nutze ich es als Word-Gewohnheitstier kaum, auch wenn man solche Dinge dort sehr bequem realisieren kann. Trotzdem bevorzuge ich nach wie vor das gute alte Papier und Bleistift oder Kugelschreiber für handschriftliche Notizen.
Dasselbe mache ich übrigens auch bei Kurzgeschichten.

Kurz gesagt, ich bin ein organisierter Chaot, der Karteikarten und Zettel verlegt, aber an seinem Notizbuch hängt und sich zwischen Clustering und Mind-Mapping nicht entscheiden kann.


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