Sonntag, 24. Oktober 2010

... über "Nybbas Träume" von Jennifer Benkau

Jennifer Benkau
"Nybbas Träume: Schattendämonen 01"


Dämonisch-erotische Liebesgeschichte zweier Problemcharaktere, die Lust auf mehr macht.


(c) Sieben-Verlag

Taschenbuch: 408 Seiten
Verlag: Sieben-Verlag (12. Juni 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 394154702X
ISBN-13: 978-3941547025

Klappentext:
Sie nennen ihn Nicholas, doch wer er wirklich ist, ahnt niemand. Sein Aussehen ist atemberaubend, sein Charme lässt allerdings zu wünschen übrig. Seine Berührungen sind so absolut unwiderstehlich, wie sein Schatten tödlich sein kann. Er ist ein Wesen, das nur einen Feind kennt: die Clerica, Dämonenjäger, die seine Art seit Jahrhunderten jagen, bannen und töten. Nach einem herben Schicksalsschlag verfällt Joana mehr und mehr der Gleichgültigkeit, und merkt erst wie wertvoll ihr das Leben ist, als Nicholas es in ernsthafte Gefahr bringt. Denn im Körper des faszinierenden Mannes verbirgt sich der Nybbas. Ein Dämon, der sich von Emotionen ernährt und nichts so sehr liebt, wie das Spiel mit seinem Opfer. Nach ihrer Begegnung gerät Joana zwischen die Fronten von Gut und Böse, und muss eine schwere Entscheidung treffen.

Aus dem Inhalt:
Die dunkelhäutige Joana hat in ihrem jungen Leben schon Einiges durchmachen müssen: Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, denn er kam bei einem Unfall in einer Karsthöhle ums Leben. Und genau davon träumt sie nachts unaufhörlich, sie sieht, wie die Höhlendecke über ihrem Vater und dessen Kameraden zusammenbricht, und sie sieht seltsame Schatten, für die ihre Psychologin selbstverständlich eine professionelle Erklärung hat.
Vor inzwischen drei Jahren wurde dann auch noch ihr Verlobter, Sascha, ermordet, woraufhin sie eine folgenschwere Entscheidung traf, an der sie noch immer zu kauen hat.
Mit stoischer Gleichgültigkeit verdient sie ihr Geld mit Taxifahren, während in Hamburg ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Ihr ständiger Begleiter ist ihr Asthmaspray.
In dieser Stimmung begegnet sie Nicholas, der sie mit seiner ansprechenden Erscheinung und seiner Art so durcheinanderbringt, dass sie nachts einen ungehörigen Traum von ihm hat.
Das kommt aber nicht von ungefähr, denn Nicholas Nyrr ist nur die menschliche Hülle für einen Dämon, der vor über zweihundert Jahren von einer Roma-Hexe heraufbeschworen wurde. Er versteckt sich in wechselnden menschlichen Körpern und ernährt sich von den Emotionen der Menschen, manchmal sogar in solchem Maße, dass von diesen nichts als ein verstörtes Häufchen Elend zurückbleibt. Er liebt es, die Menschen seelisch auszusaugen, ihnen Schmerz zuzufügen und seine Spielchen mit ihnen zu treiben.
Ganz ungefährlich ist sein Dämonenleben nicht, denn wo es Dämonen gibt, gibt es auch Jäger. Aber auch in den eigenen Reihen ist es nicht unbedingt sicher.
Doch das alles soll Nicholas erst einmal weniger stören, denn da ist ja Joana, und auf den ersten Blick ist Joana perfekt. In ihr brodelt ein Chaos der Emotionen, was für den Nybbas ein wahrer Leckerbissen ist. Aber er muss feststellen, dass er nicht ganz so leicht an den begehrten Gefühlsambrosius herankommt, wie er es sich vorgestellt hätte.
Er lässt angesichts der Herausforderung nicht locker, und so dauert es auch nicht lange, bis Joana in seinen Armen liegt, sodass er sexuellen und emotionalen Durst gleichermaßen zu stillen hofft. Dass damit ein altes Familiengeheimnis zutage tritt, ist für beide eine unangenehme Überraschung. 

Meine Meinung:
"Nybbas Träume" hat mich vor allem interessiert, weil dieser Roman vampirfrei ist und ich eine Schwäche für Dämonen habe, da sie so wunderbar wandelbare und böse Wesen sind, die mir Spannung versprachen. Außerdem mag ich die Vorstellung, dass fantastische Wesen dieser Art auch einmal (zumindest größtenteils) in Deutschland angesiedelt werden, anstatt den fremdsprachigen Raum unsicher zu machen.
Allerdings habe ich mich geschlagene vier Wochen durch die ersten zweihundert Seiten gequält, nicht nur, weil ich so wenig Zeit hatte, sondern auch, weil mir sowohl Nicholas als auch Joana unsympathisch waren, was sich auf den verbleibenden zweihundert Seiten, die ich dann in einem Rutsch gelesen habe, leider nicht wirklich geändert hat.
Nicholas ist von vornherein keine Gestalt, die man bedingungslos liebt, denn Gefühle sind für ihn ja nichts weiter als Nahrung, seine eigenen scheinen auf Triebe reduziert zu sein.
Er ist eben ein Dämon, und man darf sich von seiner menschlichen Erscheinung nicht täuschen lassen.
Vielleicht bin ich von Vorurteilen zerfressen, aber es gelang mir bis zum Schluss nicht, Vertrauen in diesen Charakter zu entwickeln und ihm zu glauben, dass er Joana liebt. 
Zugute halten muss ich ihm allerdings, dass er mit der Zeit offenbar wirklich Gefühle zu entwickeln lernt, und wenn es auch nur Schuldgefühle sind.
Obwohl Joana schon so viel mitgemacht hat, jammert sie nicht.
Im Gegensatz zu ihrer Vermutung, ihre Gleichgültigkeit kratze schon leicht an einer Depression, denke ich, dass sie tatsächlich schon mitten in einer Depression sitzt.
Sie kommt nicht aus dem Knick, dreht ihre Anmeldeformulare fürs Studium zwanzig Mal hin und her, kriegt es aber nicht hin, sich wieder einzuschreiben.
Außerdem hat sie nach Saschas Tod eine zwar nachvollziehbare, aber auch ziemlich dumme Entscheidung getroffen, die zusätzlich zu ihrem inneren Albtraum beiträgt. 
Obwohl sie ihrer Mutter regelmäßig Besuche abstattet und bei diesen Gelegenheiten auch immer der undurchsichtigen Tante (väterlicherseits), Agnes, begegnet, habe ich das Gefühl, dass sie mit ihren Problemen alleine dasteht bzw. sie sich auch nicht unbedingt helfen lassen will.
Mit der Überraschung, die sie bald nach der Liebesnacht mit Nicholas erwartet, geht sie vergleichsweise unerschrocken um, allerdings zeigt sie dort, dass sie durchaus in der Lage ist, sich zu wehren, und sie wird ein Stück weit aus ihrer Gleichgültigkeit gelockt. 
Während sich herausstellt, dass der Nybbas nicht den Einfluss auf Joana ausüben kann, wie er gerne möchte, unterwirft sie sich ihm doch. Gleichgesetzt wird dieses Verhalten mit Liebe. 
Sie akzeptiert, an der Seite eines Mannes zu sein, der ohne Umschweife sagt, er könne nicht garantieren, sich nicht an ihrem näheren Umfeld zu vergreifen, weil er ja nun einmal auf Emotionen angewiesen ist, und an anderer Stelle gibt sie sich ihm hin, um seinen vermeintlichen Kummer zu dämpfen.
Alles in allem denke ich, dass die Beziehung der beiden unter keinem guten Stern steht, wodurch genügend Fortsetzungspotenzial gegeben ist.
Die Idee der Welt der Dämonen hat mir sehr gut gefallen, und böse und kontrovers waren sie allemal.
Der Autorin ist es gelungen, lebendige Bilder entstehen zu lassen, sodass ich mir die Dämonen in ihrer Urgestalt wunderbar vorstellen konnte.  
Die menschlichen Gegenspieler, die Dämonenjäger, die sie Clerica nennt, erscheinen mir hingegen noch etwas blass und unorganisiert, und ich gehe davon aus, dass sie in den Fortsetzungen eine umfangreichere Rolle spielen werden. Im Übrigen hatte ich angesichts der Szenen im Clerica-Hauptquartier Giles' Bibliothek in Buffy vor Augen.
Dass die Serienkiller-Geschichte tatsächlich zum Plot gehörte, hat mich eher überrascht, und ich empfand sie als etwas deplatziert, zumal sie ebenso kurz eingeführt wie abgehandelt wurde, aber es musste ja irgendein Grund gefunden werden, um die Clerica auf die richtige Spur zu lenken. Na ja ...
Unter dem frischen Eindruck einer Weiterbildung haben mich einige sprachlichen Elemente gestört, unter anderem Ausdrücke, wie "mehr als erregt", den ich momentan in vielen Texten als überpräsent empfinde, aber auch der Hang zu prädikatlosen Sätzen und Einwortsätzen sowie Kommafehler.
Positiv ist aber, dass die Sprache der Autorin insgesamt frisch und individuell wirkt.  
Die allgemeine Begeisterung für das Cover kann ich nur bedingt teilen, aber ich bin sowieso kein Coverkäufer. Die Ornamentik verleiht fast den Eindruck einer Prägung und auch der dunkle Hintergrund ist durchaus ansprechend, die Schriftfarbe im Titel für meine Begriffe aber ein bisschen zu rosa. (Das kann allerdings auch von Exemplar zu Exemplar unterschiedlich sein.) Die Fortsetzung wird, wie man der Vorschau entnehmen kann, ähnlich gestaltet sein. Ein gewisser Wiedererkennungswert ist auf jeden Fall gegeben.
Mir hat das Buch jedenfalls gefallen, denn ich habe mich, trotz meiner Aversionen gegenüber den Protagonisten, nicht gelangweilt und will wissen, wie es mit ihnen und den Problemen, die zwischen ihnen stehen bzw. die sie verfolgen, weitergeht.

Fazit:
Schöner Reihenauftakt, der Charaktere, die sich nicht in ein Schema pressen lassen, heiße, aber ansprechende Erotik und flotte Kampfszenen in unverbrauchter Sprache und ohne nennenswerte Längen bietet.
Schade, dass wir auf Nybbas Nächte: Schattendämonen 02 bis nächsten Sommer warten müssen.

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen

Kommentare:

Alexandra hat gesagt…

Hallo Sinje

Im Gegensatz zu dir war ich positiv überrascht von dem Buch, denn für mich war es das erste Buch mit Dämonen überhaupt *gg*

Ich find es echt spannend wie verschieden doch die Charaktere empfunden werden können, wie verschiden die Geschichte aufgefasst (die Moral) wird.

Aber auch ich hab 4 Punkte gegeben ;)

Mit dem Cover gehts dir wie mir, klar ist es schön wenn ein Cover schön gestalltet ist, aber mir ist lieber die Geschichte dazwischen ist gut ;)

Wünsch dir noch einen schönen Abend und lass dir liebe Grüsse da

Alexandra

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Huhu Alex,
wenn es mich negativ überrascht hätte, hätte ich keine 4 Punkte gegeben. Konfliktpotenzial ist gut!
Ich bin auch kein Moralapostel, aber ich wünsche mir für die weiblichen Parts nach so vielen Schicksalsschlägen immer eine bedingungslose Liebe. Sich von Emotionen anderer nähren zu müssen, ist ja schon etwas Intimes, und das zu akzeptieren, ist in meinen Augen schon ziemlich hart. Auch als sie am Ende sagt: "Nimm dir, was du brauchst", obwohl sie noch nicht soweit ist, lässt mich an einer gesunden Beziehungsbasis zweifeln. Na ja, aber es ist nun mal Urban Fantasy und kein Beziehungsratgeber und eben auf mehrere Bände ausgelegt.
Auf jeden Fall ist es eine Trilogie, die ich nicht einfach außer Acht lassen werde.
Schöne Grüsse in die Schweiz
Sinje

Alexandra hat gesagt…

HI :)

Ne, darum geht es ja nicht, den Moralapostel zu spielen ;) ich meinte das mehr die verborgene Botschaft dahinter und ja, da geb ich dir recht, es ist doch eine sehr intime Sache. Nun, mal sehen wie die Geschichte weiter geht, war ja nur der erste Teil von 3, also ich bin mal davon ausgegangen das es weiter geht, ich mag zwar auch happyends aber manchmal finde ich das langweilig.

Nun gesund ist an ihrer Einstellung ja niht viel. Das ist ja ihr Part, ein ziemlich gestört junge Frau, mich hätte alles andere überrascht.

Ich eben auch nicht, freu mich auf den 2. Teil ;)

Lieber Gruss zurück ;)
Alex

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