Freitag, 1. Oktober 2010

... über "American Prince - A Memoir" von Tony Curtis

Je weiter die Jahre voranschreiten, umso mehr, und man möchte beinahe meinen, gehäufter, nimmt die Gilde des alten Hollywoods ab.

Doris Eaton Travis, Dorothy Janis, Meinhardt Raabe, John Forsythe, Robert Culp, Peter Graves, Merlin Olsen, Nan Martin, Lionel Jeffries, Kathryn Grayson, Pernell Roberts, Jean Simmons, Lena Horne, Dennis Hopper, Rue McClanahan, Patricia Neal, Harold V. Goldstein, Eleanore Cammack "Cammie" King, Kevin McCarthy und Grace Bradley - Namen, die vielleicht dem einen oder anderen der jüngeren Generationen nichts mehr sagen und von denen einige wahrscheinlich im nächsten Jahr nicht einmal Erwähnung im "In Memoriam"-Teil der Oscar-Verleihung finden werden, wurden in diesem Jahr bereits verabschiedet. 

In dieser Woche erreichte die Öffentlichkeit nun die Nachricht, dass auch Gloria Stuart, den meisten heute vermutlich aus "Titanic" bekannt, verstorben ist.

Diese Meldung verblasste durch die gestrige Nachricht des Todes von Tony Curtis.

Der erste Film, den ich mit Tony Curtis sah, war Die Diebe von Marschan.
Ich erinnere mich, dass ich damals zu meinem Vater gesagt habe, dass ich, wenn ich einmal groß bin, den Hauptdarsteller heiraten werde.
Dass der Film damals schon dreißig Jahre auf dem Buckel hatte, leuchtete mir natürlich nicht ein, und offenbar wohnte mir damals eine gehörige Portion weiblicher Oberflächlichkeit inne, denn ich fand Tony Curtis einfach höchst ansehnlich.
Da bin ich natürlich nicht die Einzige ...

Der Darsteller, der den meisten wohl aus Billy Wilders Manche mögen's heiss (Gold Edition), dem oscarprämierten Meisterwerk Flucht in Ketten und der kurzlebigen Fernsehserie Die 2 - Special Collectors Edition, die übrigens nicht nur in der Synchronisation Humor versprüht, bekannt ist, hat zwei Autobiographien verfasst.

Die erste Tony Curtis: The Autobiography erschien Anfang der 1990er (dt. 1995 "Ich mag's heiß"), ist aber an mir vorbeigegangen, weil ich damals eher Biographien anstatt Memoiren gelesen habe.

2008 folgte dann American Prince: A Memoir: My Autobiography zunächst als Hardcover-Ausgabe mit edel geprägtem Schutzumschlag.
Leider ist das Innenleben meiner Ausgabe weniger edel und sieht aus, als habe man Mäuse die Seiten schneiden lassen anstatt einer Maschine. Auch erinnert das Papier eher an eine etwas dickere Zeitung. Der etwas magere Bildteil ist aber wieder auf fototauglichem Papier und zum Teil auch in Farbe gestaltet und entschädigt zumindest optisch ein wenig.


Kurzbeschreibung:
At the height of Hollywood's Golden Age, Tony Curtis starred in "Houdini" and "Spartacus", made comedy history with Jack Lemmon in the unforgettable "Some Like It Hot", was friends with Frank Sinatra, Cary Grant and James Dean, and romanced screen sirens such as Marilyn Monroe, Janet Leigh and Natalie Wood. He lived a life he could only dream of growing up in the Bronx. Born Bernard Schwarz to immigrant parents, this is Tony Curtis' story of his hard-knock childhood, his wild days as a Hollywood playboy, his destructive drug addiction and his life now as an artist at eighty years old. Sparing no name, no detail and no ego, Tony Curtis talks intimately about the people he has known during his long, illustrious career, his co-stars, the studio owners, his wives, his lovers and his friends. It is this book, he says, that will be the true record of his life. In "American Prince", Tony tells the amazing story of his life, with humour, grace and honesty.

Diese Kurzbeschreibung fasst die Autobiographie, die in Zusammenarbeit mit Peter Golenbock entstand, ausnahmsweise einmal recht gut zusammen.

Leider fehlt mir der Vergleich zur Vorgängerautobiographie.

Ich erhoffe mir, wie bereits häufiger erwähnt, immer ein paar Einblicke in die Goldenen Jahre Hollywoods und bin unersättlich neugierig in Sachen Filmentstehung, allerdings wird dieser Teil meines Interesses durch "American Prince" weniger gestillt.

Diese Memoiren zeichnen ein Leben nach, das wahrscheinlich genau dem Klischee entspricht, das man von einem echten Star hat und das natürlich auch von einem Großteil der Autobiographien schon fast nach Schema F bedient wird: traumatische Kindheitserlebnisse, erste Schauspielschritte, Frauen, Erfolg, Frauen, Drogen, Alkohol, Misserfolg, Läuterung, neue Lebensinhalte.

Tony Curtis scheut sich nicht, sich selbst egoistisch, arrogant und unsympathisch, zugleich aber auch liebenswert darzustellen, indem er unverblümt über sich selbst und die Menschen in seinem Umfeld schreibt, die er nicht alle mit Samthandschuhen anfasst.
Er geht ganz klar nicht auf Anheuerungstour neuer Fans und scheint auch keine Furcht zu haben, alte Fans zu verschrecken.

Das ist natürlich eine Gratwanderung, die nicht jedem zusagt.
Auch ich habe das Buch mehrfach aus der Hand gelegt, weil es mich stört, wenn ich über vorgebliche Liebesbeziehungen zu Schauspielerinnen lesen muss, die keine Gegendarstellung mehr abgeben können, da sie längst nicht mehr am Leben sind.
Diese Gefahr besteht bei Autobiographien natürlich immer, und in dieser Hinsicht war nicht nur Tony Curtis Autobiographie eine Herausforderung.
Vor allem hat er wenig gute Worte für ehemalige Ehefrauen übrig, insbesondere Janet Leigh, die wiederum in ihrer Autobiographie kein schlechtes Wort verloren hat. 

Daneben lernen wir aber Tony Curtis auch als vielseitigen Künstler kennen, der sich in letzten Jahren mehr und mehr der Malerei verschrieben hat.  

Für mich sind diese Memoiren, die ich gestern noch einmal zur Hand nahm, das Spiegelbild eines Stars, der ein buntes Leben voller guter und schlechter Entscheidungen, voller Legenden und Wahrheiten gelebt hat und nun eine spannende, langweilige, lustige, bunte und vielfältige, unvergessene Filmographie hinterlässt.

Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Ich finde es auch schade, dass so viele gute Hollywoodgrößen verschwinden. Und wenn man sieht wer und was nachrutscht ... das finde ich einfach schade. Aber so wirklich große Rollen in wirklich großen Filmen scheint es auch nicht mehr zu geben. Was heute produziert wird, hat oft weder Hand noch Fuss. Es ist schnellebig zur Unterhaltung und vergeht, dass kaum gesehen.
Hach, eine Runde Seufzer bitte!

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Hach, ich seufze eine Runde mit.
Ja, die großen Namen werden weniger, und ich erwische mich oft, dass ich mich frage "Lebt der noch?", wenn mir ein Klassiker über den Weg läuft.
Dieses "wer und was nachrutscht" gab es aber wohl zu allen Zeiten. Ich erinnere mich, dass damals als "Eiskalte Engel" rauskam, in einer Art Imagefilm auch getönt wurde "die Stars von morgen". Na ja, die einzige von der man noch was hört, ist Reese Witherspoon. Analog dazu sah ich kürzlich eine alte Hollywood-Wochenschau, die als Extra irgendwo dabei war und mit "Merken Sie sich diese Gesichter und Namen" diverse Jungstars der frühen Vierziger anpries, von denen man am Ende eigentlich nur noch Lana Turner und Esther Williams kannte.
Die "Stars" von früher gibt es sowieso nicht mehr. Gute und schlechte Filme gab es auch schon immer, nur denke ich oft, dass man den älteren Sachen die Arbeit dahinter noch mehr ansehen kann.
Ich mach mir ein s/w-Film-Wochenende.
Ich wünsch dir was!
LG
Sinje

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