Sonntag, 24. Oktober 2010

[Filmklassiker] Three on a match

Ich habe mich in die kalten Gefilde unseres Dachbodens gewagt und doch eine meiner drei DVD-Boxen mit Precode-Filmen herausgekramt.
Auf der "Forbidden Hollywood Collection Vol. 2" sind "The Divorcee" (1930), "A Free Soul" (1931), "Night Nurse" (1931), "Three on a match" (1932) und "Female" (1933), eine Dokumentation und zwei Audiokommentare zu finden. 
Ich bin noch nicht dazugekommen, alle Filme zu sehen.
"The Divorcee" und "A Free Soul" kenne ich bereits und werde ich bei Gelegenheit vorstellen, denn "A Free Soul" ist der Film, den ich meine Protagonisten in "Blutsuche" schauen lasse.
Seit ich Bette Davis' erste Autobiographie gelesen habe, hatte ich mir vorgenommen, "Three on a match" zu schauen.
Also habe ich den Kamin geschürt, mich mit Schlaftee aufs Sofa gemummelt, damit ich nach der Kramerei in der Kälte wieder warm werde, und gestern spätabends dann doch noch dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt.

"Three on a match" zählt zu den sogenannten Precode-Filmen. Das sind Filme, die vor der obligatorischen Durchsetzung des Production Codes ("Hays Code") entstanden. Diese Richtlinien, die die moralisch vertretbare Darstellung krimineller, sexueller und anderweitig moralisch bedenklicher Inhalte regeln, wurden zwar bereits 1930 eingeführt, dienten bis 1934 allerdings lediglich als freiwillige Selbstkontrolle.
In Stummfilmtagen und in den frühen Jahren des Tonfilms bis 1934 entstanden eine Reihe von Filmen, die während der Geltungsdauer des Hays Codes entweder stark zensiert oder gänzlich eingestampft wurden. Einige Filme verschwanden für lange Zeit in der Versenkung. (Für weiterführende Informationen zum Precode-Hollywood bemühe man bitte wikipedia
Turner Classic Movies hat nun vor ein paar Jahren eine Reihe dieser Filme wiederentdeckt und veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Box-Sammlungen, die neben einem Wiedersehen mit bekannten Stars auch interessante Extras, wie Dokumentationen oder Audiokommentare von Filmwissenschaftlern bieten.
In diesem Jahr ist allerdings noch keine neue Sammlung erschienen.
Schaut man diese Filme heute, mag man manches Mal nur müde lächeln angesichts der Moralvorstellungen.


Zu diesen Filmen gehört auch "Three on a match".
Der Titel spielt auf einen im ersten Weltkrieg entstandenen Aberglauben an, demzufolge der letzte von Dreien, die mit einem und demselben Streichholz ihre Zigaretten angezündet haben, sterben wird. 


Hauptfiguren des 1932 unter der Regie von Mervyn LeRoy (Produzent von "Der Zauberer von Oz") entstandenen Dramas sind: Mary Keaton (Joan Blondell), Vivian Kirkwood (Ann Dvorak) und Ruth Wescott (Bette Davis).
Die drei Protagonistinnen kannten sich bereits als Kinder.
In einer Rückblende werden die jungen Mädchen gezeigt und erzählt, was aus ihnen geworden ist:
Mary schwänzte lieber die Schule, um mit den Jungs zu rauchen, woraufhin sie ihre Zeit in einer Besserungsanstalt verbringen durfte. Als Erwachsene ist sie - Joan Blondell auf den Leib geschneidert - ein Showgirl.
Vivian, die Hochnäsige aus gut situiertem Hause, ging aufs Internat und ist schließlich mit Robert, einem nicht unvermögenden Anwalt verheiratet, mit dem sie einen Sohn hat.
Ruth, die Strebsame, war fleißig, absolvierte eine Ausbildung und ist nun als Stenographin beschäftigt.


Als Erwachsene begegnen sie sich nach ihren unterschiedlichen Wegen wieder, und als sie so gemeinsam im Kaffee sitzen und sich mit einem Streichholz ihre Zigaretten anzünden, ist Vivian als Letzte an der Reihe.


Auch wenn Bette Davis vielleicht die heute noch Bekannteste des Dreiergespanns ist, muss man klar sagen, dass ihre Rolle so winzig ist, dass man sich wundert, dass sie überhaupt als Hauptdarstellerin geführt wird.


Die Geschichte ist auf Vivian ausgerichtet.
Sie ist verwöhnt und gelangweilt, und weißt die amourösen Annäherungsversuche ihres Angetrauten Robert zurück.
Der Holde wird wohl in einem Moment der geistigen Umnachtung von einem wahnwitzigen Ideenblitz getroffen und schlägt ihr vor, sie solle sich doch eine Auszeit für sich selbst nehmen.
Welch grandiose Idee!
Vivian schnappt sich ihren Sohn und geht auf Europa-Kreuzfahrt, wo sie den Spieler Michael trifft, den ihr auch noch Freundin Mary vorgestellt hat.
Sie beginnt eine Affäre mit ihm und brennt letzten Endes mitsamt Sohn mit ihm durch.
In der Welt des notorischen Spielers wird Vivian drogenabhängig.
Dies wird zwar nicht explizit gezeigt, ist aber an ihrem Verhalten und kleinen Gesten anderer Charaktere erkennbar.
Mary, die sich um Vivians Sohn sorgt, informiert Robert schließlich, wo er ihn finden kann. Er holt sich seinen Sohn zurück und lässt sich scheiden. Während Vivian bei Michael bleibt und ihn ganz offensichtlich aushält, heiratet Robert Mary.
Aufgrund Michaels Spielsucht und ganz sicher auch Vivians Drogenkonsums sind ihre finanziellen Mittel bald erschöpft. Als Michael ein paar Gangstern die für damalige Verhältnisse enorme Summe von 2000 Dollar schuldet, versucht er Robert mit Marys Vergangenheit in der Besserungsanstalt zu erpressen.
Der Versuch schlägt fehlt, sodass Plan B in Kraft tritt.
Kurzerhand wird Vivians Sohn entführt und gemeinsam mit ihr als Geisel gehalten.
Ihr geht es zu diesem Zeitpunkt bereits sehr schlecht (die wunderschöne Ann Dvorak sieht in diesen Szenen einfach grauenhaft aus) und sie erkennt, dass ihr Leben im Grunde so oder so verwirkt ist. Um ihren Sohn zu retten, opfert sie sich selbst.


"Three on a match" hat jede Menge Elemente, die laut Production Code als unmoralisch anzusehen sind:
Zum einen ist da das Showgirl Mary, die sich keiner besonders damenhaften Vergangenheit rühmen kann.
In einer Szene nähert sich Robert seiner Ehefrau, die im Nachthemd im Bett liegt.
Auf den ersten Blick ist daran natürlich nichts Verwerfliches zu erkennen, aber damals galt es eben als unmoralisch bzw. sexueller Inhalt, wenn sich ein Ehemann seiner nur mit einem Nachthemd bekleideten Ehefrau näherte, um sie zu küssen (natürlich mit der Absicht, noch weiter zu gehen). Im Nachthemd sehen wir Ann Dvorak dann auch am Ende.
Ein nächstes Thema ist "Ehebruch", den Vivian ja zweifelsohne begeht und der schlussendlich in einer Scheidung mündet.
Der kriminelle Themenkreis wird mit Spiel- und Drogensucht, die in ein Gangstermilieu und zu Erpressung und Entführung und nicht zuletzt Selbstmord führen, abgedeckt.


Ergebnis ist ein sehr intensiver Film, in dem sich Ann Dvorak von ausdrucksloser Langeweile bis hin zu verzweifelter Abhängigkeit durch alle Facetten spielen darf. 
Die emotionale Gratwanderung zwischen der Liebe zu ihrem Sohn und der Abhängigkeit von dem Geliebten, die sie präsentiert, ist auch nach 78 Jahren erschreckend.
Während die Geschichte vergleichsweise harmlos startet und nicht anders anmutet als andere Filme der Dreißiger, was natürlich stark an Kostümen und Spielweise liegt, wird er später schon fast unerträglich nervenzerrend und überraschend brutal.


Humphry Bogart hat übrigens einen kleinen Auftritt als einer der brutalen Gangster.
Wer sich für alte Filme und Filmgeschichte interessiert und mal etwas abseits der bekannten Standards sehen will, dem sei dieser Film empfohlen.
Anstelle des Trailers habe ich Folgendes gefunden:

Kommentare:

Natira hat gesagt…

Das klingt in der Tat nach einem interessanten Film. Aber ich gebe zu, daß ich mir die Box dafür nicht extra kaufen würde. Aber wer weiß, vielleicht läuft dieser Film ja mal im TV..

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Lieber Himmel, eine ganze Box wegen eines Films wäre auch wirklich viel.
Ich habe auch gewartet, bis sie billiger waren. Auf Deutsch gibt es ihn nicht, aber die Chance ist groß, dass er bei TCM mal gesendet wird, sofern man da irgendwie rankommt. Auf youtube habe ich die Suche aufgegeben.

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