Samstag, 23. Oktober 2010

[Filmklassiker] Mildred Pierce (Solange ein Herz schlägt)

Ursprünglich wollte ich einen anderen Film vorstellen, musste dann aber feststellen, dass ausgerechnet dieser aufgrund Regalmangels in einer Kiste auf dem Dachboden schlummert, die ich in der wunderbaren Herbstkälte nicht durchsuchen wollte.
Wo wir von der Kälte sprechen ... Ich weiß zwar nicht, warum, aber bei solchem Wetter fühle ich mich immer vor den DVD-Player gelockt, und da ich gerade etwas buchstabenmüde bin, schaue ich also ein paar Filme noch einmal oder zum ersten Mal.

Herausgeholt habe ich folgenden Film, der, soweit ich mich erinnere, vor nicht allzu langer Zeit im Fernsehen lief:  


Vor einiger Zeit habe ich mir aus einer Laune heraus zwei Sammlungen mit Joan-Crawford-Filmen gekauft, unter anderem eben auch diesen.
 
"Mildred Pierce", so der Originaltitel, markiert das Ende von Joan Crawfords Hollywood-Durststrecke und erfolgreiches Comeback wie auch erneuten Imagewechsel. B
evor sie die Rolle der Mildred Pierce übernahm, hatte sie zwei Jahre mit Ausnahme eines kleinen Gastauftrittes überhaupt nicht in Filmen mitgearbeitet, weil ihr kein Material nach ihrem Geschmack, sondern eher Zweite-Wahl- bzw. Letzte-Wahl-Material angeboten wurde.
Dass der Weg zu dieser Charakterrolle durchaus steinig war, beschreibt sie in ihrer 1962 erschienenen Autobiographie "A Portrait of Joan".
 
Ausgangspunkt von "Mildred Pierce" ist ein (sehr typischer, unblutiger Film-Noir-)Mord bei Nacht, der Gipfel einer Lebensgeschichte, in der so Einiges schief gelaufen ist. 
In der Gegenwart werden zunächst eine Reihe von Personen ein- und zusammengeführt, die mehr oder weniger verdächtig sind, bis der Fokus auf die Ehefrau des Toten, die filmtitelgebende Mildred Pierce, fällt, die nun auf dem Polizeirevier ihre Lebensgeschichte erzählt. Dabei wird die für den Film Noir aber typische Voice-over-Erzählung eingesetzt, die heutzutage in diversen Serien doch ein wenig überstrapaziert wird. 
Diese Lebensgeschichte beginnt mit der Zerrüttung einer Familie.
Mildred Pierce ist Ehe- und Hausfrau und zweifache Mutter. Sie ist recht unzufrieden in ihrer Hausfrauenrolle, lebt aber für die Familie.
Als sie schließlich erfährt, dass ihr Mann sie betrügt, wirft sie ihn aus dem Haus und steht mit beiden Kindern alleine da.
Bereits als junges Mädchen ist die ältere Tochter, Veda, sehr materialistisch eingestellt, sodass Mildred, immerhin die Erwachsene, die überaus engagiert ist und sich für die Kinder abrackert (so sagt sie zu ihrem Mann, in ihrem Haushalt kämen die beiden Kinder vor allem anderen), regelrecht Angst hat, ihr zu sagen, dass sie tagsüber ihr Geld mit Kellnern verdient. Mit allen Mitteln versucht sie, es dem Mädchen, das nicht müde wird, der Mutter ihre einfache Herkunft vorzuwerfen, stets recht zu machen. 
Die Entscheidung, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, wird aus diesem Bemühen um die Gunst der eigenen Tochter geboren und treibt Mildred nach der Scheidung, obwohl sie sich zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau mausert, letzten Endes in die Arme des falschen Mannes.
Nachdem die jüngere Tochter, Kay, an Lungenentzündung stirbt, lebt Mildred nur noch für Veda und heiratet schlussendlich Monte Beregon, einen Schürzenjäger mit Rang und Namen, der auf größeren Füßen lebt, als ihm angewachsen sind, und Mildreds hart erarbeitetes Geld durch-, aber Veda (die von allem, das nach Fett stinkt, weg will) den erwünschten gesellschaftlichen Stand bringt.
Monte Beregon ist das Mordopfer und Mildred scheinbar unbelehrbar bereit, für diese Tat ins Gefängnis zu gehen.
 
Ungeachtet aller privaten Gerüchte um Joan Crawford, die von ihrer Adoptivtochter Christina losgetreten wurden und die Schauspielerin seither in einem sehr kontroversen Licht erscheinen lassen, sehe ich ihre Filme aus den 1930ern und 1940ern doch recht gern.
Besonders in "Mildred Pierce" ist sie wenig glamourös, kaum geschminkt und gibt sich sehr zurückhaltend. Während in ihren Filmen der frühen 1930er Jahre noch deutlich das Stummfilmerbe sehbar und die damals übliche übertriebene Diktion nicht überhörbar waren, bietet sie 1945 hier wohl eine ihrer natürlichsten Darstellungen, die zurecht mit einem Oscar belohnt wurde.
Wenn sie sagt, sie könne nicht einfach vergessen, dass Veda ihr Fleisch und Blut ist, auch wenn sie sich nicht so entwickelt hat, wie sie es sich bei ihrer Geburt erhofft hätte, nimmt man es ihr diese Liebe ab, obwohl man sie eigentlich rütteln möchte, weil sie lange Zeit nicht sieht, was für einen Menschen sie da großgezogen hat, und nicht in der Lage ist, auch einmal an sich zu denken.
Im Zusammenspiel mit Ann Blythe, die den selbstsüchtigen, gestörten Charakter der Veda verkörpert, verleiht sie der Figur die notwendige Würde und Glaubhaftigkeit.
Außerdem zu sehen sind unter anderem Jack Carson, den man sonst eher aus amüsanteren Parts kennt, als Unternehmer Wally Fay, Zachary Scott in einer seiner typischen Playboy-/Unsympathrollen und Eve Arden als Mildreds Freundin und Geschäftspartnerin Ida.

Obwohl der SW-Film ein paar Elemente hat, die mich unwillkürlich grinsen lassen (gemalte Hintergründe, die deutlich als solche erkennbar sind, Nahaufnahmen mit unvermeidlicher Antifalteneffektlinse und weicher Ausleuchtung, immense Schulterpolster, eine Mörderin, die nicht zielen kann und das Opfer sicherlich nicht mit einem Schuss ins Herz getötet hat ...) , ist er doch vor allem wegen der zerstörerischen Mutter-Tochter-Beziehung ein sehenswerter Klassiker.

Hier der Trailer:

Kommentare:

Natira hat gesagt…

So "Three on a match" ist auf dem Dachboden ;)

Ich kann mich nicht erinnern, daß ich "Solange ein Herz schlägt" schon einmal gesehen habe. Danke fürs Vorstellen!

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Ja, die junge Bette Davis friert sich auf dem Dachboden den ... ab.
Ich hole das nach.
Den Trailer habe ich noch ergänzt, denn der funzte gestern nicht.

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