Dienstag, 14. September 2010

... über "Self-Portrait" von Gene Tierney

Picture source: http://www.cmgww.com/stars/tierney/about/photos.htm
Nachdem ich "The Ghost and Mrs. Muir" vorgestellt habe, ist es mir ein Bedürfnis die Autobiografie der Lucy-Darstellerin Gene Tierney hinterherzuschieben.

Ich habe das Buch gebraucht erworben, und es hat leider keinen Schutzumschlag mehr, sodass ich hier keine Abbildung zeigen kann.

Zu meiner Schande stelle ich fest, dass ich noch nicht im Besitz von Rex Harrisons Büchern bin.
Obwohl er in Laurence Oliviers Autobiografie erwähnt wird, war es mir bislang entgangen, dass Rex Harrison ebenfalls eine Autobiografie verfasst hat.

Es ist mir bewusst, dass ich arg inkonsequent bin. An anderer Stelle habe ich gesagt, dass ich keine Schicksalsberichte lese, weil ich keine Tränen mehr erübrigen kann. Andererseits sind ja Autobiografien nichts anderes als Schicksalsberichte.

Auf jeden Fall ist Self-Portrait ein besonders aufreibender Schicksalsbericht.

Die 1920 geborene Aktrice galt als eine der schönsten Frauen Hollywoods und war Anfang der Vierziger bereits eine vielbeschäftigte junge Frau.
Spencer Tracy soll gesagt haben, die Kamera könne ihre Schönheit nur zum Teil einfangen.

"Laura" und "Todsünde" dürften wohl Tierneys bekannteste Filme sein.

Leider zählt sie zu den tragischsten Figuren Hollywoods.

Ihre Tragödie begann vermutlich nicht erst in der Hollywood Canteen, die 1942 von Bette Davis ins Leben gerufen worden war, um zur Zeit des Zweiten Weltkrieges den Soldaten etwas Ablenkung vom Geschehen zu bieten, indem hochkarätige Stars dort als Kellner usw. aushalfen.
Bereits zuvor stand ihre Ehe mit Oleg Cassini unter keinem guten Stern, denn sowohl Familie als auch Studio stellten sich dagegen. Außerdem bediente sich ihr Vater an ihren Einnahmen, um sein Geschäft zu retten (was ihm allerdings nicht gelang, sodass die junge Schauspielerin um ihr Vermögen gebracht war).

Zurück zur Hollywood Canteen:
Auch Gene Tierney, die konventionell erzogen worden war und unter der Fuchtel ihres Vaters gestanden hatte, wurde zur "Aushilfe" berufen und steckte sich bei dem einzigen Termin, den sie je dort wahrnahm, mit Röteln an. Ein weiblicher Fan hatte sich hereingeschmuggelt, nur um sie zu sehen.
Zu jenem Zeitpunkt war die Schauspieler allerdings schwanger. Sie erkrankte ebenfalls, wurde aber von den Ärzten versichert, es werde alles gut gehen.
Tochter Daria kam als Frühgeburt, taub und einseitig blind zur Welt und war entwicklungsverzögert.

Gene Tierney litt von da an mehr und mehr unter Depressionen, die vermutlich vielfältige Ursachen hatten: es mussten ausreichend finanzielle Mittel zur Pflege der kranken Tochter erarbeitet werden, ihr Ehemann gründete sein eigenes Geschäft, ein weiteres, gesundes Kind wurde geboren, Tierney sorgte für ihre Mutter, es folgte die Scheidung und, und, und. In den 50er Jahren wurde ihr Verhalten - auch für sie selbst - immer auffälliger, bis sie schließlich mit 34 zusammenbrach, stationär eingeliefert und einer Elektroschockbehandlung unterzogen wurde.
Sie verlor dadurch einen Teil ihrer Erinnerungen.
Später sprach sie sich gegen diese Therapieform aus.

Es folgten eine lange Hollywood-Abstinenz und ein weiterer Aufenthalt in einem Sanatorium. In der Traumfabrik konnte sie nicht mehr Fuß fassen, weil sie sich selbst nicht mehr in der Lage sah, Dreharbeiten à la Hollywood durchzustehen.
Sie zog es vor, ein ruhiges Leben an der Seite ihres zweiten Ehemannes zu verbringen.

Ihre 1978 bei Wyden Books erschienene Autobiografie ist ein sehr offener Lebensbericht, der nicht sich nicht auf eine oberflächliche Aufzählung verflossener Liebschaften beschränkt, sondern ehrlich von einer privaten Tragödie und einer Krankheit berichtet, die von vielen nicht einmal als Krankheit wahrgenommen und schlichtweg ignoriert wird.
Natürlich berichtet die Schauspielerin von ihren Begegnungen mit Howard Hughes, John F. Kennedy und Prinz Aly Khan, aber auch von den Dreharbeiten mit Humphrey Bogart usw.
Trotzdem steht Hollywood in dieser vergleichsweise wenig umfangreichen Autobiografie kaum im Vordergrund und bietet den Gefühlen einer Frau, die zwanzig Minuten auf dem Fensterbrett in einem der oberen Geschosse saß und sich selbst überzeugte, sie würde nicht springen, mehr Raum.

Gene Tierney berichtet in Zusammenarbeit mit Mickey Herskowitz von Unglück wie Liebe gleichermaßen, lässt aber einen traurigen Eindruck zurück.

Bei dieser Gelegenheit erinnerte ich mich an folgendes Buch, das ich nun endlich auf meine Wunschliste gesetzt habe. Das Vorwort stammt übrigens von Gene Tierneys zweiter Tochter, Christina Cassini.


Und hier wieder ein kleiner Ausschnitt aus "What's my line":

Kommentare:

Natira hat gesagt…

Eine sehr schöne Vorstellung der Autobiographie. Danke!

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Bitte!

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