Mittwoch, 8. September 2010

... über "The Million Dollar Mermaid" von Esther Williams

Vor nicht allzu langer Zeit fragte mich Alexandra, ob ich gerne Biografien oder Autobiografien lese, und wer hier hin und wieder einmal vorbeischaut, weiß, dass ich diese Antwort mit einem kräftigen "JA" beantworte.
Im Gespräch mit Sayuri fiel mir dann auf, dass ich schon lange keine Autobiografie mehr vorgestellt habe, obwohl ich mir das doch soooo fest vorgenommen hatte. 

Also habe ich in meinem Fundus gekramt und ein Buch herausgesucht, in dem es sich um ein Element dreht, das wir in letzter Zeit reichlich erleben durften: Wasser.

Und mit Wasser verbinde ich, wenn es um Hollywood und alte Filme geht, sofort Esther Williams.

Ich erinnere mich noch gut an die Filme, die ich damals als Kind mitschauen durfte, damals, als wir noch einen Schwarz-Weiß-Fernseher hatten und ich nicht wusste, dass es Technicolor gab.

1999 gesellte sich also auch Esther Williams zu den Hollywood-Größen, die ihre Memoiren an den Fan bringen, und veröffentlichte ihre Autobiografie: The Million Dollar Mermaid: An Autobiography (Harvest Book).  (Die Ausgabe, die ich gebraucht erstanden habe, hat übrigens ein anderes, wenn auch ähnliches Cover.)

Produktinformation
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Harcourt Brace & Co; Auflage: Harvest. (September 2000)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0156011352
ISBN-13: 978-0156011358
Größe und/oder Gewicht: 22,6 x 15 x 3,8 cm

Klappentext
Starring Esther Williams, the glamorous swimming star who, in films like Bathing Beauty, Easy to Love, and Million Dollar Mermaid, created a whole genre of movies and was MGM's top female box office star - ever!

Zum Buch

Ich muss direkt vorwegnehmen, dass "The Million Dollar Mermaid" nicht zu meinen Lieblingsautobiografien zählt, denn sie ist wohl die einzige in meinem Regal, die nicht nur Einblicke in das Hollywood-Studiosystem verschafft, sondern auch eine ganze Menge Klatsch und Tratsch verbreitet.
Über Esther Williams muss man eigentlich nicht viel erzählen, denn das Internet bietet zahlreiche Informationen.
Dass sie nicht zur Aktrice, sondern Sportlerin geboren wurde, dürften ihre ersten Leinwandschritte zeigen, dennoch ist sie eine (lebende) Legende, denn ihr verdanken wir das "Wassermusical" und damit eine Reihe von feucht-farbenfrohen Filmen, die zwar vergleichsweise seicht, aber sicher zeitlos unterhaltend sind und nicht zuletzt auch den Weg für das Synchronschwimmen geebnet haben dürften.
Genau diese Filme machen den - für mich - interessanten Part von Esther Williams Autobiografie aus.
Um diese Musicals zu realisieren, waren natürlich neue Techniken erforderlich, und ich empfand es nicht als langweilig, darüber zu lesen, dass extra dafür ein Schwimmbecken angelegt werden musste, wobei zusätzlich die Farbgebung beachtet werden musste, da eben bestimmte Farben mit s/w-Filmen nicht harmonierten bzw. mit der 3-Streifen-Technik nicht realisierbar waren. Drumherum gibt es noch mehr kleine Details, wie die Suche nach dem passenden Haargel etc., schließlich verbrachte Frau Williams die meiste Zeit des Drehtages im Wasser.
Diese Passagen sind darüber hinaus so authentisch erzählt, dass die zielstrebige, ja eiserne Persönlichkeit Esther Williams' lückenlos nachvollziehbar ist.
Andererseits muss man aber auch hin und wieder den Kopf schütteln ob der Gepflogenheiten Hollywoods der 1940er und 1950er Jahre.
Selbst wenn man sich bewusst ist, dass es sich um einen Job handelt, der, für damalige Verhältnisse, überdurchschnittlich bezahlt wurde, fragt man sich, unverblümt gesagt, was zum Teufel in den Köpfen der "Macher" vorgegangen sein muss, zum Teil das Leben der Darsteller zu gefährden. Die Entstehungsberichte zu den Filmen lesen sich zum Teil wie Versicherungsausschlüsse für Fun-Sport-Arten. Beispielsweise dachte man sich, man könne doch ein paar Wasserskieinlagen in den Film hineinpacken, und natürlich stand dann die Schwimmerin (!) Esther Williams selbst auf den Brettern. Einmal erlitt sie während Dreharbeiten eine Fehlgeburt, während sie wiederum für "Million Dollar Mermaid" mit einer Krone auf dem Kopf vom Turm ins Wasser springen musste und dabei nur um Haaresbreite einer Querschnittslähmung entging. Von den zahlreichen Trommelfellrupturen ganz zu schweigen.

Im Privatleben hatte Esther Williams ein weniger glückliches Händchen, wie die Autobiografie deutlich macht. Überhaupt war ihr Leben nicht das Zuckerschlecken, wie der goldene Badeanzug des Covers meiner Ausgabe wohl glauben machen könnte. 
Als sie MGM verließ, waren fünfzehn Jahre Einnahmen futsch, und trotz des Wechsels zu Universal begann ihr Stern am Hollywood-Himmel zu sinken, sodass sie bereits mit um die 40 kinotechnisch in Rente ging und sich von nun an der Badebekleidung widmete.
Die für mich weniger reizvollen Passagen betreffen den Hollywood-Tratsch, und ich kann wirklich nicht sagen, ob ich hier alte Ressentiments oder gar Demontageversuche herauslese oder ob diese Stellen schlichtweg der Verkaufsförderung dienen sollen.
Wenig gute Haare lässt sie an Johnny Weissmuller, Jeff Chandler, Joan Crawford oder Lana Turner.

Alles in allem kommt man als Fan alter Hollywood-Musicals an Esther Williams nicht vorbei, dabei sollte man aber ein gewisses Fell gegen Gossip aufgebaut haben, um die wirklich interessanten Fakten herausfiltern zu können.

Leider bekommt man diese alten Filme heutzutage und hierzulande nur noch selten zu sehen. Kein Wunder angesichts der Menge neuen Filmmaterials. Erfreulicherweise hat Turner Classic Movies inzwischen zwei DVD-Sammlungen mit Esther-Williams-Filmen herausgebracht. Noch erfreulicher ist es, dass diese sogar auf meinem stinknormalen DVD-Player laufen (natürlich garantiere ich nicht, dass das überall klappt!). Neben den Filmen bietet TCM wie üblich auch kleine Extras, wie eine Reportage und ein Interview mit Esther Williams und witzige Kurzfilmchen. 

Ich bin nun mal durch und durch nostalgisch, wenn es um Kino geht. 
Man möge mir das verzeihen. 

Abschließend erlaube ich mir, noch einen kleinen Auszug der Show "What's my line" einzustellen, wo Esther Williams häufiger zu Gast war:


Kommentare:

Natira hat gesagt…

Kannst Du das Buch mal bitte rüberbeamen ;)

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Beamen kann ich nicht, aber ausleihen würde ich es dir schon.

sayuri's exile hat gesagt…

Das ging ja schnell, liebe Sinje :)
Eine spannende Autobiographie, auch wenn ich ehrlicherweise zugeben muss, dass ich noch nicht einen einzigen Film mit Esther Williams (bewusst) gesehen habe.
Wirklich schockierend, was damals bei den Dreharbeiten alles passieren konnte...
Den Ausschnitt von "What's my line" fand ich sehr amüsant - wenn mir das nächste Mal ein Esther Williams-Film oder aber das Buch über den Weg läuft, werde ich ihn (bzw. es) mir schnappen :)
Danke & lg von Sayuri

Sinje Blumenstein hat gesagt…

Ich glaube, es ist nicht so ungewöhnlich, dass man die Filme nicht kennt. Die alten Sachen kommen ja kaum noch (selbst "Ist das Leben nicht schön", der Weihnachtsklassiker, wird im Nachtprogramm gesendet, wo kein Mensch mit normalem Tagesablauf und ohne Aufzeichnungsgerät noch fernsieht ;-))
Die Wasserballettgeschichten sind zwar nicht besonders anspruchsvoll, aber manchmal braucht man auch was Seichtes, und ich mag halt alte Filme, das hab ich von meinem Papa geerbt ...

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