Sonntag, 19. September 2010

... über "Die Schattenritter: Leidenschaft der Nacht" von Kathryn Smith

Kathryn Smith

Die Schattenritter
Leidenschaft der Nacht

Dreißig Jahre voller vampirischer Missverständnisse, aber die wahre Liebe übersteht auch diese und kann dabei ebenso unterhaltsam wie ziellos sein. 


Produktinformation
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: Droemer Knaur (9. Februar 2010)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Sabine Schilasky
ISBN-10: 3426505290
ISBN-13: 978-3426505298
Originaltitel: Let the Night Begin
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 2,6 cm

Inhalt (lt. Klappentext)

Für immer! Diese Worte hatte der Schattenritter Reign im Kopf, als er Olivia in ihrer Hochzeitsnacht zum Vampir machte. Er hätte niemals gedacht, dass Olivia ihn abweisen könnte, doch sie floh damals voller Panik. Dreißig Jahre später ist Olivia immer noch entschlossen, Reign nie wiederzusehen - bis ihr das Schicksal keine Wahl mehr lässt. Sie braucht seine Hilfe, um ihren entführten Neffen zu finden. Aber Reign hat eine Bedingung: Er will, dass Olivia sich ihm wieder hingibt ...

Meine Meinung

Einen besonderen Pluspunkt für mich bietet Kathryn Smith, da sie in jedem Teil der Reihe, die nun mit dem nächsten Band leider zu Ende geht, eine neue "Pärchenkonstellation" erschafft und unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen lässt.
Positiv fällt dabei auf - und ich wiederhole mich - dass der weibliche Part nicht schwach daherkommt und eben nicht dringend nach einer starken Schulter lechzt.
Die weiblichen Charaktere dürfen bei Kathryn Smith weiblich sein und sich einem vampirischen Gefährten hingeben, werden aber zum Ende hin weder untergebuttert noch Heimchen am Herd.

Nach zwei menschlichen und einer dampirischen Protagonistin ist die Hauptdarstellerin in "Leidenschaft der Nacht" bereits ein Vampir.
Olivia ist die Ehefrau von Reign, der uns namentlich als einer der Schattenritter bekannt ist. Überdies gehört ihm das Bordell, das Schauplatz der Ereignisse von "Die Schattenritter: Salon der Lüste", die sich parallel zur Handlung dieses Bandes abspielen.
Als Olivia Reign kennenlernte, war sie noch ein Mensch.
Obwohl der Vampir die junge Witwe, die ihn mit ungekünsteltem Verhalten und erstaunlich wenig damenhafter Trinkfestigkeit beeindruckte, recht bald reinen Wein einschenkte, stand die Frage einer Wandlung nicht im Raum. Trotzdem nahm Reign Olivia die Entscheidung ab und verwandelte sie in der Hochzeitsnacht.
Dreißig Jahre später lebt sie zurückgezogen und hegt ebenso großen Groll auf den Ehemann, wie sie ihn vergessen möchte. Dass ihr das aber so gar nicht gelingt, zeigt sich daran, dass sie sich an jungen Männern bedient, die ihm ähnlich sehen.
Daneben versucht sie gleichzeitig, ein möglichst "normales" Leben zu bestreiten, denn sie sorgt nach dem Tod ihrer Schwester für deren Sohn James.
Dieser Neffe wird nun eines Tages entführt, und als Lösegeld soll Reign herhalten.
Also begibt Olivia sich zu dem Mann, der noch immer ihr Ehemann ist, und überzeugt ihn, ihr zu helfen.
Es beginnt eine Zeit, in der die beiden sich gegenseitig das Leben schwer machen (beide ernähren sich von Personen, die ihnen ähnlich sehen, und das auch noch vor den Augen des jeweils anderen; beide spielen nicht mit offenen Karten ...), um einander herumtänzeln (wir waren länger getrennt, als wir ein Paar waren), aber auch nicht die Finger voneinander lassen können (der Vampir ist offenbar in der Lage, die weibliche Libido schon mit Worten zum Glühen zu bringen). 

"Leidenschaft der Nacht" steht zu meinem Bedauern unverkennbar unter dem Motto "Sex sells", was das eigentliche Problem der Geschichte und Auflösung stark in den Hintergrund treten lässt. 
So habe ich beispielsweise die "zarte" Annäherung des Paares vermisst.
Nun mag man einräumen, dass dieses Paars bereits über diese Phase hinaus war, dennoch verschloß es sich mir auch nach gegenseitiger Aufopferung und Rettung, was denn diese Beziehung neben den ansprechend beschriebenen Intimitäten so besonders machte.
Vermisst habe ich außerdem das Knistern und die Dynamik der Vorgängerbände und das Gefühl, in die Geschichte eingesaugt zu werden.  
Die Intrige war, wie erwartet, vorhersehbar und wurde im üblichen Stil gelöst, dennoch geschah das vergleichsweise gerafft und holprig.

Trotzdem ist es der Autorin gelungen, wieder zur Grundgeschichte der Reihe zurückzufinden. Erfreulicherweise walzt sie nicht noch einmal die gesamte Vampirwerdung aus, sondern beschränkt sich auf eine kurze Zusammenfassung, was den Leser, der die Reihe Band für Band verfolgt, freuen wird. Für einen Leser, der diesen Teil ohne Vorkenntnisse liest, sind die Informationen vielleicht nicht ausreichend, wenn er wirklich darauf Wert legt. Betrachtet man den Vampir ohne Vorgeschichte und lässt ihn eben einfach Vampir sein, mit all seinen klassischen Stärken und Schwächen, dann kann man "Leidenschaft der Nacht" problemlos als Stand-alone-Geschichte lesen.  
 
Daneben werden neue Personen eingeführt, für die man sich unter Umständen eine eigene Geschichte vorstellen kann.
 
Sprachlich knüpft der Roman an die Vorgänger an, pflegt zwar bewusst keine antiquierte Sprache, ist aber doch hin und wieder von alten Adverbien durchzogen, die neben den obligatorischen Pferden und Halbkorsetts dazu beitragen, dass man nicht vergisst, dass Roman Ende des 19. Jh.s. spielt.
 
Verwirrend sind für mich einmal mehr das Cover und der Titel, denn ich habe angesichts der vielen Titel am Markt, in denen sich "Leidenschaft" und "Nacht" tummeln, Schwierigkeiten mir die Titel und die Reihenfolge zu merken, ein Phänomen, das die vom Motiv her ähnlich und mit identischer Autorennamen- und Titelposition gestalteten Cover noch unterstützen.
 
Insgesamt sehe ich "Leidenschaft der Nacht" als Zwischenschritt und Vorbereitung auf das Finale. Es ist nur noch ein Schattenritter übrig, der uns durch die übrigen Teile begleitet hat, aber nie persönlich in Erscheinung trat, da er, wie wir wissen, in der Hand des Silberhandordens ist. Alle Paare bereiten sich auf die Italienreise vor.
 
Fazit
 
Unspektakulärer Übergangsband, der zwar das Gesamtbild weiter rundet, aber im Wesentlichen eher Liebhabern zahlreicher, aber nicht ausufernder oder derber erotischer Szenen gefallen dürfte, ansonsten aber keinen besonderen Eindruck hinterlässt. 
 
Gesamteindruck:
 
3 von 5 Weißdornzweigen

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